Meßkirch baut Mittelalter nach

Was geht im Mittelalter?
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Norbert von Thule
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Meßkirch baut Mittelalter nach

Beitrag von Norbert von Thule » 24.06.2013, 15:36

Was bisher geschah: Meßkirch will Mittelalter nachbauen

Heute in der Schwäbischen Zeitung:
Corinna Wolber hat geschrieben:
Eröffnung geglückt: Viele Besucher kommen in die Klosterstadt

Von den Verantwortlichen fällt die Anspannung ab - Viele Interessierte auch von außerhalb kommen auf den Campus Galli nach Meßkirch

Am frühen Nachmittag war bereits alles so, wie es sein soll. Aus der Vision Klosterstadt ist nach jahrelanger Vorbereitung Wirklichkeit geworden ”“ und fast wirkte es so, als hätten die Mitarbeiter nicht erst vor einer halben Stunde zum ersten Mal Stellung an ihren Arbeitsplätzen bezogen. Unter den staunenden Blicken vieler Besucher wurde an den Stationen entlang des Rundwegs von Campus Galli geschmiedet, getöpfert, gebacken und geflochten. Auf den Wegen tummelten sich zahlreiche Interessierte, die die Eröffnung nicht hatten verpassen wollen ”“ und zumindest an diesem Tag ging der Plan von Bert M. Geurten exakt auf: Sie blieben an den Stationen stehen, kamen mit den Handwerkern ins Gespräch und sahen ihnen bei der Arbeit zu ”“ teilweise länger als eine halbe Stunde.
„Wahnsinn, wie anstrengend das damals alles war“, sagte Martina Maier, die mit ihrer Freundin Birgit Dittmar extra aus Albstadt nach Meßkirch gekommen war. Und tatsächlich: Der Steinmetz hievte riesige schwere Brocken an seinen Arbeitsplatz, der Schmied haute mit enormer Kraft ein Stück Eisen zurecht ”“ und das auch noch in unmittelbarer Nähe zu seinen glühend heißen Kohlen. Um die Luftzufuhr zu erhöhen, benutzte er ein Fußpedal ”“ so schossen heiße Flammen aus seiner Glut, in die er in kurzen Zeitabständen sein Metall hielt. „Ich stelle hier Messer für die Belegschaft her“, erklärte er. Für ein einziges brauche er rund eine Stunde, „und dann muss ich es noch zwei Stunden schleifen“.
Dass mittelalterliches Arbeiten aus heutiger Sicht die Entdeckung der Langsamkeit ist, konnten die Besucher auch beim Besenmacher Thomas Schmid erleben. In mühsamer Kleinarbeit schlug er an seiner Hütte mit dem entsprechenden Werkzeug dünne Zweige so in Form, dass sie ungefähr gleich lang und gleich dick wurden. „Für einen Standardbesen brauche ich ungefähr 100 Stück davon“, sagte Schmid.
Bedeutend schweißtreibender ging es an der Station zu, deren Herr der Töpfer Andy Ollinger ist. Viele Kinder hatten es sich auf dem Boden bequem gemacht, um dem Spektakel zuzusehen: Nicht nur Ollinger selbst war mit seiner hünenhaften Erscheinung ein Blickfang für sich, sondern erst recht seine Arbeit. Mit einem großen Ast, den er alle zwei Minuten in die Speichen eines Rads steckte, trieb er mit ausladenden und kräftezehrenden Bewegungen seine mittelalterliche Töpferscheibe an ”“ und konnte dann immer nur für kurze Zeit an seinen Krügen, Schüsseln und Bechern arbeiten, ehe das Rad an Fahrt verlor. Und das Ganze dann auch noch in einer Körperhaltung, die wahrscheinlich jedem Orthopäden die Tränen in die Augen treiben würde. Vor allem den Kleinsten gefiel das Spektakel, denn bei Ollinger durften sie sich auch selbst mal an der Töpferscheibe versuchen.
Der Vorteil von Stationen, an denen besonders viel passiert, war auf dem Campus Galli gleich am ersten Tag gut zu erkennen: Wo viele Leute neugierig herumstehen, werden es automatisch mehr. Und so gab es einige Hütten, vor denen sich richtige Menschentrauben versammelt hatten. Noch gegen 17 Uhr standen rund 100 Autos auf dem Parkplatz ”“ allerdings wurden die Besucher am Eröffnungstag noch nicht gezählt.
Sicherlich tummelten sich nachmittags unter den Besuchern, von denen viele extra von außerhalb angereist waren, auch noch viele der geladenen Gäste. Rund 300 waren der Einladung zum Festakt gefolgt, mit dem die Klosterstadt um 11 Uhr offiziell eingeweiht worden war. Die Liste der Redner war lang, ihre Redezeit allerdings kurz genug, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Nach Bürgermeister Arne Zwick sprachen Ministerialdirigent Hartmut Alker, Landrat Dirk Gaerte, Heinrich Güntner von Leader, Manfred Sattler, Vorsitzender des Wirtschaftsbeirats, und Professor Ernst Tremp, Stiftsbibliothekar von St. Gallen und „Hüter des Klosterplans“. Nicht persönlich anwesend war der Oberbürgermeister von Aachen, Bert M. Geurtens Heimatstadt. Er hatte seine Glückwünsche auf Band gesprochen, das im Festzelt abgespielt wurde. Und auch für den ranghöchsten Redner ”“ Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments ”“ hatte kein Stuhl reserviert werden müssen. Er sprach ebenfalls durch Lautsprecherboxen zum Publikum. „Selten hat mich eine Idee spontan so beeindruckt wie diese", sagte er als Erstes ”“ und hatte damit im Grunde schon alles gesagt.
Beim Festakt wurde indes nicht nur geredet. Einer der Höhepunkte war der Auftritt der Meßkircher Ehrenbürgerinnen Anita Hofmann und Alexandra Geiger, die zwei Lieder sangen ”“ eins davon handelte von der Klosterstadt.
Sonja Meyer-König trug das Vaterunser auf Althochdeutsch vor, der Sprache Karls des Großen. Daniela Schmid sang einen gregorianischen Choral, und die Gruppe Feuer und Stein brachte mit ihrer mittelalterlichen Musik fast schon so etwas wie Partystimmung ins Zelt.
Ihren würdigen Abschluss fand die Eröffnungsfeier schließlich mit einer Prozession. Mitarbeiter der Klosterstadt steckten vor den Augen der Gäste ein Holzkreuz an genau die Stelle, an der später der Hochaltar der großen Klosterkirche entstehen wird. Der katholische Pfarrer Karl-Michael Klotz, der alt-katholische Diakon Robert Geßmann und der mennonitische Pfarrer Martin Schnegg gaben der Klosterstadt ihren Segen.

Der Führer zur Klosterstadt ist noch druckfrisch.
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Ein Gast hält das Programm des Festakts in seinen Händen.
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Rund 300 geladene Gäste verfolgen den Festakt im Zelt. Bürgermeister Arne Zwick begrüßt die 300 geladenen Gäste.
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Anita Hofmann (links) und Alexandra Geiger singen beim Festakt zwei Lieder. Die Gruppe Feuer und Stein spielt mittelalterliche Musik.
Annett und Tobias Krautz kommen als Edelleute verkleidet auf den Campus Galli. Lisa Eichner (links) und Raffaela Scondo verkaufen Eintrittskarten an der Kasse.
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Im Lehmofen werden Flammkuchen gebacken. An der sogenannten Eremitage wird fleißig gearbeitet.
Der Schmied fertigt Messer, die auf der Baustelle gebraucht werden. Auf der Baustelle werden fleißig Körbe geflochten.
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Der Imker erklärt den interessierten Besuchern alles rund um seinen Bienenschwarm Antonia Glöckler (rechts) erklärt Besuchern, wie in der Klosterstadt Wolle verarbeitet wird.
Die Arbeit der Steinmetze fasziniert die Besucher.
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Der Töpfer Andy Ollinger bringt die Töpferscheibe mit reiner Muskelkraft in Fahrt. Die kleine Miriam (6) darf selbst auch mal töpfern.
Bei der Prozession tragen Mitarbeiter ein Kreuz zu der Stelle, wo später der Altar der Kirche entsteht. Dann stellen sie das Kreuz auf.
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Die Geistlichen geben der Klosterstadt ihren Segen.Nach dem Festakt gibt es rustikales Essen für die geladenen Gäste.
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(Fotos: Sebastian Korinth)

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Norbert von Thule
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Re: Meßkirch baut Mittelalter nach

Beitrag von Norbert von Thule » 24.06.2013, 20:16

Aus der Neckar-Chronik:
Raimund Waible hat geschrieben:
Nach der Eröffnung strömten die ersten zahlenden Besucher aufs Gelände, Tausende kamen am ersten Tag.
Aus der Schwäbischen Zeitung:
Corinna Wolber hat geschrieben:
Am Eröffnungswochenende kommen 677 zahlende Gäste in die Klosterstadt

Neben den 300 geladenen Gästen haben am vergangenen Samstag 267 Menschen die Klosterstadt besucht und eine Eintrittskarte gekauft. Am Sonntag kamen sogar noch mehr: "Insgesamt waren es an diesem Tag 410, der Parkplatz war zwischenzeitlich brechend voll", sagt Bert M. Geurten. Diese Zahlen lösten bei ihm aber noch keine Euphorie aus. "Am Dienstag beginnen die Wochen der Wahrheit", sagt er. "Ich bin gespannt." Ihn stimme aber zuversichtlich, dass sich quasi alle Besucher äußerst positiv zum Campus Galli geäußert hätten. "Ich habe also nicht mehr die Sorge, dass es den Leuten nicht gefallen könnte. Jetzt müssen wir nur noch genug auf die Baustelle kriegen." Auch der Umsatz im gastronomischen Bereich sei an den ersten beiden Tagen bereits "ganz gut" gewesen. "Aber da müssen wir noch das ein oder andere testen", sagt Geurten.

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