Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Was geht im Mittelalter?
Benutzeravatar
Norbert von Thule
Beiträge: 8066
Registriert: 11.06.2006, 21:15

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Norbert von Thule » 29.09.2011, 09:21

Aus dem Südkurier:
Gregor Moser hat geschrieben:
Im Vorfeld der geplanten Sondersitzung des Gemeinderates zur Klosterstadt herrscht im Gemeinderat Zustimmung für das Projekt.

Bild
Manfred Amann

„Ich bin froh, dass es vorwärts geht“, stellt so Manfred Amann, Vorsitzender der CDU-Gemeinderatsfraktion fest, nachdem das Ministerium für Verbraucherschutz und Ländlichen Raum die Klosterstadt als LEADER-Leitprojekt bewilligte und so neben 330 000 Euro von der EU auch 120 000 Euro an Landesmitteln fließen.

Bild
Joachim Bach

Joachim Bach, Fraktionsvorsitzender der Freie Wähler Vereinigung, sagt: „Das ist eine große Chance für Meßkirch.“ Er sehe die Möglichkeit, dass durch die Klosterstadt mehr Schwung in den Gaststättenbereich kommt. Umbauten oder Sanierungen seien teuer und lohten sich für die bestehenden Betriebe oft nicht. Das könnte sich ändern. Die Stadt könnte beratend zur Seite stehen, wenn es darum geht, einen Nutzen aus der Klosterstadt zu ziehen, doch das Wichtigste sei dabei die Eigeninitiative. Auch Amann sagt: „Man darf nicht nur auf die Verwaltung zeigen. Da sind auch andere gefragt.“

Im Gegensatz zur Arnold Stadler, der in einem Südkurier-Interview sagte, dass die Klosterstadt nicht mit dem geplanten Windpark zusammenpassen würde, stellt Bach fest:„Ich denke nicht, dass das ein Ausschlusskriterium ist.“ „Wenn man nichts macht, plant der Regionalverband“, fährt Bach fort und verweist, dass man erst nach den Windmessungen weiterreden könne.

Bild
Martina Goldau

SPD-Gemeinderätin Martina Goldau sieht in der Klosterstadt ebenfalls „eine ganz tolle Chance für Meßkirch“. Sie erinnert, dass der SDP-Fraktionsvorsitzende Rüdiger Hillenbrand schon drei Mal die mittelalterliche Burgen Baustelle GuÁ©delon in Frankreich besuchte. „Es ist schade, dass die Leute bei der Klosterstadt an die Kirche denken, wenn sie fertig ist“, stellt sie fest. Es gehe dabei doch vielmehr darum, durch die Baustelle neues Wissen darüber vermittelt zu bekommen, wie im Mittelalter gebaut wurde, erinnert sie. Dass ein Windpark ein Ausschlusskriterium für die Klosterstadt wäre, wie dies Arnold Stadler sagt, glaubt sie nicht. Die Sicht von der Klosterstadt solle in Richtung Rohrdorf gehen und die Sendeantennen sollten abgebaut werden.

Holger Schank, Vorsitzender der Gewerbe- und Handelsvereinigung (GHV), sagt zur Zustimmung des Ministerium: „Das ist ein großer persönlicher Erfolg vom Bürgermeister.“ Sein Engagement für die Sache sei letztlich belohnt worden. Mitte Oktober werde der GHV ins Schloss zu einem Workshop einladen, in dem darüber nachgedacht werden soll, wie die Meßkircher Wirtschaft von der Klosterstadt profitieren kann.


Klosterstadt kann starten

Die Klosterstadt zwischen Rohrdorf und Langenhart wird gebaut. Dafür gab der Meßkircher Gemeinderat in einer Sondersitzung gestern Abend seine Zustimmung. Zwei Gemeinderäte stimmten gegen das Projekt.

Bild
Bild (Moser): Bei der Abstimmung im Gemeinderat beschlossen die Ratsmitglieder den Start der karolingischen Klosterstadt zwischen Rohrdorf und Langenhart. Zu der öffentlichen Sitzung war eine Reihe interessierter Bürger gekommen.

Bürgermeister Arne Zwick schlüsselte zu Beginn der Sitzung nochmals die Kosten für das Projekt auf. Mit einem städtischem Anteil von 263 000 Euro an den Erschließungskosten von 597 000 Euro sowie einem Zuschuss an den Verein Karolingische Klosterstadt über 70 000 Euro im ersten Jahr und weiteren 50 000 Euro im zweiten Jahr komme die Stadt auf ein Risikokapital von 382 890 Euro, die sie für das Projekt bereitstellen muss. Auf Nachfrage von CDU-Gemeinderat Jürgen Alber präzisierte Zwick, dass hierzu noch die Bürgschaft für ein Darlehen des Landkreises über 100 000 Euro gerechnet werden müsse. Was die Stadt an Geld für den Grundstückserwerb ausgeben muss, ließe sich noch nicht abschließend beziffern, antwortete Zwick auf den Einwand von Freie Wähler-Gemeinderat Hubert Hopp, der kritisierte hatte, dass diese Position nicht in der Rechnung aufgetaucht war. Zwick argumentierte, dass es die übereinstimmende Meinung im Rat gewesen sei, dass die Stadt über hinzugekaufte Grundstücke immer verfügen könnte und sie auch im Falle eines Scheiterns der Klosterstadt nicht nutzlos wären.
Die richtungweisende Entscheidung für das Projekt sei mit der Zustimmung des Ministeriums für ländlichen Raum und Verbraucherschutz gefallen, das Klosterstadtprojekt zu unterstützen. Als Leader-Leitprojekt gebe es so eine 75-prozentige Förderung. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Manfred Amann sah in der Klosterstadt ein Alleinstellungsmerkmal für Meßkirch, das „Meßkirch unstrittig vorwärts bringt“. Realisierbar sei es nur mit einem ordentlichen Zuschuss gewesen, den die Verwaltung nun an Land geholt habe. Joachim Bach, Vorsitzender der Freie Wähler-Fraktion, sagte, dass es innerhalb der Fraktion Zustimmung wie auch Ablehnung gibt. Ein Risiko könne sein, dass die erwartete Besucherzahl nicht erreicht werden kann, gab er zu bedenken. Es müsse zudem eine Begrenzung eingebaut werden, wie lange das Projekt bezuschusst wird. Rüdiger Hillenbrand, Vorsitzender der SPD-Gemeinderatsfraktion, sprach von einem „einmaligen Projekt“ und davon, dass es nun das Ziel aller sein muss, die Klosterstadt zu einem dauerhaften Erfolg zu führen. Das Projekt dürfe nicht schon im Vorfeld durch Schlechtreden zum Scheitern verurteilt werden.
Hopp kritisierte, dass nicht die städtischen Gesamtkosten genannt würden und sprach von 700 000 Euro inklusive der Grundstückskosten. Er denke, dass es nicht zu dem erwarteten Besucherandrang kommt. Hopp stellte den Antrag auf eine Bürgerabstimmung.


"Wir müssen unsere Chancen wahren"

So lief die Diskussion zur Klosterstadt-Entscheidung in der jüngsten Sondersitzung des Meßkircher Gemeinderates:

Bild
Bild (Moser): Einige Besucher hatten sich im Schloss Meßkirch eingefunden, um die Diskussion im Gemeinderat über die Grundsatzentscheidung zum Bau der Klosterstadt mitzuverfolgen.

In einer Sondersitzung stimmte der Meßkircher Gemeinderat am Dienstagabend bei zwei Gegenstimmen mehrheitlich für den Bau der Karolingischen Klosterstadt zwischen Rohrdorf und Langenhart (der SÜDKURIER berichtete). In der Diskussion im Vorfeld des Beschlusses sprach Manfred Amann, Vorsitzender der CDU-Fraktion, davon, dass die Tourismusbemühungen in Meßkirch seit Jahren nicht den gewünschten Erfolg bringen. Die Klosterstadt werde die Stadt unstrittig vorwärtsbringen, sagte er. Das Risiko sei überschaubar und die Stadt werde nicht „immer und ewig“ einen Zuschuss zugeben. Der Standort sei besser als der zuerst geplante. Die Fraktion stehe hinter dem Projekt. „Dieses Projekt hat eine Chance verdient.“
Jürgen Bach, Vorsitzender der Freie Wähler (FW)-Fraktion, sah eine positive Wirkung für den Bereich Gastronomie, Touristik und Hotellerie von der Klosterstadt ausgehen. Was ihm fehlt sei eine Aussage des Vereins zur Projektbetreuung. Bürgermeister Arne Zwick antwortet, dass Bert Geurten, Vorsitzender des Vereins Karolingische Klosterstadt, für die Vermarktung und die wissenschaftliche Betreuung zuständig sein werde und seine Stellvertreterin Verena Scondo für den Betrieb auf dem Gelände.
SPD-Fraktionsvorsitzender Rüdiger Hillenbrand sagte: „Es ist klar, dass so ein Projekt auch scheitern kann. Ich glaube aber, dass wir Glück haben da es etwas Einmaliges ist.“
FW-Gemeinderat Hubert Hopp forderte die Gesamtkosten, inklusive der Ausgaben für den Grundstückserwerb bis 2012 ein und erinnerte daran, dass es sich bei den Freilichtmuseen in der Umgebung um „Zuschussbetriebe“ handelt. Da der Verein karolingische Klosterstadt keine Geldmittel einbringt, sei für ihn die Basis des Vereins zuwenig. „Man darf den Leuten nicht falsche Hoffnungen machen“, fuhr er fort und sagte, dass sich der Erfolg der Klosterstadt nicht so darstellen wird, wie beschrieben. Zwick erinnerte an die Eigenleistungen, die der Verein bereits erbracht hat und stellte fest, dass es keinen Vergleich zur Klosterstadt in der Raumschaft gibt. „Wir haben jeden Tag Aktionstag.“ Sein Eindruck sei es, dass die Bevölkerung mehrheitlich hinter dem Projekt steht und einen Wunsch nach einer Bürgerbefragung, wie ihn Hopp beantragt hatte, gebe es sonst nicht aus dem Gremium.
CDU-Gemeinderat Jürgen Alber sagte zum Thema Bürgerbefragung, dass damit „Tür und Tor für Stammtischgeschwätz“ geöffnet werde.
Gernot Fischer (FW) sah voraus, dass die Außenwirkung der Klosterstadt enorm sein wird aber die Innenwirkung vermutlich ausbleiben werde. Die vergangenen Jahre sei im Rat über viele Sparmaßnahmen gesprochen worden und nun sehe er die Gefahr, dass die Stadt „finanziell unflexibel“ wird. Er sei zudem misstrauisch, dass der Steuerzahler als Investor auftritt. Zwick entgegnete, dass nichts vorangeht, wenn nur gespart wird. „Wir müssen unsere Chancen wahren.“ Eine spannende Frage werde es sein, wie „man die Angel in den Besucherstrom hält“, so dass sich für Meßkirch ein Gewinn aus der Klosterstadt ergeben wird.
Insa Bix (CDU) sprach von einer „einmaligen Chance“ und dass das Risiko guten Gewissens getragen werden könne. Welche Chancen sich aus dem Projekt ergeben, das liege nun an den Meßkirchern selbst. Karl Mägerle (FW) erinnerte daran, dass der zuvor in der Diskussion genannte Europa-Park in Rust auch einmal klein begonnen hat und sprach sich dafür aus „zustimmend mitzuwirken“. Der Rohrdorfer Ortsvorsteher Hubert Frick sah eine „Chance für Rohrdorf“ und Hans-Jörg Kraus (FW) stellte sich voll hinter das Projekt. Die einzige Krux sei die Finanzierung gewesen, die nun gesichert sei. Deshalb könne er dem Start für die Klosterstadt zustimmen.


Stimmen zum Klosterstadt-Bau

Es gibt viele Reaktionen bei den Meßkirchner Bürger zur Entscheidung des Klosterstadt-Bau. Die Bürger bewerten Chancen und Risiken.

Das grüne Licht des Gemeinderates für das Klosterstadtprojekt, freigeschaltet in der Sondersitzung am Dienstagabend im Schloss, ruft in der Stadt unterschiedliche Reaktionen hervor, wie eine kleine und natürlich nicht repräsentative Umfrage des SÜDKURIER am Mittwochvormittag in der Meßkircher Innenstadt zeigt. ”¨Obwohl das Thema schon seit geraumer Zeit zu einem Dauerbrenner der kommunalpolitischen Diskussion in der Stadt geworden ist, gibt es immer noch Bürger, die von dem Projekt noch nichts gehört haben. Eine junge Frau meinte, sie habe zwar davon gehört, sich darüber noch überhaupt keine Gedanken gemacht. Eine ältere Dame ließ sich vom Südkurier-Mitarbeiter kurz erklären, worum es sich beim Klosterstadt-Bau handelt. Ihre spontane Reaktion: „Es gibt in der Stadt sicher wichtigere Aufgaben, für die Geld auszugeben sinnvoller wäre.“

Aber zur Klosterstadt haben dank des überregionalen Medienechos selbst Besucher von auswärts mehr mitbekommen. Beispielsweise Christine (69) und Gottfried (72) Brendler aus Geisingen im Landkreis Tuttlingen. Sie waren am gestrigen Mittwoch zum 69. Geburtstag von Christine Brendler zu einem Bummel nach Meßkirch gefahren. Die Frage: „Was meinen Sie zum Klosterstadt-Projekt?“, überrascht die Rentner zunächst. Doch dann fällt der Groschen: „Ja, davon ist doch überall in den Medien die Rede, das ist hier in Meßkirch,“ klärt der Mann seine Frau auf. Beide haben die Meldungen verfolgt und mit Symphatie aufgenommen, sie finden das Vorhaben toll. Das Ehepaar erklärt, sie seien beide sehr neugierig und erwarteten gespannt, wie sich das geplante Projekt in den nächsten Jahren entwickeln werde.

Bild
"Das ist ein tolles Projekt, von dem die Medien überall berichten. Ich bin sehr neugierig."

Diese positive Einstellung kann der Maler und Lackierer Hubert Brodbeck allerdings nicht teilen. Der 51 Jahre alte Meßkircher bezeichnet die Klosterstadt als „großen Mist“. Seiner Meinung nach sollten die dafür notwendigen Gelder anderweitig, beispielsweise für den Nahverkehr auf der Bahnstrecke nach Stockach, genutzt werden. Ehrenamtliches Mitarbeiten beim Klosterstadtbau, das käme für ihn niemals in Frage, wie er mit Nachdruck anmerkt.

Bild
"Das alles ist großer Mist. Man sollte mit dem Geld lieber die Bahn nach Stockach finanzieren."

Ganz anders sieht Enzo Abberi die Sache. Der 42 Jahre alte Arbeiter aus Meßkirch kann sich sehr wohl vorstellen, beim Klosterstadtbau mitzuwirken. Er spricht von einem „guten Projekt.“

Bild
"Die Klosterstadt ist ein gutes Projekt. Ich kann mir vorstellen, dabei ehrenamtlich mitzuarbeiten."

Für den Blumenhändler Thomas Trautwein ist die Klosterstadt ein durchweg positives Projekt. Mit dem auf 40 Jahre terminierten Vorhaben gehe es in der Stadt mal wieder ein Stückchen vorwärts, meint der Einzelhändler. Damit werde etwas bewegt und etwas Neues und Zukunftsträchtiges in Gang gesetzt.

Bild
"Ich meine, das da bewegt sich was, da entsteht etwas Neues!"

Benutzeravatar
Norbert von Thule
Beiträge: 8066
Registriert: 11.06.2006, 21:15

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Norbert von Thule » 29.09.2011, 09:44

Heute im Reutlinger Generalanzeiger:
Marc Herwig hat geschrieben:
Meßkirch baut mittelalterliche Klosterstadt

Mehr als 40 Jahre lang haben die meisten Menschen Bert Geurten für einen Spinner gehalten. Eine historische Klosterstadt will der Rheinländer bauen, mit 40 Häusern und einer mächtigen Kathedrale. Und auf der Baustelle soll alles so sein wie im 9. Jahrhundert - keine modernen Maschinen, nur Ochsen und Muskelkraft.

Bild
Foto (DPA): Bert Geurten vor dem Modell der mittelalterliche Klosterstadt Meßkirch.

Seit 1967 hat Geurten für diesen Traum gekämpft, und jetzt ist er am Ziel: Im nächsten Frühling werden sich in Meßkirch (Kreis Sigmaringen) die ersten Handwerker an die Arbeit machen. Der Gemeinderat hat am Dienstagabend als letztes Gremium grünes Licht dafür gegeben. Wenn alles gut geht, ist die Stadt 2055 fertig. »Als die Entscheidung da war, ist mir ein Schauer über den Rücken gelaufen«, erzählt der 62-jährige Geurten.

Angefangen hatte alles 1967: In einer Ausstellung in Aachen sah der gelernte Journalist das Modell eines mittelalterlichen Klosters. Wissenschaftler aus den USA hatten die Anlage im kleinen Maßstab nach Plänen erstellt, die zwischen 819 und 826 auf der Bodensee-Insel Reichenau gezeichnet worden waren. Gebaut wurde das Kloster nie, aber die Pläne gibt es noch. Geurtens Fantasie war entfesselt: Er wollte dieses Kloster bauen - nicht als Modell, sondern in Originalgröße auf zwölf Hektar Fläche.
Doch es dauerte Jahrzehnte, bis der energiegeladene Mittelalter-Fan die Zeit hatte, sein Projekt wirklich mit Nachdruck voranzutreiben. Vor fast genau einem Jahr wurde er nach Gesprächen mit mehreren anderen Städten schließlich in Meßkirch vorstellig. »Wenn man das zum ersten Mal hört, denkt man: Das ist völlig durchgeknallt, das geht ja gar nicht. Aber wenn man sich länger damit beschäftigt, erkennt man den Charme daran«, erinnert sich Meßkirchs Bürgermeister Arne Zwick (CDU).
Während es Geurten vor allem um die kulturhistorische Bedeutung der karolingischen Klosterstadt geht, denken viele Kommunalpolitik im strukturschwachen Meßkirch vor allem an die Touristen, die die Baustelle anlocken soll. Einem Gutachten zufolge könnten jedes Jahr mindestens 180 000 Besucher kommen, um die Bauarbeiten anzuschauen. Für den bislang eher mäßigen Fremdenverkehr in Meßkirch wäre das ein gewaltiger Schub.
Am 2. April 2012 sollen die Arbeiten auf der Mittelalter-Baustelle, die die Stadt zur Verfügung stellt, beginnen. Die ersten Ochsen werden schon den Winter in Meßkirch verbringen, zahlreiche Handwerker haben schon ihre Bewerbung eingereicht. Steinmetze müssen in mühevoller Handarbeit in einem nahe gelegenen Steinbruch Baumaterial herstellen, Zimmerleute müssen ohne Maschinen Bretter und Balken sägen, Metzger sollen ganze Schweine über dem Feuer garen, Brauer mittelalterlichen Bier herstellen.
Mit 15 Arbeitern will Geurten starten. Sie sollen am Anfang vor allem kleine Fachwerkhäuser bauen, in denen sie anschließend arbeiten können. In einigen Jahren werden den Plänen zufolge dann 70 bis 80 Menschen auf der Baustelle arbeiten. Als Anschubfinanzierung zahlen Stadt, Land und Europäische Union mehr als 700 000 Euro.
Die Behörden stehen allerdings noch vor ganz ungewohnten Problemen. Denn wie erteilt man eine Baugenehmigung für eine Kathedrale aus dem Mittelalter? »Das wird kein normaler Bauantrag«, sagt Zwick. »Nicht alles, was damals gebaut wurde, ist immer stehen geblieben. Man hat früher häufig nach dem Prinzip 'Versuch und Irrtum' gebaut - das wollen wir natürlich vermeiden.«
Bis die Klosterstadt mit all ihren Gebäuden und vor allem der Kathedrale steht, werden mindestens 40 Jahre vergehen. Geurten wäre dann weit über 100 Jahre alt. »Aber da bin ich ein Mensch des Mittelalters«, sagt der 62-Jährige. »Wer damals begonnen hat, eine Kathedrale zu bauen, wusste nie, ob er sie je selbst in ihrem vollendeten Zustand sehen wird.«

Benutzeravatar
Norbert von Thule
Beiträge: 8066
Registriert: 11.06.2006, 21:15

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Norbert von Thule » 29.09.2011, 09:53

Aus den Stadtnachrichten Meßkirch:
Dirk Thannheimer hat geschrieben:
Die ersten Mitarbeiter für Klosterstadt stehen fest

Jungbullen kommen diesen Monat nach Meßkirch ”“ Verein sucht Paten für weitere Tiere

Die ersten Mitarbeiter, die im kommenden Jahr in der Klosterstadt beginnen werden, stehen seit gestern Nachmittag fest. Die drei Jungbullen sind Hinterwälder Rinder aus dem Schwarzwald und kommen bereits Mitte Oktober nach Meßkirch, um dort entsprechend ausgebildet zu werden.
Nächste Woche werden die Tiere aus der Zucht des freiherrlichen Guts des Freiherren und der Freifrau Röder von Diersburg in Nordhessen kastriert. Die beiden Adeligen stifteten die Hälfte des Kaufpreises als Spende für das Projekt karolingische Klosterstadt. „Die Adeligen haben von dieser Idee gehört und waren begeistert“, sagt Bert M. Geurten, Vorsitzender des Vereins karolingische Klosterstadt. Die Rinder bilden die Grundlage der beiden Ochsengespanne, die auf der Baustelle Steine, Lehm und Baumstämme transportieren werden.
Für zwei der drei Jungbullen gibt es schon Namen. Sie heißen Kilian und Jonathan. „Für den dritten Jungbullen suchen wir noch einen Paten, der dem Bullen einen Namen geben darf“, sagt Geurten. Jetzt fehlt noch ein vierter Ochse, damit das Gespann komplett ist. „Vielleicht gibt es ja jemanden im Raum Meßkirch, der uns helfen möchte“, sagt Geurten. Außer den Ochsen gibt es in der Klosterstadt auch Gänse, Enten, Esel, Hühner oder Schweine. „Auch für diese Tiere können Patenschaften übernommen werden“, ergänzt Geurten, der sich über jede Unterstützung aus der Bevölkerung freut.
Bild
Bild (SWR): Muss noch wachsen: Der kleine Hinterwälder-Bulle Kilian soll im nächsten Jahr seine Kraft auf der Baustelle einsetzen. Nur mit Hilfe von Ochsen und menschlicher Muskelkraft soll der Bau bewältig werden.

Montrose
Beiträge: 1215
Registriert: 17.01.2007, 11:18
Wohnort: Aachen

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Montrose » 29.09.2011, 19:11

Primo tauri postea homines castrantur.

Was für ein Schwachsinn, und auch noch von einem rheinländischen Reigschmeckda* angezettelt. Für dieses Geld hätte man 300 Spätzle-Museen bauen können.

Die SPD-Tante bedauert, daß das Kloster mit der Kirche in Zusammenhang gebracht werde. Man wolle doch nur die Bauweise des Mittelalters kennenlernen. Das Fräulein würde weniger Blödsinn reden, wenn sie kennenlernen würde, wie in der Jungsteinzeit getackert wurde.

Mittelalter ist für ländliche Regionen einfach eine Scheißidee. Schaut man sich diese Leute an, wäre ein Texas-Country-Club viel passender. Die Fettbäuche in der ersten Reihe mit Cowboy-Hut und einem Gewehr, wo** man auf Reigschmeckde*** schießen kann, wäre auf jeden Fall stilsicherer.

Und Kilian und Jonathan könnten ihre Eier behalten.




Kleine Verständnishilfe für Rheinländer und andere Barbaren:

* ein Nicht-Schwabe, ein Fremdling, ein Mensch zweiter Klasse
**der schwäbische Relativsatz beginnt immer mit "wo"; eine andere Grammatik benutzen nur Staubsaugervertreter und Fischköpfe.
***Reigschmeckde = Plural von a Reigschmeckda

Benutzeravatar
Nicole
Beiträge: 306
Registriert: 19.04.2008, 02:07
Wohnort: Herbesthal/Belgien
Kontaktdaten:

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Nicole » 30.09.2011, 10:41

Spätzlemuseum finde ich eine tolle Idee!

GG
N.
Cito, tuto et iucunde

Benutzeravatar
Norbert von Thule
Beiträge: 8066
Registriert: 11.06.2006, 21:15

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Norbert von Thule » 30.09.2011, 12:34

@ Nicole, @ Montrose:

25 km südlich von Reutlingen, auf der Schwäbischen Alb, befindet sich in Trochtelfingen das Spätzlemuseum. Hier befindet sich das Forum des Eynevolks, eine Interessengemeinschaft, die sich mit der Darstellung des lebendigen Mittelalters befasst. Baden-Würtembergische Geschichtsbücher berichten von schwäbischen Rittern, die dereinst Kaiser Barbarossa ins Heilige Land samt Schwert und Spätzlebrett folgten. Nehmt euch ein Beispiel daran und bereichert am 14.10.11 mein Geburtstagsbuffet mit eurer Herzensangelegenheit!

Benutzeravatar
Norbert von Thule
Beiträge: 8066
Registriert: 11.06.2006, 21:15

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Norbert von Thule » 18.11.2011, 14:40

Was seither geschah (aus dem Südkurier):

01.10.11
Schuften wie im Mittelalter

Meßkirchs Bürgermeister Arne Zwick dürfte in diesen Tagen sehr zufrieden sein: Zuerst stimmte das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz der Förderung der geplanten Karolingischen Klosterstadt in Meßkirch zu, dann gab in dieser Woche auch der Gemeinderat mit zwei Gegenstimmen noch grünes Licht für das Projekt.
Gerne erzählt Zwick von dem Tag, an dem das E-Mail des Vereins Karolingische Klosterstadt in seinem Postfach auftauchte. Er tat das Anliegen, eine Klosterkirche mitsamt etwa 40 Gebäuden mit den Methoden und dem Kenntnisstand des Mittelalters in einem Zeitraum von 40 Jahren zu errichten, nicht gleich als Unfug ab, sondern ließ sich die Idee der Mittelalterbaustelle erst einmal über das Mittagessen setzen.

Bild
Vorbild GuÁ©delon (Bert M. Geurten): Die Mittelalterbaustelle in Frankreich zieht viele Besucher an. Das soll ab 2012 auch bei der Klosterstadt-Baustelle in Meßkirch so sein.

Darauf kam er zu dem Entschluss: Da ist was dran. Und seitdem leistete die Mannschaft des Meßkircher Rathauses auf vielen Kanälen Überzeugungsarbeit: das Landratsamt, das Regierungspräsidium, die Leader-Kommission Oberschwaben, das Ministerium und nicht zuletzt auch die Meßkircher mussten überzeugt werden. Landwirtschaftsminister Alexander Bonde drückte es in dem Begründungsschreiben dafür, dass das Projekt eine 75-Prozent-Förderung bekommt, dann sinngemäß so aus: „Die Chancen überwiegen die Risiken.“ So sehen es heute auch die meisten in Meßkirch und der Region. Kritiker bezweifeln indes, dass es zu dem erwarteten Besucherstrom kommt und sehen in der Klosterstadt ein Fass ohne Boden für die Stadt, die ohnehin knapp bei Kasse ist. Auch dass da eine Klosterstadt ohne religiösen Hintergrund entsteht, wird kritisiert.
Im Juli nächsten Jahres soll die Baustelle, auf der ausschließlich mit Muskelkraft gearbeitet werden soll, eröffnet werden und im ersten Jahr ”“ so sieht es die Budgetplanung vor ”“ sollen es bereits 40 000 Besucher sein, die nach Meßkirch ”“ 20 Autominuten nördlich von Stockach, im Süden des Landkreises Sigmaringen gelegen ”“ kommen sollen, um der Entstehung der einzigartigen Klosterstadt beizuwohnen. Die Erwartungen basieren dabei auf den Erfahrungen, die im französischen GuÁ©delon gemacht wurden, wo nach denselben Prinzipien seit Jahren eine Burg gebaut wird.
Mit dem Tourismusprojekt wird im Landkreis Sigmaringen die Hoffnung verknüpft, dass der Besucherstrom dem Tourismus in der Region zwischen Bodensee und Donautal einen kräftigen Schub gibt, wovon schlussendlich auch die benachbarten Tourismusangebote wie die Heuneburg in Herbertingen-Hundersingen, die Kreisstadt Sigmaringen mit ihrem Schloss, das Donautal mit seinen vielfältigen Freizeitangeboten oder das Freilichtmuseum in Neuhausen ob Eck profitieren werden. Warum, so die Überlegung, sollten nicht auch Bodensee-Touristen die kurze Strecke nach Meßkirch fahren, um sich die Klosterstadt, ein weltweit einmaliges Projekt und ein lebendiger Geschichtsunterricht, anzusehen?
06.10.11
Unstimmigkeiten zwischen Bürgermeister Zwick und Gemeinderat Hopp

Nach der Sondersitzung zur Meßkircher Klosterstadt gibt es weiter Unstimmigkeiten zwischen Bürgermeister Arne Zwick und Freie-Wähler-Gemeinderat Hubert Hopp. Hopp habe im Anschluss an die Sitzung eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Meßkirchs Bürgermeister Arne Zwick beim Landratsamt Sigmaringen eingereicht.
 
Wie berichtet, hatte Hopp in der Sitzung den Antrag auf eine Abstimmung des Gemeinderats über eine Bürgerabstimmung gestellt, auf den in der Sitzung dann aber nicht weiter eingegangen wurde. Laut Bürgermeister Zwick, wurde der Antrag nicht formal korrekt gestellt. Hopp habe im Anschluss an die Sitzung eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim Landratsamt Sigmaringen eingereicht, die abgelehnt worden sei.
Zwick sagt, er habe im Lauf der Sondersitzung auf die Geschäftsordnung des Gemeinderates verwiesen und darin sei geregelt, dass solch ein Antrag wie ihn Hopp stellte, hätte schriftlich erfolgen müssen. Für eine Bürgerabstimmung hätte es eine Zweidrittelmehrheit des Gemeinderates bedurft. Theoretisch hätte man die Sitzung absetzen und vertagen müssen, sagt Zwick und verweist darauf, dass das Abstimmungsergebnis klar gewesen sei. Wie berichtet, war mit zwei Gegenstimmen für den Bau der Klosterstadt gestimmt worden. „Es ist korrekt gelaufen“, stellt Zwick fest.
Hopp sagt indes, dass er keine Dienstaufsichtsbeschwerde gestellt habe sondern im Nachgang zu dem SÜDKURIER-Kommentar in der vorigen Woche lediglich auf dem Landratsamt nachgefragt hätte, wie die Rechtslage hinsichtlich seines Antrages sei. Manuel Zipperer, Sprecher des Landratsamtes Sigmaringen, erläutert, dass Hopp sich telefonisch beim Landratsamt über das Verhalten von Bürgermeister Zwick in der Sitzung beschwert habe. Dementsprechend sei sein Anruf als Dienstaufsichtsbeschwerde behandelt worden. „Wenn es nicht so gedacht war, ist es nicht so rübergekommen.“ Generell habe die Dienstaufsichtsbeschwerde bei der Kommunalaufsicht des Landratsamtes keiner Form zu folgen. Beschwerden an diese Stelle würden prinzipiell als Dienstaufsichtsbeschwerden weiterverfolgt.
Mit Blick auf die Sondersitzung fährt Hopp fort: „Ich habe den Antrag gestellt und der ist nicht behandelt worden.“ Das sei nicht „ganz fair“ gewesen. „In der Zeit, in der ich Gemeinderat bin, ist das noch nie so gehandhabt worden“, kommentiert Hopp, dass er seinen Antrag schriftlich hätte stellen müssen und setzt hinzu, dass Zwick in der Sitzung nicht auf die Geschäftsordnung des Gemeinderats verwiesen habe. Daran können sich auf SÜDKURIER-Nachfrage auch eine Reihe anderer Gemeinderäte nicht erinnern. Er wolle das Thema aber nicht weiter verfolgen, da es „nur Ärger bringt“, stellt Hopp fest.
Zwick sagt mit Blick auf die Forderung nach einem schriftlichen Antrag und der sonst üblichen Praxis im Rat: „Normalerweise ist es nicht so streng.“ Da es sich bei dem Antrag Hopps jedoch um einen weitreichenden Antrag gehandelt habe, hätte eine neue Sitzung einberufen werden müssen, damit die Öffentlichkeit wieder hergestellt gewesen wäre, um die Gemeinderatssitzung unter diesem neuen Blickpunkt verfolgen zu können. So interpretiere er die Haltung des Landratsamtes, wie sie ihm im Zusammenhang mit der zurückgewiesenen Dienstaufsichtsbeschwerden dargelegt worden sei.

Beachtenswerte Randnotiz

Kommentar von Gregor Moser zur Sondersitzung des Gemeinderats und dem Antrag von Gemeinderat Hubert Hopp:


Der Antrag von Hubert Hopp und wie er in der Sondersitzung des Gemeinderats behandelt wurde, oder eben auch nicht, bleibt eine beachtenswerte Randnotiz. Wahrscheinlich ist, dass er in der Aufregung einfach vergessen wurde. Dafür spricht, dass sich außer Hopp noch etliche andere Gemeinderäte nicht erinnern können, dass der Bürgermeister bei dem Antrag auf die Geschäftsordnung des Gemeinderates hingewiesen hat. Deshalb sei dahingestellt, ob der Hinweis tatsächlich erfolgte. Tatsache bleibt, dass die Frage nach einer Bürgerabstimmung nicht das erste Mal in dem Gremium auf den Tisch kam und das Thema für viele Gemeinderäte und die Verwaltung einfach nur ein rotes Tuch war. Und die Chance auf eine Zustimmung durch den Rat hätte der Antrag ohnehin nicht gehabt. Deshalb gilt es jetzt nach vorn zu blicken ”“ an etwas anderem hat auch Hopp kein Interesse.
08.10.11
12 Fragen an Bert M. Geurten

Der Südkurier stellt zwölf Fragen an Bert M. Geurten


Bild
Bild (Gregor Moser): Bert M. Geurten ist Vorsitzender des Vereins Karolingische Klosterstadt. Geurten ist 62 Jahre alt, kommt aus Aachen, ist Betriebswirt, arbeitete bei einer Radiostation in Aachen und ist freier Journalist.

1 Was machen Sie eigentlich den ganzen Tag?
Zurzeit Fragen zur karolingischen Klosterstadt am Telefon beantworten.

2 Was fehlt Ihnen zum vollkommenen Glück?
Regelmäßig jährlich mehr als 200 000 Besucher auf der Klosterbaustelle und Aufstieg von Alemannia Aachen in die 1. Bundesliga.

3 Was schätzen Sie an Meßkirch am meisten?
Seine Mischung von Geschichte und Mut zur Zukunft

4 Wenn ich Bürgermeister von Meßkirch wäre, würde ich...
Würde ich sofort zurücktreten und Herrn Zwick als meinen Nachfolger vorschlagen.

5 Welche Musik hören Sie gerne?
Beatles, Bach, Gregorianische Gesänge und Fangesänge auf dem Aachener Tivoli

6 Worüber können Sie sich richtig freuen?
Über ehrlichgemeintes Lob.

7 Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Jürgen Kurz „Für immer aufgeräumt“.

8 Wo würden Sie gerne leben?
Im Sommer in Meßkirch, im Winter in Aachen

9 Wann waren Sie das letzte Mal in der Kirche?
Letze Woche in der Kapelle auf dem Michaelsberg in Cleebronn/Kreis Heilbronn.

10 Eine Million Euro ”“ was würden Sie damit machen?
In drei Teile teilen; ein Drittel für meine Kinder, ein Drittel als Rücklage für mich, ein Drittel für die Klosterstadt.

11 Gibt es etwas, das Sie wirklich bereuen?

Vieles, aber ich hab daraus fast immer gelernt.

12 Was machen Siein zehn Jahren?
Da werde ich den dreimillionsten Besucher auf der karolingischen Baustelle begrüßen.
08.10.11
Arbeit soll neue Perspektive geben

Pfullendorfer Werkstättle bietet der Klosterstadt eine Kooperation im Tourismus-Bereich an und bei der Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen auf der Baustelle.

Bild
Bild (Bert M. Geurten): Auf der mittelalterlichen Burgenbaustelle in Frankreich wird schon seit Jahren gearbeitet. Nächstes Jahr soll es mit der Meßkircher Klosterstadt im selben Stil losgehen. Mit anpacken sollen dann auch Langzeitarbeitlose ”“ wenn die Zuschüsse fließen.

Zwischen dem Pfullendorfer Werkstättle und der Meßkircher Klosterstadt bahnt sich eine Kooperation auf zwei Ebenen an. Zum einen ist geplant, dass Langzeitarbeitslose auf der Klosterstadtbaustelle eine Arbeit bekommen sollen und zum anderen hat Rüdiger Semet, Vorstandsvorsitzender Werkstättle e. V., eine Zusammenarbeit in der touristischen Vermarktung der Klosterstadt angeboten.
Bert M. Geurten, Vorsitzender des Vereins Karolingische Klosterstadt, begrüßt das Angebot. „Es ist eine unserer Maximen, Langzeitarbeitslosen langfristig einen Job zu bieten, wenn wir miteinander klar kommen“, sagt er. Es gebe viele Beschäftigungsmöglichkeiten auf der künftigen Klosterstadtbaustelle und „ein Job gibt das Selbstwertgefühl wieder. Da wollen wir dazu beitragen“. Es gehe auch um Kostenersparnisse, jedoch wolle man den Betroffenen die Chance einer langfristigen Perspektive bieten. Die ersten Telefonate, die zu dem Thema geführt wurden, hörten sich gut an, sagt Geurten. Semet sagt, dass zur Finanzierung des Vorhabens, rund 35 000 Euro fehlten. Dafür laufe derzeit ein Antrag beim Europäischen Sozialfonds. Ende Oktober oder Anfang November erwarte er eine Entscheidung. Der Plan sehe vor, dass 15 so genannte 1,50-Euro-Jobber auf der Klosterstadt mitarbeiten, denen zwei Arbeitserzieher zur Seite stehen sollen. Die Jobber könnten so bis zu 180 Euro im Monat dazuverdienen, die nicht auf das Arbeitslosengeld II angerechnet würden. Beim Bau der Abenteuergolfanlage in Pfullendorf sei ebenfalls eine Baugruppe aus Langzeitarbeitslosen gebildet worden, fährt Semet fort. Drei davon hätten im Anschluss eine Stelle als Platzwart bekommen. „Auf solche Effekte hoffe ich auch bei der Klosterstadt."
In Sachen Tourismus-Marketing bietet Semet an, die Verbindungen des Werkstättles in die Bodenseeregion zu nutzen. So beispielsweise das Verteilen von Prospekten bei Prospekttauschbörsen rund um den Bodensee. Für den Pfullendorfer Seepark seien auf diesem Weg 120 000 Prospekte in diesem Jahr verteilt worden. Auch gebe es „unendlich viele Möglichkeiten“ bei gemeinsamen Messeauftritten oder Aktionen, fährt Semet fort. Er sehe die Klosterstadt als eine riesen Chance für die Region. „Die Bodenseeregion ist nur so aktiv, weil es viele große Angebote gibt, die sie vorwärts treiben. So ein Zugpferd hat bisher im Landkreis gefehlt“, stellt er fest. Er könne sich in Zukunft Busreisen in den Landkreis vorstellen, die mit der Klosterstadt und einem Seeparkbesuch ein ganztägiges Programm in Meßkirch und Pfullendorf anbieten könnten. Geurten stimmt zu, dass beim Tourismus und der Vermarktung der Klosterstadt „alle an einem Strick“ ziehen müssen. Es gebe auch Gespräche mit den Organisatoren der Landesgartenschau in Sigmaringen sowie Kontakte ins Freilichtmuseum nach Neuhausen ob Eck und zur Heuneburg. Am kommenden Donnerstag soll es zudem ein zweistündiges Gespräch mit der CDU-Landtagsabgeordneten Tanja Gönner im Stuttgarter Landtag geben. „Wir suchen alle Kooperationsmöglichkeiten“, betont Geurten.
Kommentare

09.10.11
Tuisko hat geschrieben:
Ähnliche Aktion lief auf der Ruine Hornstein

Die Kooperation bei der Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen auf der Baustelle wurde auch bei der Renovation der Ruine Hornstein erfolgreich betrieben. Jetzt sind aber die Gelder versiegt und der Förderverein hat erhebliche finanzielle Probleme. Dies müsste auch der in Bingen wohnenden Landtagsabgeordneten bekannt sein, die besucht werden soll.


10.10.2011
bsxxl68-mb hat geschrieben:
Moderne Sklaverei?

Kann man sich diese Arbeit als moderne Sklaverei vorstellen? 180,00€ / 1,50€ = 120 Std. im Monat, die nicht auf das Arbeitslosengeld 2 angerechnet würden, was für ne’ Blödsinn!
Unter welchen Arbeitsbedingungen werden dort diese Menschen arbeiten müssen, ich frage mich, wo bleiben denn die Gewerkschaften?
Sehr viele Fragen offen…!
Und Sie Herr Moser, werden hoffentlich mit Ihrer Blitzkamera dabei sein!


19.10.11
"Ich habe das noch nicht erlebt“

Diakon Klaus Reichenberger äußerte sich in seiner Sonntagspredigt kritisch zur geplanten Klosterstadt und dem verkaufsoffenen Sonntag und erhielt Beifall.

Bild
Bild (Gregor Moser): Diakon Klaus Reichenberger vor dem Hauptportal der Martinskirche, in der er sich mehr Besucher bei den Gottesdiensten wünscht.

Klaus Reichenberger ist seit November 2001 Diakon in Meßkirch. Er stammt aus Grafenau im Bayerischen Wald und lebt mit seiner Frau seit 15 Jahren in Meßkirch. Er hat eine Tochter und einen Sohn sowie zwei erwachsene Pflegesöhne, die noch bei ihnen zu Hause wohnen. Wenn er in seiner bayerischen Art gerne mal etwas auf die Spitze treibt, dann werde dieser Humor hier nicht immer verstanden, sagt er.

Herr Reichenberger, Sie haben am Sonntag in der Martinskirche gegen die Klosterstadt gepredigt und es gab Beifall, stimmt das?
”¨”¨Gegen kann man nicht sagen. Ich habe einen Leserbrief zitiert, in dem stand, dass die Klosterstadt dem Kommerz und nicht Gott geweiht wird. GuÁ©delon ist wertneutral, aber eine Kirche ist das nicht. Es fehlt hier der religiöse Bezug, ich hätte nichts dagegen, wenn die Benzenburg wieder aufgebaut wird oder aus dem Menninger Wasserschloss ein Märchen-Turm mit einer Rapunzel oben drin würde.

Aber Beifall gab es, oder?
Ja, aber ich hatte auch auf den verkaufsoffenen Sonntag hingewiesen und darauf, dass, was wir an sechs Tagen nicht schaffen, wir bestimmt an sieben Tagen schaffen, Gott sei uns gnädig. Ich bin mir nicht sicher, für was es den Applaus gab. Ich habe das in meiner 30-jährigen Laufbahn als Mesner und seit den zehn Jahren als Diakon jedenfalls noch nicht erlebt.

Wollen Sie denn, dass Meßkirch und die Region die Chance verpasst, mit der Klosterstadt Geld zu verdienen?
Das einzige Problem, das ich habe, ist, dass die Klosterstadt keine wertneutrale Anlage sein wird. Das ist eine Geisterstadt.

Wie sind Sie denn auf das Thema Klosterstadt gekommen?
Weil Kirchweihsonntag war.

Gab es nach dem Gottesdienst noch Reaktionen darauf, die Sie mitbekommen haben?
In einer E-Mail wurde mir vorgeschlagen, mit dem Verein zu sprechen. Aber warum? Als Gotteshaus brauchen wir die Klosterstadt nicht. Wir kriegen ja unsere eigenen Kirchen nicht voll. Ich finde keine Worte, wenn man da ein Kloster baut. Was soll eine Basilika für 2000 Leute? Was wollen die da drin? Das Raumerlebnis? Der ganze Klosterstadtplan ist ausgelegt für den Gottesdienst. Ich habe eine Email bekommen, in der stand ‚weiter so' und viele sagen, das war gut. Aber mir geht es ja nicht darum, zu kritisieren sondern darum, dass es besser wird.

Kann das Klosterstadtprojekt aus Ihrer Sicht denn besser werden?
Nur durch in die Kirche gehen werde ich nicht automatisch ein guter Mensch. Ich war mit meiner Familie vor Jahren in ‚Pullman City' im bayerischen Wald. Wir wussten, dass es dort teuer ist und sind auch nicht drei Kilometer weiter ins nächste Dorf gefahren, um dort eine Wirtschaft zu suchen. Ich war auch bei der Landesgartenschau in Singen und war danach so müde, dass ich nach Hause musste. Aber durchaus möglich, dass in Sigmaringen andere sagen, mir macht das gar nichts aus, wir bleiben noch einen Tag und gehen in die Klosterstadt.

Sie denken also nicht, dass die erwarteten Besucherströme kommen werden?
Wenn es so wäre, wäre es toll. Ich habe in meiner Predigt auch gesagt, jetzt sind Paten gefunden worden für ‚seelenlose Hühner'. Wir tun in der Seelsorgeeinheit schon lange rum, um Helfer zu finden für einen karitativen Förderverein, der bald gegründet werden soll, aber da meldet sich niemand und die Not wird immer größer. Mein einziges Problem ist wie gesagt, dass es keine wertneutrale Anlage sein wird.
20.10.11
Kloster für die Wissenschaft

Klosterstadt-Verein bezieht Stellung zum Interview mit Diakon Klaus Reichenberger:

Bild

Der Verein „Karolingische Klosterstadt“ nimmt Stellung zu den Äußerungen von Diakon Klaus Reichenberger in der Predigt am vergangenen Sonntag in der Martinskirche und im gestrigen SÜDKURIER-Interview, in dem er kritisiert, dass in der Klosterstadt der religiöse Bezug fehlt.
„Klöster sind neben ihrer herausragenden Bedeutung als religiöse Zentren und Vermittler christlichen Glaubens Stätten der Bildung, der Forschung, der Kunst und der wirtschaftlichen Entwicklung ganzer Landstriche“, heißt es darin. Der Verein „karolingische Klosterstadt“ lade mit dem Bau einer Klosterstadt ein, die faszinierende Fülle klösterlicher Kultur zu entdecken.”¨”¨„Und dazu gehören auch Musik und Medizin, Essen und Trinken, die Entstehung bedeutender Kunstschätze, Bau-, Buch- und Gartenkunst. Auf den Spuren der Geschichte des Bodenseeraumes gewinnen unsere Besucher einen außergewöhnlich lebendigen Eindruck von dem, was klösterliches Leben für Europa besonders im Zeitalter Karls des Großen und seiner Nachfolger bedeutet hat.”¨”¨Und auch davon, warum es für uns heute wichtig ist. Deshalb müsste, so jedenfalls unsere Meinung, ein katholischer Diakon froh und glücklich sein, wenn so ein Projekt, wie die karolingische Klosterstadt in Meßkirch entsteht.“
Der Verein sei sich bewusst, dass er einen Kirchenraum des neunten Jahrhunderts entstehen lässt und dieser Raum werde einmal zu einem Raum der Besinnung werden und zum anderen zu einem Ort der Musik und Literatur des neunten Jahrhunderts. .
Natürlich stehe im Moment das Thema „Finanzierung“ im Mittelpunkt des Medieninteresses.. Diese Punkte haben aber auch im 9. Jahrhundert beim Bau von Klosterbauten immer eine große Rolle gespielt. „Dabei werden wir aber nie die Bereiche des Geistigen und Geistlichen bei unserem Projekt aus den Augen verlieren. Von den ersten Tagen der Planung unseres Projektes an, haben wir den Kontakt mit den Mönchen der heutigen Zeit gesucht.“”¨”¨Der Verein verweist auf den Abt der Abtei Maria Laach in der Eifel, auf Erzabt Tutilo aus Beuron sowie eine Reihe von Mönchen der benediktinischen Richtung, unter ihnen der Abtprimas der Benediktiner, dem ranghöchsten Benediktiner der Welt, in St. Anselmo in Rom. „All diese Menschen aus dem Orden des Heiligen Benedikt stehen uns mit Rat und Tat zur Seite und haben bisher keinerlei Ablehnung gezeigt sondern Interesse und die Bereitschaft mit uns zu reden. Darüber sind wir froh und glücklich“, teilt der Verein mit.
Der gemeinnützige Klosterstadt-Verein sei nicht religiös gebunden, seine Mitarbeiter gehörten, soweit bekannt, verschiedenen Religionen und Konfessionen an. „Wir erwarten aber von unseren Mitarbeitern, dass sie die Arbeit und den Glauben der Menschen des neunten Jahrhunderts respektieren.“
Dass der katholische Glaube in seiner Entwicklung als Gegenstand von Wissenschaft und Forschung in der Öffentlichkeit behandelt wird, dass müsse ein Angehöriger der Glaubensgemeinschaft in unserer demokratisch verfassten Gesellschaft mit der festgeschriebenen Trennung von Staat und Kirche einfach aushalten können. Damit habe der Verein eine klare Stellung bezogen und werde sich zu diesem Thema in Zukunft nicht mehr äußern.
Bert M. Geurten, Vorsitzender des Klosterstadt-Vereins, fügt zu dieser Stellungnahme des Vereins einige eigene Bemerkungen hinzu. Als rheinischer Katholik sei er es gewohnt, dass man miteinander spricht und nicht übereinander. Er hoffe und glaube, dass dies auch im Geniewinkel so ist.”¨”¨„Als praktizierender Katholik finde ich es sehr schade, wenn man Angriffe von einer Kanzel aus startet, ohne vorher das Gespräch gesucht zu haben“, fährt er fort. Weiter schreibt er: „Gott und Kommerz haben sich in der katholischen Kirche nie ausgeschlossen. Ich erinnere nur an den Bau der Peterskirche in Rom.“ Die Klosterstadt werde alles andere als eine Geisterstadt werden. „Sie wird mit Geist und Leben erfüllt sein.“
26.10.11
Geurten sucht „Ochsenflüsterer“

Anfang November sollen die ersten vier Ochsen für die Klosterstadt in Meßkirch eintreffen.

Bert M. Geurten, Vorsitzender des Vereins Karolingische Klosterstadt, kündigt zu dem Anlass ein kleines Fest an, bei dem auch Mitarbeiter des SWR vor Ort sein sollten, um einen Fernsehbeitrag zu drehen. Die Ochsen sollten mit Waldhornbläser begrüßt werden. Eberhard Hauff aus Meßkirch habe zugesagt, bei der Ausbildung eines der beiden Ochsengespanne mitzuhelfen, sagt Monika Hauff. Für die Unterbringung der Tiere sei ebenfalls gesorgt, stellt Geurten fest. Die beiden anderen Ochsen würden von CDU-Gemeinderat Christian Fecht aufgenommen. Die Ochsen bekämen einen Offenstall und müssten sich nun an die Menschen gewöhnen, sagt Geurten. „So ein Ochsengespann auszubilden, ist eine Kunst.“ Deshalb suche man noch dringend einen „Ochsenflüsterer“ ”“ einen weiteren Ausbilder. Gesucht würden zudem noch Paten für Ochsen, Hühner, Esel, Gänse und Pferde, die auf der Klosterstadtbaustelle einmal leben sollen. Die Tierpaten übernehmen die Kosten für Futter, Tierarzt oder auch die Anschaffung der Tiere, erläutert der Vereinsvorsitzende. Auch für Firmen und Vereine sei dies denkbar, sagt Geurten. „Das geht ganz nach Geldbeutel.“ Interessierte an einer Patenschaft oder an der Ausbildung der Ochsen könnten sich bei Bert M. Geurten, Telefon 0 15 77/4 51 02 19, melden.

29.10.11
Eine Zeitreise ins neunte Jahrhundert

Die Architektin Simone Jansen und der Historiker Erik Reuter sind dabei, einen „Zeitweg“ für die Klosterstadt zu entwickeln.

Bild
Eine Zeichnung des geplanten Zeitweges von Simone Jansen.

Wenn die Klosterstadt im nächsten Jahr öffnet, soll es einen Zeitweg geben, der die Besucher vom Parkplatz aus auf dem Weg zur Klosterstadtbaustelle mit zurücknimmt ins neunte Jahrhundert.
„In GuÁ©delon kann man vom Parkplatz aus das Gelände schon fast sehen. Man hat nicht die Möglichkeit, sich auf die Zeit einzulassen, das wollen wir anders machen“, sagt Simone Jansen. Die 36-jährige Architektin aus Aachen war zusammen mit dem Verein Karolingische Klosterstadt schon zweimal in Meßkirch ”“ beim Galaabend und am Stadtfest sowie bei der Vereins-Vorstellung in der Viehhalle ”“ jetzt ist sie dabei, ein Konzept für solch einen Zeitenweg in die Vergangenheit zu entwickeln.
Ihre Idee sei eine „Zeitschleife“, eine Art „Minni-Kreisverkehr“, der an dem Weg vom Parkplatz zur Klosterstadtbaustelle gelegen sein soll. „Für mich ist die Zeitschleife etwas, auf das man sich einlassen kann und das Runde dieser Bewegung ist schon sehr harmonisch.“ Bestandteil ihrer Idee seien hölzerne Litfasssäulen, auf denen Geschichte dargestellt wird. Dazu solle es eine Möglichkeit zum Hinsetzen und Verweilen geben. „Auf die Tafeln sollen markante Dinge der Jahrhunderte kommen, vielleicht auch mit Bildern, dass man sich wieder in die Zeit zurückfinden kann“, resümiert Jansen.
Mit der Ausarbeitung der Stationen ist derzeit der Historiker Erik Reuter, ebenfalls vom Verein Karolingische Klosterstadt, befasst. An etwa sechs Stationen sollen einzelne Jahre die Erinnerung an verschiedene Epochen herstellen, sagt er. Das Jahr 1886 könne so für die Industrialisierung und die Entwicklung des Automobils genommen werden. „Die Menschen kommen mit dem Auto zur Klosterstadt und sehen, dass es das Auto seit dem Jahr gibt.“ Der Geschichtsweg soll so mehr die menschliche Seite der Geschichte zeigen. Ins Auge gefasst sei auch die Zeit nach den beiden Weltkriegen ”“ eine für Deutschland wichtige Zeit ”“ am Beispiel des Jahres 1949, in dem es unter anderem auch die Berufung Sepp Herbergers zum Bundestrainer gab, stellt Reuter fest. Der Umbruch vom Mittelalter zur Neuzeit andererseits könne um das Jahr 1500 und an Personen wie Kopernikus, Luther oder Kolumbus und der Entdeckung der Ananas-Frucht für die Europäer festgemacht werden, gibt der 43-jährige Historiker ein weiteres Beispiel. „Pro Station wollen wir verschiedene Aspekte beleuchten mit kurzen Einsprengseln, keine langen Text“, erläutert Reuter weiter. Auch über den Einsatz von Bildern werde nachgedacht. Angedacht sei es, die Geschichtsstationen auf Glas zu präsentieren. Was genau auf die Stationen kommt, sei derzeit aber noch nicht bis ins Detail beschlossen. „Ich habe noch nicht alles zusammen und es muss erst noch mit den anderen durchdiskutiert werden“, stellt Reuter fest. Denn man arbeite beim Verein Karolingische Klosterstadt im Team daran.
In der kommenden Woche reist Jansen nun erneut nach Meßkirch, um das Konzept des Zeitweges der Stadtverwaltung vorzustellen.
Kommentar

29.10.11
ottavan hat geschrieben:
Klosterstadt Eröffnung 1012?

Nach der Besprechung der zuständigen Ämter am Mittwoch wird es wohl nichts mit der geplanten und allseits propagierten Eröffnung des Projekts im Frühjahr 2012. Die "Visionäre" haben offensichtlich den zweiten Schritt vor dem ersten Schritt gemacht. Dabei müsste man gerade vom Meßkircher Schultheiss erwarten können, dass er die ganze Sache wenigsten hinsichtlich der bürokratischen Erfordernisse einigermaßen realistisch zu beurteilen in der Lage ist. Nach den zahlreich erschienen Artikeln ist dies aber nicht der Fall.
09.11.11
Klosterstadt-Eröffnung verschiebt sich auf 2013

Die Eröffnung der geplanten Klosterstadt in Meßkirch verschiebt sich um neun Monate auf April 2013.

Dies teilt Bert M. Geurten, Vorsitzender des Vereins Karolingische Klosterstadt aus Aachen mit. Der Grund sei, dass nicht alle Genehmigungen rechtzeitig fertig sein werden, um wie geplant im April nächsten Jahres zu eröffnen.
10.11.11
Klosterstadt eröffnet erst April 2013

Die Eröffnung der Klosterstadt verschiebt sich um rund neun Monate auf den 1. April 2013. Dies teilte Bert M. Geurten, Vorsitzender des Vereins Karolingische Klosterstadt, gestern mit.

Bild
Bild (Gregor Moser): So sieht die karolingische Klosterstadt im Modell aus, wenn sie fertig ist. Die Eröffnung der Klosterstadtbaustelle bei Meßkirch verschiebt sich nun um neun Monate.

Bürgermeister Arne Zwick nennt als Grund die Tatsache, dass die für den Start erforderlichen Genehmigungen nicht wie zunächst gehofft bis zum ersten April nächsten Jahres erteilt werden könnten, sodass die geplante Eröffnung im kommenden Juli nicht realisiert werden kann. Später im Jahr zu öffnen mache aber aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus keinen Sinn. „Die Vielzahl der Planungsverfahren war in der Zeit einfach nicht zu Ende zu bringen“, stellt der Bürgermeister fest.
Der Terminkalender für den Verein ist für 2012 dennoch voll. So plant der Verein unter anderem am 2. April nächsten Jahres, dem vermutlichen Geburtstag Karls des Großen, mit einem ökumenischen Gottesdienst in Meßkirch sein Stiftungsfest zu feiern, teilt Geurten mit. Gleichzeitig starte der Countdown für die Eröffnung der Baustelle für die Besucher genau ein Jahr später. „Nach intensiven Gesprächen mit der Stadt Meßkirch haben wir uns entschlossen unseren Eröffnungstermin um neun Monate nach hinten zu verlegen.” Zwar hätten Stadt und Verein den geplanten Eröffnungstermin 1. Juli 2012 einhalten können, doch die ganzen notwendigen Planverfahren benötigten drei, vier Monate länger um Sie sauber abzuschließen. „Dann sind wir im Herbst 2012 und dann lohnt sich eine Eröffnung in 2012 nicht mehr”, sagt Verena Scondo, die zweite Vorsitzende des Vereins.
Der Vorteil in der Verzögerung bestehe darin, dass Eberhard Hauff etwas mehr Zeit habe, um die Ochsengespanne auf Vordermann zu bringen und Geurten fügt hinzu: „Wir haben etwas mehr Luft und können die Eröffnung noch besser vorbereiten.” Scondo erinnert daran, dass alle Mitarbeiter noch völlig ehrenamtlich arbeiten und bis drei Monate vor Öffnung für die Besucher ohne einen Cent Lohn arbeiten werden.
Im Januar 2012 plant der Verein auf der ersten Etage im „Komm In” seine Meßkircher Geschäftsstelle zu eröffnen. Scondo bittet hier besonders die Meßkircherinnen um Mithilfe: „Wie suchen für unsere Geschäftsstelle noch einige Damen, die ehrenamtlich halbtags dort arbeiten wollen, damit die Geschäftsstelle auch dann besetzt ist, wenn wir nicht in Meßkirch sind.” Im April 2012 werden in Zusammenarbeit mit dem „Werkstättle” in Pfullendorf 15 Langzeitarbeitslose mit ersten wichtigen Vorbereitungsarbeiten für die Klosterstadt beginnen, kündigt Geurten weiter an und stellt fest: „Wir bieten allen diesen Menschen bei Eignung auch für später eine langfristige Anstellung an. Dieser soziale Aspekt ist uns sehr wichtig. ” Im Herbst 2012 soll dann im Meßkircher Schloss zum ersten Mal der wissenschaftliche Beirat des Meßkircher Klosterstadtprojektes tagen, dem Wissenschaftler von hervorragenden Universitäten wie der Ludwig-Maximilian-Universität München, den Universitäten und Hochschulen aus Tübingen, Wien, Fribourg in der Schweiz, Aachen, Darmstadt, Freiburg, Stuttgart, Bonn, Dortmund, Hamburg und des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg in Konstanz sowie dem Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg angehören werden. Zudem soll es im November 2012 zum ersten Mal einen Hubertusmarkt mit einer ökumenischen „Hubertusmesse” und Parforcehornbläser auf der karolingischen Klosterbaustelle geben.
10.11.11 
Verschiebung gibt Zeit

Die Klosterstadt öffnet nicht wie geplant 2012, sondern erst 2013. Das zeigt, dass die Stadtverwaltung mit Bürgermeister Zwick an der Spitze zu optimistisch war, was die Arbeitsabläufe in den Behörden betrifft, die für die Verfahren zuständig sind.

Gut Ding will eben Weile haben und das trifft offenbar auch in diesem Fall zu. Im Nachhinein betrachtet, hätte man so vielleicht alles etwas gemächlicher angehen können ”“ aber das lässt sich rückblickend natürlich immer leicht sagen. Die Verschiebung um neun Monate ist andererseits aber vielleicht auch etwas Gutes, denn sie gibt allen Beteiligten mehr Zeit, die Vorbereitungen bestmöglich zu treffen. Und darin sind sich Stadt und Klosterstadtverein sicher einig: Die Eröffnung der Klosterstadt sollte gelingen. Am Ende könnte es nun daher so kommen, dass alle von der Verschiebung profitieren. Eine Erschwernis bedeutet die Verschiebung des Termins indessen für die Mitarbeiter des Vereins Karolingische Klosterstadt aus Aachen und Umgebung, die die Vorarbeit mit viel Idealismus und Enthusiasmus betreiben und teils schon auf dem Sprung sind, nach Meßkirch umzuziehen. Ein Gehalt für ihre Arbeit für die Klosterstadt werden sie nach dieser Entscheidung nämlich erst ab 2013 bekommen. Das heißt, dass sie die Zeit bis dahin mit anderen Einnahmequellen überbrücken müssen. Denn Geld von der Stadt bekommen sie keines. Das hatte Bürgermeister Arne Zwick auch im Gemeinderat in dieser Woche festgestellt und sich so gegen Gerüchte gewandt, die in der Stadt kursieren.

Benutzeravatar
Norbert von Thule
Beiträge: 8066
Registriert: 11.06.2006, 21:15

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Norbert von Thule » 18.11.2011, 15:12

Aus der aktuellen Ausgabe der Immobilien-Zeitung:
Dagmar Lange hat geschrieben:
Bau einer Klosterstadt als Touristenmagnet

Bild
Bilder (Geurten): Das Mo­dell zeigt, wie die Klos­ter­stadt mal aus­se­hen soll. Läuft alles nach Plan, ...

Nach mit­tel­al­ter­li­chen Plä­nen und mit Bau­me­tho­den aus dem 9. Jahr­hun­dert soll im ober­schwä­bi­schen Städt­chen Me­ß­kirch eine Klos­ter­stadt samt Ka­the­dra­le ent­ste­hen. Die Bau­zeit wird auf min­des­tens 40 Jahre ver­an­schlagt. Ziel ist, Tou­ris­ten in die struk­tur­schwa­che Re­gi­on zu lo­cken.
Ist die Idee mutig, spin­nert oder gar ge­ni­al? Auf alle Fälle ist sie ein­ma­lig au­ßer­ge­wöhn­lich. Gänz­lich ohne mo­der­ne Ma­schi­nen, al­lein mit Och­sen und Mus­kel­kraft will ein Ver­ein in Me­ß­kirch (Land­kreis Sig­ma­rin­gen) eine Klos­ter­stadt mit rund 52 Ge­bäu­den, dar­un­ter eine Ka­the­dra­le für 2.000 Men­schen, er­rich­ten.
Die End­los­bau­stel­le soll im Früh­jahr 2013 star­ten und ab dem drit­ten Jahr jähr­lich min­des­tens 180.000 Be­su­cher an­lo­cken, so ein Gut­ach­ten der Dua­len Hoch­schu­le Ra­vens­burg. Ab 125.000 Be­su­chern pro Jahr lie­ßen sich die Bau­kos­ten aus den Ein­tritts­gel­dern fi­nan­zie­ren. Diese Aus­sich­ten über­zeug­ten auch den Ge­mein­de­rat der nur rund 8.000 Ein­woh­ner zäh­len­den Stadt Me­ß­kirch. Die kann sich auch über För­der­mit­tel des Mi­nis­te­ri­ums für Länd­li­chen Raum in Höhe von 450.000 Euro - 330.000 Euro von der Eu­ro­päi­schen Union und 120.000 Euro Lan­des­mit­tel - für die ka­ro­lin­gi­sche Klos­ter­stadt freu­en. Der städ­ti­sche An­teil an der An­schub­fi­nan­zie­rung soll zwi­schen 200.000 Euro und 400.000 Euro lie­gen. Denn man rech­net fest damit, dass die Klos­ter­stadt zum Al­lein­stel­lungs­merk­mal wird. Me­ß­kirchs Bür­ger­meis­ter Arne Zwick hält sogar 300.000 Be­su­cher für rea­lis­tisch, denn am Bo­den­see gebe es meh­re­re Mil­lio­nen Tou­ris­ten im Jahr und Me­ß­kirch liege ge­ra­de mal 15 km Luft­li­ne vom See ent­fernt.
Der Bau ist das Ziel. Denn noch kann nie­mand das Jahr der Bau­fer­tig­stel­lung be­zif­fern. 40 bis 50 Jahre wird es dau­ern, meint Bert Ge­ur­ten, Vor­sit­zen­der des Ver­eins "ka­ro­lin­gi­sche Klos­ter­stadt".

Bild
... wird sie wis­sen­schaft­lich wie tou­ris­tisch ein Er­folg.

Der 62-jäh­ri­ge Rhein­län­der Ge­ur­ten, von Beruf Jour­na­list, ist der Ide­en­ge­ber und die trei­ben­de Kraft des Pro­jekts. Er schaff­te es, die Po­li­ti­ker vor Ort von einer Idee zu über­zeu­gen, deren zeit­li­che Di­men­si­on die po­li­ti­scher Ent­schei­dun­gen weit über­trifft. In­spi­riert wurde Ge­ur­ten vor vie­len Jah­ren durch eine Aus­stel­lung über Karl den Gro­ßen in Aa­chen. Dort wurde der Plan einer his­to­ri­schen Klos­ter­an­la­ge ge­zeigt, der in der Stifts­bi­blio­thek im schwei­ze­ri­schen St. Gal­len la­gert. Der 112 x 77,5 cm große Plan zeigt Grund­riss­dar­stel­lun­gen von rund vier­zig Ge­bäu­den, aber auch Gär­ten, Zäune, Mau­ern und Wege sind zu sehen. Im Zen­trum steht eine Klos­ter­kir­che, die Platz für 2.000 Men­schen bie­tet. Die Pläne wur­den zwi­schen 819 und 826 auf der Bo­den­see-In­sel Rei­chen­au ge­zeich­net. Laut Ge­ur­ten han­delt es sich dabei um einen Mas­ter­plan für hun­der­te von Klös­tern, die im Ori­gi­nal aber nie ge­baut wur­den.
Vor­bild für die ka­ro­lin­gi­sche Klos­ter­stadt ist das fran­zö­si­sche Burg­bau­pro­jekt GuÁ©­de­lon, 140 km süd­öst­lich von Paris. Es star­te­te 1997 und soll 2025 fer­tig­ge­stellt sein

Wis­sen­schaft­ler sind in­ter­es­siert

Sechs Ge­mein­den hät­ten sich ur­sprüng­lich darum be­wor­ben, die Klos­ter­stadt zu rea­li­sie­ren, er­zählt Ge­ur­ten. Die idea­len räum­li­chen Vor­aus­set­zun­gen bot letzt­lich Me­ß­kirch. 28 ha Ge­län­de ste­hen ein­schlie­ß­lich Park­flä­chen zur Ver­fü­gung. Die ei­gent­li­che Klos­ter­stadt wird auf 8 ha er­rich­tet. Mit dem Schloss Me­ß­kirch und den Bur­gen im Do­nau­tal passe die Klos­ter­an­la­ge in die Raum­schaft. Der Ge­mein­de­rat hat nach ei­ni­gen Be­spre­chun­gen und Prä­sen­ta­tio­nen des Pro­jekts mitt­ler­wei­le auch grü­nes Licht dafür ge­ge­ben.
Dass bei die­sem Pro­jekt nicht nur ein paar Mit­tel­al­ter-Freaks ihren Spiel­platz bauen, zeigt das In­ter­es­se nam­haf­ter Wis­sen­schaft­ler. Die Uni­ver­si­tät Ham­burg sowie die Stifts­bi­blio­thek St. Gal­len sind in­vol­viert. Auch Wis­sen­schaft­ler der Uni­ver­si­ty of Ca­li­for­nia in Los An­ge­les (USA) be­tei­li­gen sich an der Deu­tung der Pläne. Noch die­ses Jahr soll ein wis­sen­schaft­li­cher Bei­rat ge­grün­det wer­den.

Bauen wie vor 1.200 Jah­ren

Das Pro­jekt ist eine Her­aus­for­de­rung für His­to­ri­ker und Ar­chäo­lo­gen. Aber auch für die Hand­wer­ker. Zur­zeit ar­bei­ten etwa 50 Men­schen aktiv und bis­her kos­ten­los mit, um die Bau­stel­le vor­zu­be­rei­ten. Ge­sucht wer­den vor allem Stein­met­ze, Schmie­de, Schrei­ner und Zim­mer­leu­te. Das Ar­beits­amt Sig­ma­rin­gen mach­te Ge­ur­ten keine Hoff­nung, sol­che Fach­hand­wer­ker zu fin­den. Zumal sie für "Got­tes Lohn", wie Ge­ur­ten es nennt, ar­bei­ten sol­len. D.h. für ca. 1.200 Euro Net­to­lohn im Monat. Doch trotz­dem gibt es mehr Be­wer­bun­gen als Ar­beits­plät­ze. Selbst Hand an­zu­le­gen statt eine Ma­schi­ne zu über­wa­chen, scheint ver­lo­ckend zu sein. "So eine Chan­ce kommt alle 1.000 Jahre", be­grün­det ein Be­wer­ber seine Be­reit­schaft zur Mit­ar­beit. Ge­plant ist, auch ju­gend­li­che Lang­zeit­ar­beits­lo­se sowie Be­hin­der­te mit ein­zu­bin­den. Im Laufe der Zeit sol­len auch Laien - von Ta­ges­tou­ris­ten bis zu Kin­dern aus um­lie­gen­den Land­schul­hei­men - Er­fah­run­gen auf der mit­tel­al­ter­li­chen Bau­stel­le sam­meln kön­nen. "Men­schen sind in­ter­es­san­ter als Ge­bäu­de", meint Ge­ur­ten. Die Klos­ter­stadt wird also lange vor Fer­tig­stel­lung zum tou­ris­ti­schen An­zie­hungs­punkt.
Das Mar­ke­ting läuft gut. Laut Ge­ur­ten gab es in den letz­ten zehn Mo­na­ten ca. 120 Pres­se­ar­ti­kel in deutsch­spra­chi­gen Me­di­en. Selbst die An­lie­fe­rung der Och­sen war dem SWR-Fern­se­hen einen Nach­rich­ten­bei­trag wert. Nun ist die Ge­mein­de ge­for­dert, die In­fra­struk­tur für den er­war­te­ten tou­ris­ti­schen An­sturm zu schaf­fen.

Bild
Ka­ro­lin­gi­scher Klos­ter­plan von St. Gal­len, ge­zeich­net auf der Rei­chen­au um 817/20 oder 826/30

Benutzeravatar
Norbert von Thule
Beiträge: 8066
Registriert: 11.06.2006, 21:15

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Norbert von Thule » 19.11.2011, 14:04

Gestern im Südkurier:
Gregor Moser hat geschrieben:
Die GHV-Mitglieder treffen sich im Heudorfer Adler zur jährlichen Mitgliederversammlung ...

Bild

Beim Thema Klosterstadt sprach sich Markus Herz, Vorstand der Volksbank Meßkirch, unter dem Applaus der zahlreichen Mitglieder, die gekommen waren, dafür aus, dass die Stadt eine Koordinierungsstelle für die Meßkircher Wirtschaft anbieten soll, um mit dem Verein Karolingische Klosterstadt ins Geschäft zu kommen. „Unsere Gewerbetreibenden sollten priorisiert werden.“ Es müsse deutlich gemacht werden, was der Verein braucht. Zuvor hatte Bürgermeister Arne Zwick an die GHV-Mitglieder gewandt festgestellt: „Es ist ganz wichtig, dass Sie in die Gänge kommen.“ Weder Klosterstadtverein noch Verwaltung hätten Zeit, Geschäftsideen für die Meßkircher zu entwickeln. Harry Knoll warf ein, es gebe das Gerücht, dass Auswärtige schon eng mit dem Verein verbunden seien. Darauf sagte Zwick: Wenn es an einer Zusammenarbeit mit dem Verein Interessierte aus Meßkirch gebe, könne gesagt werden, Meßkircher zuerst. Der GHV-Vorsitzende Holger Schank hielt fest, dass es schon Gewerbebetriebe gibt, die mit dem Verein in Kontakt seien und die einen Vorsprung haben. Die Resonanz auf den ersten Workshop der GHV, wie die Klosterstadt wirtschaftlich für die Stadt genutzt werden kann, sei nicht „so groß gewesen“. Einige engagierten sich, andere warteten ab. Hermann Müller stellte fest, dass Bert M Geurten, Vorsitzender des Vereins Karolingische Klosterstadt, der Letzte wäre, der keine Antwort geben würde, wenn er von einem Meßkircher angerufen und gefragt würde, wie man sich bei der Klosterstadt einbringen kann.
Er stellte fest, es sei interessant, dass viele Auswärtige eine „unheimliche Chance“ in der Klosterstadt sehen. Zwick hielt fest, dass es das Kernproblem des Vereins derzeit sei, dass nicht gewusst werde, was alles gebraucht werden kann. Die einzige Vorgabe für Geschäftsideen sei indes, dass sie ins neunte Jahrhundert passen muss. Schank kündigt an, dass Geurten bei dem nächsten Workshop zu dem Thema eingeladen werden soll.
Dirk Thannheimer von der [url=http://www.schwaebische.de/region/sigmaringen-tuttlingen/messkirch/stadtnachrichten-messkirch_artikel,-Gewerbeverein-will-Netto-in-der-Innenstadt-halten-_arid,5163768.html]Schwäbische Zeitung[/url] hat geschrieben: ... Und so ruhen die Hoffnungen auf die Klosterstadt, von deren Besucher die Innenstadt profitieren soll. „Aber dazu müssen die Händler selbst in die Gänge kommen ”“ und zwar schnell. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, sagte Zwick zu Beginn seines Vortrags, der dann jäh von Markus Herz, Vorstandsmitglied der Volksbank, unterbrochen wurde. „Die Meßkircher Händler und Gewerbetreibenden müssen hinsichtlich der Klosterstadt Priorität haben. Die Stadt muss deshalb für eine bessere Koordination zwischen der GHV und dem Verein karolingische Klosterstadt sorgen.“ Zwick dazu: „Wir können Interessenten, die nicht aus Meßkirch kommen, nicht verbieten, sich an der Klosterstadt zu beteiligen. Das wäre unfair.“ Den Mitgliedern sei noch nicht klar genug, welcher Bedarf gedeckt werden könne, welche Chancen überhaupt bestünden.
Arne Zwick kündigte deshalb an, einen weiteren Workshop zu organisieren, bei dem auch Bert M. Geurten, Vorsitzender des Verein karolingische Klosterstadt, anwesend ist. Trotzdem lautete der Appell von Zwick: „Die Händler müssen eigene Wege und Mittel finden, den Besucherstrom zu nutzen.“

Benutzeravatar
Norbert von Thule
Beiträge: 8066
Registriert: 11.06.2006, 21:15

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Norbert von Thule » 19.11.2011, 14:27

Heute im Südkurier:
Gregor Moser hat geschrieben:
Klosterstadt-Verein reagiert auf GHV

Der Verein Karolingische Klosterstadt sieht seine Aufgabe vor allem im Baustellenbetrieb.

Bei der Hauptversammlung der Gewerbe- und Handelsvereinigung Meßkirch (GHV) wurde auch das Thema „Klosterstadt” angesprochen und darüber diskutiert, wie eine Zusammenarbeit zwischen Meßkircher Betrieben und der Klosterstadt zustande kommen könnte und ob Meßkircher gegenüber auswärtigen Interessenten bevorzugt werden können (der Südkurier berichtete).
Dazu teilt der Verein Karolingische Klosterstadt aus Aachen nun mit, dass auch er einige Punkte dazu verdeutlichen wolle: „Bereits im März 2011 haben wir der Öffentlichkeit detailliert unser ‚Meßkircher Modell' vorgestellt. Hier bieten wir Vereinen und Unternehmen der Region die Möglichkeit, sich in unser Projekt einzubringen“, heißt es darin. Eine Reihe von Vereinen und Unternehmen hätten sich daraufhin an den Verein gewandt und mit seinen Vertretern gesprochen. „Wir werden weiter mit diesen Ansprechpartnern in Kontakt bleiben. Verträge wurden bisher noch nicht abgeschlossen“, heißt es in der Mitteilung. „Wenn wir angesprochen wurden, haben wir nicht gefragt, woher der Fragende kommt, sondern es war uns wichtig, ob es sich um eine tragfähige Idee handelt“, stellt Bert M. Geurten, Vorsitzender des Vereins fest. „Bisher kamen alle Interessenten aus Meßkirch beziehungsweise aus einem Umkreis von maximal 25 Kilometer. So werden wir es auch in Zukunft halten.“
Die Aufgabe als gemeinnütziger Verein sei es in erster Linie dafür zu sorgen, dass viele Menschen ab 2013 die Baustelle besuchen und wieder zufrieden verlassen und dass sich die Baustelle so schnell wie möglich durch die Besucher trägt. „Damit sparen wir das Geld des Steuerzahlers. Damit sind wir voll und ganz ausgelastet“, teilt er mit. „Wir können nicht die Ideen für Vereine und Firmen entwickeln, wie man sich erfolgreich in unser Projekt einbringen kann. Wir geben die Rahmenbedingungen vor und stehen jederzeit den Fragenden mit Rat und Tat zu Seite“, teilt er weiter mit. Der Klosterstadtverein habe keinen Verein und kein Unternehmen angesprochen, sondern diese Vereine und Unternehmen seien immer an den Verein herangetreten. Und Geurten fährt fort: „Sollten wir mit einer Idee von einem Meßkircher Verein beziehungsweise Unternehmen angesprochen werden, zu dem uns noch keine Anfrage vorliegt, werden wir den Meßkircher Verein beziehungsweise das Meßkircher Unternehmen bevorzugt behandeln, auch dann, wenn danach weitere Anfragen kommen.“ Die Aufgabe des Vereins könne es aber nicht sein, selbst Interessenten aus Meßkirch zu suchen und für sie die Ideen zu entwickeln. Sollten Vereinsvertreter zu Gesprächen eingeladen werden, kämen sie gerne.

Montrose
Beiträge: 1215
Registriert: 17.01.2007, 11:18
Wohnort: Aachen

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Montrose » 19.11.2011, 15:28

Dieses Projekt ist schwachsinnig. Wenn es der Geschichte gefallen hätte, dort eine Klosterstadt" zu bauen, dann stünde dort eine Klosterstadt.

Es sind vier Dinge, die mich ärgern:

1. Es gab überhaupt keine "Klosterstädte". Was da gebaut wird, ist historischer Unfug. Genausogut könnte man das Parkhaus eines Römerkastells aufbauen.

2. Gerade diese Region Deutschlands hat bereits unglaublich schöne Klöster wie Beuron oder Neresheim. Weiter nördlich in Württemberg denke man an Kloster Bebenhausen, Kloster Maulbronn, Kloster Blaubeuren.

Wieso sollte man etwas Unechtes bauen, wenn es bereits schöne Originale gibt? Diese lächerlichen Neubauten locken die Menschen weg von echten historischen Gebäuden und tragen zur Volksverdummung bei.

Daß ein Aachener Betriebswirt so einen Mist unterstützt, wundert mich wenig. Als Betriebswirt hat er keine professionelle Ahnung von Geschichte, sein Beruf war bis dato Geldraffen. Dieser Bert M. Geuten dürfte so eine Art "Fürst der Alemannen" sein, ein Neureicher ohne Kultur und Verstand, der sich sein eigenes Denkmal bauen will. Und als Aachener weiß er natürlich auch nicht um die historischen Schätze, die in dieser süddeutschen Region längst bestehen. Aachener rasen mal schnell auf der Autobahn durch Württemberg durch, um an Urlaubsorte in der Schweiz und Italien zu gelangen. Daß sie dabei an einer der schönsten Landschaften und aufregendsten historischen Siedlungsgebiete Deutschlands vorbeifahren .... tja, woher soll ein Aachener das wissen? Aachener.... mit der Verstümmelung seines eigenen Siedlungsgebietes (Avantis, Baumrodung am Templergraben, Betonwüsten für die RTWH Aachen auf Kosten von Naturschutzgebieten) hat doch der Aachener hinreichend bewiesen, daß er vor allem eins kann: zerstören und kaputtmachen. Der Aachener weiß doch gar nicht, was schön ist.

Sollen sich die Aachener eine "Klosterstadt" in ihrer eigenen Wüstenei bauen anstatt andernorts die Natur zu verschandeln! Ich kippe meinen Müll doch auch nicht vor die Tür anderer Leute wie es diese Aachener tun, indem sie das Landschaftsschutzgebiet um Meßkirch versauen.

3. Der Pfarrer hat recht: es witzlos ist, ein Kloster oder eine Kirche ohne religiösen Bezug zu bauen.

4. Das Geld, das für dieses Walt-Disney-Plastikprojekt rausgeschmissen wird, fehlt für seriöse archäologische und historische Vorhaben.

Das Projekt in Meßkirch ist so sinnlos wie ein Atomkraftwerk auf dem Aachener Katschhof.

Benutzeravatar
Norbert von Thule
Beiträge: 8066
Registriert: 11.06.2006, 21:15

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Norbert von Thule » 25.11.2011, 20:30

Heute von Gregor Moser im Südkurier:
Meßkirch folgt dem französischen Vorbild

Ein Verein aus Aachen plant den Bau der St. Galler Klosterstadt mit den Methoden des 9. Jahrhunderts und sucht den Dialog mit der Wissenschaft.

Bild

Wäre vor noch nicht allzu langer Zeit ein Meßkircher nach der Burgenbaustelle GuÁ©delon in Frankreich gefragt worden, er hätte mit einem Achselzucken reagiert. Doch das war einmal. Heute ist das Projekt in Meßkirch bekannt. Schließlich soll dort 2013, so wie in Frankreich, eine Mittelalterbaustelle entstehen und ein Plan in die Tat umgesetzt werden, der rund 1100 Jahre in der Schublade schlummerte: der St. Galler Klosterplan.
Entworfen wurde der Plan im Frühmittelalter um das Jahr 820, erläutert Ernst Tremp, Stiftsbibliothekar von St. Gallen und Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Fribourg in der Schweiz. Der Plan wurde auf der Bodenseeinsel Reichenau für das Kloster St. Gallen entworfen und wird in der Stiftsbibliothek aufbewahrt. Einerseits zeige er das Ideal, wie man sich eine solch große Klosteranlage vorstellte, andererseits sei der Plan als Ideenskizze zu verstehen. So hätten die St. Galler Auftraggeber dem Plan mit Sicherheit Anregungen für ihre Bauten entnommen. „Was im Einzelnen daraus realisiert wurde, lässt sich heute indes nicht mehr herausfinden“, stellt der Forscher fest. Das Ziel des Aachener Vereins Karolingische Klosterstadt und der Stadt Meßkirch, den Klosterstadtplan mit seinen 52 Gebäuden nachzubauen, hält der Wissenschaftler für ein sehr aufregendes, aber auch für ein nicht ganz einfaches Projekt. Schließlich handle es sich bei dem Plan um eine Strichzeichnung, die in die Dreidimensionalität übersetzt werden muss. Von der großen Kirche des Plans sei zwar der Grundriss, nicht aber die Höhe bekannt, gibt er ein Beispiel.
Vorstellen könne sich der Betrachter die Kirche in etwa so wie das Münster Mittelzell auf der Reichenau, merkt er an. „Man muss von überall her Informationen zusammentragen, wie in der Karolingerzeit gebaut wurde und mit welchen Mitteln man baute“, erläutert er die Herkulesaufgabe, die der Verein zu stemmen hat.
Das Münster Mittelzell hat sich auch Bert Geurten, Vorsitzender des Vereins Karolingische Klosterstadt, bei seiner Recherche angesehen. Zur Vorbereitung der Baustelle erkunden er und seine Mitstreiter Ausgrabungsergebnisse und erhaltene Gebäude der Karolingerzeit: die Pfalzkapelle im Aachener Dom, den Aachener Granusturm oder die Königshalle im südhessischen Kloster Lorsch gehörten auch dazu.
Im nächsten Herbst soll in Meßkirch erstmals der wissenschaftliche Beirat der Klosterstadt zusammentreten, der jährlich tagen soll, um den Fortgang der Arbeiten zu diskutieren. „Wir werden in Meßkirch eine experimentelle Archäologie betreiben“, blickt Geurten voraus. Dann sollen auch der Wissenschaft neue Erkenntnisse geliefert werden. Derzeit beschäftigen sich die Vereinsmitglieder mit Dingen wie der Zusammensetzung des Mörtels. „Das klingt banal, ist aber wichtig“, sagt Geurten. Eine andere Frage sei, wie im 9. Jahrhundert das Gelände vermessen wurde oder wie Steine in die Höhe gehoben wurden. Es seien Fragen wie die, die im Praxistest beantwortet werden sollen. Für den Bau werden 40 Jahre angesetzt.
Begonnen werden soll am 2. April, dem vermutlichen Geburtstag Karls des Großen, sagt Geurten. Schon für 2013 rechnet er mit 80 000 Besuchern. „Ein ambitioniertes Ziel ”“ aber das wollen wir erreichen.“ Ursprünglich hätte es 2012 losgehen sollen. Da Planungsverfahren aber länger brauchten als gedacht, wurde der Start verschoben.
... und am gleichen Tag in derselben Zeitung noch die Artikel Eine neue Ritterburg in Frankreich und Die Wurzeln des modernen Europa: Warum das Mittelalter noch heute gegenwärtig ist, das nenne ich mal eine sehr gute Themengewichtung.

Benutzeravatar
Erasmus zu Schlotheim
Beiträge: 15
Registriert: 31.08.2011, 12:46
Wohnort: Dortmund
Kontaktdaten:

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Erasmus zu Schlotheim » 30.11.2011, 08:36

Endlich auch einmal so ein Projekt auf deutschem Boden. In Frankreich haben sie ja schon eine Burg nachgebaut bzw. sind dabei.

Benutzeravatar
Norbert von Thule
Beiträge: 8066
Registriert: 11.06.2006, 21:15

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Norbert von Thule » 07.12.2011, 13:41

Gestern im Südkurier:
Bert M. Geurten berichtet über Stand der Dinge

Das Meßkircher Bildungswerk lädt ein zu einer Diskussion mit dem Vorsitzenden des Vereins Karolingische Klosterstadt:

Der Vorsitzende des Vereins Karolingische Klosterstadt, Bert M. Geurten, wurde vom Bildungswerk Meßkirch gebeten, für konkrete Fragen der Meßkircher zur Verfügung zu stehen. Geurten hat die Einladung angenommen und unter dem Titel „Klosterstadt konkret ”“ der Verein berichtet“, lädt das Bildungswerk in der Folge auf den kommenden Donnerstagabend ein zu einer Diskussion und einem Kurzfilm* zum Stand des Projekts. Die Veranstaltung beginnt am 8. Dezember um 19.30 Uhr im Schloss Meßkirch.
Einleitend wird der inzwischen gedrehte Kurzfilm über das Vorhaben gezeigt und es wird kurz auf die Verbindung Karls des Großen mit der Region um Meßkirch eingegangen, heißt es in einer Ankündigung des Bildungswerkes. Aber im Vordergrund des Abends sollten keine Vorträge stehen sondern vielmehr soll Konkretes zum Stand des Projektes berichtet und auf Publikumsfragen eingegangen werden.
Waldemar Gorzawski, Leiter des Bildungswerkes nennt einige mögliche Fragen, um die es an dem Abend gehen könnte, als Beispiel: Wie bekommen die Meßkircher direkte Informationen über das Projekt und über die Zeit der Karolinger? Was hat die Verlegung des Projektbeginns von 2012 auf 2013 für Konsequenzen? Wird bereits 2012 auf dem Gelände etwas geschaffen? Wie können die Meßkircher von dem Projekt profitieren? Welche Vorzugsrolle erhalten die Meßkircher Gewerbetreibenden? Ist an eine Fußgänger-Verbindung zwischen der Meßkircher Innenstadt und der Klosterstadt gedacht? Werden auch die örtlichen Kirchen in das Projekt [integriert] ”“ und wenn ja, wie?
_____
*
Klosterstadt: Film erhält fast 600 Klicks im Internet

Knapp 1100 Klicks innerhalb von drei Wochen; der achtminütige Trailer des Filmemachers Reinhard Kungel über das Projekt der karolingischen Klosterstadt in Meßkirch wird im Internet bei „youtube“ zum Bestseller, teilt Bert M. Geurten, Vorsitzender des Vereins Karolingische Klosterstadt mit.
Auch der Fernsehbericht des SWR über das Klosterstadtprojekt in Meßkirch, vom SWR ebenfalls ins Internet gestellt, könne schon fast 600 Klicks vorweisen.Im Internet brauche man nur unter http://www.youtube.de das Stichwort „Klosterstadt Meßkirch“ einzugeben, dann könne man sich die beiden Filme anschauen, teilt Geurten weiter mit.
Trailer:
Bild

Fernsehbericht:
Bild

Benutzeravatar
Andreas der Wanderer
Beiträge: 1361
Registriert: 25.09.2007, 11:46
Wohnort: Stolberg

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Andreas der Wanderer » 07.12.2011, 14:27

Ist der living history Experte nicht der unfreundliche Typ von dem Vortrag über MA-Kleidung in Horbach vor 2 jahren oder wann das war?
"Man überquert die Berge nicht an einem Tag " und nein das ist KEIN Sonnenbrand!!!

"Der Liebe Gott schenkt dir die Nüsse, aber er knackt sie nicht!"
(Johann Wolfgang von Goethe)

Ich bervorzuge Margarine

Mögen die Kräuter mit dir sein!

Benutzeravatar
Nicole
Beiträge: 306
Registriert: 19.04.2008, 02:07
Wohnort: Herbesthal/Belgien
Kontaktdaten:

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Nicole » 07.12.2011, 21:04

Jepp, isser.
Nicole
Cito, tuto et iucunde

Benutzeravatar
Norbert von Thule
Beiträge: 8066
Registriert: 11.06.2006, 21:15

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Norbert von Thule » 09.12.2011, 22:59

Morgen im Südkurier:
Hermann-Peter Steinmüller hat geschrieben:
Reges Interesse an der Klosterstadt

"Ich hoffe, dass auch ein paar Gegner hier sind!" Diese Hoffnung von Bert Geurten, dem Vorsitzenden des Klosterstadt-Vereins, erfüllte sich zumindest am Donnerstag nicht. Unter den über 60 Besuchern im voll besetzten Seminarraum des Meßkircher Schlosses schienen sich ausschließlich Bürger zu befinden, die dem Klosterstadtprojekt aufgeschlossen gegenüberstehen.

Bild
Bild (Steinmüller): Bert Geurten erläuterte in einem fast einstündigen Vortrag des Klosterstadtprojekt und ging auf den aktuellen Stand der Vorbereitungen ein.

Kritische Fragen oder negative Stellungnahmen zu dem bundesweit beachteten Projekt wurden nicht laut. Das Bildungswerk hatte zu diesem Informations- und Diskussionsabend ins Schloss eingeladen.
Beifall brandete auf, als sich Bernhard Eichkorn zu Wort meldete. Der 77-Jährige war von 1980 bis 1988 Pfarrer in Meßkirch. Der Senior hatte extra die Fahrt von Villingen-Schwenningen nach Meßkirch auf sich genommen, um seine Hilfe beim Klosterstadt-Projekt anzubieten. Er überreichte Bert Geurten ein Papier, auf dem er seine Ideen zu den geistlichen Aspekten des Projekts zusammengefasst hatte. Im Gespräch mit dem Südkurier erläuterte er: „Ich möchte mich einbringen, wenn es um die geistliche Seite geht.“
Mit dieser Initiative rannte der Geistliche bei Bert Geurten offenkundig offene Türen ein. Der Klosterstadt-Initiator brachte die Problemstellung griffig auf den Punkt. Auf der einen Seite ist der Klosterstadt-Verein ein gemeinnütziger und damit an sich weltanschaulich neutraler Verein. Auf der anderen Seite, beschrieb Geurten, könne bei einem kirchlichen Projekt aus dem Mittelalter der religiöse Charakter nicht ausgeblendet werden. Der Vorsitzende benutzte im Verhältnis mit den Kirchen die Formulierung von der „wissenschaftlich gebotenen Distanz“.
In dem fast einstündigen Vortrag hatte Bert Geurten seinen Zuhörern, unterstützt von einigen Filmsequenzen, die rund 1200 Jahre alte Planskizze vorgestellt und sie als älteste erhaltene und bislang nie verwirklichte Bauskizze bezeichnet. Auf Vermittlung des Abtprimas der Benediktiner hofft Geurten auf eine Privataudienz beim Papst, um ihm ein Modell der Klosterstadt mit ihren 50 Gebäuden zu überreichen.
Sind heute Arbeiter und Handwerker überhaupt bereit, sich mit mittelalterlichen Werkzeugen zu begnügen, wo es doch moderne Arbeitsgeräte gibt? Die entsprechende Frage eines Besuchers führte zu zwei Antworten. Obwohl der Verein zumindest in der ersten Zeit nicht mehr als 1200 Euro brutto bezahlen kann, liegen nach Angaben von Geurten bereits jetzt 120 Bewerbungen vor. Die zweite Antwort kam in Form zweier junger Männer, die aus dem Raum Stuttgart extra für den Vortrag nach Meßkirch gekommen waren. Jens Hascher (22) und Jens Lautenschläger (29) sind ausgebildete Steinmetze, die sich beruflich auf Restaurierungen festgelegt haben. Im SÜDKURIER-Gespräch sagten sie zu ihren Beweggründen: „Wir können uns vorstellen, für einige Zeit mitzuarbeiten, um unsere beruflichen Qualifikationen zu verbessern und entsprechende Nachweise in unseren Papieren zu haben.“ Andererseits könnten sie sich auch eine Lebensstellung in Meßkirch vorstellen.
Ein spannendes Projekt kündigte Geurten für den Anfang der Arbeiten an. Zwei Geometerteams werden sich mit mittelalterlichen Methoden und mit modernster Elektronik um die Vermessung kümmern. Die Resultate sollen wissenschaftlich ausgewertet werden.

Montrose
Beiträge: 1215
Registriert: 17.01.2007, 11:18
Wohnort: Aachen

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Montrose » 11.12.2011, 20:42

Der Vorsitzende benutzte im Verhältnis mit den Kirchen die Formulierung von der „wissenschaftlich gebotenen Distanz“.
Worin besteht die Botschaft für die Gegenwart?
Auf Vermittlung des Abtprimas der Benediktiner hofft Geurten auf eine Privataudienz beim Papst,
Was hat er von einer Privataudienz beim Papst? Dass er damit angeben kann? Das wird diesen Mann auf Dauer genauso wenig glücklich machen wie Frau Käßmann ihr albernes Geschreibsel oder Herrn Fliege sein Wunderwasser. Wer ständig kreiselt, hat vielleicht nur angst, im Ruhezustand umzufallen.

In der heutigen Zeit gibt es viele Leute, die sagen "Guck mal, guck mal" und man schaut ihrem Zeigefinger nach und starrt ins Leere. Und ihre Worte sind wie Blecheimer, die gegeneinanderschlagen.
Endlich auch einmal so ein Projekt auf deutschem Boden. In Frankreich haben sie ja schon eine Burg nachgebaut bzw. sind dabei.
Burgen und altes Gemäuer haben wir selbst zur Genüge. Wenn ich was von den Franzosen nachbauen würde, dann wäre es der Eiffelturm.

Benutzeravatar
Norbert von Thule
Beiträge: 8066
Registriert: 11.06.2006, 21:15

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Norbert von Thule » 21.12.2011, 09:18

Aus dem Südkurier:
Hermann-Peter Steinmüller hat geschrieben:Wo waren die Projekt-Gegner?

Bild

Wo waren die Gegner des Klosterstadtprojekts nun? Am Donnerstag hätten sie ein breites Forum gehabt, um ihre Bedenken und Einwände vorzutragen.

Wer sich nicht dem Verdacht aussetzen will, nur hinter vorgehaltener Hand oder am Stammtisch gegen das Projekt zu sein, sollte solche Chancen nutzen. Es ist andererseits auf Anhieb auch nicht gleich zu verstehen, dass es nicht um den Bau der Klosterstadt an sich geht, sondern um die Baustelle und die Arbeit; um eine Zeitreise ins achte Jahrhundert in die Welt der Karolinger. Absolut schlüssig ist der Ansatz, das Projekt wissenschaftlich zu begleiten. Für einen Mittelalter-Archäologen eröffnet sich damit eine Chance, die nur vergleichbar mit einem Blick eines Urzeitforschers in die reale Welt der Saurier wäre. Niemand ist gezwungen, mit einfachen Mitteln Steine zu brechen oder Bohnerz zu schmelzen. Wer es trotzdem gerne macht und dafür ins Mittelalter abtaucht, hat Respekt und Anerkennung verdient.

Benutzeravatar
Norbert von Thule
Beiträge: 8066
Registriert: 11.06.2006, 21:15

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Norbert von Thule » 21.12.2011, 09:24

Diese Woche im Südkurier:
Mit Pferd und Kutsche ins Mittelalter

Shuttleverbindung Klosterstadt und Innenstadt. Heuhotel und Pferdekutschenbetrieb wollen aufsatteln. Bert Geurten will auch Einzelhandel mit einbeziehen

Die Planungen rund um die Klosterstadtbaustelle nehmen immer mehr Gestalt an. Bei der Diskussionsrunde im Schloss (der Südkurier berichtete) stellte der Vorsitzende des Klosterstadtvereins Bert Geurten eine Shuttle-Idee vor. Danach könnte vom Parkplatz der Klosterstadtbaustelle ein Bustransfer nach Meßkirch eingerichtet werden. Besucher, so die Idee Geurtens, hätten damit die Möglichkeit, die Besichtigung der Mittelalter-Baustelle mit einem Besuch beispielsweise im Meßkircher Schloss verbinden. Es läge, so Geurten, dann beim Meßkircher Einzelhandel, welche Aktionen begleitend angeboten werden. Andererseits könnte, so ein Vorschlag aus dem Publikum, auch eine radfahrer- und fußgängerfreundliche Verbindung zwischen der Innenstadt und der Baustelle bei Rohrdorf geschaffen werden. Dazu meinte Bürgermeister Arne Zwick, die Wege seien wohl schon vorhanden, es käme auf die gute Beschilderung an, damit Ortsfremde zu ihrem Ziel fänden.
Meßkirch besteht aber nicht nur aus der historischen Innenstadt, sondern auch aus den Teilorten wie Langenhart. Deshalb wollen sich Ernst Brigel, der Besitzer des gleichnamigen Heuhotels und Uwe Link, der Eigner eines Kutschen- und Fahrbetriebes, in das Shuttle-Angebot einschalten. Ernst Brigel: „Uns geht es darum, Klosterstadtbesucher zum Essen oder zum Übernachten auf den Brigel-Hof zu bringen.“ Ergänzend dazu können sich Brigel und Link auch vorstellen, Fahrgäste zwischen der Innenstadt und der Baustelle zu transportieren.

Bild

Der Pferdefuhrbetrieb von Uwe Link ist bislang noch in Neufra-Freudenweiler zu Hause. Doch das soll sich in den nächsten Monaten ändern. Ernst Brigel: „Ich gebe den landwirtschaftlichen Teil meines Betriebes mit der Rinderhaltung aus Gesundheitsgründen auf.“ Damit sei Platz für Uwe Link, seinen Fuhrpark und die derzeit zehn Pferde vorhanden. Das Heuhotel und der Restaurationsbetrieb würden nach wie vor von seiner Familie Brigel betreut. Das gesamte Gelände rund um den Brigel-Hof werde dem Fahrbetrieb und den Link-Pferden zu Verfügung stehen. Brigel freut sich: „Unsere bisherigen Gebäude werden damit auch in Zukunft genutzt und brauchen deshalb nicht im schlimmsten Fall abgerissen zu werden.“
Für Uwe Link hat der Umzug nach Langenhart mehrere Vorteile. Link: „Ich gebe auch Fahrkurse für Pferdekutscher. Jetzt haben meine Kursteilnehmer auch gleich die Übernachtungsmöglichkeit am Kursort.“ Uwe Link bildet Fahrer und Fahrpferde aus. Er bietet Ausfahrten für Gruppen an und möchte sich in Zukunft mit seinen Angeboten auch im und um das Donautal etablieren. Er betont: „Ich bin mit meinem Betrieb im Norden des Kreises eigentlich ganz gut eingebunden. Meine Gruppenausflugsangebote werden beispielsweise von Reisebüros angenommen, die ihre Busgruppen zunächst nach Hechingen zur Burg Hohenzollern und nach dem Besuch bei mir in Freudenweiler nach Sigmaringen bringen. “ Deshalb dauere der Umzug nach Langenhart auch eine Weile, da Link sich nicht plötzlich aus dem bisherigen Pauschalangebot verabschieden könne. Für Link wäre der Kutschenverkehr mit der Klosterstadtbaustelle ein weiterer Ausbau seiner Angebotspalette.

Benutzeravatar
Norbert von Thule
Beiträge: 8066
Registriert: 11.06.2006, 21:15

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Norbert von Thule » 21.12.2011, 09:36

Heute im Südkurier:
Ochsenflüsterer sucht Helfer

Vier Jungtiere sollen Zugtiere werden. Unruhe der Klosterstadt ist das größtes Problem für die Tiere.

Bild
Bild (Steinmüller): Sie kümmern sich um die Meßkircher Klosterstadt-Ochsen (v.l.): Erika Scheidemandel, Christian Fecht und Eberhard Hauff.

Eberhard Hauff und Christian Fecht suchen nach Verstärkung. Der Bäcker und der Landwirt haben es sich zur Aufgabe gemacht, die vier Jung-Ochsen, die seit einigen Wochen in Schnerkingen und Ringgenbach leben (der Südkurier berichtete am 26.10.11 ”“ s.a. Stadtnachrichten Meßkirch), zu zuverlässigen Zugtieren für die zukünftige Klosterstadtbaustelle auszubilden. Für diese Arbeit, die noch fast zwei Jahre dauern wird, suchen die beiden Ochsenflüsterer Verstärkung.
Wer glaubt, für Ochsen genüge ein Crashkurs, um sie zu Zugochsen auszubilden, sieht sich, wie Eberhard Hauff bestätigt, getäuscht. Hauff: „Im Augenblick kann einer meiner beiden Ochsen zwar schon einigermaßen zuverlässig am Strick gehen, doch bis er sich das Geschirr überstreifen lässt und dann artig im Geschirr geht, dauert es noch eine Weile.“ Dazu komme, dass Ochsen, ähnlich wie Pferde, erst im Alter von drei Jahren als ausgewachsen gelten und voll belastet werden können. Also, nichts mit Schnellkurs, sondern Geduld, Tierliebe und Sachverstand sind von jedem gefragt, der mit den Ochsen zu tun hat.
Dazu kommen noch zwei besondere Herausforderungen, die es früher bei den Bauern in aller Regel nicht gab. Hauff: „Die Ochsen, die der Klosterstadtverein geschenkt bekommen hat, sind zwar erst neun Monate alt, aber dennoch schon ein bisschen zu alt für eine einfache Grundausbildung.“ Dem Ochsenflüsterer wäre es am liebsten, ganz junge, erst wenige Wochen alte Tiere zu haben, die noch mit der Milchflasche großgezogen werden könnten. Dann, so ist sich der Schnerkinger sicher, wäre es noch viel einfacher, die Ochsen an die Hand des Menschen zu gewöhnen.
Die zweite Schwierigkeit ist, dass früher ein junger Ochse mit einem älteren und schon zugefahrenen Tier zusammen eingespannt wurde. Das jüngere Tier konnte dann vom älteren Ochsen bei der täglichen Arbeit lernen.
Das 21. Jahrhundert hat Geräusche, an die sich die Ochsen gewöhnen müssen. Zwar wird es auf der Klosterstadtbaustelle keine lauten Maschinen oder Lastwagen geben. Aber ein Hubschrauber, der das Gelände überfliegt, darf die Ochsen nicht in Panik versetzen. Der Ochsenflüsterer: „Ein größeres Problem dürfte es werden, die Ochsen an die Baustellenbesucher und die von ihnen ausgehende Unruhe und das Stimmengewirr zu gewöhnen.“ Eine Menge Arbeit also, die Eberhard Hauff schon in Angriff genommen hat. Die beiden Ochsen von Christian Fecht befinden sich noch in der Eingewöhnungsphase. Ihr Ausbildungsbeginn steht bevor.
Der Schnerkinger Bäckermeister hat bereits zwei Helfer. Die beiden Ochsen befinden sich im Stall von Ernst und Erika Scheidemandel. Das Bauern-Ehepaar hat noch praktische Erfahrungen mit der Ochsenhaltung und der Arbeit mit diesen Tieren. Allerdings steht Ernst Scheidemandel schon in den 80-ern. Trotzdem hilft er noch bei der Ausbildung, seine Tipps aus einem langen bäuerlichen Leben sind ebenso willkommen, wie seine Dienste als Traktorfahrer. Er fährt den natürlich langsam fahrenden Traktor, an dem der Ochse angebunden ist. Hauff: „Das Tier muss lernen, brav nach vorne zu gehen.“ Der Ochse ist auch deswegen angebunden, damit er, sollte er durch irgendein Geräusch erschreckt werden, nicht in Panik Reißaus nehmen kann.
Hauff: „Ein in Panik geratener Jungochse in der Innenstadt wäre nicht gerade ein tolles Schauspiel.“ Erika Scheidemandel betreut die beiden Ochsen und die anderen im Bauernstall stehenden Rinder.

Benutzeravatar
Norbert von Thule
Beiträge: 8066
Registriert: 11.06.2006, 21:15

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Norbert von Thule » 23.12.2011, 11:43

Heute im Südkurier:
Startschuss für Jahrhundertprojekt rückt näher

Die ersten Ochsen sind längst da, dutzende Handwerker warten auf ihren Einsatz: In Meßkirch (Kreis Sigmaringen) sollen im Frühling die ersten Bauarbeiten für eine mittelalterliche Klosterstadt beginnen.

Bild
Vorbild GuÁ©delon (Bert M. Geurten): Die Mittelalterbaustelle in Frankreich zieht viele Besucher an. Das soll ab 2012 auch bei der Klosterstadt-Baustelle in Meßkirch so sein.

Nur mit Handarbeit und Muskelkraft soll nach und nach eine ganze Stadt mit einer Klosterkirche für 2000 Menschen entstehen. Die Bauarbeiten sind ein wahres Jahrhundertprojekt, denn fertig wird die Klosterstadt wohl frühestens in 40 Jahren. Die mittelalterliche Baustelle soll eines der größten Tourismus-Projekte in Oberschwaben werden.
Im Jahr 2012 will der Verein Karolingische Klosterstadt allerdings erst einige Vorarbeiten in Angriff nehmen. Unter anderem soll ein frühmittelalterlicher Spielplatz entstehen. «Die Menschen damals waren Kämpfer. Dafür mussten sie geschickt sein und einen guten Gleichgewichtssinn haben. Das wird man auf unserem Spielplatz üben können», sagte Initiator Bert Geurten.
Bevor die Bauarbeiten richtig losgehen können, fehlt noch ein letztes Umweltschutz-Gutachten, das im kommenden Herbst vorliegen soll. Die Zeit bis zum richtigen Baubeginn im April 2013 will der Verein Karolingische Klosterstadt nutzen, um die Werbetrommel für das Projekt zu rühren. «Wir werden im Jahr 2012 auf fünf Messen sein», sagt Geurten. Vor allem Busunternehmen sollen überzeugt werden, die Klosterstadt in ihr Programm aufzunehmen.
Grundlage für das Projekt ist der Klosterplan von St. Gallen, der im 9. Jahrhundert auf der Bodensee-Insel Reichenau gezeichnet, bislang allerdings nie verwirklicht wurde. Während der 40-jährigen Bauzeit sollen Besucher vor Ort miterleben können, wie die Stadt Schritt für Schritt entsteht. Ein Gutachten der Dualen Hochschule Ravensburg geht davon aus, dass mindestens 180 000 Besucher im Jahr auf die Baustelle kommen werden.

Montrose
Beiträge: 1215
Registriert: 17.01.2007, 11:18
Wohnort: Aachen

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Montrose » 26.12.2011, 18:37

Wo waren die Gegner des Klosterstadtprojekts nun?
Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf. Das Gleiche gilt für solche "Mittelalter"-Fanatiker. Wozu mit Leuten diskutieren, die einer Kritik doch gar nicht zugänglich sind. Immerhin winkt für diese Eiferer eine Privataudienz beim Papst. :mrgreen: Ich sehe darin eine Realsatire, bei der man zwar fast nichts über das Mittelalter, aber sehr viel über die Menschen der Gegenwart lernen kann.
Niemand ist gezwungen, mit einfachen Mitteln Steine zu brechen oder Bohnerz zu schmelzen. Wer es trotzdem gerne macht und dafür ins Mittelalter abtaucht, hat Respekt und Anerkennung verdient.
Nö, hat er nicht.
Wer ins Mittelalter abtaucht, fehlt für gegenwärtige Aufgaben.
Meine Gruppenausflugsangebote werden beispielsweise von Reisebüros angenommen, die ihre Busgruppen zunächst nach Hechingen zur Burg Hohenzollern und nach dem Besuch bei mir in Freudenweiler nach Sigmaringen bringen.
Hechingen und Sigmaringen haben echte historische Substanz, während die "Klosterstadt" Disney-Land ist.

Kennt jemand hier Hechingen-Stein? Schade.
Genau darin besteht das Problem. Disney-Land lenkt von ernsthaften Projekten ab.

Warum erkunden Aachener nicht die vorhandenen Schätze, sondern müssen ihren eigenen Unsinn draufbauen? Das ist in etwa so, wie wenn man neben die Akropolis in Athen eine "Kreuzfahrerburg" hinbauen würde, um den Menschen "echte Geschichte" zu bieten. Warum bauen Aachener diesen Unsinn? Ganz einfach: weil sie diese Region in Baden-Württemberg, ihre Geschichte, Denkmäler und archäologischen Funde nicht kennen.
Fahrgäste zwischen der Innenstadt und der Baustelle zu transportieren.
Da geht es doch bloß ums Geld. Aber die Rechnung wird nicht aufgehen. Meßkirch ist ziemlich abgelegen und da ist sonst keine weitergehende touristische Infrastruktur. Warum sollte dort irgendjemand hinfahren, wenn selbst die echten historischen Knüller in dieser Region eher Geheimtipp denn Touristenmagnet sind.

Ich bleibe dabei: das Projekt ist in jeder Hinsicht unsinnig.

Benutzeravatar
Nicole
Beiträge: 306
Registriert: 19.04.2008, 02:07
Wohnort: Herbesthal/Belgien
Kontaktdaten:

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Nicole » 28.12.2011, 22:10

Montrose, bin deiner Meinung, nur wie heisst es doch: "Wer gegen den Wind pisst wird nur selbst nass" und die Windrichtung ist derzeit sehr eindeutig und heftig. Bleibt die Frage, wann er sich dreht, der Wind...

Frohes Neues!
N.
Cito, tuto et iucunde

Montrose
Beiträge: 1215
Registriert: 17.01.2007, 11:18
Wohnort: Aachen

Re: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Beitrag von Montrose » 01.01.2012, 20:09

So wünsch ich auch der Lady ein gutes 2012.
"Wer gegen den Wind pisst wird nur selbst nass"
Dazu fallen mir gleich drei Entgegnungen an:

(1) Viel Feind viel Ehr!
(2) Das kommt auf die Blase an.
(3) Ich habe bereits vor mehreren Jahren die "Dr. Montrose-Methode"* entwickelt, die es erlaubt, im Rückwärtsgehen zu pinkeln.


*patentrechtlich geschützt

Antworten