Eckball

Was geht außerhalb vom Mittelalter?
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Montrose
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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 02.09.2018, 21:08

Der Tatort "Borowsky und das Haus der Geister" war gut. Interessante Verhältnisse, interessante Bilder - am Ende mit einer freistehenden Badewanne, wie der Ex-Bischof von Limburg auch eine hatte. Supergut war der Film nicht, weil die Serienartigkeit der Taten (ich will hier nicht spoilen resp. das Ende verraten) mir nicht ganz schlüssig motiviert erscheint. Der SPIEGEL-Kritiker gibt 4 von 10, aber wenn ich seinen Text richtig interpretiere, hat er vielleicht einfach die Handlung nicht verstanden. Ja, das ist tatsächlich ein Krimi und kein Geisterfilm. Oder er ist womöglich über 60 und kann mit coolen Sachen nix mehr anfangen. Oder er hat meine Beschwerde, daß der letzte Tatort zu gut bewertet wurde, gelesen und wollte das dadurch korrigieren, daß er heute eine zu schlechte Bewertung abgibt.

Leute, Tatort gucken ist wichtig. Das ist so ziemlich das einzige, was Deutschland noch zusammenhält. Die verzweifelt gesuchte Leitkultur sozusagen.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 09.09.2018, 23:42

Ich hab die politischen Beiträge aus eigenem Willen raus genommen. Was soll's? Meine Interpretation der Dinge ist richtig, weshalb ich den Text privat gespeichert habe. Noch ein dritter Abschnitt, und das Puzzle wäre zusammengelegt. Aber warum soll ich mich da öffentlich in die Nesseln setzen?


Nachtrag:
Meinen verkürzten Beitrag zur Politik hab ich auch gelöscht. Warum? Politik ist eine Welt der Glücksritter und Dummschwätzer. Da ist Fußball viel besser: man sieht Perfektion und Schönheit. Im folgenden hab ich aus dem Feuer des Vergessens ein paar Goldkörner gerettet.


Eine Degenspitze kann man leicht mit einem Schleifstein superscharf bekommen. Dauert nur wenige Minuten. Sollte ein Schwert seitlich leichten Rost ansetzen, sanftere Methoden wie Paste oder feinstes Schmiergelpapier benutzen. Anscheinend gibt es laut Internet dafür auch eine Art Radiergummi oder ein Korken und Scheuermilch soll auch gehen.

Frauen sollten, bevor sie das Wahlrecht ausüben, etwas anderes als dumme Frauenzeitschriften lesen, und sie sollten sich auch nicht an schweren Waffen üben, da sonst ihre zierlichen Schultern verrohen.

Noch was? Hm, ich guck gerade eine Doku über Hexen in Rumänien an. Das Problem in Deutschland ist, dass wir wegen dem ganzen Mathescheiß, Technik und Computerkram zu wenig Geisteswissenschaftler haben. Glückliches Rumänien.

Und natürlich kommt der Untergang. Ein bißchen Geduld noch.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 16.09.2018, 21:37

Der TATORT war okay heute. Der SPIEGEL-Kritiker gibt 8 von 10. Ansonsten in SPIEGEL-online wieder die übliche Hetze gegen Sachsen. In den Leser-Kommentaren erklären Ostdeutsche genau das, was ich vor ein paar Tagen hier gepostet habe: die unterschiedlichen Erfahrungen Wessies - reiche Amis vs. Ossies-Russen, die den Ossis alles wegnahmen, und wie das die Wahrnehmung unterschiedlich prägt. Vielleicht gelingt es uns irgendwann, dass die SPIEGEL-AutorInnen nicht nur beim Tatort, sondern auch bei politischen Themen zu Verstand kommen. Auch Linke haben zwei Ohren und ein Gehirn, sie müssen es nur benutzen ...

Weiß jemand, ob Dieter Nuhr an irgendeiner schweren Krankheit leidet? Der sieht mager und verbraucht aus, seine Beiträge sind immer die gleichen Sprechblasen, anscheinend ist die Beweglichkeit seines Denkens zunehmend eingeschränkt. So sieht ein Mann aus kurz bevor er vor seinen Schöpfer tritt. Vielleicht ist es auch nur ein burn-out. Bei den vielen Sendungen hat der doch gar keine Zeit, kreativ zu sein.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 18.09.2018, 18:13

Schon wieder lese ich, man soll Lebensmittel und Getränke (28 Liter) für den Katastrophenfall bunkern. Also ich habe zwar weiter oben etwas von "Untergang" geschrieben. Aber die Behörden scheinen um einiges pessimistischer als ich zu sein. Das verschafft mir nicht geringe Besorgnis. Solange man nicht wie in Amerika in jedem Haushaltswarengeschäft völlig legal eine Wumme kaufen kann, ist die ganze Katastrophenvorsorge eh für den Arsch. Außerdem frag ich mich, wofür wir "vorsorgen" müssen, wenn wir doch Polizei, Technisches Hilfswerk und Militär haben. Andererseits werden die Feuerwehrmänner immer dicker - und, wer weiß, die bleiben dann im Treppenhaus stecken. Uff, was stinkt jetzt bei mir gerade nach Benzin? Achso, es ist die neue Flasche Laphroaig. Wow, wie kann man einen so schrecklichen Whisky herstellen?

Also im Katastrophenfall geh ich erst mal auf ein Mittelalterfest. Dort kipp ich den Rittern k.o.-Tropfen in ihre Kirschbier-Brause. Ich hab das mal ausgerechnet. Einen Ritter brauch ich, um ihm seine Rüstung, Helm usw. zu klauen. Sechs weitere Ritter müssen den öffentlichen Nahverkehr ersetzen. Zwei bauen mir eine Sänfte. Denen geb ich anschließend die Freiheit. Die dürfen nackt wie der andere in den Wald entfliehen. Und die restlichen vier tragen mich in der Sänfte spazieren. Eigentlich ein Fortschritt. Denn der öffentliche Nahverkehr ist in letzter Zeit immer unpersönlicher geworden.

Mal wieder eine interessantes Filmchen: https://www.youtube.com/watch?v=zT1BFRK0yTk (kopieren und in website-Adresszeile oben eingeben, dann kann man es angucken)

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 24.09.2018, 22:57


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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 30.09.2018, 18:43

Stillstand des nahenden Herbstes, den ich mir nach etlichen Jahren nicht mehr selbst angucke, sondern nur noch vorstelle. Couch-potato-Tag also. Freitag war nicht ganz so toll, irgendwie ein schlechter Tag. Aber heute ist Sonntag und morgen schon Montag.

Die Veytaler haben einen einzigen Zauberer: den Magus, was der historischen Quote im Mittelalter nahe kommen dürfte. Viele Bauern, einige Ritter und wenige Zauberer. Da gibt es einen schwarzen Stein, von dem es heißt, er schaffe Gleichgewicht und wehre trübe Gedanken ab. Selbstverständlich bin ich nicht abergläubisch, immerhin lebe ich in der Neuzeit, und Esoterik verachte ich zutiefst. Nichtsdestotrotz habe ich mir solch einen Stein besorgt und an meiner Zimmerpflanze festgebunden, damit er nicht umfällt. Und tatsächlich, es wirkt. Sollte ich jemals auf euren Zauberer treffen, so hoffe ich, daß er genauso schlaue Tipps wie ich kennt. Meine Blankwaffen hab ich indes nicht weiter entrostet mit der bitteren Einsicht, daß größerer Besitz mehr Arbeit zu verursachen droht. Mögen sie dahinrosten, statt dem Stich drohen sie dann eben eine Blutvergiftung.

Wahrscheinlich wundert man sich, warum ich manchmal Sätze, die zu hart klingen, gleich korrigiere. Aber seit Schwesta Ewa nach dem Posten einer Pumpum ein Überfallkommando im Hotelzimmer vorfand, bin ich mir manchmal nicht sicher, was man noch sagen darf. Apropos Schwesta Ewa. In einem Video heißt es, sie müsse ihre Gefängnisstrafe demnächst antreten. In einem anderen Video kündigt sie hingegen an, bald ein berühmtes Werk der Mittelalterszene zu verkörpern. Ja was gilt denn nun?

Berühmtes Werk der Mittelalterszene :shock: .... ja dieses natürlich https://www.youtube.com/watch?v=Vshd3lRev9o

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 07.10.2018, 21:14

Boah, im Schach ständig am abgurken. Das hat mir auch den vorletzten Freitag versaut. Dazu noch Herbstblues als ob ich ne Frau wär. Mimimimimi. Wenigstens die Bewertung des Tatorts war heute o.k. Tatsächlich so in etwa mittelprächtig. Fightclub - im Tatort - wo die Verlierer verbrannt werden. Ist bei den Rittern anders. Wer dort einen Kampf verliert, wird in einen Elefantenarsch geschoben und nach Afrika exportiert. Deshalb gibt es in Afrika so viele Elefanten. Alder .... glauben Ritter an alte Götter. Halten die Leute die Ritter für Honks oder was. Aber das mit den Elefantenärschen stimmt.

Irgendwie bin ich noch nicht ganz gechilled. Ich schau noch eine Folge Inspector Barnaby an. Das hilft.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 10.10.2018, 07:44

Sorry, ich benutz das hier auch als meinen persönlichen Notizzettel, in denen ich mir wichtige Informationen festhalte.

https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... nisse.html


Nichts besonderes der link. Es geht darum, dass Deutschland kein reiches Land ist, sondern in Hinblick auf seine gigantischen Schulden und etlichen Verpflichtungen im Sozialbereich sogar besonders arm ist. Ich frag mich, wer der Merkel immer diesen anderen Quatsch erzählt, dass Deutschland besonders reich wäre. Ist es nicht.


Herbstblues ... fast weinende Frauen ...... wie hat man sich das vorzustellen? Worte, Worte, Worte .... aber wie sieht das in Wirklichkeit aus?
Ich habe einen Video-clip entdeckt, in Bukarest gefilmt, der dieses Lebensgefühl veranschaulicht.

https://www.youtube.com/watch?v=mczwsV-Wz-Q

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 13.10.2018, 15:05

Viele Neugierige nutzen diesen thread (Abfolge von online-Diskussionsbeiträgen), um sich vorab erst einmal über die Mittelalterszene zu erkundigen, ehe sie mit unpassendem Benehmen hier hereinplatzen. So stellen mir etliche Leute Fragen wie "Warum tragen Ritter Wassereimer mit Schlitzen auf dem Kopf?" oder "Wozu dient die lange Eisenstange mit dem Haltegriff?" Ich antworte dann gönnerhaft und nicht ohne Humor. Eine Frage aber ist immer heikel. Die Frage nach dem Prinzen.... wie ist der denn so? Bekanntlich lebt er recht zurückgezogen auf einer Bergfestung. Außer mir haben ihn nur wenige zu Gesicht bekommen. Ja wie ist er?

Auf youtube gibt es den Film "Pakt des Bösen 2- Die Rückkehr". Teil 2 wohlgemerkt (Teil 1 hab ich noch nicht angeschaut). Wenn ihr da mal zwischen 1:32 und 1:35 guckt .... als ich diesen Cäptn Joe reden hörte, hätte es mich fast aus dem Sofa gerissen. Genau so klingt die Stimme unseres Meisters! Sogar das Aussehen ist nicht gänzlich verschieden, auch wenn ich mich nicht richtig entsinne, ob der Prinz einen längeren oder kürzeren Backenbart trägt.

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Norbert von Thule
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Montroses großer Ritter-Almanach 2018

Beitrag von Norbert von Thule » 15.10.2018, 07:57

05.01.
Heute Nacht hab ich sogar von Rittern geträumt. War irgendeine Aufklärungsmission mit den Templern. Leider hab ich vergessen, worum es ging.
11.02.
Sollte es mir mal langweilig sein, werde ich mit der Firma ein Parfüm für Ritter kreieren. Meines Erachtens riechen Ritter wie das Gewürz auf einer Pizza.
22.05.
Gestern war ich auf einem wirklich gelungenen Ritter-Fest in der Region. Viele Stände mit hochwertigen Sachen (ich hab mir eine Hirsch-Salami gegönnt), die Reiter-Show mit zerbrechlichen Lanzen und die Pferde mussten durchs Feuer, und etliche hatten einen lebendigen Falken dabei, was ich so auch noch nicht gesehen habe.
26.05.
Wen schlagt ihr als Literaturnobelpreisträger 2018 vor?
Könnte man ja beim nächsten Mittelalterfest eine schöne Zeremonie draus machen. So mit Ritterschlag und Buttermilch über den Kopf.
27.05.
Wußtet ihr schon, daß man früher Ritter die "Pinguine des Nordens" nannte? Weil sie auch watscheln und eine lange Nase haben.
01.06.
Dieses Forum hier ist das Sprachrohr der Elite-Schule Veytal zur Erlernung des Rittertums, international bekannt als KniFiPIV (Knighthood First Pupils' Institute Veytal). Eigentlich sind die Beiträge nur für Insider gedacht - daß das hier jeder mitlesen kann, liegt an technischen Schwierigkeiten der digital encapsulation. Es gibt in Großbritannien und Italien noch vergleichbare Einrichtungen, aber ich denke, die Veytaler können ganz gut mithalten. Damit die Ritter neben der täglichen Elite-Förderung (Schwertkampf, Ponyreiten, Bogenschießen, sich aus Hirschleder eine Hose nähen) ein bißchen Allgemeinbildung mitbekommen, dafür bin ich zuständig.
25.07.
(2) Helene Fischer heiratet einen echten Ritter.
19.08.
Nun, gegen gepanzerte Ritter anzugehen ist eine ganz andere Baustelle. Youtube zeigt etliche Filme, in denen Schwerter überhaupt nicht durch die Rüstung gehen. Die meisten Waffen scheinen zu versagen, sogar die Kampfaxt. Scheinbar versagen die. Denn ich frage mich, ob die Waffe wirklich durch den Helm muß. Es reicht womöglich, wenn der Kopf durch einen Schlag oder Stoß stark beschleunigt wird. Für eine Gehirnerschütterung müßte das reichen, und die setzt einen Kämpfer auch außer Gefecht.
18.09.
Also im Katastrophenfall geh ich erst mal auf ein Mittelalterfest. Dort kipp ich den Rittern k.o.-Tropfen in ihre Kirschbier-Brause. Ich hab das mal ausgerechnet. Einen Ritter brauch ich, um ihm seine Rüstung, Helm usw. zu klauen. Sechs weitere Ritter müssen den öffentlichen Nahverkehr ersetzen. Zwei bauen mir eine Sänfte. Denen geb ich anschließend die Freiheit. Die dürfen nackt wie der andere in den Wald entfliehen. Und die restlichen vier tragen mich in der Sänfte spazieren.
30.09.
Die Veytaler haben einen einzigen Zauberer: den Magus, was der historischen Quote im Mittelalter nahe kommen dürfte. Viele Bauern, einige Ritter und wenige Zauberer.
07.10.
Fightclub - im Tatort - wo die Verlierer verbrannt werden. Ist bei den Rittern anders. Wer dort einen Kampf verliert, wird in einen Elefantenarsch geschoben und nach Afrika exportiert. Deshalb gibt es in Afrika so viele Elefanten. Alder .... glauben Ritter an alte Götter. Halten die Leute die Ritter für Honks oder was. Aber das mit den Elefantenärschen stimmt.
Und zum Vergleich: Norbert-von-Thule-O-Ton:

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 15.10.2018, 12:53

Die Äußerung mit den Elefanten erscheint mir im Nachhinein unpassend. Dies also vergessen.



Ich komm jetzt erst dazu, das Video anzugucken. Da ich was aus Schutzgründen ausgeschaltet habe, muß ich da immer erst was rüber kopieren. Bei meiner früheren, hiermit editierten Antwort hatte ich den Film noch nicht gesehen. Die alte Antwort hab ich privat gespeichert - falls das jemand lustig fand, die alte Antwort ist noch da.


Ein tolles Video, tolle Schlachtszenen und die Reiterei einfach nur prächtig.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 18.10.2018, 18:05

x------x-------


Eine Blüte sah ich zu meiner Verwunderung heute.

In meiner Wildform des Menschen vereinige ich die unbändige Wut, die den Freund niemals treffen sollte, und mir doch einen kleinen Sieg einbrachte, mit Schöngeist. Auf daß mich das Volk bewundere, kaufte ich einen Winter-Jasmin. Wenn die Landschaft weiß und öde erstarret, sollte nach 3 Jahren die Pflanze im Winter Blüte tragen. Da guckt das Volk, wenn bei ihnen alles erfroren ist, bei diesem Montrose aber alles voll gelber Blumen. Da hätte man mich als wahren Zauberer erkannt. Aber jetzt wagt sich ein vereinzelt gelber Fleck schon heute aus dem dürrgrünen Geäst. Hab ich dich früher hervorgelockt, dann ist umso kräftiger mein Zauber.

Wie muß man doch all jene betrauern, die sich mit häßlichen Dingen wie Wanderhuren und Schwertern beschäftigen. Wahrer Adel verzückt sich an gewogener Natur.

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Re: Eckball

Beitrag von Norbert von Thule » 18.10.2018, 22:09

Was schreibt er für'n Scheiß.

Die Wanderhure ist die Gespielin vom König (Sigismund).
Das Schwert ist dem Adel vorbehalten (Ritter u.a.).
Pflanzen ist das, was Bauern machen (kein Adel).

Verzücke er sich meinetwegen an gewogener Natur, aber versteige er sich nicht dazu, mit seiner Überheblichkeit die gottgewollte Ordnung der Welt umdrehen zu wollen, Bauer!

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 19.10.2018, 09:14

Solange er nicht einen Pfaffen an seinem feisten Nacken daherschleppet und ihn dazu bringt, das ihm Gefällige zu sagen, kann der Ritter wohl nicht auf gottgewollte Ordnung pochen.
Den "Bauer" weise ich von mir. Denn dem Bauern in seiner Schlichtheit fällt nichts besseres ein als Eßbares zu ernten. Mein Winter-Jasmin ist jedoch gänzlich unnütz.

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Re: Eckball

Beitrag von Norbert von Thule » 19.10.2018, 17:24

Irgendwie erkenne ich an Seinem veränderten Redestil eine gewisse Anpassungsbereitschaft – da hätte ich die Anrede gar nicht neudeutsch kleinschreiben müssen – also nochmal:
Norbert von Thule hat geschrieben:
Was schreibt Er für'n Scheiß.

Die Wanderhure ist die Gespielin vom König (Sigismund).
Das Schwert ist dem Adel vorbehalten (Ritter u.a.).
Pflanzen ist das, was Bauern machen (kein Adel).

Verzücke Er sich meinetwegen an gewogener Natur, aber versteige Er sich nicht dazu, mit Seiner Überheblichkeit die Gottgewollte Ordnung der Welt umdrehen zu wollen, Bauer!
Von daher will ich Ihm die Unverschämtheiten nachsehen und rechne Ihm stattdessen seinen Eifer an, mit dem Er nach dem rechten Weg sucht, hier die notwendige Unterweisung:

Eine höfliche Erwiderung sähe so aus:
Montrose hätte schreiben sollen:

Solange Ihr, Herr Ritter, nicht einen Pfaffen an seinem feisten Nacken daherschleppet und ihn dazu bringt, das Euch Gefällige zu sagen, könnt Ihr wohl nicht auf gottgewollte Ordnung pochen.
Die sogenannte Gottgewollte Ordnung gehört zur Allgemeinbildung, und die ist nicht nur den Klerikalen vorbehalten, sondern gehört zum notwendigen Basiswissen aller Stände, auch des Bauernstandes.

Für Ihn zur Kenntnisnahme:
Gottgewollte Ordnung

Das ständische System galt den Menschen im Mittelalter - und darüber hinaus - als feste, von Gott gegebene Ordnung. In diesem System nimmt jeder Mensch den ihm zugewiesenen Platz ein. Dies sichert den sozialen Frieden und entspricht dem göttlichen Willen und der göttlichen Schöpfung …
(Quelle: BR Mediathek)

Hier für Ihn die wichtigen Details als Schaubild:

Bild

(Quelle: Verein für europäische Werte)

Es wundert nicht, dass Er sich für etwas Besseres hält, wo Er den Bauernstand so gering einschätzt:
Montrose hat geschrieben:
Den "Bauer" weise ich von mir. Denn dem Bauern in seiner Schlichtheit fällt nichts besseres ein als Eßbares zu ernten. Mein Winter-Jasmin ist jedoch gänzlich unnütz.
Aber so verkehrt Seine Vorstellungen vom Adel sind, so unzulänglich sind Seine Vorstellungen von Seinem eigenen Stande:
Den traditionellen Bauerngarten gibt es schon seit der Sesshaftigkeit des Menschen. Er ist eine Mischung aus Nutzgarten und Blumengarten und befindet sich direkt neben dem Haus. Es wurde immer ein sonniger Standort ausgewählt, um eine gute Ernte zu gewährleisten. Oftmals handelte es sich dabei um ein Stück Acker, das als Bauerngarten bezeichnet wurde.
(Quelle: Garten Europa)

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 21.10.2018, 17:27

Boah ey, was ist das denn für eine Antwort???

Ich war drei Tage unterwegs und hab meine letzte Antwort schnell genug hingeschrieben, um noch den Zug zu erwischen. Das Neueste lese ich jetzt gerade.


Ein Großteil meines Lebens bin ich irgendjemandem in den Arsch gekrochen, angefangen von der Kindergärtnerin, so daß ich keine Lust mehr verspüre, in der Reife des Lebens wieder einen Hintern zu knutschen. Ich werde mich beim Kaiser beschweren. Entweder er macht mich zum freien Mann oder sogar zu seinem eigenen Vasallen, und dann sind die Provinz-Ritter im Eimer. Und wenn das alles nichts hilft, fang ich als Rebell einen Bauernkrieg an. Haben doch die Bauern auch den Götz von Berlichingen unter ihre Knute gebracht. Und die Hällener Bürger den Adeligen zu Limpurg die Hosen runtergezogen.


Für Ihn zur Kenntnisnahme: die Deutschen haben der Obrigkeit in den Bauernkriegen lange vor der Französischen Revolution getrotzt. Schon immer wußten die Bauern, daß die Obrigkeit nicht gottgewollt, sondern Menschenwerk ist. Leider hatten sie anders als die französischen Revolutionäre das Pech, den Krieg zu verlieren. Es ist die Macht des Faktischen und keine hehre Idee oder gar göttlicher Wille, was den einen zum Knecht und den anderen zum Herren macht. Da soll man nicht - wie neuerdings wieder in Mode - das Volk für blöder halten als es tatsächlich ist. Immerhin gibt das dem "Herrn Ritter" Recht, daß eine scharfe Schneide - und sei es nur im übertragenen Sinne - den Erfolg entscheidet.


Recht hat der "Herr Ritter" auch, daß die Bauern schöne Pflanzung kannten. In der modernen Mittelalterszene treten die "Ritter" jedoch immer nur als waffenschwingende Gesellen auf. Soll das bedeuten, die Herren hatten weniger Sinn für's Schöne als die Bauern. Oder zeigt es nicht vielmehr, daß die modernen "Ritter" gänzlich an ihrem Anspruch scheitern, Adel zu verkörpern. Wo sind eure Rosen und die lieblichen Klänge der Leier? Wo Eure Gedichte, eines Walther von der Vogelweide würdig? Pah! Ritter? Hahaha. Das Wirken mancher "Ritter" deucht mir unvollständig. Haben sich gar ein paar Bauern als Adelige verkleidet? Jedenfalls ist ein glattrasiertes Gesicht und ein Stückchen Eisen am Gürtel für mich kein Beweis für Ritterlichkeit.


Was muß ich hier alles verteidigen!!! Die Freiheit, das Rittertum ... und nunmehr auch die Frau. Wie widerlich ist das denn, ständig sich das Maul über die "Wanderhure" zu zerreißen. Sogar wenn Frauen sich dieses Wortes bedienen oder es nur lesen, ist das böse. Wanderhure, Wanderhure, Wanderhure. Geht denn jemand in die Antoniusstraße zu Aachen und sagt zur willfährigen Osteuropäerin "Wanderhure"? Ja schämt sich ein solcher denn überhaupt nicht, dem gefallenen Fräulein die Ehre zu verweigern? Einer steuerpflichtigen Sozialdienstleisterin mit Immigrationshintergrund.


Da platzt mir doch mal mächtig der Kragen. Wie eine lästige Fliege, die ich nicht abzuwimmeln vermag, zwingt mich die Vorsehung, für das Gute zu kämpfen und dito auch für Ritterlichkeit. Die Panzerung des Helden hat sich unzertrennlich in mein Fleisch eingebrannt.

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Re: Eckball

Beitrag von Norbert von Thule » 23.10.2018, 12:31

Sicher bin ich mir nicht, ob weitere Unterweisung bei Ihm fruchtet, doch notwendig ist sie:

Seine Beschwerdebegehren beim Kaiser (Karl?) zeigt zumindest, dass Er sich die Hälfte des oberen Teiles des Schaubildes angesehen hat, wenn er weiter geblickt hätte, wäre ihm auch noch die Erkenntnis zuteil geworden, dass Bauern keine Knechte (Leibeigene) sind, sondern "frei", Seine Beschwerde "Entweder er macht mich zum freien Mann …" hat sich damit erübrigt.

Uns, deren Wirkungsbereich mit Österreich und Italien das Heilige Römische Reich Deutscher Nation umfasst, als "Provinz-Ritter" zu betiteln ist unpassend und beleidigend. Ebenso ignoriert Er trotz Anschauen des Videos, dass Minne mit Tanz und Musik vor dem Schwertkampf rangiert, und natürlich verfügen wir über Rosen und Gedichte.

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Sein Vorwurf, wir seien widerlich, uns "ständig sich das Maul über die "Wanderhure" zu zerreißen" (zwischen den letzten Erwähnungen, die im übrigen nur die offiziellen Buchankündigungen des 6. und 7. Bandes der Reihe sind, bzw. Statistiken, liegen Jahre) sich selber dagegen als Verteidiger der Ehre gefallener Fräuleins zu gerieren, verkehrt ebenfalls die Realitäten:

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Insofern nehmen wir auch seine Besorgnis, wir würden für "steuerpflichtige Sozialdienstleisterinnen mit Immigrationshintergrund" die Anrede "Wanderhure" ("Wędrująca kurwa") etablieren, die ihr ihre Ehre verweigere, als Schwachsinn.

Obwohl hier, nahe der Kaiserpfalz, "aal huur" eine unbeanstandete gängige mundartliche Redewendung ist, bezeichnen wir eine Frau mit gelben Bändern als "Hübschlerin".

Was Er für die Panzerung eines Helden hält, die sich unzertrennlich in sein Fleisch eingebrannt habe, erscheint mir als die Borniertheit seiner Vorurteile, die sich unumkehrbar in sein Hirn eingebrannt hat.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 24.10.2018, 20:34

Nun gut, die Bilder überzeugen. Dann kann ich nur sagen: weiter so.




So, jetzt am Abend kann ich hier ein bißchen weitermachen.
Seine Beschwerdebegehren beim Kaiser (Karl?) zeigt zumindest, dass Er sich die Hälfte des oberen Teiles des Schaubildes angesehen hat,

Die obige Pyramide löste sich zu ungunsten der Ritter auf. "Von unten" versuchten Bauern und Bürger sich von Rittern unabhängig zu machen. Den Bürgern gelang dies auch. Sie konnten sich direkt dem Kaiser unterstellen und wurden dann freie Reichsstädte, also keinem Ritter mehr untertänig. Das Rittertum hielt sich eher in ländlichen Gegenden. "Von oben" versuchte der Kaiser den Kleinadel zu entmachten. Dies gelang auch, womöglich indem der Kaiser die Ritter gegeneinander ausspielte. In Karfunkel 34 ist ein Artikel über die Reichsritter. Zunächst gab es eine klare Hierarchie der Lehensherren. Wenn aber einer seinen "Vorgesetzten" überspringen wollte, dann ging er direkt zum Kaiser. Ebenso Stichwort Absolutismus. Es fand auch sonst eine Machtverschiebung hin zu Herzögen wie z. B. von Württemberg auf Kosten von "Provinz"-Ritter statt. Dieser Prozeß der Auflösung dauerte Jahrhunderte.
Der Kleinadel verdingte sich irgendwann als Beamte oder als Offiziere. Dieser Prozeß dauerte mindestens bis ins 19. Jahrhundert - ich würde sogar sagen, bis 1918. Zum Beispiel von Hindenburg. Ludendorff hingegen stammte laut Wikipedia aus einer Kaufmannsfamilie, die sich ein Rittergut gekauft hatte - war also ein Poser wie die modernen Ritter :wink: . Die Abdankung des Adels 1918 war mehr als erbärmlich. Es gibt Gründe, warum es heute keine Ritter mehr gibt --- genauso wie es keine Dinosaurier mehr gibt. Wenn man etwas durchgeknallt denkt, könnte man auf die Idee kommen, dass Hitler Kriege führte, um die Nation durch ein zuvor dem Kriegsadel vorbehaltenen Ritual zu legitimieren. Adel = ich führe die Waffe. Nation = ich führe die Waffe auch, weshalb ich die gleiche Anerkennung wie der Adel genieße. Das III. Reich war abscheulich und böse. Dennoch war es nicht reaktionär in dem Sinne, dass es zu einer alten Ordnung zurückkehrte, sondern es war revolutionär, indem es die Rückkehr der alten Adelsordnung mit dem Kaiser an der Spitze ein für allemal ausschloss.

wäre ihm auch noch die Erkenntnis zuteil geworden, dass Bauern keine Knechte (Leibeigene) sind, sondern "frei",
In dem link wird behauptet, dass die Bauern ganz schön ausgequetscht wurden: http://deutschland-im-mittelalter.de/Staende/Bauern
Norbert demonstriert hier einen Trick, den ihr als Politiker unbedingt beherrschen müsst. Stellt euch 1000 Arbeiter vor. Von diesen 1000 hat einer das Glück, reich zu werden. Was macht ihr? Ihr bringt diesen einen einzigen in die Presse, macht Interviews mit ihm, pappt ihn auf Litfaßsäulen, ladet ihn in Talk-Shows ein .... mit der Botschaft: den Arbeitern geht es doch gut, die sind ja sogar reich. Die 999 anderen verschweigt ihr. So macht man Politik, so funktionieren die ganzen Umfragen und womöglich sieht es auch in manchen Bereichen der Wissenschaft nicht anders aus. Früher nannte man das Propaganda, heute fake news.
Ebenso ignoriert Er trotz Anschauen des Videos, dass Minne mit Tanz und Musik vor dem Schwertkampf rangiert, und natürlich verfügen wir über Rosen und Gedichte.
Das verblüfft mich selbst. Tatsächlich wird in dem Film getanzt usw. und meine Kritik wird somit vollkommen widerlegt. Und trotzdem schreib ich solche komischen Sachen. Ich denke, das Standbild provoziert mich. Da stehen sehr junge Männer mit rasiertem Kinn und ich denke: was machen die da. Ob dieses Anfangsbildes vergesse ich den Film und plötzlich geht eine eigene Geschichte in meinem Kopf los. Ich sehe hinten einen langhaarigen Mann mit hellblauem Gewand, der eine Frau anfummelt. Und da denke ich: so muß das sein, lange Haare und cool drauf. Die Glattrasierten hingegen sehen so aus, als ob sie gerade mit Justin Biber die Uhrzeit verglichen hätten. Und dann kommt da dieser schöne, stattliche Mann mit gelbem Hemd und Zopf und sagt: "Ey, lass mich mal durch, ich will dem anderen Langhaarigen bei der Minne helfen." Und da stellt sich so ein Glattrasierter in den Weg und zieht das Schwert. Und da denk ich: Häää, geht's noch oder was? Make love not war.

"aal huur"
So alt sind die gar nicht.
die sich unumkehrbar in sein Hirn eingebrannt hat.
Zombies müssen laufen.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 28.10.2018, 13:39

Puuuh. Ich glaub, er ist weg. Ist immer gefährlich, wenn der Chef persönlich vorbeikommt und einem über die Schulter schaut. Ich bin froh, daß ich nur einen Piraten erwähnt hab und nicht Homer Simpson. Sonst könnte ich jetzt meinen Kopf unterm Arm rumtragen. Hihihi. Bei dem ganzen Disput ist die Blüte von meinem Winter-Jasmin abgefallen. Dachte schon, der ist sicherlich zu diesem Veytaler Magier gegangen, daß er mir meine Pflanzen verhext. Ist aber eine neue Blüte gewachsen. Falscher Verdacht. So ein fieser Möpp scheint er dann doch nicht zu sein. Hm. Von Kneipp gibt es eine neue Bade-Serie "Pflanzenkraft" mit Bergamotte oder Pinie. Würde ich nicht empfehlen. Das riecht nicht kräftig. Lieber bei einem Klassiker wie Wacholder bleiben.


Natürlich merke ich, daß ihr auf so einen mittelalterlichen Ferkelkram wie die Wanderhure steht. Nun, das ist ein freies Land. Aber für den Preis solch eines Buch könntet ihr 8 Hamburger oder 5 Portionen chicken wings bekommen. Ich dachte mir, damit ihr bißchen Geld für andere Dinge spart, schreibe ich euch so eine Geschichte umsonst.


Die Wandernonne

Die Gänse fliegen zu ihrem Winterquartier. Die Gassen riechen nach Moder und Kot. DIe jungen Ritter interessieren mich nicht. Sie werden von den Alten kurz gehalten. Kettenhemd ist schon teuer genug. Die können sich meine Dienste nicht leisten. Das vertraute Knarzen eines Ochsengespannes am Rande der Stadt. Und ich mit meinem Zelt. Ein Graf aus dem Osten hat sich wieder angesagt. Der bezahlt mit goldenen Münzen. Ich hab das Geld schon in der Tasche. Aber der Graf ist wählerisch. Zwei Abende. Nachdem mir fast alle meine Pferdchen ausgebüxt sind, ist mir nur eine Frau geblieben, die ich dem Grafen anbieten kann. Gestern, der erste Abend. Die zwei verstanden sich prächtig. Der Graf mag seinen Wein vorgewärmt. So saß sie da, nur im Hemdchen, und ward angewiesen, die Flasche mit ihren eigenen Schenkeln zu wärmen. War es das kalte Glas oder die ersten Herbstwinde? Jedenfalls zitterte sie so sehr, daß ich schon fürchtete, das Fell rubbelt das Etikett von der Flasche. An diesem Kennenlern-Abend ging aber alles gut. Die Aufgabe heute wird schwerer. Von seinen letzten Besuchen weiß ich, daß der Graf laute Schreie mag. Doch das verbliebene Pferdchen, so sehr seine Schüchternheit dem Grafen gefällt, hat nur ein leises Stimmchen. Deshalb habe ich Thomas, den Holzbauern, angewiesen, neben dem Zelt einen Pfosten einzuhauen und zwei Stricke daran zu befestigen. Wenn der Graf in Verzückung gerät, bemerkt der manchen Schwindel nicht mehr. Es beginnt zu dämmern, der Graf macht dem Pferdchen Avancen. Ich aber muß mich gedulden. Abends wandern die Nonnen in die Kirche. Die haben kräftige Stimmen, geübt vom Chorgesang. Da kommt eine. Ich schnapp sie mir, einen Strohsack über ihren Kopf, und sag ihr, sie soll stillhalten. Dann binde ich sie an dem Holzpfosten fest. Und siehe da, der Graf packt sein Geschenk bereits aus und beginnt ... ja was wohl. Und dann dieses leise Stimmchen, was dem Graf nicht gefallen mag. Aber ich zieh der Nonne den Sack vom Kopf und schlage sie mit einer Gerte im Rhythmus des Grafen. Oh Oh Oh Oooh. Der Graf ist höchst zufrieden, und ich darf meine Goldmünzen behalten. In der Ferne knattert eine Wassermühle.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 01.11.2018, 18:36

Falls mal sonst kein guter Film kommt: in youtube "Der stille Berg" oder auch "Mörderische Front - Krieg in den Dolomiten". Das ist derselbe Film. Das kommt fast schon an großes Kino heran. Hier noch ein kleiner Bericht zum Film https://www.youtube.com/watch?v=AMXKuJnY_jQ. Ich hab nichts zum letzten Tatort geschrieben, weil das einfach nur Scheiße war. Dem Drehbuchautor ist kein besserer Schluß eingefallen als daß die Mörderin stolpert und tot ist. Gestern kam "Kaisersturz" - Ja, ich habe das gleichnamige Buch gelesen. Aber von dem gestrigen Film hatte ich schon nach 10 Minuten die Schnauze voll. "Bildungsfernsehen" von der langweiligsten Sorte. Nicht der Rede wert.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 04.11.2018, 22:08

Wenigstens heute im Schach ein Remis geholt. Da steigt die Laune, zumal wenn etliche andere in der Mannschaft abgurken. Wir haben die Partien bis zum Abend analysiert.
Der Tatort gerade kam aus Stuttgart. Es gibt meines Wissens wenige oder überhaupt keine anderen Landeshauptstädte, die so in einem Kessel liegen, was die Sache interessant macht. Die haben sogar eine Zahnradbahn, die nach Degerloch hochfährt. Oben gibt es ein Restaurant mit Hähnchen (die Hendlburg; nicht bis Endstation Zahnradbahn, sondern nur bis Station Degerloch fahren). Den heutigen Tatort hab ich nicht kapiert. Das war schauspielerisch vielleicht ganz o.k., aber die Handlung und der Schluß zu künstlich. Die Szene, in welcher der Verdächtige in der Untersuchungshaft Anstaltskleidung tragen muß, ist falsch. Untersuchungshäftlinge tragen eigene Kleidung. Gut, als Kritiker tut man sich immer leichter als jemand, der solche Stories schreibt. Trotzdem, so etwas müßte besser recherchiert werden. Dieser Tatort war auch wieder eine auf Effekt zielende Collage, so ein wirrer Gefühlsstuß, überhaupt nicht plausibel. Die meisten Tatorte im Jahr 2018 taugen nichts.

Das o.g. Bergamotte-Bad benutze ich, um meine Pflanzen von Milben zu befreien. Die Pflanzen werden zwei Stunden in einer Badewanne unter Wasser gedrückt, Badeöl rein, und die grünen Freunde sind hinterher wieder sauber. Außerdem habe ich herausgefunden, daß man Rosenkohl, Pellkartoffel und französische Salzbutter wunderbar kombinieren kann. Ich haßte Rosenkohl früher, weil er bitter-ölig schmeckte. Aber ich glaube, wenn man ihn lange genug kocht, verliert Rosenkohl dieses unangenehme Aroma. Ich würde mich gerne auch mal über's Kochen unterhalten. Wie macht man ein gutes Omelett oder so?

Für den Prinzen hab ich als Friedensangebot ein Liedchen im Internet gefunden: https://www.youtube.com/watch?v=_ywn8Flf1aA

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 20.11.2018, 20:12

Ich war in Berlin.
Gestern noch ein Bier in Spandau, weil ich in ein ausverkauftes Konzert nicht mehr reinkam. schnieeef.
Die Viertel - oder Kieze - wie im Klischee: am Prenzlauer Berg stehen die SMARTs und BMWs vor der Kita, während am Kottbusser Tor Bekloppte rumschreien.
Theaterbuchhandlung am Prenzlauer Berg... da bekam ich den ultimativen Buchtipp, wie man selbst Stücke schreibt. Hab ich gekauft. Broadway ruft.
Schloß Charlottenburg und der zugehörige Park ... ich hab dafür einen ganzen Tag verplempert. Die Protzerei von Königen ist nochmals eine ganz andere Liga als "Ritter". Ich bin überhaupt viel in Parks rumgelaufen, denn diese unendlichen Häuserschluchten sind gewöhnungsbedürftig. Städtereise im November ... das ist gar nicht so blöd, solange das Wetter halbwegs hält. Das hat seinen eigenen Charme. Ich war mit der Schule in Berlin, als die Mauer noch stand. Damals fand ich die Konsumvergötzung am Kuhdamm zum Kotzen. Ich finde das heute immer noch so. Die Bauten in Ost-Berlin sind viel schöner. Museumsinsel, Pergamon-Museum ... absoluter Hammer. Das zeigt aber auch, daß erst das gemeinsame Berlin --- wie auch das geeinte Deutschland - vollständig ist. Wer sagt, man müßte die Mauer wieder aufbauen, ist ein Idiot. Wer opa-mäßig nach Stricherinnen am Bahnhof Zoo sucht (die Älteren erinnern sich "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo"), wird enttäuscht. Aber keine Angst, 2 km weiter in Richtung Gleisdreieck stehen sie noch. Erwachsene zum Glück und keine Minderjährigen. Mahalia hab ich in einem Kulturclub gesehen. https://www.youtube.com/watch?v=dHcRiu7YyyA O no, ich glaub, ich hab mich in das Girlie verliebt. Am Mittwoch war sie dicker als im Video, hatte glatte Haare, ein Kleidchen bis zu den Oberschenkeln und hopste enthusiastisch über die Bühne.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 21.11.2018, 15:34

Da Sonntag nicht so viel los war, hab ich den Tatort im Hotelzimmer gesehen. Der Film war schlecht. Aufgrund meines neuen Theaterbuches kann ich auch sagen warum.
Die Autoren wollten die Spannung zwischen Selbstverteidigung und Humanität aufzeigen. Der Plot funktionierte allerdings nicht.

Die Motivation der Charaktere war nicht nachvollziehbar. Würde ein besorgter Bürger Einbrechern wirklich bewußt eine Mord-Falle stellen? Das ist eine Unterstellung, die womöglich sogar einem AFD-Wähler zu weit gehen würde. Und woher wüßte der besorgte Bürger überhaupt, daß der Einbrecher kommt?

Falk, der Kommissar, ereifert sich für die Diebin. Warum sollte er das tun? Weil er für Recht und Ordnung einsteht? Warum ereifert er sich dann nicht genauso über den Einbruch? Oder weil er links-radikal ist und Einbruch als legitime Erwerbsquelle sieht? Wieso ist er dann Polizist geworden? Dazu kommt noch ein schauspielerisches over-acting. Mir tun Schauspieler leid, die sich öffentlich blamieren, nur weil der Drehbuchautor einen Haufen Blödsinn zusammenfaselt. Kurzum, solch einen Kommissar gibt es auf dem ganzen Planeten nicht, diese Figur ist einfach nur Quatsch. Schließlich: warum sollte die Diebin am Ende den Täter erstechen? Zumal sie die ganze Zeit eher damit beschäftigt war, sich selbst zu retten, und das Wut-Motiv überhaupt nicht aufgebaut wurde.

Was war eigentlich die "Moral" der Geschichte? Das Motiv "beide Seiten können böse sein" ist abgedroschen, wurde aber zumindest in American History X etwas glaubwürdiger vermittelt (mich würde nicht wundern, wenn der Autor das Motiv von dem U.S.-Streifen geklaut hätte). Denkfehler des Autors: sein Hauptcharakter entwickelt sich nicht weiter, sondern er reagiert am Ende nur auf ein Booom (nämlich daß das Opfer zum Täter wird).

Da könnte man lange weiterpalavern. Das Zeug ist einfach nicht gut gemacht. Das liegt am Zeitgeist und wohl auch an einem verblödeten Publikum. Effekt, Effekt, Effekt, Effekt .... ob das irgendwie plausibel ist, interessiert keinen. Folge: man kommt sich nach so einem Film leer vor. Wie ausgesaugt. Man hat nichts gewonnen, sondern es wurde einem wertvolle Lebenszeit gestohlen.

Ich bin am Überlegen, wie ich selbst meinen Film-Konsum reduzieren kann. Es sind ja nicht nur Computerspiele. Sondern jede Sendung raubt einem Zeit, die man vielleicht sinnvoller nutzen hätte können. Die meisten Drehbücher sind so dumm, dass man nichts neues dazulernt, sondern nur die eigene Blödheit widergespiegelt bekommt. Man sieht das, was man sich in seiner eigenen Blödheit zusammenreimt, und denkt sich "jawoll, so musses sein". Wenn wir so das Alphabet gelernt hätten, wären wir immer noch beim Buchstaben A.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 26.11.2018, 01:26

Heute befassen wir uns mit einem sehr ernsten Thema. Minderheiten! Wir Veytaler sind gegenüber Minderheiten aufgeschlossen und versuchen, sie in unsere Gemeinschaft zu integrieren. Das ist nicht immer einfach. Manchmal bedarf es einer langen Recherche und bestimmter Hilfsmittel, um ans Ziel zu gelangen.
Wahrscheinlich können Sie sich darunter im Moment nichts Konkretes vorstellen. Ein Beispiel. Taubstumme Russen, die sich militante Frauen wünschen. Ein unlösbares Problem, denken Sie. Nicht für uns! Schauen Sie sich dieses Video mit der entsprechenden Gebärdensprache an: https://www.youtube.com/watch?v=EZD52uk6nBY


Wie gehabt link in die Adresszeile kopieren.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 26.11.2018, 11:31

Zurück zu dem o.g. Tatort.

In dem von mir gekauften Buch (Egri) heißt es auf S. 210 über ein schlechtes Theaterstück: "Sie sind Kreationen eines Autors, der die außergewöhnliche Kraft besitzt, etwas zu erschaffen, das sich bewegt und verhält, wie ein lebendiges Wesen es sollte. Aber in dem Augenblick, in dem er seine Geschöpfe allein lässt, brechen sie unter dem Gewicht ihrer Existenz zusammen."

Der Tatort-Autor hatte sich verschiedene Positionen ausgedacht: die Einbrecher, die Selbstjustiz, den Verteidiger staatlicher Ordnung und so etwas wie die vermittelnde Vernunft. Diese Positionen hat er am Reißbrett erdacht und jede Position einer bestimmten Person bzw. Rolle zugeordnet. Und da ist der Fehler. Die Positionen sollen sich nicht daraus ergeben, was der Autor sagen will. Denn das wirkt oberlehrerhaft, steif, plump und unglaubwürdig. Sondern die Positionen müssen sich aus der Entwicklung der Rollen ergeben, d. h. die Figuren im Theater haben ein Eigenleben. Wenn der Autor etwas vermitteln will, dann muss er dies indirekt über die Entwicklung der Rollen machen. Die Rollen sollen sprechen und nicht der Autor.

Schaut man sich den o. g. Tatort an, dann ist keine der Positionen glaubhaft entstanden. Warum wurde das Paar zu Einbrechern? Der Autor deutet jugendlichen Leichtsinn an, aber auch die Verstrickung in die organisierte Kriminalität. Das bleibt zu unscharf. Der Einbrecher ist beim Verhör keck und witzig. Das erklärt nicht, warum er Einbrecher ist. Der Autor betont also ein Element, das mit dem Stück gar nichts zu tun hat.

Die Partei der Selbstjustiz ist wiederholt in sich selbst zerstritten, was zu einer Nebenhandlung führt, die vom eigentlichen Konflikt ablenkt. Dadurch verwässert der Autor die Botschaft seines Stückes.

Beim Kommissar bricht die Rolle - entsprechend dem obigen Zitat - vollends zusammen. Der Kommissar gibt die Sprechblasen des Autors wieder. Er ist eine völlig unglaubwürdige Figur. Es gibt keine Vorgeschichte, die erklärt, warum er zu solch einem Verteidiger der Rechtsstaatlichkeit wurde. Ganz im Gegenteil gibt es gesellschaftliche Mutmaßungen, daß sich Polizisten härtere Strafen wünschen und in seltenen Fällen womöglich selbst Tendenzen zur Selbstjustiz aufweisen (Polizeigewalt). Diesen extravaganten Eifer, die der Autor dem Kommissar Falk zuschreibt, würde man wohl nicht unbedingt dort verorten. Der Autor hätte diese Position einer anderen Rolle, z. B. irgendwelchen Asylhelfern, zuweisen müssen. Es wäre ja zum Beispiel auch ein bißchen merkwürdig, wenn ein Pfarrer sich für den Bau einer Autobahn einsetzt. Das wäre zwar unter allerlei ausgefallenen Umständen denkbar, aber eigentlich würde man das bei einem Pfarrer nicht vermuten. Und genauso verstörend bleibt die Figur des Kommissar Falk.

Die vermittelnde Rolle wurde klischeehaft einer Frau, der Kommissarin, zugeordnet, weil Frauen eben genau dazu da sind: Kartoffelschälen, Boden putzen und für alles Verständnis zeigen. Das ist natürlich von mir ironisch gemeint, Aber es weist darauf hin, daß der Autor latent sexistisch ist, was ihm wahrscheinlich selbst unbewusst bleibt.

Also in einem Theaterstück wahllos die Positionen eines Besinnungsaufsatzes an verschiedene Personen zu verteilen, das funktioniert nicht. Die Rolle hat ein Eigenleben.
Man darf glaub schon vermuten, dass der Autor die Grundlagen des Drehbuchschreibens nicht kannte. Er lieferte keine professionelle Arbeit ab.

Egri sagt auch, daß die Grundannahme des Aristoteles, daß die Rolle ein Spielball des äußeren Schicksals zu sein habe, falsch ist. Er weist überzeugend nach, daß die (antike) Tragödie eben gerade nicht nur aufgrund von Umständen, sondern aufgrund von Besonderheiten der Personen entsteht.

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