Island baut einen Tempel für nordische Götter

Was geht im Mittelalter?
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Norbert von Thule
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Island baut einen Tempel für nordische Götter

Beitrag von Norbert von Thule » 03.02.2015, 14:52

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Hohepriester Hilmar Orn Hilmarsson mit Gemeinde

Gestern überall im Web:
Der [url=http://www.theguardian.com/world/2015/feb/02/iceland-temple-norse-gods-1000-years]Guardian[/url] hat geschrieben:
Die Isländer habe in Kürze die Möglichkeit, Thor*, Odin* und Frigga* öffentlich an einem Schrein anzubeten, noch in diesem Monat beginnt auf der Insel der Bau des ersten großen Tempels der nordischen Götter seit der Wikingerzeit.
Die Verehrung der Götter in Skandinavien ist vor rund 1000 Jahren dem Christentum gewichen, dafür hatt eine moderne Version des nordischen Paganismus in Island an Popularität gewonnen.
“Ich denke, heute glaubt niemand mehr an einen einäugigen Gott, der auf einem achtbeinigen Pferd reitet,” erklärt Hilmar Orn Hilmarsson, Hohepriester der ÁsatrÁºarfÁ©lagiÁ°, ein Verein, der den Glauben an nordische Götter fördert.
"Wir sehen die Geschichten als poetische Metaphern und eine Manifestation der Naturkräfte und der menschlichen Psychologie."
Die Mitgliedschaft in ÁsatrÁºarfÁ©lagiÁ° hat in Island in den letzten zehn Jahren verdreifacht, im vergangenen Jahr auf 2.400 Mitglieder bei einer Gesamtbevölkerung von 330.000, wie Erhebungen von Statistics Iceland zeigen.
Der Tempel wird kreisförmig sein und 4 Meter (13ft) durchmessen, reingegraben in einen Hügel über der isländischen Hauptstadt Reykjavik, mit einer Glaskuppel an der Oberfläche, um das Sonnenlicht reinzulassen.
"Die Sonne wechselt mit den Jahreszeiten und so wird auf eine gewisse Weise die Sonne den Raum für uns malen," erklärt Hilmarsson.
Im Tempel sollen Zeremonien wie Hochzeiten und Beerdigungen stattfinden. Die Gruppe will dort auch Kinder taufen und Jugendliche initiieren, ähnlich anderen Religionsgemeinschaften.
Islands Neuheiden feiern noch das Blutopferrituale mit Musik, Lesungen, Essen und Trinken, aber heutzutage wird auf die Tierschlachtungen verzichtet.
_____
* normal wären es vier.

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Die Tempelpläne

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william vom donnerberg
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Re: Island baut einen Tempel für nordische Götter

Beitrag von william vom donnerberg » 04.02.2015, 18:38

Jo, auf Kellenberg ist auch noch Platz für einen Brigida oder Epona Tempel ;-))
William vom Donnerberg
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Norbert von Thule
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Re: Island baut einen Tempel für nordische Götter

Beitrag von Norbert von Thule » 07.02.2015, 13:26

Jetzt auch im Focus:
Melchior Poppe hat geschrieben:
Rückkehr der Götter im hohen Norden
Für Odin und Thor: Island baut ersten Heiden-Tempel seit Wikingerzeit


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Die Zahl der Anhänger des Asen-Glaubens hat sich auf Island seit dem Jahr 2000 verfünffacht. Jetzt bekommen die heidnischen Götter eine imposante Kultstätte: Erstmals seit der Wikingerzeit wird wieder ein Heidentempel gebaut  ”“ mitten in der Hauptstadt ReykjavÁ­k.
„Ich denke nicht, dass irgendjemand an einen einäugigen Mann glaubt, der auf einem Pferd mit acht Beinen reitet“, sagt Hilmar Örn Hilmarsson. Ein aufgeklärtes Verständnis der Götter ist dem 56”“Jährigen wichtig, denn er ist seit 2003 das Oberhaupt der Glaubensgemeinschaft ÁsatrÁºarfÁ©lagiÁ°, auf Deutsch „Gemeinschaft der Asen-Gläubigen“. Die Asen sind eines von zwei Götter-Geschlechtern der nordischen Mythologie. Der höchste Gott Odin sowie sein Sohn Thor gehören diesem an.
Zahl der Anhänger des ÁsatrÁº-Glaubens steigt rasant an
„Wir verstehen die Geschichten als poetische Metaphern und Manifestierungen der Naturkräfte und menschlicher Psychologie“, erklärt Hilmarsson. Doch das rein intellektuelle Verständnis ist der ÁsatrÁºarfÁ©lagiÁ° nicht genug. Sie war 1972 von einigen Isländern gegründet worden mit dem Ziel, sich über das Erbe der Vorfahren auszutauschen und auch im Alltag die spirituellen Erkenntnisse pflegen zu können.
Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der isländischen Anhänger des ÁsatrÁº-Glaubens verfünffacht. Jetzt sei die Zeit gekommen, dass sich die Gemeinschaft auch in der öffentlichen Gesellschaft zeigt, meinen die Mitglieder: Erstmals seit der Wikingerzeit wird nun wieder ein Kultgebäude für die Götter gebaut, berichtet „The Independent“. In der Öffentlichkeit durfte das Heidentum seit der Annahme des Christentums auf Island im Jahr 1000 nicht mehr praktiziert werden.
Rundes Gebäude mit einer Kuppel
Der Ort, an dem der „Tempel“ jetzt errichtet werden soll, könnte passender nicht sein: Mitten in der Hauptstadt ReykjavÁ­k soll er stehen, auf dem Hang eines Hügels, der die Stadt überblickt. Es werde ein rundes Gebäude gebaut, das oben mit einer Kuppel versehen ist, so "The Indepent".
Blutige Opferrituale und abergläubische Bräuche, wie sie von christlichen Autoren in der mittelalterlichen Literatur Europas über die skandinavischen Heiden beschrieben werden, soll es aber nicht geben. Das Schlachten von Tieren würde zu viel Aufwand, vielleicht auch Ärger mit sich bringen.
Heirat, Taufe und Festmahl statt Blut-Opfer
Stattdessen wollen die Mitglieder eine zeitgenössische Form der gelebten Spiritualität praktizieren: In dem neuen Gebäude werde man heiraten können, Begräbnisse begehen, Kindern Namen geben sowie das traditionelle BlÁ³t-Fest feiern können, bei dem mit Horn-Bechern auf die Götter angestoßen und geschlemmt wird.
Auch in Deutschland finden sich Ableger des Asen-Glaubens: Die 1991 gegründete Germanische Glaubensgemeinschaft (GGG) etwa beruft sich auf die 1907 vom Dichter Ludwig Fahrenkrog gegründete und knapp 60 Jahre später wieder aufgelöste Gemeinschaft gleichen Namens. Sie gilt nicht als Sekte sondern ist als offizielle Glaubensreligion anerkannt. Ein zentrales Kultgebäude gibt es aber nicht.
Das Wesentliche:

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Norbert von Thule
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Re: Island baut einen Tempel für nordische Götter

Beitrag von Norbert von Thule » 15.03.2018, 12:17

Hilmarsson sagt, der erste heidnische Tempel des Landes in 1.000 Jahren werde für Hochzeiten, Taufzeremonien und Beerdigungen verwendet und soll 250 Personen gleichzeitig fassen. Erbaut auf einem Gelände, das vom Rat von Reykjavik gespendet und durch Spenden finanziert, soll er Anfang 2018 fertig sein.
(Quelle: BBC)

Da der Tempel jetzt fertig sein müsste, also aus aktuellem Anlass hier nochmal ein Nachschlag vom 25.07.15 an Kultur: Asenglaubensverein ("Ásatrúarfélagið")
Magnús Sveinn Helgason hat geschrieben:
KULTUR

Heiden gegen Hass: Exklusiv-Interview mit dem Hohepriester des isländischen Pagan-Verbandes

[Exclusiv ins Teutsche übersetzt für das Eyneforum]

Die isländische Heidenvereinigung, Ásatrúarfélagið, ist die am schnellsten wachsende religiöse Gemeinde in Island. Mit fast 3.000 Mitgliedern [28.03.17: 3583] ist sie die sechstgrößte religiöse Gruppe in Island und mit Abstand die größte nicht-christliche Gruppe. Seit 2000 ist sie um 657 % gewachsen. In diesem Jahr begann die Gemeinde mit dem Bau ihres Tempels in Reykjavík, den sie Ende nächsten Jahres weihen will. Es wird der erste zentrale heidnische Tempel sein, der in den nordischen Ländern in mehr als tausend Jahren gebaut wurde.
 
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 Der Allsherjargoð Hilmar Örn Hilmarsson (in der Mitte), der Hohepriester des isländischen Pagan-Verbandes vermittelt, dass diejenigen, die Ásatrú als eine Religion des Militarismus, Blutvergießens und Heldenverehrung ansehen, dies durch den Blick des deutschen Nationalismus des 19. Jahrhunderts und nicht der Lieder-Edda sehen. (Foto: Stefán Karlsson)

Eine Religion der Achtung und Harmonie

Was auch immer der Grund für das Wachstum des Ásatrúarfélag sein mag, es ist keine aggressive heidnische Missionierung. Hilmar Örn Hilmarsson, der Hohepriester oder Allsherjargoði des Ásatrúarfélag, sagt uns, dass weder er noch irgendein anderes Mitglied der Gemeinde Missionsarbeit geleistet hat."Wir versuchen nicht, neue Mitglieder zu gewinnen. Menschen kommen zu uns, weil sie etwas sehen, was ihnen gefällt, sie sehen unsere Zeremonien, ob es eine Hochzeit oder ein Begräbnis ist, und sie sehen, dass dies schöne Zeremonien sind, und haben das Gefühl, dass Ásatrú auch ihnen etwas bieten könnte. "

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Hilmar Örn Hilmarsson "Es ist eine Religion, die dich lehrt, in Harmonie mit deiner Umgebung und dir selbst zu leben." (Foto: Stefán Karlsson)

Hilmar Örn betont, dass Ásatrú eine Religion des Friedens und der Achtung ist. "Es ist eine Religion, die dich lehrt, in Harmonie mit deiner Umgebung und dir selbst zu leben und mit den verschiedenen Phasen deines Lebens umzugehen. Wie man alt wird und wie man altert." So gesehen ist das Ásatrú, wie es in Island praktiziert wird, eine Religion der Achtung und Toleranz. "Wir berufen uns auf die isländische Gesellschaft und isländische Werte", erzählt Hilmar.
Während die Betonung von Respekt und Toleranz zum Wachstum der Gemeinde in Island beigetragen hat, passt sie nicht gut zu einigen ausländischen Glaubenspraktikern. Hilmar erzählt uns, dass Ásatrúarfélagið "verstörende" Botschaften und Hassmails von konservativen Heiden aus anderen Ländern erhalten hat. Unter anderem hat der Schwerpunkt Ásatrúarfélagið auf Gleichberechtigung und Achtung der Menschenrechte, insbesondere der LGBT-Rechte, einige reaktionäre Heiden von außerhalb verärgert.

Ásatrú gegen den deutschen militaristischen Nationalismus des 19. Jahrhunderts

"Ásatrú ist keine Religion, die Chauvinismus, Militarismus oder Blutvergießen feiert, im Gegensatz zu dem, was viele zu glauben scheinen. Ganz im Gegenteil. In denDróttkvæði (den Heldenldichtungen, wie sie in den alten Sagen enthalten ist) gibt es eine Menge Stoff, wo die Dichter Verse von Heldentaten zusammengesponnen haben, die sie vielleicht gar nicht getätigt haben. Aber in der Lieder-Edda findet man diese Art von Prahlerei und bombastischem Heldentum eher selten, und darin sind die hauptsächlichen Texte, die im isländischen Ásatrú verehrt werden. "
Hilmar argumentiert, dass die Grundlage dieser irrigen Ansicht von Ásatrú als einer Religion, die von der Verherrlichung von Heldentum, Kämpfen und Blut besessen ist, im 19. Jahrhundert zu finden ist.
"Dieses Missverständnis von Ásatrú kommt von der Tatsache, dass viele es durch die Linse des deutschen Nationalismus des 19. Jahrhunderts zu sehen scheinen. Im 19. Jahrhundert schauten sich deutsche Nationalisten, Künstler, Dichter und Komponisten die Lieder-Edda zur künstlerischen Inspiration an und lasen dort die Art von Militarismus, Heldenverehrung und Kriegsvergötterung heraus, die damals den deutschen Zeitgeist beherrschten. "
Hilmar ist auch unter Beschuss von dem, was er heidnische "Fundamentalisten" nennt, weil er verkündet hat, dass er die Geschichten der Götter nicht wörtlich nimmt.
"Ich habe gesagt, dass ich nicht an einen einäugigen Mann glaube, der auf einem achtbeinigen Pferd reitet, und einige betrachten das als Blasphemie. Es gibt immer Leute, die wollen, dass Dinge in Stein gemeißelt werden. Aber in der Lieder-Edda geht es eigentlich darum, wie sich das Leben verändert und wie man sich darauf vorbereitet, auf die Veränderungen zu reagieren, die einen erwarten."

Homophobie und Gender-Bending-Götter

Odin war natürlich einäugig, nachdem er Mimir am Brunnen von Urdur an der Wurzel des Weltenbaums Yggdrasill sein Auge geopfert hatte. Sein Pferd, Sleipnir, ist das Kind des Gottes Loki (in Form einer Stute) und Svadilfari, ein Riese der Rasse von Hrimthurs, der die Mauern des Reiches der Götter, Asgard, erbaute. Dies ist eine Geschichte, die uns daran erinnern sollte, dass die Götter selber ziemlich drastische Geschlechtsumwandlungen praktiziert haben.
Eine weitere wichtige Geschichte aus der Edda erzählt, wie Thor (Þór), der Gott des Donners und ein Sinnbild von Männlichkeit, sich als Göttin Freyja ausgibt. Der Jötuner König Þrymr hatte Thors Hammer Mjölnir gestohlen und verlangte die Hand von Freyja als Gegenleistung für den Hammer. Indem er sich als Drag Queen verkleidete und den König heiratete, konnte Thor den Hammer zurückholen.
Tatsächlich, erklärt Hilmar, dass die Einwohner der Wikingerzeit in den nordischen Ländern und in Island frei jeglicher Homophobie waren, die heute unter Kulturkonservativen zum Standard geworden ist.
"Sie stützen ihre Interpretation von Ásatrú auf Tacitus Germania, eine römische Abhandlung aus dem Jahr 70 n. Chr. Germania wurde geschrieben, um die römische Lebensart zu kritisierenen. Tacitus porträtiert die germanischen Stämme als edle Wilde, die die Römer lehren können, auf einen Weg zurückzukehren, von dem er glaubte, sie hätten ihn verlassen. Das darf nicht als akurate Beschreibung, wie das germanische Volk seine Religion praktizierte, verstanden werden und beschreibt sicherlich nicht, wie die Siedler Islands ihre Religion praktizierten, etwa 800 Jahre später."

Abbruch aller Verbindungen mit fremden heidnischen Gruppen

Der Ásatrúarfélag löste in den 1980er Jahren alle formalen Beziehungen zu ausländischen heidnischen Gemeinden auf, nachdem Hilmar Örn und sein Vorgänger als Hohepriester, Sveinbjörn Beinteinsson, über die Politik einiger ausländischer Gruppen, die das Ásatrúarfélag besuchten, alarmiert worden waren.

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(Foto: Stefán Karlsson)

"Diese Leute schienen Island als eine Art Rom des Nordens anzusehen und wollten von Sveinbjörn eine Art päpstlicher Segnung. Die meisten waren sehr nett in Person, aber sobald wir begannen, in das zu schauen, was sie zu Hause sagten, stießen wir auf Dinge, die wir äußerst verstörend fanden, und am Ende entschieden wir uns, alle Verbindungen zu ausländischen Gruppen zu kappen. Wir wollten nicht an extremistischen Politiken teilnehmen. "
Leider haben Nationalisten und rassistische Elemente ihren Weg in viele ausländische heidnische Gemeinden gefunden, erzählt uns Hilmar. "Solche Elemente gab es im Ásatrúarfélag nie. Nur ein ehemaliges Mitglied, das mir einfällt, hat solche Ansichten geäußert. Sonst hatten wir das Glück, völlig frei von diesen Elementen zu sein. "

Ausländische Hassmail

Nachdem Anfang 2015 in den internationalen Medien Nachrichten über den geplanten Bau des heidnischen Tempels bekannt wurden, stand Ásatrúarfélagið wieder im Zentrum internationaler Aufmerksamkeit.
"Der Bau des Tempels wurde hier in Island seit 2006 diskutiert, aber erst im Jahr 2015 interessierten sich auch die ausländischen Medien dafür. Anschließend begann es, dass wir immer mehr Kritik von Leuten bekamen, die meinten, wir würden unseren Glauben auf die falsche Art und Weise praktizieren, dass wir Ásatrú irgendwie entweihen, indem wir zu tolerant sind. Zuerst habe ich das nicht sehr ernst genommen, aber dann erfuhren wir, dass in geschlossenen Gruppen der Tempel und der Ásatrúarfélag diskutiert werden und die Leute planen, den Tempel zu besuchen, um ihn mit einigen Blutzeremonien "neu zu weihen" um damit unsere Perversion von Ásatrú, wie diese Leute meinen, zu "korrigieren". Einiges von dem, was wir gelesen haben, war extrem verstörend."
Als Konsequenz wird der Tempel von Ásatrúarfélagið nicht so öffentlich zugänglich sein wie ursprünglich geplant. "Wir können uns nicht tief in die Tasche greifen, unsere ganze Arbeit wird ehrenamtlich geleistet, wir können keine Wachen beschäftigen. Daher werden wir die Politik der offenen Türe, die wir geplant hatten, nicht in dieser Art verwirklichen."

"Ásatrúarfélagið - wir sind an eurer Seite!"

Aber nicht jede Aufmerksamkeit aus dem Ausland war kritisch. Nachdem das Iceland Magazine auf seiner Website eine Geschichte über die Hasspost veröffentlicht hat, die der Ásatrúarfélag erhalten hat, wurden die Gemeinde und Hilmar mit Unterstützung von ausländischen Heiden überschüttet. Ein Facebook-Event wurde von einer Gruppe europäischer Heiden gegründet, um Hilmar und dem Ásatrúarfélag zu versichern, dass "isländische Heiden nicht allein in dieser Angelegenheit sind und dass die Unterzeichner dieser Aussage sich voll und ganz für Ihre Sache einsetzen. ... Wir werden nicht zulassen, dass einige Menschen mit reaktionären und bigotten Ansichten die Essenz unseres religiösen Ansatzes bestimmen! ".
Hilmar war tief bewegt von dieser Unterstützung. "Ich war positiv überrascht. Die Schreihälse und Großmäuler übertönen immer die Stimmen der Vernunft und des Verstandes und finden mehr Beachtung. Sie fangen an, die Überhand zu gewinnen."

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(Foto: Stefán Karlsson)

Egal was solche reaktionären Heiden - die "Verrückten und Trolle des Internets" - erzählen wollen, Hilmar beteuert, dass das Ásatrúarfélag nicht ändern wird, wie es die alte Religion praktiziert.
"Die Lieder-Edda und ihre Traditionen wurden hier in Island bewahrt, und wir werden nicht zulassen, dass einige ausländische Reaktionäre hierher kommen, um uns zu sagen, wie wir unseren Glauben ausüben sollen."
Hilmar erinnert uns daran, dass das Ásatrúarfélag eine isländische Gemeinde ist, dass es seine isländischen Mitglieder vertritt und dass es nur ihnen gegenüber verantwortlich ist.
"Aber wenn Ausländer uns als Modell betrachten wollen, können sie das gerne tun. Wir werden weiterhin wir selbst sein, und wir werden unsere Art und Weise nicht ändern, um die Ansichten und Überzeugungen von Rassisten oder Nationalisten zu befriedigen. "

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Gawain von Orkney
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Re: Island baut einen Tempel für nordische Götter

Beitrag von Gawain von Orkney » 05.10.2018, 11:13

Hallo,

ich finde das Thema super spannend und muss sagen dass ich mich einerseits hingezogen fühle, andererseits ist es für mich schwer das als Religion zu sshen?
Immerhin sind die Überlieferungen aus der Germanischen Zeit wirklich verschwindend gering. Man hatte ja nur Einzelfunde und "die Germanen" als wirkliches Volk gab es ja auch nicht, weil alles kleine regional begrenzte Völkchen waren. Daher fällt es mir schwer die neuen Kulte anzusehen ohne gleich an Verkleidungen und "Nachspielen" zu denken.

Was sagt ihr dazu?
Glaubt ihr an die alten Götter?

Noch ein kleiner Artikel dazu:
http://www.fr.de/panorama/neue-heiden-t ... -a-1500820

Montrose
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Re: Island baut einen Tempel für nordische Götter

Beitrag von Montrose » 05.10.2018, 23:38

Glaubt ihr an die alten Götter?
Was würde das denn konkret bedeuten????

Was mich an den "alten Göttern", seien es germanische oder römische oder griechische, stört: da werden eine Menge Action-Sagen erzählt, aber ich erkenne in diesen Sagen nicht so richtig die sprichwörtliche Moral von der Geschichte. Natürlich frage ich mich, ob dieses Unverständnis von meiner eigenen christlichen Sozialisation stammt oder ob der Glaube an die "alten Götter" tatsächlich defizitär war. Jedenfalls kann ich mich weder mit Walhalla noch mit Mars anfreunden, denn sie verkörpern problematische Werte.

Natürlich kommt wieder dieses alberne Gedöns, das Christentum missioniere, sei gewalttätig. Soso, ist es das? Aber die isländischen Götter seien tolerant und gegen den Hass. Was ist das denn für ein Quatsch! Die Heiden haben genauso Kriege geführt und sich den Schädel eingeschlagen. Und dass sie letztendlich gegen die Christen verloren haben, macht sie nicht zu besseren Menschen ... sondern nur zu schwächeren.

Auch wenn die Katholische Kirche durch ihre fehlgeleiteten sexuellen Begierden etwas in Verruf geraten ist (das ist halt altgriechische Philosophentradition - schon Sokrates mag dem kleinen Platon ins Höschen gekrabbelt sein), hat sie sich in ihrer theologischen Systematik doch mehr Mühe gegeben als jene "Paganen", die da irgendwas Wischiwaschi-mäßiges aus dem Zylinder zaubern.

Sollten jetzt alle Leser, seien es Pagane oder Christen, angepißt sein, dann habe ich mein Ziel ja erreicht. Denn vielleicht hatte John Lennon doch recht, als er sang "Imagine there is no heaven ... above us only sky..." Ob ein Mensch gut ist, hat nichts mit seiner Weltanschauung zu tun. Die Religion hat noch keinen einzigen Menschen zu etwas besseren gemacht. Der Weg zur Weisheit beginnt erst, wenn man aufhört,sich irgendwelche Kutten, Taläre, Bäffchen oder sonstigen Mumpitz umzuhängen und irgendeinen Unfug daherzublubbern.

Montrose
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Re: Island baut einen Tempel für nordische Götter

Beitrag von Montrose » 06.10.2018, 10:31

https://www.youtube.com/watch?v=T2hvkPyiAFE

Der Mann schüttelt bei 1:15 den Kopf, nachdem John Lennon "no religion too" gesungen hat. John Lennon stellt in dem Lied die These auf, ohne Nationen und Religionen gäbe es keinen Grund mehr zu töten oder sich aufzuopfern (Nothing to kill or to die for). Der springende Punkt ist vielleicht, dass 99% der Religion nur Projektion eigener Wünsche und Interessen sind. Mit anderen Worten, wer in die Kirche oder gar in die Wüste pilgert, trifft dort womöglich nur sich selbst. Oder, um es schärfer zu formulieren, den Gott, den ich anbete, bin im Grunde ich selbst. Würde man das abschaffen, gäbe es entgegen der These von John Lennon immer noch Kriege. Aber der Weg zu ihrer Lösung wäre kürzer, weil man nicht mehr so viel Zeit im Märchenland vertrötelt.

Der Glaube als Dogma wird dadurch legitimiert, dass jemand anderes mal behauptete, er habe dies oder das erlebt. Das ist die Vorgehensweise der christlichen Amtskirchen. Problem: dabei erlebt man selbst nichts, eine Legitimation aufgrund des Hörensagens beweist überhaupt nichts; verkopft, langweilig.

Glaube als sinnliche Erfahrung, womöglich als Wunder? Hab vorgestern mit einem Christen darüber gesprochen. Stilecht im Schwarzwald vor einer Art Gipfelkreuz. Da macht sich dann gleich Begeisterung breit und es fallen Sätze wie "Jaja, dieser amerikanische Prediger hat doch vor laufender Kamera ein gebrochenes Bein geheilt." Ach, ich bin ein großer Freund des romantischen Ansatzes. Aber wenn das so plump daherkommt... neeeee. Arzneimittel gegen solchen Quatsch: https://www.youtube.com/watch?v=35K6vQRt67g

Wenn Glaube eine Beelterung ist (der alleinige Gott des Volks Israel hatte übrigens mal eine Frau an seiner Seite, aber dann verlor Israel einen Krieg und schob es ihr in die Schuhe, hihihi), dann darf man doch irgendwann auch mal erwachsen werden, ohne dass einen Papi in die Hölle steckt. Steht eigentlich auch so in der Bibel (Lukas 15, 11ff).

Religion. Das ist ein bisschen so, wie wenn man in der Discothek vom Klo kommt. Man weiß dann einfach nicht genau, ob die Cola noch sauber ist oder ob jemand k.o-Tropfen reingemacht hat. Original von der Fälschung zu unterscheiden, ist äußerst schwierig. Da wusste der Christ gleich auch 1. Könige 19, 11-13. Recht hat er.

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