Nazi-Verdacht bei den Wikingertagen

Was geht im Mittelalter?

Nazi-Verdacht bei den Wikingertagen

Beitragvon Norbert von Thule » 09.08.2016, 16:29

Heute in den Schleswiger Nachrichten:
Ove Jensen hat geschrieben:Bild

Schleswig : Nazi-Verdacht bei den Wikingertagen

Achtspeichiges Hakenkreuz auf einem Schild bei den Kampf-Vorführungen sorgt für Wirbel / Veranstalter sprechen von "unglücklicher Motivwahl"
     
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Die Schaukämpfe in der Arena am Luisenbad gehören in jedem Jahr zu den Höhepunkten der Wikingertage. Der mit einem roten Kreis markierte Kämpfer trug den Schild, der nun Kritik auf sich zieht. (Beweisfoto: Ove Jensen)

Im Getümmel bei den Kampf-Vorführungen auf den Wikingertagen fiel es den meisten Besuchern gar nicht weiter auf: Einer der Schaukämpfer trug einen Schild, dessen Bemalung zumindest für Missverständnisse sorgen kann. Es zeigt ein slawisches Sonnensymbol – ein achtspeichiges Hakenkreuz, das so oder ähnlich auch von Angehörigen der Neonazi-Szene verwendet wird. Wikingertage-Veranstalter Stephan Vollbehr erhielt deshalb gestern bereits Anfragen von überregionalen Medien.
Wikinger und Neonazis – das ist ein sensibles Thema. Schließlich instrumentalisierte schon das NS-Regime die Wikinger und die Geschichte Haithabus unter dem Stichwort „Ahnenerbe“ im Sinne ihrer Rassen-Ideologie. Vor rund 15 Jahren versuchten Neonazis mehrmals, mit massiver Präsenz auf den Wikingertagen das Volksfest für sich zu vereinnahmen. „Dagegen sind wir konsequent vorgegangen“, sagt Vollbehr. Es wurden Platzverweise verhängt. Teilweise fing die Polizei die Rechtsradikalen direkt am Bahnhof ab.
Nicht erst seit diesen Vorfällen sind Vollbehr und sein Geschäftspartner Kaj-Uwe Dammann wachsam. „Wir distanzieren uns extrem von allem, was rechtsradikal angehaucht ist“, betonen sie. Im Nachhinein gibt Vollbehr jedoch zu, dass die Motiv-Wahl auf dem umstrittenen Schild „unglücklich“ gewesen sei – auch weil die Farbwahl Schwarz-Weiß-Rot die Wirkung noch verstärkt habe. Schließlich sind dies nicht nur die Farben des Deutschen Reiches, sondern auch die Farben, in denen die Nazis ihre Hakenkreuze zeigten.
Einer der ersten, denen dies auffiel, war der Holmer Fischer Jörg Nadler. Auch er macht auf die Farben des Deutschen Reiches aufmerksam. „Die bloße Verwendung dieses Symbols würde ich ohne die Farbwahl vielleicht noch als instinktlos und dumm bezeichnen“, meint er. Nadler, der sich intensiv mit historischer Fischerei beschäftigt und sich in der Wikingerszene auskennt, sagt, er habe dieses Symbol in den vergangenen Jahren immer wieder auf wikingerzeitlichen Veranstaltungen und im „rechtsextremen Teil der neuheidnischen Szene“ beobachtet.
Darauf angesprochen, begann Vollbehr zu recherchieren. Er stieß auf eine Internet-Seite slava-slavia.de, die sich mit slawischer Kultur befasst. Dort wird das „Kolovrat“*, wie das achtspeichige Hakenkreuz auch heißt, als Zeichen für Stärke und Macht vorgestellt – versehen mit dem Hinweis: „Leider wird dieses Symbol von einigen Rassisten für ihre ideologischen Zwecke missbraucht.“
Wer ist der Mann, der mit diesem Symbol in die Kampfarena der Wikingertage spazierte? Während der Vorführungen trug er einen Helm, der sein Gesicht verdeckte. Weder Henry Gau, der Leiter der Kampfspiele, noch Stefan Lösch, der Moderator und Chef des Wikingerdorfes, können ihn identifizieren.
„Ich kenne nicht jeden der Schaukämpfer persönlich. Ich weiß nicht, wer diesen Schild getragen hat“, sagt Lösch, deshalb könne er nicht für alle seine Hand ins Feuer legen. Das slawische Sonnenrad habe er bislang nicht gekannt. Er wirbt dafür, das Symbol auf harmlose Weise zu interpretieren. „Die Wikinger waren keine Rasse, sondern eine Kulturgemeinschaft. Auch Slawen konnten sich ihnen anschließen, und sie konnten ihre eigenen Schilde mitbringen.“ Die Darsteller auf den Wikingertagen, die er persönlich kenne, seien „sehr weltoffen und politisch eher grün und naturverbunden“, betont er.


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* Slava-Slavia:

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Veranstalter Stephan Vollbehr mit politisch korrektem Schild
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Re: Nazi-Verdacht bei den Wikingertagen

Beitragvon AltF4 » 10.08.2016, 04:40

Tja und hier haben wir es wieder "nix genaues weiß man nicht":  War es jemand, der a) darin einfach kein Hakenkreuz erkannt hat, oder aber jemand, der sich b) sagte, "Überlass den Nazis keine Symbole, die vor ihnen da waren", oder halt jemand, der  C) einfach mal schauen wollte, wie dreist man sein darf.  Dem Larp-mäßigen Helm würde ich am ahesten dem Fall C zuneigen,
aber Gewissheit wäre erst mit Auffinden jener Person und deren Stellungnahme gegeben.  Leider habe ich aber auch schon erleben müssen, dass sich bei Events inmitten von Ritterscharen (nicht bei euch) abfällig über "Mohren" und "Sarazene" hergezogen wurde.  Gott sei Dank war das aber bisher die Ausnahme.
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Re: Nazi-Verdacht bei den Wikingertagen

Beitragvon Montrose » 10.08.2016, 12:23

Ich kann hier kein Hakenkreuz erkennen. Beim Hakenkreuz gehen die Zacken in die andere Richtung. Ein Hakenkreuz hat 4 und nicht 8 Speichen. Und anscheinend gibt es eine eindeutige Zuordnung dieses Symbols zu einem ganz anderen Kontext.

An eurer Stelle würde ich ganz genau aufpasen, daß ihr beim Räkeln, beim Ballspiel oder beim Öffnen eines hochgelegenen Küchenschrankes nicht den rechten Arm zu weit ausstreckt. Denn dies könnte alles als verfasungsfeindliche Geste gedeutet werden. Und bitte, schreibt "daß" niemals mit mit einem Doppel-s. Denn das Doppel-s erinnert an eine verfasungsfeindliche Organisation.
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Re: Nazi-Verdacht bei den Wikingertagen

Beitragvon Norbert von Thule » 10.08.2016, 14:03

Heute in den Schleswiger Nachrichten:
Ove Jensen hat geschrieben:
Hakenkreuz-Schild bei Wikingertagen - Blödheit oder Provokation?

Die Wikinger-Szene diskutiert über ein fragwürdiges Symbol in Schleswig. Schaukämpfer fühlen sich ungerecht behandelt.
     
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Die Schaukämpfe in der Arena am Luisenbad gehören in jedem Jahr zu den Höhepunkten der Wikingertage. Der mit einem roten Kreis markierte Kämpfer trug den Schild, der nun Kritik auf sich zieht. (Foto: Ove Jensen)

Die Debatte um das achtspeichige Hakenkreuz (Kolovrat), das ein Schaukämpfer bei den Wikingertagen auf seinem Schild trug, hat die Wikinger-Szene in Aufregung versetzt. Dabei gehen die Ansichten weit auseinander. Insbesondere einige Darsteller, die in der Arena Seite an Seite mit dem Mann kämpften, der das fragwürdige Symbol zur Schau trug, fühlen sich zu Unrecht in die politisch rechte Ecke gerückt.

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An diesem achtspeichigen Hakenkreuz (Kolovrat) spalten sich die Geister. Jan Breede in der „Thorsschmiede“ mit einem slawischen Kinder-Umhang aus seinem Sortiment. (Fotos: Ove Jensen)

Zum Beispiel Arnd Graba aus Kiel, der auf Fotos nur wenige Meter entfernt von dem umstrittenen Kämpfer zu sehen ist. Dabei richtet sich sein Zorn weniger auf den Mann mit dem Kolovrat, der seiner Ansicht nach einfach eine historische Bemalung gewählt habe, sondern dagegen, dass das Thema nun öffentlich debattiert wird. „Wir haben schon genug Ärger damit, dass manche Menschen unser Hobby seltsam finden“, klagt Graba. „Dabei bin ich selbst schon auf Anti-Rechts-Demos mit Neonazis aneinandergeraten.“ Er erinnert daran, dass es die Darsteller selbst waren, die entschieden einschritten, als vor gut einem Jahrzehnt rechtsradikale Besucher versuchten, die Wikingertage zu vereinnahmen.
Grabas Schild stammt von Jan Breede aus der „Thorsschmiede“, dem Geschäft für historische Requisiten innerhalb der Buchhandlung Liesegang. Er glaubt nicht, dass der Mann mit dem Schild eine rechtsradikale Botschaft transportieren wollte. Auch in der Wahl der Farben Schwarz, Weiß und Rot sieht er keine Anspielung auf die Farben des Deutschen Reichs und des NS-Regimes. „Das sind slawische Farben“, sagt er und zeigt ein Kindergewand in denselben Tönen, das er in seinem Sortiment hat. Breede kann lange referieren über die Bedeutung historischer Symbole und darüber, dass Zeichen wie das Hakenkreuz in den unterschiedlichsten Kulturkreisen verbreitet waren, bevor die Nazis es für sich entdeckten.
Und er erzählt vom Hauptfeldwebel-Rangabzeichen der Bundeswehr, das der verbotenen und von den Nazis verwendeten Odal-Rune sehr ähnlich sieht. „Darüber redet niemand“, sagt Breede – und deshalb, findet er, solle man auch dem Kolovrat auf den Wikingertagen keine große Bedeutung beimessen. In seinem eigenen Shop würde er Artikel mit diesem Symbol indes nicht anbieten, sagt er. Die Gefahr, Missverständnisse auszulösen, sei zu groß. Dass einer der Schaukämpfer auf den Wikingertagen es auf seinem Schild trug, wertet er als „Blödheit“ ohne Hintergedanken.

Oder eine raffinierte Platzierung?

Das sehen indes nicht alle Experten so. Karl Banghard, der Leiter des Archäologischen Freilichtmuseums Oerlinghausen bei Bielefeld, hat kürzlich eine Broschüre mit dem Titel „Nazis im Wolfspelz“* veröffentlicht, in der er sich mit versteckten Symbolen auseinandersetzt, die Mitglieder der rechten Szene auf Mittelaltermärkten und ähnlichen Veranstaltungen zur Schau tragen. Das Kolovrat zähle „nicht zu den krassesten Symbolen“ der rechten Szene, sondern bewege sich in einer Grauzone. Besonders bei Rechtsradikalen in Osteuropa sei dieses slawische Sonnenrad beliebt. Banghard geht deshalb von einer gezielten Provokation aus: „Man sieht hier, wie raffiniert es läuft, wenn solche Symbole platziert werden sollen.“ Torsten Nagel vom Beratungsnetzwerk gegen Rechtsradikalismus in Schleswig-Holstein gibt zu, dass ihm das Symbol auf den ersten Blick möglicherweise auch nicht aufgefallen wäre.
Der Mann, der mit dem umstrittenen Schild kämpfte, ist nach wie vor nicht identifiziert. Auf Fotos ist er nicht zu erkennen, weil sein Helm das Gesicht verdeckt. Immer wieder stoßen neue Teilnehmer zu den Kämpfern auf den Wikingertagen. „Die Szene ist groß, die Leute kommen aus dem ganzen Bundesgebiet“, sagt Arnd Graba.


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Sebastian Lipp hat geschrieben:
Nazis im Wolfspelz

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Achtspeichiges Hakenkreuz auf Titel der „Schleswiger Nachrichten“ (5. Schild von Links)

Eine Lokalzeitung berichtet über die „Schleswiger Wikingertage“ – und sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, ein Hakenkreuz auf der Titelseite abzubilden.
Die alljährlichen „Schleswiger Wikingertage“ bieten Gaukler- und Feuershows, Bogenturnier, Wikingerschiffe und ein Irish Folk Rock Festival. Das laut Veranstalter in „Sichtweite von Haithabu, vor 1.000 Jahren die wichtigste Wikingersiedlung Nordeuropas“ errichtete Wikingerdorf verfügt über eine „Kampfarena“, in der mehrmals täglich Wikingerschaukämpfe statt finden. Damit zog man in diesem Jahr etwa 25.000 Besucher zur wohl größten derartigen Veranstaltung Deutschlands nach Schleswig. Über die Schaukämpfe schreiben die „Schleswiger Nachrichten“: „wie immer warfen sich die geschlagenen Nordmänner dort spektakulär in den Sand – wie immer war der Auslöser für ihre Kämpfe der Streit um einen Teddybär – wie immer moderierte Carsten ‚Carl‘ Lösch das Spektakel mit viel Fachwissen und Humor.“
Nun ist offenbar weder „Carl“ noch der Zeitung aufgefallen, dass einer der „geschlagenen Nordmänner“ ein Schild mit einem Kolovrat, einer Hakenkreuz-Abwandlung mit acht Haken in schwarz-weiß-rot trägt. Auf der Titelseite der „Schleswiger Rundschau“ vom 1.8. ist das Schild auf dem Aufmacher-Foto zu sehen. Die „Schleswiger Nachrichten“ reagieren auf den Hinweis des Antifaschistische Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin via Twitter: „Hakenkreuze haben vier Arme, die in die andere Richtung drehen.” „So etwas“, sagt Karl Banghard, „gab es natürlich im Frühmittelalter nicht.“ Für ihn ist spätestens durch die Farbwahl ein politisches Bekenntnis eindeutig zu erkennen. Banghard ist Mitarbeiter des Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen und Autor der von dieser kürzlich herausgegebenen Broschüre „Germanen und der rechte Rand – Nazis im Wolfspelz“.

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Verwendung des achtspeichigen Hakenkreuzes auf Mittelalterfest (aus: „Nazis im Wolfspelz”. Die erste Auflage von „Nazis im Wolfspelz“ ist bereits vergriffen, eine Zweite hängt davon ab, ob das Familienministerium Nordrhein-Westfalen die nötige Förderung bewilligt.)


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Slavic-Pride-T-Shirt (-> Bezugsquelle)

P.S.:

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Re: Nazi-Verdacht bei den Wikingertagen

Beitragvon Montrose » 10.08.2016, 21:32

Dieser Karl Banghard ist in der zur Frage stehenden Angelegenheit kein Experte. Er hat Frühgeschichte studiert, aber das Problem ist der Gegenwartsgeschichte zuzuordnen. Ebenso frage ich mich, wie er in seinem Buch "Nazis im Wolfspelz" beweisen kann, dass die Zeichen tatsächlich auf dem Hintergrund einer Nazi-Ideologie getragen werden, oder vielleicht doch nur aus Spielerei. Vermutet er die Nazi-Ideologie nur und spinnt sich irgendetwas zusammen, oder hat er die Leute befragt?

Umgekehrt wird ein Schuh draus.  Bloß weil einige Rechtsradikale diese Symbole mißbrauchen, kann man daraus nicht schließen, dass alle Personen, welche diese Symbole tragen, Rechtsradikale sind. Wie kommt dieser Mann dazu, möglicherweise harmlosen Bürger so eine Sache zu unterstellen?

Prinzipiell mag ich "Saubermänner", die eine ganze Personengruppe verunglimpfen, nicht besonders.(1) Bei den Gothics gab es auch etliche Probleme, weil Psychiater und Psychotherapeuten Leute, welche diese Musik und Kultur mögen, pauschal in die Bekloppten-Ecke stellen wollten. Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda im III. Reich Joseph Goebbels erklärte bestimmte Arten von Kultur für entartet. Was machen die heutigen "Saubermänner" anders?

So ein Schild zu tragen ist weder Blödheit noch Provokation. Sondern es repräsentiert das Recht auf künstlerische Freiheit.

(1)Jetzt bin ich etwas scheinheilig. Natürlich mag ich bestimmte Personengruppen auch nicht. Solche, die Gangsta-Rap gut finden und damit Mord, Drogenkonsum und andere Formen der Kriminalität verherrlichen. Komisch, dass noch niemand gegen diese Leute protestiert hat.
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Re: Nazi-Verdacht bei den Wikingertagen

Beitragvon Norbert von Thule » 13.10.2017, 12:44

Im Flensburger Tagblatt vom 11.10.2017

Alf Clasen hat geschrieben:
Auslöser bei Schleswig Wikingertagen

Rechtsextreme und der Wikingerkult: Hakenkreuz-Schild war kein Einzelfall

Experten diskutieren, warum Feste wie die Schleswiger Wikingertage immer wieder Rechtsextreme anlocken.

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Naivität oder politische Botschaft? Bei den Wikingertagen 2016 trägt der Schaukämpfer in der Bildmitte einen Schild mit achtspeichigem Hakenkreuz. Das Foto sorgte für Furore. (Foto: Ove Jensen)

Ein Schaukämpfer mit einem achtspeichigen Hakenkreuz auf seinem Schild hatte die Schleswiger Wikingertage im vergangenen Jahr in Verruf gebracht. Das slawische Sonnensymbol wird auch von Angehörigen der Neonazi-Szene verwendet. „Leider ist das kein Einzelfall“, sagt Torsten Nagel vom Regionalen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus der Arbeiterwohlfahrt (Awo) aus Flensburg. Egal ob Rituale, Runen, Kleidung oder Musik – Wikingermotive und -mythen dienten Rechtsextremen als Fundamente der Identitätsbildung. Die Awo hat den Vorfall bei den Wikingertagen zum Anlass genommen, in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Landesamt und dem Landesbeauftragten für politische Bildung eine Fachtagung zu veranstalten. Zwei Tage lang diskutierten rund 100 Teilnehmer mit 20 Referenten in der Akademie Sankelmark unter dem Titel „Odin mit uns!“ über Wikingerkult und Rechtsextremismus.

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Die Schaukämpfe in der Arena am Luisenbad gehören in jedem Jahr zu den Höhepunkten der Wikingertage. Der mit einem roten Kreis markierte Kämpfer trug den Schild, der nun Kritik auf sich zieht. (Foto: Ove Jensen)

Nun seien sogenannte Reenactment-Gruppen, die geschichtliche Ereignisse nachstellen, meist nicht das Problem an sich, erklärt der Sozialpädagoge und Rechtsextremismus-Experte Jan Raabe zum Abschluss der Tagung. Vielfach sei einfach nur Naivität im Spiel. Aber solche Gruppen zögen ein entsprechendes Publikum an. „Auch bei den diesjährigen Wikingertagen haben wir viele Rechtsextreme gesehen“, ergänzt Nagel und verweist auf Besucher in Thor-Steinar-Kleidung oder mit entsprechenden Tätowierungen. So würden zum Beispiel sogenannte Schwarze Sonnen, die nicht verboten sind, von Rechtsextremen als Ersatzsymbole getragen.
Raabe hat zu Volksfesten wie den Wikingertagen eine zwiespältige Haltung. Einerseits sei offenkundig, dass vieles jenseits der historischen Authentizität inszeniert sei. „Ich finde Wikinger mit Hörnern fast schon sympathisch“, sagt er. Aber dann sei er erschrocken gewesen, als er über das Gelände gegangen sei und unvermittelt auf eine sogenannte Irminsul gestoßen sei. Dieses Symbol geht zwar auf ein frühmittelalterliches Heiligtum der Germanen zurück, spielte dann aber bei neuheidnischen Gruppen innerhalb des Nationalsozialismus eine wichtige Rolle und findet heute bei Neonazis Verwendung. Raabe: „Da wünsche ich mir mehr Sensibilität und Erklärung.“
Ulf Ickerodt, stellvertretender Leiter des Archäologischen Landesamtes in Schleswig, ist sich bewusst, dass die Wikinger „ein schönes Tourismuslabel“ für die Region Schleswig darstellten. Umso wichtiger sei es jedoch, ein Qualitätsmanagement zu entwickeln, um auch den Darstellern der Wikingertage deutlich machen zu können, auf welche Symbole man lieber verzichtet.

Auch wenn es sich bei dem jährlich stattfindenden Volksfest um eine kommerzielle Veranstaltung handele, müsse man sich möglicher Auswirkungen bewusst sein. Schließlich wolle das benachbarte Haithabu am gegenüberliegenden Ufer der Schlei Weltkulturerbe werden. „Deswegen dürfen wir die Marke Wikinger nicht beschädigen“, so Ickerodt.
Das ist ganz im Sinne von Ute Drews, der Leiterin des Haithabu-Museums, die zu den Referenten der Sankelmarker Tagung zählte. „Es ist wichtig, über die Symbolik aufzuklären“, betont sie. Das entsprechende Bewusstsein zu schaffen, das ist auch das Ziel von Torsten Nagel. Er stellt zugleich klar: „Ich will Schleswig nicht die Wikingertage wegnehmen.“ Aber wichtig sei eine Beratung über die Hintergründe. Und deswegen wolle er die beiden Veranstalter der Wikingertage, die urlaubsbedingt nicht an der Fachtagung hätten teilnehmen können, kontaktieren und ihnen über die Ergebnisse berichten. Und auch den Leiter des Schleswiger Stadtmarketings wolle er mit ins Boot holen. Schließlich gilt der als einer der Väter des Labels „Wikingerstadt Schleswig“.
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Re: Nazi-Verdacht bei den Wikingertagen

Beitragvon Norbert von Thule » 13.10.2017, 13:19

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