Alkohol im Mittelalter

Was geht im Mittelalter?
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Norbert von Thule
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Alkohol im Mittelalter

Beitrag von Norbert von Thule » 14.03.2007, 01:30

Die erhöhte Fähigkeit der Europäer zum Alkoholabbau beruht nach Meinung einiger Experten auf einem besonderen Selektionsdruck insbesondere im Altertum und Mittelalter. Während asiatische Völker bereits früh abgekochtes und damit keimarmes Wasser in Form von Tee zu sich nahmen, gab es im europäischen Kulturkreis zahlreiche Seuchen z. B. durch bakterienverseuchtes Trinkwasser, insbesondere im Zuge des Bevölkerungswachstums der Städte im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Unter den wenig hygienischen Zuständen in Europa sei daher der Konsum von alkoholhaltigen Getränken aufgrund der desinfizierenden Wirkung tatsächlich gesünder gewesen als der Genuss normalen Wassers. Wer also mehr alkoholhaltige Getränke trank, hatte seltener Gelegenheit sich an nicht durch Alkohol desinfizierten Getränken mit Krankheitserregern zu infizieren. Vorausgesetzt, dass Menschen ohne diese "besseren" Enzyme tatsächlich weniger alkoholische Getränke zu sich nahmen und sich nicht etwa einfach an Alkohol gewöhnten und weitertranken, könnte das Überleben von Krankheiten infolge seltenerer Ansteckung durch verseuchtes Wasser über Generationen hinweg so einen evolutionären Vorteil dargestellt haben. Ein solches Individuum hätte dann im Verhältnis zu den früher verstorbenen, benachteiligten Konkurrenten tendenziell mehr Zeit gehabt, sich fortzupflanzen, und konnte so potenziell mehr Nachkommen haben und seine Genvariante öfter vererben.

(Quelle: Wikipedia)

Instinktiv habe ich es immer geahnt. :001

Ambiorina
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Beitrag von Ambiorina » 14.03.2007, 08:28

Die Essenz dieser Schrift leuchtet mir durchaus ein. Es wäre sogar noch erweiterbar um die Tatsache, dass Rotwein ein herzstärkendes Enzym enthält welches dazu beiträgt, dass es bis ins hohe Alter kräftig schlägt ( in rotem Traubensaft ist dieses Enzym übrigens auch enthalten).
Alkohol wurde über Jahrtausende nicht nur zur inneren & äußeren Desinfektion verwandt, Bier war meines Wissens nach im Mittelalter schlichtweg ein Nahrungsmittel das auch Kinder zu sich nahmen.
TROTZDEM IST DAS KEIN FREIBRIEF ZUM SAUFEN!!! :nunu
Die spinnen, die Römer

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Gawen
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Beitrag von Gawen » 14.03.2007, 08:29

:alc Natürlich, warum bin ich da nicht früher drauf gekommen.
Jesus hat Menschen geheilt?
Nein, Jesus hat den Wein geteilt!

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Rodebert Freih. zu Raeren
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Beitrag von Rodebert Freih. zu Raeren » 14.03.2007, 09:11

Deshalb werde ich so selten krank :wink:
Gehabt Euch wohl
Ralf

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Animatius
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Beitrag von Animatius » 14.03.2007, 10:57

Also ich hab vorausschauenderweise meiner Tochter schon im Säuglingsalter immer vor dem zu Bett gehen ne Flasche Kölsch unter genau diesem Aspekt verabreicht.
Die Folgen daraus:Sie hat noch keine einzige Kinderkrankheit bekommen und baut im Sommer mit 8 Jahren Ihr Abitur.Für Ihr zwölftes Lebensjahr plant Sie eine benannte Mondmission,zwecks Rohstoffgewinnung.

Gruß
Animatius
Ich habe mein ganzes Leben lang den Großteil meines Geldes für Alkohol und leichte Mädchen ausgegeben.Den Rest habe ich sinnlos verprasst.

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Animatius
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Beitrag von Animatius » 14.03.2007, 11:01

Ach ja,bevor ich`s vergesse.Die Mondlandemission finanzieren wir natürlich mit dem Flaschenpfand.

Gruß
Animatius
Ich habe mein ganzes Leben lang den Großteil meines Geldes für Alkohol und leichte Mädchen ausgegeben.Den Rest habe ich sinnlos verprasst.

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Griet von Orkney
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Beitrag von Griet von Orkney » 19.03.2007, 19:23

Ich sag's doch ... beim Zähnekriegen gehört Abends ein Schuss Rum in die Milch :)
Was kümmern mich die Engelschöre
Was das Geschwätz vom Paradies
Wenn ich der Brüder Singsang höre
Wenn ich das Leben mir begieß
Der Himmel ist mir einerlei und liegt in großer Ferne
Auch kann er nicht viel schöner sein als meine Stammtaverne

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Norbert von Thule
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Re: Alkohol im Mittelalter

Beitrag von Norbert von Thule » 31.03.2015, 11:03

Hasso Spode, Professor für historische Soziologie hat gesagt:

Aber auch die Germanen, wie alle anderen vorstaatlichen Gesellschaften, hatten natürlich bestimmte Regeln, die dabei einzuhalten waren, beim Trinken, und andere eben nicht. Zum Beispiel gehörte dazu, dass man einen angebotenen Becher nie abgelehnt hat. So, und jetzt kommen wir zu den staatlich verfassten Gesellschaften.
Von modernen Staaten kann man ungefähr seit 500 Jahren sprechen, am Ende des Mittelalters bilden sich die Territorialstaaten heraus, und es ist sicherlich kein Zufall, dass genau in der gleichen Zeit, nämlich um 1500, die erste große Kampagne losgetreten wurde gegen den Saufteufel, wie es damals hieß. Martin Luther hat diesen Begriff geprägt. (Quelle: Deutschlandradio)

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dark-knight
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Re:

Beitrag von dark-knight » 17.07.2015, 11:38

Rodebert Freih. zu Raeren hat geschrieben:Deshalb werde ich so selten krank :wink:

:alc :alc :alc hehehe!

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Re:

Beitrag von Ena » 19.09.2016, 10:25

Ambiorina hat geschrieben:Die Essenz dieser Schrift leuchtet mir durchaus ein. Es wäre sogar noch erweiterbar um die Tatsache, dass Rotwein ein herzstärkendes Enzym enthält welches dazu beiträgt, dass es bis ins hohe Alter kräftig schlägt ( in rotem Traubensaft ist dieses Enzym übrigens auch enthalten).
Alkohol wurde über Jahrtausende nicht nur zur inneren & äußeren Desinfektion verwandt, Bier war meines Wissens nach im Mittelalter schlichtweg ein Nahrungsmittel das auch Kinder zu sich nahmen.
Das stimmt! Rotwein ist tatsächlich wahnsinnig gesund. Und evolutionär ergibt das ja auch absolut Sinn! Natürlich sollte man jedoch auch beim Alkohol immer noch das gesunde Mittelmaß suchen, wie auch sonst :) Da ich mich nocuh gar niczht so lange mit den Lebensgewohnheiten des mittelalterlichen Menschen beschäftige, würde mich auch interessieren, was für Schnapssorten es damals gab. Weiß da zufällig jemand von euch Bescheid?
Manchmal muss man dem Ritter aufs Pferd helfen, wenn er den Drachen töten soll.

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Norbert von Thule
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Re: Alkohol im Mittelalter

Beitrag von Norbert von Thule » 19.09.2016, 14:01

Im Frühmittelalter sollen die Kelten Aqua Vita ("Lebenswasser") hergestellt haben, überliefert durch christliche Mönche. Im Hochmittelalter wird von Alchimisten aus Wein Branntwein destilliert, Klöster nutzen den Alkohol um Heilkräuter zu konservieren. Die Herstellung von Wodka ("Wässerchen") ist ab 1405 (Sandomierz/Polen) urkundlich belegt, die Herstellung von Whisky ("Wasser") ab 1494 (Dunfermline/Schottland). Im Spätmittelalter setzt sich Schnaps als Konsumgut für den Adel durch.

Bild
An excerpt from the Exchequer Roll which notes that John Corr, a monk at Lindores Abbey, was allowed 8 bolls of grain to make aqua vitae for the King, 1494

Auch in der Veytaler Ritterschaft gehören Wodka und Whisky - authentizitätshalber - mittlerweile zu den bevorzugten Getränken.

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Re: Alkohol im Mittelalter

Beitrag von Ena » 22.09.2016, 10:54

Wow, dass es Wodka und Whisky schon SO lange gibt, erstaunt mich jetzt echt ein wenig. Dass das beides mit "Wässerchen" bzw. "Wasser" assoziiert wurde, erstaunt mich noch mehr. Besonders schön finde ich übrigens folgende Aussage aus deinem Wodka-Link: "Wodka wurde ursprünglich nicht als Genussmittel getrunken, sondern als Medizin verwendet. Im Jahr 1534 glaubte der Gelehrte Stefan Falimierz in seinem Werk über Kräuter z.B. noch, dass Wodka die Fruchtbarkeit verbessere und die Potenz steigere. Heute wird Wodka dagegen vor allem wegen des Geschmacks als Spirituose getrunken. An eine heilende Wirkung glaubt sicher keiner mehr". Speziell der letzte Teil könnte wahrer nicht sein :D

Ich habe nochmal gezielt nach der Etymologie von Whisky und Wodka gegoogelt, weil mich das als Literatur- und Sprachwissenschaftlerin ja immer interessiert. Leider habe ich mein offenbar Mittelhochdeutsch-Wörterbuch bei unserem letzten Umzug verloren, das fände ich in diesem Zusammenhang jetzt auch noch eine spannende Quelle. Meine Links bestätigen tatsächlich im Grunde genau die Infos, die du hier bereits zusammengetragen hast. Besonders interessant finde ich bei Wodka übrigens, dass das -ka ja ein Diminutiv ist, also eine Verniedlichung. Kann man etwas, das so brennt, wirklich verniedlichen? Ich kann mir gut vorstellen, dass es dabei um die Menge geht, also darum, dass man vielleicht schon immer (?) nur kleinere Mengen von Wodka getrunken hat, weil er so hochprozentig ist.

Nachdem auf meinen Thread mit der Frage nach einem mittelalterlichen Geschenk für meinen Freund nicht so wirklich etwas kam und ich die Infos in diesem Thread dafür umso erhellender fand, habe ich jetzt übrigens bei Mydays doch noch eine ziemlich gute Geschenkidee gefunden: ich lade ihn einfach zum Schnapsbrennen ein! Wie ich ja jetzt weiß, hat Hochprozentiges eine langjährige Traidition und mein Herzensmann liebt Whisky besonders! Das ist dann auch etwas Interaktives, was wir gemeinsam machen können. Jetzt muss ich mich nur noch um Geschenke für meinen Vater und meine Brüder kummern. Weihnachtsgeschenke für Männer sind einfach das Schlimmste. Naja, im Zweifel gehen die einfach mit zum Schnapsbrennen :D

Liebste Grüße an alle,
Ena
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