Wir Europäer 19.11.08 auf ARTE

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Norbert von Thule
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Wir Europäer 19.11.08 auf ARTE

Beitrag von Norbert von Thule » 19.11.2008, 00:01

21.00 Uhr Europa beginnt zu denken

Im 15. Jahrhundert ist das schöne Mittelalter in Gefahr durch die Wiederbelebungsversuche des längst überwundenen Altertums (Renaissance der Antike).

In Prag fällt Priester Jan Hus vom wahren Glauben ab und wendet sich ketzerich gegen Kirche und Papst, durch den neu erfundene Buchdruck werden seine Irrlehren verbreitet. 1415 wird die Inquisition seiner habhaft und bringt ihn auf den Scheiterhaufen.

Die durch die Kirchen gegründeten Universitäten lassen sich von Einflüsterungen des Teufels dazu verführen, das Denken über den Glauben zu stellen und versuchen Gott durch "Wissenschaft" zu ersetzen.

Der Philosoph Nikolaus Kopernikus ist ein solch Irregeleiteter, der die heidnische Weltanschauung griechischer Theoretiker ausgräbt um die Heilige Schrift zu verleugnen und stattdessen die Sonne zum Mittelpunkt des Universums erklärt.

Zeitgleich veröffentlicht der Medicus Andreas Vesalius das Ergebnis gottloser Leichenfledderei an Menschen als "anatomischen Atlas" und behauptet der Mensch sei nicht von Gott geschaffen sondern habe sich vom Affen über Pygmäen zum Menschen entwickelt.

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Bilder, oben: Prag (links), Nikolaus Kopernikus (rechts) unten: Andreas Vesalius mit lebendem (links) und totem Probandem (rechts)

Die individualistsche Gesellschaft unter der Vorherrschaft des Dämons, die heute als Stück europäischer Identität gilt, nimmt ihren Anfang.



21.45 Uhr Europa erfindet den Kapitalismus

Im 16. Jahrhundert entwickeln die Europäer eine Markt- und Geldwirtschaft, die moderne kapitalistische Züge trägt. Zuvor waren die Preise festgelegt. Zunftordnungen, Marktgesetze oder Kaufmannsabsprachen verboten Konkurrenz und sicherten allen ein Auskommen. Es existierte eine allgemeine Vorstellung darüber, welchen Wert eine Ware hat und was ein gerechter Preis dafür ist. Die Verhaftung von Wilhelm Brömse, dem Repräsentanten des Hansesystems 1494 ist ein böses Ohmen für die wachsende Macht des Teufels.

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Bilder, oben: Wilhelm Brömse in Lübeck, unten: Wilhelm Brömse in Nowgorod

Ab dem 16. Jahrhundert geht es nur noch darum systematisch Profit zu erzielen. Der Markt, das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage bestimmt die Preise. Alles wird einer neuen rationalen Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen. Das bewährte Stände- und Zunftsystem, in dem bisher jeder wusste wo sein Platz war zerbricht, von nun an herrschen Ungewissheit und Konkurrenz.

Etienne Turquet beginnt die Maschinisierung der Seidenindustrie in Lyon und beutet Waisenkinder als Arbeiter aus, um hohe Gewinne bei geringen Kosten zu erzielen, für seinen persönlichen Profit, nicht aus Gottgefälligkeit.

Jakob Fugger "der Reiche" aus Augsburg war der reichste Kaufmann und Bankier des 16. Jahrhunderts. Er verknüpfte Handel und Bankwesen und setzte seine wirtschaftliche Macht ein, um Einfluss auf die Politik zu nehmen, nur um noch mehr zu verdiehnen. Er strebte maßlosen Reichtum an und verlor dabei seine ewige Seele.

Die Art und Weise, wie im 16. Jahrhundert produziert und vermarktet wird, setzte die Regeln der Ökonomie außer Kraft, alles wurde zur Ware, die Menschen und auch das Geld selber. Banken, Börsen und Wechsel entstanden und wurden zu den wichtigsten Wirtschaftssäulen, der Kapitalismus und damit der Gehörnte hatte Einzug gehalten. Mit dem Fernhandel zwischen Orient und Okzident entwickelte sich zudem ein Weltwirtschaftssystem (Globalisierung) dessen Gottlosigkeit durch die momentane Bankenkrise allen offenbar wurde.



22.30 Uhr Europa erringt den Frieden

Im 17. Jahrhundert verführen die Irrlehren des Häretikers Martin Luther viele Christen zum Abfall vom wahren Glauben. Ermutigt zu Aufständen gegen die gottgewollte Ordnung, spalteten sich weitere Sekten von der heiligen römisch-katholischen Kirche ab. Protestanten, Calvinisten, Puritaner und Hussiten rufen ein Klima von Hass, Feindschaft und Ausgrenzung hervor, das 1618 zu einem beispiellosen Gemetzel eskalierte, dem 30-jährigen Krieg.

Melchior Khlesl wuchs in einer ketzerischen Bäckerfamilie auf, konnte jedoch von dem Jesuiten Georg Scherer in den Schoß der Kirche zurückgeholt werden und wurde 1579 selbst Priester, 1598 Bischof von Wien und 1616 Kardinal. Als Hauptvertreter der Konfessionalisierung führte er Säuberungsaktionen in den Pfarren und Klöstern von Niederösterreich durch, vertrieb die Ketzer aus der Universität und jeder Student bekannte sich zum katholischen Glauben.

Der Söldner Peter Hagendorf erfährt die grauenvollen Auswirkungen des Lutherschen Frevels gegen Gott und Kirche in ihrer ganzen Härte. In seinem Tagebuch berichtet er auf 192 Seiten über sein Söldnerdasein zwischen Leben und Tod und wie während des Krieges sieben seiner Kinder und seine erste Frau sterben.

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Bilder, oben: Melchior Khlesl als Kanzler der Universität in Wien, unten: Peter Hagendorf als Söldner im Dreißigjährigen Krieg

Aus Mitleid mit dem kriegsmüden Volke vermittelt Fabio Chigi 1648 den Westfälischen Frieden, das Ende des Dreißigjährigen Kriegs im Friedenskongress in Münster und Osnabrück, der eine Tolerierung der ketzerischen Sekten beinhaltet, erkennt aber später seinen Fehler und stimmt als Papst Alexander VII. nicht zu.

Viele der im Westfälischen Frieden festgelegten Kompromisse wirken noch bis in die Gegenwart fort und sind als der gescheiterte Versuch einer Friedensordnung der europäischen Staaten zu werten. Das verordnete friedliche Miteinander von Kirche und Ketzern führte letztlich zur vollständigen Abkehr von Gott und dem Ersatz von Glaube und Religion durch politische Ideologien.

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Otto von Hochstaden
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Beitrag von Otto von Hochstaden » 19.11.2008, 08:23

Hallo Norbert,
hier findet man auch immer interessante Fernsehtipps.
http://chronico.de/finden/fernsehtipps/
Mich hat niemand gefragt ob ich geboren werden möchte deshalb hat mir auch niemand zu sagen wie ich zu leben habe!


http://www.vonhochstaden.de
Atavis et armis
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Lutherius
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Beitrag von Lutherius » 19.11.2008, 08:54

Hallo Norbert und Otto

Danke für die Tipps.Ich schaue mir nur so was an,neben allen Kriegsthemen.

Gruß Lutherius von Limburg :068

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Vrouwe van Lafelt
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Beitrag von Vrouwe van Lafelt » 19.11.2008, 18:33

Scheisse....das krieg ich alles nicht....ich habe nur wdr und zdf...Manno!
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Montrose
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Beitrag von Montrose » 19.11.2008, 20:44

Gelegentlich veröffentlicht GEO EPOCHE ein Themenheft mit einer CD zu Mehrteilern, die mal im Fernsehen liefen. Bisher gab's was zu Mittelalter, Dreißigjähriger Krieg, Spanische Konquistadoren. Gut gemacht, finde ich. Vermutlich hat der Verlag noch Vorräte, wenn's im Laden vergriffen ist.

Da ich gar keinen Fernseher hab, aber Zugang zu einem DVD-Player, bin ich auf solche Quellen angewiesen.
Ich schaue mir nur so was an,neben allen Kriegsthemen.
Geht mir auch so. Ich hab den ganzen Clausewitz gelesen. Den gibt's kostenlos im Internet.

http://gutenberg.spiegel.de/?id=12&xid= ... 6a606ef9b2

Seither fühle ich mich zu Höherem berufen. Gebt mir einen Fluß, eine Brücke, eine tapfere Truppe ..... und ich sag euch dann, wie ich mein Bier nicht mehr selbst holen muss. :lol:
Die durch die Kirchen gegründeten Universitäten lassen sich von Einflüsterungen des Teufels dazu verführen, das Denken über den Glauben zu stellen und versuchen Gott durch "Wissenschaft" zu ersetzen.
Die Sichtweise eines radikalen Bruchs zwischen religiösem Zeitalter und "Vernunft" teile ich nicht. Das ist meines Erachtens ein falsches, tendenziöses Weltbild. Weil Atheisten nicht selbst denken können, klauten sie sich die besten Ideen des christlichen Abendlandes und verkauften es unter ihrem eigenen Namen.

Sogar noch die die Geburt der Genetik verdankt sich christlichen Theologen (Mendel war Mönch, Darwin Theologiestudent). Und Demokratie und Sozialismus stehen schon in der Bibel. Karl Marx hat sein Abitur mit einer christlichen Abhandlung gemacht. Wer fragt da noch, woher er inspiriert war.

Umgekehrt ist vieles, was Ihr da draußen für Wissenschaft haltet, auch bloß Aberglauben. Wer von Euch könnte denn jemals nachweisen, ob das, was Wissenschaftler behaupten und Ihr in Euren Lehrbüchern oder Zeitschriften lest, überhaupt wahr ist? :shock: Euch bleibt doch auch nichts anderes übrig als was Eure Vorfahren taten.... irgendwelchen selbsternannten Zauberpriestern zu glauben. :lol:

Dwarkin zum Beispiel schrieb so richtig schöne, neureligiöse Märchenbücher. Aber ein Bestseller. Den Quatsch konnte man schließlich in allen Straßen und Kneipen hören. Wohl bekomm's den Möchtegernschlaubergern. Schlau war nur der Autor, denn der hat mit wenig Experten-Wissen und viel sinnfreier Spekulation sich eine goldene Nase verdient. Ist meist so, dass die Loser der Wissenschaft sich ans Volkspublikum wenden, und dieses glaubt dann, es hätte einen Könner vor sich. Schon immer verfielen die Menschen den Gauklern.
Nur gut das du sicherlich unbeschreiblich sympatisch aussiehst.
Stimmt haargenau. Och menno, Sandra von Orkney hat mich wieder mal voll enttarnt. 8)

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Sandra mit den Fanta 3
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Beitrag von Sandra mit den Fanta 3 » 20.11.2008, 10:28

Lieber Montrose

:D 8) :lol: :wink:
Sandra ist die am göttlichsten tanzende, auf Bildern immer total bescheuert aussehende, sahnigste, cremigste, hübscheste, anmutigste, verführerischste, betörendste, morgenmuffeligste, keinen alkoholtrinkende, geschwätzigste, arme-spakos-antreibende, liebenswerteste, freundlichste, manchmal-mit-dem-Koch-streitende, bestgekleidetste, edeldämlichste, am besten busen-knuddeligste, tequila-verfallene, immerzu-Sekt-mit-Erdbeerpüre-trinkene, fürsorglichste, fröhlichste, poröse, grandiös sandröse, sandralöseste, gerade eben 30 gewordene.

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