Die Wanderhure

Was läuft in Film und Fernsehen?
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Norbert von Thule
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Die Wanderhure

Beitrag von Norbert von Thule » 13.11.2009, 20:53

Die Wanderhure wird verfilmt

Die Wanderhure

Der Film nach dem gleichnamigen Bestseller von Iny Lorenz wird im Herbst 2010 auf Sat.1 zu sehen sein, und Alexandra Neldel spielt die Titelrolle: Marie, brave Tochter eines Konstanzer Kaufmanns im 15. Jahrhundert, wird durch eine gemeine Verleumdung dazu gezwungen, sich als wandernde Prostituierte durchzuschlagen. In der emotionalen Schlussszene, die auf dem Gelände der ungarischen Produktionsfirma Mafilm gedreht wird, hält König Sigismund (Götz Otto) Gericht. Marie will ihre Unschuld beweisen. Zu guter Letzt bekommen die Schurken, die sie in das Dasein als Hure getrieben hatten, ihre verdiente Strafe.

Jugendfreie Vergewaltigungsszenarien

Ganz wie im Märchen, eine Portion „Mittelalter light“. Schließlich soll der Film von Regisseur Hansjörg Thurn später in der Primetime laufen, muss also jugendfrei sein. Daher wurden die grausamen Vergewaltigungsszenen auch weit weniger drastisch als im Roman beschrieben in Szene gesetzt. (Quelle: Focus Online)

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Bild: Die in der Mitte ist die Wanderhure.

Montrose
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Re: Die Wanderhure wird verfilmt

Beitrag von Montrose » 14.11.2009, 20:26

wird durch eine gemeine Verleumdung dazu gezwungen, sich als wandernde Prostituierte durchzuschlagen.
wird, hält König Sigismund (Götz Otto) Gericht. Marie will ihre Unschuld beweisen. Zu guter Letzt bekommen die Schurken, die sie in das Dasein als Hure getrieben hatten, ihre verdiente Strafe.
In diesem albernen Werk sind alle Regeln der Schriftstellerkunst auf den Kopf gestellt. Üblicherweise beginnt eine Geschichte plausibel und endet überraschend.

Hier ist es genau umgekehrt. Am Anfang zwingt eine Verleumdung zur Prostitution... das ist wirklich verblüffend. Soll das etwa heißen, daß wenn einer von uns verleumdet wird, er demnächst mit dem roten Handtäschchen durch die Antoniusstraße laufen muß. :shock:

Selbst wenn die Dame ihre soziale Stellung verliert -neudeutsch arbeitslos wird - könnte sie sich ja immer noch als Magd durchschlagen. Fazit: der Anfangsplot ist hanebüchen.

Das Ende hingegen ist plump und vorhersagbar.


Vergleicht das mal mit Alexandre Dumas Kameliendame. Die Kameliendame..... das ist echter Skandal! Wenn Ihr unbedingt in erotisch-düsterem Elend schwelgen wollt, versucht es mal mit Französischer Romantik.

Leute, Ihr tut mir echt leid, mit was für Scheiße Ihr in den Büchereien, im Kino und im Fernsehen heutzutage bombardiert werdet. Jesus, der einen Nachkommen hat .... muß ich deshalb 900 Seiten Mumpitz lesen oder 7 Euro im Kino abdrücken? Ken Folliets Säulen der Erde: etwa alle 80 Seiten taucht eine "gute Hexe" auf und köpft einen Hahn. Und noch manch weiterer Kram. Aus diesen Möchtegern-Histörchen muffelt der Gestank bürgerlicher Phantasielosigkeit. Jeder x-beliebige Punk auf der Straße könnte weitaus bessere Geschichten erzählen.

Bild: Die in der Mitte ist die Wanderhure.
Die in der Mitte ist verdeckt. Die im blauen Gewand kann es nicht sein, denn die wirkt gefühlskalt. Aber wie findest Du die Dicke ganz rechts? Ich glaube, die hat schon mal was von den Französischen Romantikern gehört.

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Norbert von Thule
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Re: Die Wanderhure wird verfilmt

Beitrag von Norbert von Thule » 14.11.2009, 22:40

Die Wanderhure unverdeckt vom blauen Gewand:)

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Anni

Re: Die Wanderhure wird verfilmt

Beitrag von Anni » 02.08.2010, 14:50

Das dieses buch verfilmt wird, freut mich wirklich riesig! Schön beim lesen dachte ich mir,dass sich das Buch sicher gut in einen film umsetzen lässt.
was mir jedoch jetzt schon zu meiner großen enttäuschung auffällt, ist dass es wohl nicht so ganz wahrheitsgemäß von statten gehen wird.
Im buch wird die hauptperson , Marie, als "engelsgleich" mit hellblond gelocktem haar und bildhübschem,zarten gesicht beschrieben, also alexandra neldel fällt für mich da nicht grad in die beschreibung.... schade. Allein dieser fakt lässt mich schon vermuten dass der film wohl nicht so toll und wahrheitsgemäß rüberkommen wird, für leute die das buch wirklich gelesen haben.

Zu meinem Vorschreiber möchte ich noch sagen, dass es damals durchaus so wahr,wenn man wegen hurerei angeklagt wurde, ausgepeitscht und mit einem schandkittel aus der stadt gejagt wurde und somit unehrbar und ohne jegliches bürgerrecht war, sodass man nicht mal mehr als magd irgendwo arbeiten konnte ,weil man eben "unehrbar" ist , so dass es wohl an ein wunder gleicht überhaupt von irgendjemand für voll genommen zu werden geschweige denn hilfe zu erwarten da man im mittelalter als hure der letzte dreck war.... kannst ja gerne googeln, da wirst du sehen das es tatsächlich so wahr.


Ich finde das buch schockierend aber auch wirklich faszinierend wie das damals alles so war. an manchen stellen finde ich es zwar etwas zu extrem dem happy end zugeschrieben bzw sehr abwegig ,aber gut, das ist ja schließlich was man lesen will.

Ich freue mich sehr auf den film und bin mal gespannt wie alles umgesetzt wurde.

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Isa
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Re: Die Wanderhure wird verfilmt

Beitrag von Isa » 10.08.2010, 19:44

Ich hab die Bücher auch mit großer Begeisterung gelesen und war auf den Film gespannt.
Von Alexandra Neldel bin ich jetz auch nich wirklich ein Fan, um genau zu sein finde ich es sehr schade, dass Marie nicht von einer hübschen Schauspielerin gespielt wird (gibt ja genügend).

Dass manche Leute hier zu faul sind, sich Wissen anzueignen, was z.B die Frauen im MA für Rechte hatten, dann is das schon ein bisschen arm. Aber ok, jedem das seine.
Solang die Leute, die sich für die Verhältnisse im MA interessieren, wissen, wie es sich ungefähr zugetragen hat und was es insgesamt für Rechte gab, dann reicht das ja eigendlich auch.
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Montrose
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Re: Die Wanderhure wird verfilmt

Beitrag von Montrose » 11.08.2010, 11:26

Da damals Kinder von Frauen geboren wurden und sich weder eine Burg noch ein Hof ohne Frauen bewirtschaften ließ, hatten die Frauen durchaus ein Wörtchen mitzureden.
Prositutierte, sogenannte Hübschlerinnen, waren gesellschaftlich keineswegs ausgestoßen, zumal die Kirche selbst Bordelle betrieb. Viele Hübschlerinnen heirateten, wie auch moderne Prostituierte meist in ein bürgerliches Leben zurückkehren.

Die Hexe hatte es im MA viel schwieriger, weil der Verstoß gegen die Religion als Kapitalverbrechen galt.... während die Sexualmoral im MA wahrscheinlich vielerorts lascher war als heute ----immerhin gab es allernorts die Beichte, und "versehentliche Kinder" konnte man als Arbeitskräfte damals weitaus besser integrieren als in der modernen Gesellschaft, wo dann gleich "die Karriere" auf dem Spiel steht. Dieses gruselige Kribbeln hinsichtlich sexueller Verstöße, was dem Publikum an der "Wanderhure" so gefällt, ist eine Kopfgeburt des beginnenden Kapitalismus im 19. Jahrhundert. Der Roman "Wanderhure" verlagert Motive des 19. Jahrhundert einfach ins MA zurück. Das zeigt sich daran, daß die Wanderhure "selbstverständlich" :wink: Kaufmannstochter und eben keine Bäuerin ist.
sodass man nicht mal mehr als magd irgendwo arbeiten konnte ,
Klar, im MA gab es ein polizeiliches Zentralregister und jeder konnte im Internet googlen, woher jemand kam. So ein Unsinn. 20 Kilometer weiter konnte man eine neue Existenz beginnen. Außerdem wurden Mägde nicht wegen ihres Leumunds, sondern zum Arbeiten eingestellt.
so dass es wohl an ein wunder gleicht überhaupt von irgendjemand für voll genommen zu werden
Das hängt von der individuellen Attraktivität einer Person ab. Wenn eine Frau gut aussieht oder ein Mensch sehr loyal, leistungsfähig oder klug ist, dann kann er oder sie einen Retter finden, egal wie der eigentliche Stand ist.
Dass manche Leute hier zu faul sind, sich Wissen anzueignen,
Den Ball gebe ich gerne zurück. Die "Wanderhure" hat mit der historischen Realität im MA wenig zu tun. Sondern das Buch handelt davon, wie sich moderne Menschen ihre gegenwärtigen Phantasien in eine erfundene Vergangenheit hineinträumen. Diese Mittelalter-Romane und ihre Themen sagen mehr über die Gegenwart als über das MA aus.

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Nicole
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Re: Die Wanderhure wird verfilmt

Beitrag von Nicole » 12.08.2010, 13:07

Die mittelalterliche Hexe hatte es insbesondere im Mittelalter ganz schwer, da es sie nicht gab - Hexen und Hexenverfolgung sind Themen des späten Mittelalters (des ganz späten) und der frühen Neuzeit!!!!

http://de.wikipedia.org/wiki/Hexenverfo ... ittelalter

Ich wiederhole das gerne noch ein paar mal, kein Problem. :twisted:

Gotes gruoze

(schon den Staufer-Artikel gelesen http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelge ... 010-4.html ?)
N.
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Re: Die Wanderhure wird verfilmt

Beitrag von Montrose » 12.08.2010, 18:44

Jaja, ich geb's ja zu. :roll:

Aber wenn die anderen hier Wanderhuren, die es nicht gab, ins MA verlegen, .... dann darf ich doch auch ein paar aufsäßige Frauen im Mittelalter in irgendein Kloster stecken und ein bißchen Tugend beibringen.

Ich werde einen Bestseller schreiben: Der Hexenfänger. :mrgreen:

Das Buch (mindestens 1500 Seiten dick) handelt davon, daß irgendwelche irregeleiteten Frauen das Reich in Aufruhr versetzen. Zum Beispiel zwingen sie alle Knappen in die Knappenkrippe, damit die Weibsleute ungestört deren Wein wegsaufen können. Die Männer müssen Röcke tragen und im Sitzen pinkeln und werden auch noch als Schotten verspottet. Ja, das hört sich nach einer plausiblen Geschichte an. Dann aber verfinstert sich die Sonne und der .... der ... hm... der Bischof kommt :idea: ... ja wie könnten wir denn den Bischof nennen ..... Bischof Maxi oder so ähnlich? und versohlt denen einfach den Hintern. Ja wenn das mal kein happy-end ist. :D

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Re: Die Wanderhure wird verfilmt

Beitrag von Norbert von Thule » 13.08.2010, 00:45

Nicole hat geschrieben:Die mittelalterliche Hexe hatte es insbesondere im Mittelalter ganz schwer, da es sie nicht gab
Das hast du schonmal behauptet:
Nicole hat geschrieben:....es tut mir ja (nicht wirklich, aber :twisted: ) leid, an dieser Stelle darauf hinweisen zu müssen, dass Hexen und Hexenverfolgung eine Erfindung des späten Mittelalters (nach der großen Pest in Mittelalter, also nach 1348) sind, die am Wendepunkt zur frühen Aufklärung hin seinen traurigen Höhepunkt fand.
Und deshalb auch nochmal die Erwiderung:
Norbert von Thule hat geschrieben:
Tacitus (55- 115 n. Chr.) hat geschrieben:Im übrigen glauben die Germanen, dass es der Hoheit der Himmlischen nicht gemäß sei, Götter in Wände einzuschließen oder irgendwie der menschlichen Gestalt nachzubilden. Sie weihen ihnen Lichtungen und Haine, und mit göttlichen Namen benennen sie jenes geheimnisvolle Wesen, das sie nur in frommer Verehrung erblicken.
Die hier von Tacitus erwähnte Verehrung der germanischen Götter in einem Hain hängt mit dem Ursprung des deutschen Wortes Hexe zusammen; denn es ist vom Wort Haag (Wald, Hain: abgesonderter, numinoser Ort) abgeleitet. Eine Haigse ist eine im Haag Lebende.

Quelle: Karl-Heinz Wollscheid, Personifikationen des Bösen, Kapitel 8 Der Hexenglaube in Mitteleuropa, Abschnitt 8.1 Früh- und Hochmittelalter
Also: Hexen sind keine Erfindung des Spätmittelalters. Es hat sie immer gegeben und es gibt sie noch heute!

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Nicole
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Re: Die Wanderhure wird verfilmt

Beitrag von Nicole » 13.08.2010, 08:00

Römer hatten auch Klos. Im Mittelalter gab's die nicht. Nennt man geschichtliche Diskontinuität.
Römer und Germanen waren, vom christlichen Standpunkt aus betrachtet, Heiden.
Heiden wurden im Mittelalter um eine Kopflänge gekürzt.
Dass sich irgendwer irgendwann für wen mit besonderen Kräften hielt, kann man nicht ausschliessen.
Ich weiss ja, dass es schwer ist, damit zu leben, dass das christliche Mittelalter Häresie, aber nicht Hexen verfolgte. :cry:

Herzlichen Gruss
Nicole
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Norbert von Thule
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Re: Die Wanderhure wird verfilmt

Beitrag von Norbert von Thule » 13.08.2010, 10:23

Wortklauberei. Eine Hexe ist eine Häretikerin, ansonsten eine Heilige, die Wunder wirkt.

Die geschichtliche Diskontinuität in der Verwendung der Swastika bedeutet weder dass Hitler das Hakenkreuz erfunden hat, noch dass es heute keine Rolle mehr spielt.

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Nicole
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Au wei

Beitrag von Nicole » 13.08.2010, 13:18

Tacitus ist Antike, nicht Mittelalter. Noch nicht einmal Frühmittelalter.

Was die Swastika betrifft, gebe ich Dir völlig recht, Norbert. Hitler hat sie nicht erfunden.

Nicht jede Hexe ist eine Heilige. Es gibt schwarze und weisse Magie.
Hexe stammt möglicherweise von hagazussa, also jemand, der sich zwischen zwei Welten bewegt. Der Ursprung des Wortes ist nicht klar.

Es sind zwar einige im Eynevolk, die sich auf dem Neo-Paganismuspfad befinden und die das natürlich im Rahmen des Eynevolks gerne darstellen möchten.
Aber das ist eben Mittelalter-Fantasy, nicht Mittelalter. Er gehört in einen anderen Zeitraum und hat dort seine völlige Berechtigung. Aber eben nicht in jedem.

P.S.: Es gibt auch Leute, die das Futhark kennen, dessen Bedeutung verstehen und klar von anderem abgrenzen.

:083

N.
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Re: Die Wanderhure wird verfilmt

Beitrag von Montrose » 13.08.2010, 14:53

Das Wort Hagazussa soll etwas mit Hecke zu tun haben. Die Germanen glaubten, dass sich in Hecken Tore zu einer anderen Welt befinden. Die Runen oder Futhark waren nicht mehr als der hilflose Versuch eines Barbarenvolkes, die römische Schrift nachzuahmen. Das Gekritzel von Doofen also und nicht etwa, wie Himmler immer meinte, Rest einer gigantischen Hochkultur. Im Mittelalter dürfte Futhark überhaupt keine Rolle gespielt haben, weshalb es auch albern ist, wenn auf Mittelaltermärkten die Leute mit irgendwelchen Runenkettchen rumlaufen oder sich diesen Unsinn auch noch eintätowieren lassen.

Norbert irrt, wenn er leichtfertig von Hexen im Mittelalter spricht. Was sollen diese Personen denn getan haben? Im Mittelalter gab es in Mitteldeutschland keine germanischen Kulte mehr. Die gab es noch im Slawengebiet, weshalb die Kreuzritter dorthin ab und zu einen Jagdausflug auf Menschen machten. Ihr könnt mir ja gerne das Gegenteil beweisen, wenn Ihr es könnt. Meines Wissens war Mitteleuropa nach Karl dem Großen vollständig christianisiert. Abgesehen davon, Heide zu sein war damals einfach auch nicht mehr chic und modern. Wer wollte schon mit alten Zöpfen hausieren? Wir dürfen nicht von heute ausgehen: heute will jeder Heide oder Atheist sein, weil das als so supertoll und „tiefsinnig“ gilt. Damals galt das Christentum als neuester Schrei.

Ein Häretiker war nicht etwa ein Heide, sondern ein Christ mit einem angeblich falschen Verständnis von Christentum.

Was also war im Mittelalter übrig vom Paganen? Feste und mancher Aberglaube dürfte in den katholischen Volksglauben mit seinen vielen Heiligen übergegangen sein. Ein möglicher Einsatzbereich könnte die Volksmedizin gewesen sein. Aber auch das ist nur eine Spekulation von mir. Sicherlich, auf der Ebene der politischen Organisation sind germanische Elemente wirksam geblieben: der Vertreter der römisch tradierten Reichsherrschaftsidee, nämlich der Kaiser, stand einem germanisch-individualistisch geprägten Regionaladel gegenüber. Der Ritter wurde gegenüber einer Person und nicht, wie in Rom, gegenüber einer Institution verpflichtet. Das Germanische findet sich heute noch bei dem westfälischen Starrsinn, der arroganten Distanz des Hamburgers und dem schwäbischen Eigenbrötlertum.
Die geschichtliche Diskontinuität in der Verwendung der Swastika bedeutet weder dass Hitler das Hakenkreuz erfunden hat, noch dass es heute keine Rolle mehr spielt.
Fang doch einfach mal an zu erklären, was ein indisches Zeichen in Deutschland verloren hat?

Ganz einfach: auf der Höhe des deutschen Klassizismus war Hegel der uneingeschränkte Olympionike. Da man ihn auf regulärem Weg nicht vom Philosophenthron stoßen konnte ”“er war einfach zu genial - , blieb diesem kleinen, ehrgeizigen aber völlig untalentierten Wurzelzwerg Schopenhauer nichts anders übrig, als einen auf Exotik zu machen und mit dem Ostasienquatsch daherzukommen.

Und genau so ist es bis zum heutigen Tage geblieben: die Könige des Geistes sind Christen, während die mental Fünftklassigen wie verarmte Auswanderer in die Ferne ziehen müssen, vergeblich hoffend, dort einen Platz im Himmelreich zu ergattern. Alles, was sie dort finden, ist Nirwana: das Nichts. Unsere Vorausgegangenen hingegen stehen immer unter dem Licht, spielen Harfe oder führen geistreiche Gespräche und essen Zuckerwatte mit Honig.

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Re: Die Wanderhure wird verfilmt

Beitrag von Montrose » 13.08.2010, 17:15

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Zuletzt geändert von Montrose am 17.09.2010, 18:02, insgesamt 1-mal geändert.

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Die Wanderhure 05.10.2010

Beitrag von Gudrun von Stahlburg » 14.09.2010, 19:56

Ich ahbe einen Filmtip für Euch

am 05.10.2010 ab 20.15 Uhr auf Sat 1

Die Wanderhure

Inhalt: Die Wanderhure
Konstanz im Jahr 1414: Gegen ihren Willen soll die schöne junge Marie (Alexandra Neldel) den unehelichen Sohn des Grafen von Keilburg (Michael Brandner) heiraten. Doch Marie liebt nur ihren Jugendfreund Michel (Bert Tischendorf). Der abgewiesene Ruppertus lässt Marie brutal vergewaltigen, der Hurerei beschuldigen und in den Kerker werfen. Marie wird schuldig gesprochen, gefoltert und halb tot in den Fluss geworfen...

Die Wanderhure Hiltrud (Nadja Becker) findet Marie schwerverletzt. Nur der Gedanke an Rache lässt Marie überleben. Um ihre Schulden zu begleichen, muss Marie ihren Körper verkaufen. Als sie die Adelsdame von Arnstein (Elena Uhlig) und ihren Gemahl Dietmar (Thure Riefenstein) kennenlernt, wittert Marie ihre große Chance. Denn für ihren Plan braucht sie niemand geringeren als den König (Götz Otto)...


Viel Spass dabei
Ein Kuß, der das Herz nicht berührt, langweilt den Mund.
Veytaler Märchenerzählerin

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Re: Die Wanderhure 05.10.10 Sat 1

Beitrag von Norbert von Thule » 17.09.2010, 14:15

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Authentizität am Set: Schmutzige Fingernägel und Ziegengestank”¨

Bereits vor Drehstart wurde vier Tage intensiv mit den Hauptdarstellern geprobt. Für Alexandra Neldel (links) eine wichtige Arbeit: „Bei der Probe wurden ganz viele Szenen erarbeitet und auch sehr viel improvisiert, und da lernt man seine Rolle und seine Kollegen am besten kennen.“ Während der Dreharbeiten wurde auch auf kleine Details sehr viel Wert gelegt: „Es wurde sehr darauf geachtet, dass alles so detailgetreu wie möglich ist. Beispielsweise wurde immer geschaut, dass meine Fingernägel schmutzig waren. Außerdem war es oft wirklich eiskalt“, erzählt Neldel und fügt hinzu: „So gesehen bin ich wirklich froh, dass ich im Jetzt lebe.“ Auch Kollegin Nadja Becker (rechts) hat sich intensiv mit dem Mittelalter beschäftigt: „Ich habe ganz viel gelesen und recherchiert. Und richtig darauf eingestellt hat man sich dann automatisch mit Kostüm, Perücke und Maske. So ist es beispielsweise das erste Mal, dass ich fast ungeschminkt drehe ”“ denn im Mittelalter gab es natürlich kein vollständiges Make-up. Das ist schon ein Unterschied.“ Außerdem wurde auch bei ihr auf Authentizität viel Wert gelegt, wie Becker erzählte: „Ich habe einen schönen Wagen, mit dem die Wanderhuren durchs Land ziehen. Diesem Wagen sind zwei Ziegen vorgespannt, die so unendlich gestunken haben, das ich nach kurzer Zeit selber am ganzen Körper gestunken habe ”“ aber das war auch sehr authentisch, denn das hat damals einfach dazugehört.“
Quelle: Das Karwendel

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Re: Die Wanderhure 05.10.10 Sat 1

Beitrag von Montrose » 17.09.2010, 18:00

Blablabla. Wer interessiert sich denn für dreckige Fingernägel oder Scheißziegen.

Ausziehen! Ausziehen! Ausziehen! Ausziehen!

:mrgreen:

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Norbert von Thule
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Re: Die Wanderhure 05.10.10 Sat 1

Beitrag von Norbert von Thule » 17.09.2010, 20:13

@ Montrose

Okay, okay, okay, hier nochmal Wanderhure Maria nackig:

Bild

Wanderhure Hiltrud ist für unser Forum zu teuer:
Schauspielerin Nadja Becker hatte geklagt, weil mit einem Nackt-Foto von ihr Werbung für den „Polizeiruf 110“ gemacht wurde. Die 32-Jährige, die das Geschehen von der Zuhörerbank verfolgte, bekam am Ende Recht. Vor drei Jahren spielte sie eine polnische Prostituierte in einer Folge der beliebten Krimi-Serie. Spontan kam der Regisseur auf die Idee, dass es der Szene gut täte, wenn die Schauspielerin dabei die Hüllen fallen ließe. „Meine Mandantin wurde bei den Dreharbeiten regelrecht überrumpelt“, erklärte ihr Rechtsanwalt bei der Verhandlung. Letztlich stimmte sie aber zu, die Nacktszene wurde gedreht. Ärgerlich wurde Nadja Becker allerdings, weil genau mit dieser Szene auch noch Werbung für den Film im Internet gemacht wurde. Damit das in Zukunft unterbleibt, leitete sie eine Unterlassungsklage ein. Gegen Androhung einer Strafe von bis zu 250.000 Euro wurde untersagt, die umstrittenen Aufnahmen noch einmal zu verwenden.
(Quelle: Express)

Aber es gibt immer Möglichkeiten, deine ist hier!

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Re: Die Wanderhure 05.10.10 Sat 1

Beitrag von Montrose » 18.09.2010, 14:14

Na dann möchte ich mich beim ganzen Eynevolk aber herzlich für den tollen Service bedanken.

Rummäkeln kann man natürlich immer. Der "hier"-link ist ziemlich gut, genauso wie dieses Foto, wo die Dunkelhaarige die Schulter frei hat.

Aber diese Blondinnen-Nacktbilder sprechen mich jetzt nicht so an, weil sie nicht authenthisch mitteralterlich sind. Zum einen glaube ich, daß die Frauen im Mittelalter mehr Haare hatten. Außerdem waren die Minne-Rituale damals viel feinsinniger. In etwa so http://www.youtube.com/watch?v=tw0wrrYu ... re_related
:au

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Re: Die Wanderhure 05.10.10 Sat 1

Beitrag von Nicole » 18.09.2010, 20:02

Hätten die letzten Beiträge einen Bezug zur Plattentektonik, wäre das Niveau im Bereich der Schmelzzone/des Magmas angekommen.

:evil:
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Re: Die Wanderhure 05.10.10 Sat 1

Beitrag von Norbert von Thule » 18.09.2010, 20:20

Wir suchen den inneren Kern. Sind wir von der Oberfläche doch schon ein ganzes Stück weiter gekommen.

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Re: Die Wanderhure 05.10.10 Sat 1

Beitrag von Norbert von Thule » 19.09.2010, 19:36

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Eric Leimann hat geschrieben:
Alexandra Neldel - Bedingt tauglich fürs Mittelalter

Es gibt Mittelaltermärkte, Rollenspiele und so weiter. Ist da auch etwas, was Sie an dieser Zeit reizt?
Alexandra Neldel: Ich glaube, was viele Leute an dieser Zeit reizt, ist die Ruhe. Wir hatten Komparsen, die kamen von weit her, um mitzuspielen. Die trugen Lederschuhe, die sie selbst angefertigt hatten. Ich selbst fühle die Verbundenheit mit jener Zeit aber nicht ganz so intensiv (lacht). Ich war froh, wenn ich im Wohnwagen wieder die Heizung andrehen und mir abends warme Klamotten anziehen konnte. Wir drehten im Herbst teilweise bei Minusgraden im luftigen Kleid - da wurde es schon kalt. Ich lernte an den Feierabenden nach dem Dreh auch luxuriöse Dinge wie Gummistiefel, Daunenmäntel oder elektrisches Licht zu schätzen...

Wie hat Ihnen, mal abseits vom Frieren beim Dreh, die Mode des späten Mittelalters gefallen?
Alexandra Neldel: Wir hatten eine Wiener Kostümbildnerin*, die schneiderte uns ganz tolle Roben. Da war selbst der Schandkittel schon viel zu cool, den mussten wir noch ein bisschen schlichter machen. Mir hat es sehr gut gefallen, in die alten Kleider zu schlüpfen. In der Mode momentan gibt es durchaus Anklänge an diese Zeit, vieles ist zum Beispiel wieder richtig weit geschnitten.

Es existieren noch drei Fortsetzungsromane zur 'Wanderhure'. Könnten Sie sich vorstellen, die Rolle noch einmal zu spielen?
Alexandra Neldel: Absolut. Wir scharren schon alle mit den Hufen und hoffen, dass es nach dieser ersten Verfilmung weitergeht. Wir schauen erst mal, wie der erste Film beim Zuschauer ankommt. Vielleicht geht es nächstes Jahr weiter.
(Quelle: Teleschau)

________

* Monika Buttinger (Bild unten links): Also ich habe vier österreichische Mitarbeiter und zehn ungarische Mitarbeiter, zirka, in der Galerie und dann kamen noch die Werkstätten dazu. Es gab in der Vorbereitung einen Goldschmied einen Hutmacher, Patinierteam, die also sozusagen die Köstüme gealtert haben, künstlich, und eine Werkstatt mit drei Schneiderinnen, also insgesamt zwanzig dann. Ja, das Mittelalter war ja unwahrscheinlich lang und besonders diese Zeit ist sehr speziell gewesen, weil man begonnen hat Männer und Frauen im Kostüm zu unterscheiden, das bedeutet Betonung der Brust, bei den Männern speziell Betonung der Beine, wir kennen ja alle diese "Beinlinge", die uns wie Strümpfe erscheinen, diese spitzen Schuhe, die wir natürlich für den Film oder fürs Fernsehen, sagen wir mal etwas geküzt haben, etwas drehalltäglicher versucht haben zu machen (Bild unten rechts).

Bild
(Quelle: Making-Of von SAT 1)

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Re: Die Wanderhure 05.10.10 Sat 1

Beitrag von Norbert von Thule » 20.09.2010, 08:35

Die [url=http://www.bild.de/BILD/unterhaltung/TV/2010/09/19/NICHT-PUBLIZIEREN-alexandra-neldel/film-wanderhure-alexandra-neldel-in-ihrer-haertesten-rolle.html]Bild Zeitung[/url] hat geschrieben:
Alexandra Neldel in ihrer härtesten Rolle ... Bei den Dreharbeiten brach sie in Tränen aus.

Bild
Szene aus dem Sat.1-Film „Die Wanderhure“: In ihrer Rolle als Marie Schärer wird Alexandra Neldel immer wieder vergewaltigt (links), Peitschenhiebe für die "Wanderhure" (rechts)

Der Film schockt mit drastischen Folter- und Vergewaltigungsszenen. Neldel: „Bei der Vergewaltigungsszene im Kerker musste in den Proben jemand am Set für mich als Lichtdouble einspringen, weil mir sofort die Tränen kamen“.
Sat.1 zeigt diesen Film zur Familien-Sendezeit um 20.15 Uhr ”“ ist das in Ordnung?
Sender-Sprecherin Diana Schardt: „Wir achten sehr genau auf die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen. Wir haben bei Inszenierung und Schnitt bewusst Abstand von einer extremen Gewaltdarstellung des Alltags im Mittelalter genommen.“

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Annette von Schwerzfeld
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Re: Die Wanderhure 05.10.10 Sat 1

Beitrag von Annette von Schwerzfeld » 20.09.2010, 12:16

Super!!! Vielleicht hätte sie dazu sagen sollen, dass sich die Jugendschutzbestimmungen bei SAT.1 in einigen winzigen Details von den offiziellen Bestimmungen unterscheiden. "Jugendlich" ist man im deutschen Recht doch schon mit 14 Jahren, oder irre ich mich? Gut, dass der Titel sowieso nicht das Interesse meines 14jährigen Sohnes weckt. :x
Schreibe es in den Sand, wenn dich jemand verletzt. Meißle es in Stein, wenn jemand gut zu dir ist.

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Re: Die Wanderhure 05.10.10 Sat 1

Beitrag von Norbert von Thule » 20.09.2010, 14:12

Der Film ist für Zwölfjährige freigegeben:

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