Eckball

Was geht außerhalb vom Mittelalter?
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Montrose
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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 16.02.2020, 13:15

Für Frauen wird das Leben noch einfacher. Die neue Miss Germany macht jeder Imbißbuden-Besitzerin Mut, dass auch sie THE ONE AND ONLY sein könnte.

Und wenn ihr Mädels trotzdem nichts gebacken bekommt, hier ein kleiner Trick for fit.

https://www.youtube.com/watch?v=M9SGYBHY0qs

Das Video zeigt die Frau von Elon Musk, TESLA-Chef. Reiche Manne. Ihr müsst mal hinter euer rechtes Ohr greifen. Da findet ihr ein Schubfach, das direkt ins Hirn führt, für den neuen TGFWQASOPIF-Booster-Stick 2030. Den Stick könnt ihr euch im Internet bestellen, Schubfach hinterm Ohr öffnen und das Ding reinschieben. Und ab geht die Post ....

Lalalalalalala you wanna make me bad you wanna make me bad uuuuuhhhhh lalalala bumbabu babumbabum schmacht lechz


Natürlich habe ich das Lied analysiert. Geht ja mächtig zur Sache, mit einem Buch zur Kriegskunst (der Schmöker steht neben Miamoto Musashis 5 Ringe in jeder Managerbibliothek; hat sie wohl von Elon ausgeliehen) und mächtigen Gesten wie Durchladen und Schießen. Wenn man dann aber den Text anschaut (lyrics im Internet verfügbar), dann geht es darum, dass ihr Lover so grausam zu ihr ist und sie das total antörnt. Irgendwie die passende Musik für jemand, der sonst keine Sorgen hat.

1985, also vor TESLA, sah so ein Musicclip noch ein bisschen schlichter aus: https://www.youtube.com/watch?v=A61wI4pLDyE
Man sieht den Fortschritt zu damals. Die heutigen Roboter bewegen sich ausgreifender und ruckeln weniger.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 21.02.2020, 10:26

Heute ist ein ganz besonderer Tag für die Mittelalterszene. Vor 200 Jahren wurde Ferdinand Ritter, der Erfinder und Namensgeber der Ritter, geboren. Ferdinand Ritter war ein geschichtsbegeisterter Hufschmied. Ihn störte, dass nach der Römerzeit die Menschen jahrhundertelang nur noch in Nachthemden über die Äcker rannten und grunzten anstatt zu sprechen: Röärgacklorrrabitschrrorrrrnokinoki. Deshalb erfand er eine Fantasiewelt aus silberbeblechten Kriegern auf Pferden, Prinzessinnen, Drachen und Einhörnern. Zu den Burgbauten wurde er von den Fabriken der aufsteigenden Industrialisierung inspiriert: aus hohen Schornsteinen machte Ferdinand Ritter kurzerhand Wehrtürme. Danke, Ferdinand!

So, jetzt wollte ich aber noch etwas aus der wirklichen Geschichte erzählen. Im ersten Jahrhundert nach Christus lebte der Dichter Martial. Mit vollem Namen hieß er Marcus Valerius Martialis. Die Literatur war damals um einiges vielfältiger als in den kommenden Jahrhunderten. Die Römer waren geistreich und witzig. Und von diesem Martial stammt folgender Rätselspruch:

Daß du Brust, Schenkel und Arme enthaarst, daß dein Schwänzchen nur kurz geschorenes Haar umsäumt, das tust du nur - wie jeder weiß - deiner Freundin zuliebe. Wem zuliebe aber hast du deinen Hintern enthaart?

Wer den Scherz nicht verstanden hat, soll hier nachfragen!

Und wer mir erklären kann, wovon In hell I'll bei in good company von Dead South handelt, auch. Die Übersetzungen im Internet ins Deutsche sind einfach nur grässlich.

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Norbert von Thule
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Re: Eckball

Beitrag von Norbert von Thule » 21.02.2020, 13:26

Die Kernbegriffe "Queen Bee" (Bienenkönigin) und "blood squirt" (verfluchter Zwerg) eröffnen dir den Einblick in das geschilderte Beziehungsdrama*, der Rest ist Jammerei über selbiges.

____

* (für Schachspieler:) vgl. Elton John, "Just a pawn out-played by a dominating queen" aus dem Lied "Someone Saved My Life Tonight"

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 21.02.2020, 19:05

Nehmen wir mal den Satz

I see my red head, messed bed, tear shed, queen bee, my squeeze

Er hat einen roten Kopf, das Bett ist in Unordnung, die Bienenkönigin, my squeeze .... Was soll das bedeuten?

The stage smells .... knocks me on my knees
Dann stinkt die Bühne, so dass er auf die Knie geht .... wieso das denn? hat die einen fahren lassen?

It didn't hurt, flirt, blood squirt, stuffed shirt, hang my from a tree

Könnte das heißen: Es tat nicht weh, (als ich) Charmeur, Zwerg, Wichtigtuer mich aufhängte???
flirt kann laut Pons-Wörterbuch aber auch flattern bedeuten. Es tat nicht weh und flatterte nicht, als ich am Baum hing?

Vielleicht gibt es hier noch weitere Englisch-Experten, die sich das mal anschauen und eine Übersetzung wissen.

Das Lied ist cool, die Typen sind super-cool. Aber irgendwie blöd, wenn man nicht versteht, was die da singen.

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Norbert von Thule
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Re: Eckball

Beitrag von Norbert von Thule » 22.02.2020, 08:42

Dead Love couldn't go no further

Kaputte Liebe hat keine Zukunft

Proud of and disgusted by her

Stolz und angeekelt von ihr

Push shove, a little bruised and battered

Abgestoßen, verletzt und angeschlagen

Oh Lord I ain't coming home with you

O Gott, Ich finde kein (Lebens-)Ziel mit dir

My life's a bit more colder

Mein Leben ist kälter

Dead wife is what I told her

Kaputtes Weib nenne ich sie

Brass knife sinks into my shoulder

Messerstich im Rücken

Oh babe don't know what I'm gonna do

O Kind, weiß mir nicht zu helfen

I see my red head, messed bed, tear shed

Mein Kopf platzt, schlecht geschlafen, Tränensumpf

Queen bee, my squeeze

Bienenkönigin, meine Daumenschraube

The stage it smells, tells, hell's bells

Die Szenerie schmeckt nach Höllenglocken

Miss-spells, knocks me on my knees

Fauler (Zauber-)Bann zwingt mich auf die Knie

It didn't hurt, flirt, blood squirt

Es tat nicht weh, Hin und Her, verdammter Zwerg

Stuffed shirt, hang me on a tree

Fertiger Lauch, häng mich auf

After I count down, three rounds

Ausgezählt nach drei Runden

In hell I'll be in good company

In der Hölle bin ich nicht allein

(und dann dieselbe Jammerei von vorne)

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 23.02.2020, 15:57

Achso, dann sind das Losers. Während der Ritter in der Minne sein Leiden als edle Pflicht begrüßt, tanzen die Cowboys zu häßlichen Worten.

Für den 24.2. ist in youtube ein neues Video von Dead South angekündigt. Es trägt den Titel Fat little killer boy. Hoffentlich verstehe ich den Text besser.

Ich hab den Song jetzt vorher bei laut.de gefunden. Inhalt: Ein Junge wird schlecht erzogen, erschlägt deshalb Leute und verarbeitet sie zu Lebensmittel. Der Kritiker hält die dazugehörige LP für langatmig. Ich finde, dieser Sound schafft eine schöne Atmosphäre. Wie wenn man von der Terrasse aus in die Prärie guckt.

Die Typen treten immer gleich auf. Ich frage mich, welcher Hut Norbert passen würde. Da er eher einen länglich-schmalen Kopf hat, ist ein breitkrempiger Hut nicht ganz optimal. Eine Melone wie bei dem rechten Typ von Dead South wäre das richtige!


Der Tatort "Ich hab im Traum geweinet" heute kommt aus dem Schwarzwald. In WELT und TV Hörzu bekam er schlechte Kritiken, weil es sich um zusammenhanglose Szenen handle, die einen ratlos zurückließen. Was in SPIEGEL online steht, weiß ich nicht, denn seit dem neuen Layout les ich das nicht mehr. Die schlechten Kritiken sind unberechtigt. Der Film war gut.

Filmtitel und Musik spiegeln die Handlung wider: das Dilemma, dass man sich trotz Leidenschaft (Traum) alleine (post coitum omne animal triste) und trotz Bindung leidenschaftslos/unausgefüllt fühlen kann. Der Aufbau des Krimis ist klassisch: Mord, Ermittlung, Auflösung. Verstörend ist hingegen, wie ungefiltert Lust (das ging stellenweise Richtung Softporno) und Schläge (das war ein bisschen zu viel) gezeigt werden. Dennoch bleiben die Akteure - insbesondere die Hauptperson - vielschichtig. Genau das dürfte die Kritiker überfordert haben, dass hier in einem drastischen sozialen Kontext keine Klischees, sondern "echte" Menschen dargestellt werden. Die Schauspieler haben sich mit großem Einsatz und erfolgreich um glaubwürdige Charaktere bemüht. Da steckt Können dahinter.

Detail am Anfang: um aggressive Narren zu identifizieren, gibt es in etlichen Narrenzünften mittlerweile Nummern am Arm, so dass man die Maskenträger identifizieren und ggf. anzeigen kann.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 25.02.2020, 09:26

Vielen Dank an Norbert, dass er sich die Mühe dieser Übersetzung gemacht hat!

Ich gehe davon aus, dass es Dead South öfters mal weniger um den Textinhalt als um Sprachspiele und um eine Passung von Worten und Tönen geht. Wenn jemand auf Country-Music steht, ist das nicht unbedingt die schlechteste Wahl.

Die Leser-Kritiken zum Tatort waren vernichtend. Dafür Gebühren zahlen, Zeitverschwendung usw. usw. Das verstehe ich nicht ganz. Sex-Kommissare hatten wir schon andernorts, aber dort wie in manchen Theaterstücken, die ich sah (ich hab Wolfgang Spier nackt gesehen!), ist das meist billige Effekthascherei. In dem vorgestrigen Tatort war das aber ein notwendiges Mittel, um die Story zu erzählen. Man kann kein Film über Leidenschaft machen, wenn dort keine Leidenschaft gezeigt wird. Wenn man dem Film schon Plumpheit unterstellen will, dann insofern, dass er in gewisser Weise moralistisch verstanden werden kann. So nach dem Motto: Bleibt an Karneval treu, sonst hat das böse Konsequenzen! Die Hauptdarstellerin einer Ex-Hure, Männerfängerin und Mutter hat m. E. ihren Job außergewöhnlich gut gemacht. Sie hat eine Frau dargestellt, die mit ihrer Attraktivität andere für sich vereinnahmt, diese Aufmerksamkeit aber auch braucht, Projektionsfläche von Männerphantasien ist und sich von diesen abgrenzen muss. Hätte jemand anders diese Rolle gespielt, hätte diese Person wahrscheinlich überzogen, wäre in grobe Klischeehaftigkeit verfallen. Und darin sehe ich die Kunst in diesem Film, dass die Schauspielerin diese widersprüchliche Rolle natürlich rüber brachte.

Was die Kritiker in dem Film sahen, verstehe ich nicht. Das scheint so eine reflexhafte Massenempörung zu sein. Die Sache nicht verstanden, aber trotzdem losgegröhlt, weil es alle anderen auch tun. Was aber passiert, wenn jemand wirklich brillante Kunst schafft, aber das Publikum schlichtweg zu blöd dafür ist?

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 01.03.2020, 18:24

Ich guck mir den Tatort heute wahrscheinlich nicht an. Es werden viel zu viel von diesen Dingern abgedreht. Anscheinend soll es wieder um eine Beziehungstat und "Datingportal" gehen. Die gescheiterte Partnersuche. welche unter anderem massenweise Staatsanwältinnen in die Arme von callboys treibt, ist in den letzten Jahren zum Grundthema des Tatorts geworden, als ob das ARD Anne Clark covert.

Heute Schach gespielt und in kurzer Zeit gewonnen. Französische Verteidigung: 1 e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3 Lb4. Da bildet Schwarz dann eine ganz schöne Mauer, durch die man erst mal durch muss. Das letzte Spiel, als ich mit Weiß dagegen kämpfen musste, hab ich verloren. Deshalb bin ich mit Weiß heute super-aggressiv geworden: 4. Dg4. Die Variante gibt es tatsächlich, auch wenn öfters 4. e5 c5. 5. Dg4 dazwischengeschaltet wird. Obwohl solche Abspiele in den Theoriebüchern genannt werden, ist der Dg4-Ausfall doch eine Überraschung. Schock-Effekt für den Gegner. :shock:

StefanKießling
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Re: Eckball

Beitrag von StefanKießling » 05.03.2020, 21:26

Montrose hat geschrieben:
01.08.2019, 19:11
Gerade habe ich eine Game-Werbung gesehen, in der die Roboter tanzen. Das finde ich gut.

Man bräuchte auch für die Ritter so eine Choreographie. Ein Bein vor und zurück. Das andere vor und zurück. Und dann mit dem Kopf wackeln. Wenn das drei Ritter gleichzeitig machen und dazu die richtige Musik läuft, wirkt das ultracool.

Und dann kommt da eine wuchtige Sängerin mit einem Fetzenrock daher und singt mit tiefer Stimme:
Ay yoho knights are so
haaard so haaard.
Ihre Informationen sind für mich sehr interessant. Ich möchte Sie bitten, mich über die Spielbeschreibung zu informieren. Willst du dieses Spiel spielen, sollte es erstaunlich sein.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 06.03.2020, 19:28

@StefanKießling

An den Rittern hier gefällt mir, dass sie sich analog dreidimensional z. B. auf Mittelaltermärkten materialisieren. Ich glaube, dass sie trotz eines hohen Eisenanteils immer noch humanoid sind. Wenn man sie anspricht oder antelefoniert, ist ihr Sound und Sprachinhalt ziemlich nahe an dem dran, was man als echt empfinden könnte. Etwa wie dolby-surround. Alles in allem derzeit immer noch die bessere Alternative zur virtual reality. Wenn es auf solch einem analogen Adventure-event windet, dann spürt man das echt auf der Haut.

Der von dir zitierte Text bezieht sich auf eine gewisse Schlichtheit sowohl des ritterlichen Auftritts als auch dessen Publikums. Eigentlich bin ich ein Gegner von modernisierender Verfremdung historischer Stoffe. Allein eine Richard-III.-Aufführung lässt mich heute noch gruseln. Aber in diesem Falle wäre es ein pädagogisch adäquates Mittel, mehr Ernst in die Sache zu bringen. Wer sind die Ritter und wofür stehen sie? Jedesmal der gleiche lächerliche Ulk, dass aus einem nichtigen Anlass die Schwerter gezogen werden und dann plääng, pläääng, pläääng. Und da dachte ich, wenn man die Vergangenheit in die Gegenwart trüge, würde die durch diese Zeitphasen-Äquivalenzierung erzeugte Erhöhung der Nichtspielhaftigkeit ihres Tuns einen Mehrwert an existentieller Erfahrbarkeit generieren.

Aber weit gefehlt. Anders als du haben sie meinen ersten Beitrag gänzlich ignoriert. Der zweite Versuch bestand darin, über das Lied von Dead South die gleiche Motorik zu implementieren, quasi unter einem Cowboyhut getarnt. Aber die Reaktion, wie du siehst, fiel noch übler aus. Statt Stillschweigen offene Ablehnung. So bleibt es dabei, dass die Ritter zwar real sind, aber das Fliegen lernen sie nimmermehr. Plääng, pläääng, pläääng und keiner gedenket der Harfe.

Die Umständlichkeit meiner Ausdrucksweise dient dazu, dem Oberritter N. zu verbergen, dass ich seine Unmodernität in Sachen Country, Rap und Modern Dance insgeheim nicht billige. Denn natürlich will ich ob dieser meiner Ansichten nicht den Kopf riskieren.

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Norbert von Thule
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Re: Eckball

Beitrag von Norbert von Thule » 09.03.2020, 10:16

Ich bezweifele, dass die KI "StephanKießling" schon so weit ist, deine Ansichten zu implementieren.
P.S.: Darüberhinaus entsprechen sie auch nicht den überlieferten Legenden.

Montrose
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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 09.03.2020, 13:59

Stimmt. Als Zaungast ist mir manches entgangen. Vielleicht verdränge ich auch die unbändige Vitalität der Veytaler, weil sie mich in Schrecken versetzt. Als ob jemand am Wasserhahn dreht, und statt eines Strahls bricht gleich die ganze Mauer ein. Ein Felsengebirge, welches noch auf den Steinmetz wartet.


... d.h., dass man das eine oder andere noch veredeln kann, damit es zur Harfe wird. Gerade auch Eminem bzw. Slim Shady ist eigentlich melodiös. Und wenn Wacken-Metall nicht so laut wäre, könnte der eine oder andere vielleicht die lokrische Tonleiter heraushören.

Ich finde es sehr verantwortungsvoll von Norbert, dass er in einem anderen Thread über die Corona-Lage berichtet. Gesundheit geht vor. In Stuttgart werden jetzt Schulen, Museen usw. geschlossen. Auch alle Sportveranstaltungen, sogar die Mannschaftskämpfe im Schach sind abgesagt.

Loreen
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Re: Eckball

Beitrag von Loreen » 18.03.2020, 14:24

Montrose hat geschrieben:
11.10.2019, 23:12
Hallo Norbert, ich erheitere mich an meinen eigenen Scherzen. Beim letzten Umtrunk hattest Du meinen Lieblingswhiskey aufgetischt. Ich habe mich nie dafür bedankt. Entgangen ist es mir aber nicht. Sicherlich wird es wieder ein Treffen geben. :D


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Intellektuell? Hm. Ein kleiner Nachtrag. Warum denkt einer? Weil es Spaß macht und bisweilen etwas bringt? Oder weil er es kann und das dann ausübt so wie der Bergsteiger, der eben auch auf Berge steigt, weil er es kann? Kreatives Denken ist selten geworden, es wird nicht mehr gepflegt. Es gibt heute keine Philosophie-Stars wie zum Beispiel damals ein Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Und die politischen Empörungswellen der Moderne kommen ganz ohne Verstand aus.
Warum interessieren mich seit einiger Zeit Künstler? Ich war in der Wissenschaft tätig und muss sagen, die Wissenschaft macht Menschen mundtot. Wissenschaft ist wie Hirnamputation. In der Zeit, in der man Daten sammelt, auswertet und dann die ganzen Literaturzitate zusammensucht, schreibt ein anderer einen Roman, ein Theaterstück, ein tolles Lied, malt ein vielsagendes Bild oder dreht einen Film. In einer wissenschaftliche Studie kann man nach drei Jahren Forschung sagen, dass Tomaten rot sind. Was bedeutet das? Ein Künstler kann in kürzerer Zeit sehr viel mehr, sehr viel komplexere Informationen vermitteln.
Und warum schreibt einer in einem Forum? Ganz einfach, weil es da keinen Verleger, keinen Lektor, überhaupt nichts gibt, was einen am Labern stört. Du hast keine Ahnung, wie schwierig es ist, sich auf konventionellem Weg hörbar zu machen. Das Internet ist ein Segen! Natürlich ist es cool, wenn man sieht, dass jemand das liest.

Was haben Hape Kerkeling (Komiker), Peter Handke (Literatur-Nobelpreisträger), Schostakowitsch (Komponist oft satirischer Stücke) und Joker (Kino-Bösewicht) gemeinsam?
Zumindest Hape Kerkeling und Peter Handke erlebten in ihrer Biographie etwas sehr ähnliches. Wenn man es weiter fasst, passen vielleicht aber auch Schostakowitsch und Joker dazu.

Zur Aufführung von Schostakowitschs Die Nase an der Oper Zürich im Jahre 2011 findet sich eine Ansammlung von Interviews.

https://www.youtube.com/watch?v=pWZXFlAmIQI (in Browser-Adresszeile kopieren)
Ich finde es interessant, wie Ingo Metzmacher, der musikalische Leiter, ab 5:45 das Stück beschreibt.
Kennst Du auch den Komiker/Bauchredner Peter Moreno? Er ist schon seit dem sehr jung ist dabei, als Bauchredner Erfahrungen zu sammeln. Total spannend! https://www.bauchredner.de/

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 18.03.2020, 18:27

Kennst Du auch den Komiker/Bauchredner Peter Moreno?
Nee. Kennst Du ihn? Ich meine, persönlich. Vielleicht seine Schwester oder sowas? Ich habe recherchiert. Peter Moreno ist cool.

Ich freu mich über gute Tipps. Bekannte von mir haben "Die Feisten" empfohlen (mehrere Sachen auf youtube). Kannte ich vorher auch nicht. Auch total witzig. Die Feisten reden allerdings nicht mit dem Bauch.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 19.03.2020, 15:18

Voll blöd irgendwie. Jetzt hab ich Dosen, Nudeln, Kartoffeln, Klopapier, Getränke alles beisammen. Hamsterkauf eben. Aber die aufblasbare Puppe hab ich vergessen. :roll:

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 21.03.2020, 10:46

Für Kinder, die jetzt wegen der Epidemie zu Hause bleiben müssen, habe ich einen Lehrplan erstellt:

Biologie/Evolutionslehre (1): https://www.youtube.com/watch?v=ub747pprmJ8
Englisch/Geschichte (2): https://www.youtube.com/watch?v=6VMhR6fpC-E
Sport/Erdkunde (3): https://www.youtube.com/watch?v=omyOeHlDG9c

Das Starten der Filme ist ganz einfach. Mit rechter Maus klicken und dann auf "Link in neuem Tab öffnen".

(1) Die Zeitleiste stimmt nicht.
(2) Die Moderatorin ist so süß, dass auch Papi seine Freude daran hat.
(3) Die übliche Kombination, um das Einser-Abi fürs Medizinstudium zu schaffen.

Es ist eine große Chance, dass Eltern ihre Kinder selbst unterrichten sollen. Zeigt euren Kindern jetzt, was Euch wichtig ist! Wenn Papa gerne DMAX oder Ägypten-Dokus auf Phönix guckt oder Fußball oder in der Garage am Moped schraubt, dann bezieht Eure Kinder mit ein! Wahrscheinlich lernen sie so mehr über das Leben als in der Schule. Ihr könnt nicht in ein paar Tagen zurechtrücken, was die Bildungspolitik seit Jahren vermurkst. Rechtschreibung nach Gehör und ähnlichen Quatsch. In den Schulen ist längst angekommen, was für die ganze Gesellschaft gilt: viel Geplapper und Aktionismus ohne Sinn und Verstand. (4) Macht mit Euren Kindern lieber wenig und das richtig anstatt die 2500 Seiten, welche die Lehrer für zu Hause mitgegeben haben, durchzudrücken. Und macht vor allem etwas, das Euch und Euren Kindern Spaß macht. Wer später mal Direktor, Minister, Professor wird, das hat eh nichts mit den Schulleistungen zu tun, sondern mit den richtigen Beziehungen. Es soll Eltern geben, die unendliche Male das Einmaleins üben, "damit aus den Kindern später was wird". Aber wozu braucht man das Einmaleins, wenn der Verkehrsminister einfach mal 500 Millionen Euro in den Sand setzt (Maut-Affäre). Viel wichtiger im Leben ist der richtige Friseur und der Satz "Ich hab immer recht und es wird alles gut und wenn nicht, dann sind die anderen Schuld."

(4)Mit Aktionismus meine ich nicht die jetzigen Maßnahmen (Schließung von Gaststätten usw.). Die sind notwendig und hätten mindestens zwei Wochen früher kommen müssen anstatt der Katastrophe einfach nur zuzuschauen. Bald werden die Friday-for-Futures vergessen haben, dass SPD und GRÜNE das Vorgehen Söders kritisierten; Quelle "SPD und Grüne kritisieren Vorpreschen in Corona-Krise" WELT 21.3.2020. QUELLE: https://www.welt.de/regionales/bayern/a ... sitesearch. Können Personen, die nur eine Schönwetter-Moral kennen, in Krisenzeiten Menschenleben retten?

Am Beispiel Einmaleins: Macht solche Übungen ein paar Minuten und wenn das Kind zweimal richtig liegt, aufhören! Vielleicht am nächsten Tag nochmals kurz wiederholen. Warum? Wenn ihr bei einem Erfolg nicht auch mal irgendwann aufhört, sondern zu lange weiter bimst, wird das Kind frustriert und verliert die Lust am Lernen. So erziehen doofe Eltern ihre Kinder zu doofen Schülern, indem sie meinem, viel hilft viel. Falsch! Kurze Abschnitte, die Spaß machen, sind richtig. Klar, wenn das Kind selbst Lust hat, weiterzumachen, o.k. Aber wie gesagt, erzählt Euren Kindern doch mal ein bisschen was von Euren eigenen Interessen. Davon lernen Kinder sehr viel. Oder spielt irgendwelche Gesellschaftsspiele, Monopoly, Siedler von Catan.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 24.03.2020, 17:27


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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 03.04.2020, 18:26

https://www.youtube.com/watch?v=uAaZtxHTY98

Bringt einen auf gute Gedanken. 8)

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 04.04.2020, 17:28

Ich tue mich etwas schwer mit Leuten, die sich darüber Gedanken machen, inwiefern "Bevormundungen" in Krisenzeiten gerechtfertigt sind. Ich verstehe natürlich, dass viele Menschen auch hinsichtlich ihres Einkommens in Sorge sind. Auf der anderen Seite ist klar erkennbar, dass wir Deutschen schon lange keinen Krieg, keinen Notfall, keine Katastrophe erlebt haben und deshalb auch nicht mehr so richtig wissen, was in solchen Fällen notwendig ist. Dazuhin wurde die Wehrpflicht bzw. Zivildienst ab 2011 ausgesetzt und Frauen mussten/müssen ja ohnehin in Friedenszeiten keinen Gesellschaftsdienst ableisten. Da fehlt die Übung und Selbstverständlichkeit, dass es Situationen geben kann, in denen Handeln auf Schnelligkeit und Wirksamkeit und nicht auf sozialpädagogisches Kuscheln abzielen muss. Unsere Gesellschaft verliert diesbezüglich zunehmend an Kompetenzen.

Es gibt zwei Bereiche, in denen das Problem offenkundig wird. Das eine ist der OP-Saal in einer Klinik. Ich würde euch mal als Patienten erleben, wenn ihr miterleben müsstet, wie Krankenschwester, Anästhesist, Operateur und womöglich noch der Hausmeister darüber diskutieren, ob man es jetzt so oder so oder so oder so macht, während ihr am Verbluten seid. Der zweite Bereiche, zu dem heutzutage kaum noch jemand einen Bezug hat, ist das Militär. Das ist eigentlich eine ganz einfache Sache: Kopf nicht unten gehalten, Kopfschuss, Tod. Da gibt es nichts zu diskutieren. Wir können froh sein, dass es "nur" Corona und nicht etwas wie Ebola oder ein Kriegszustand ist, denn die heutige Bevölkerung wäre in kürzester Zeit ausgerottet --- weil ihnen das Bewusstsein für reale Gefahren abhanden gekommen ist. Auf der Insel Mauritius gab es einen flugunfähigen Riesenvogel, den Dodo. Der hatte auf der Insel keine Feinde. Als dann durch Schiffe Ratten und andere Tiere auf die Insel kamen, hatte der Vogel keine Verhaltensweisen, sich gegen diese neue Bedrohung zu schützen. Er starb aus. Und genauso würden wir aussterben, weil wir Notfälle nur aus Filmen und dummen Ballerspielen kennen, aber nicht aus der Wirklichkeit.

Das Ganze hat sehr viel mit den Rittern zu tun, und ich wünsche mir, dass dies Mittelalterdarsteller bedenken!!! Natürlich muss ein Ritterdarsteller das bedenken, denn wie soll er sonst einen Ritter darstellen, wenn er gar nicht begreift, was ein Ritter ist. Der Ritter befindet sich

(1) in einer hierarchischen Ordnung (er muss dem Übergeordneten Kriegsdienst leisten, kann umgekehrt erwarten, dass der Nachgeordnete ihm gehorcht)

(2) in einer gewalttätigen Ausübung. Deshalb trägt er ja Waffen und Rüstung, weil er Ordnungen durchdrückt ohne lange darüber zu diskutieren. Der Ritter war in den Dörfern Ordnungsmacht und trug seine Ausrüstung, um genau dies anzuzeigen und ggf. durchzusetzen.

Ich sag ja nicht, dass das prinzipiell gut ist. Ich bin ein Freund der Demokratie. Aber es kommt auch auf die Umstände an. Der Ritter (wie auch der römische Berufslegionär) entstand als REAKTION auf eine äußere Bedrohung. Im Falle der Ritter war dies unter anderem der Einfall der Mauren in Spanien, wogegen EUER KARL DER GROSSE vorging (La Chanson de Roland/Rolandlied)- oder noch bekannter: die Ungarneinfälle unter Kaiser Otto dem Großen. In diesen Situationen wurde klar, dass da jetzt nicht jeder "Deutsche" x-beliebig in der Gegend rumhopsen kann, sondern dass der Widerstand zu ORGANISIEREN war (Organisation = Hierarchie und Aufgabenverteilung), weil sonst alles am Arsch gewesen wäre.

Ich glaub nicht, dass ich das jetzt hier im Einzelnen erläutern muss. Wenn jemand in der Mittelalterszene drin ist, hat er sicherlich auch mal ein Geschichtsbuch in den Händen gehalten. Jedenfalls geben die Umstände Anlass, über den Zusammenhang von Rittertum und Krisenbewältigung nochmals nachzudenken.

Ich hoffe schwer, dass die Deutschen über Ostern und den kommenden warmen Tagen noch etwas Disziplin aufbringen, um die Krise vollends zu überwinden. Wenn da aber irgendwelche verquatschten "Bürgerrrechtler" meinen, sie könnten sich über die Regeln hinwegsetzen, dann gehen die Corona-Zahlen nach Ostern kräftig hoch und die ganze Scheiße fängt wieder von vorne an.


Nachtrag: Baden-Württemberg und Bayern sind wegen Tourismus so stark betroffen. Viele waren zum Skifahren in Italien und Südtirol.Große Ansammlung von Leuten ist ein Risikofaktor.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 09.04.2020, 15:27

Hört, hört! Soll jetzt eine Studie - wie ein Zauberspruch von Harry Potter - unser Land heil gemacht haben?? Eine Studie, so heißt es in der Zeitung. Ein optimistisch-feistes Lächeln aus einem krawattierten Sakko verbreitet Frohsinn, was manchen fast an Unernst erinnern mag. Macht hoch die Tür, die Tore macht breit. Ha, auf einmal haben alle es schon immer gewusst! In Leserbriefen werden Spielverderber verspottet, und das Volk johlt ob seiner Befreiung. Scheint denn da draußen etwa nicht die Sonne? Ja, sie scheint. Aber das tat sie auch auf Ninive und auf all die anderen Orte, die heute nur noch Sand bedeckt. Hochmut kommt vor dem Fall. Und wem diese Rede zu kopflastig ist, der schaue sich halt stattdessen unten bunte Bildchen an. Denn sie sagen das gleiche.

https://www.youtube.com/watch?v=NYG5ViEldDQ


Rechte Maustaste klicken und "link einem neuen Tab öffnen". Beide Quellen lesen, sonst versteht man den Witz nicht. :wink:

https://www.welt.de/vermischtes/article ... glich.html
https://www.welt.de/vermischtes/article ... enten.html

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 12.04.2020, 11:46

Christos anesti.

Etliche Dokumentationen zeigen den Fortschritt im geschichtlichen Verständnis, was aber die Frage aufwirft, was dann in Glaubensdingen noch gilt. Eine Doku der Serie Timeline ("Who Was The Real Jesus Christ?") auf youtube nennt Paulus als Erfinder des Christentums. Ich finde diesen Film ziemlich provokativ. Petrus soll trotz Jesus-Nähe ein gesetzestreuer Jude geblieben sein. War dann auch Jesus eher wie Petrus ein gesetzestreuer Jude und sein Wesen wurde von Paulus umgedichtet? Das war - zumindest habe ich das so verstanden - das Fazit dieser Doku. Mit der weitergehenden Behauptung, die Evangelisten hätten sich dieser Umschreibung angeschlossen. Ist dann das Heilsversprechen überhaupt gültig, wenn es von Paulus kommt? Oder aber, die Evangelien sind doch keine Umdichtung. Dann erstaunt, dass Petrus mit seinen konservativen Ansichten Jesus womöglich gar nicht richtig begriffen hatte.

In der Gegenwart ist das nicht so einfach, einen spirituellen Anker zu definieren. Diese Dokus geben mir wahrscheinlich diesbezüglich keine Antwort, vermitteln aber zumindest den Eindruck, dass bei Religion ein wichtiges Anliegen dahintersteckt. Außerdem sind diese Dokus unterhaltsam. Ich hab gestern eine Doku-Serie auf youtube entdeckt: The Naked Archaeologist. In dieser Serie wird auf recht humorvolle Weise biblische Archäologie präsentiert.

Der Priester in dem obigen "Troja"-Ausschnitt kommt ziemlich ratlos daher. Ich frage mich, als was sich moderne Priester verstehen. Glauben sie an Wunder?

Montrose
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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 13.04.2020, 12:34

Ein Zeitungsartikel äußert die Befürchtung, dass durch die Schulschließungen Schüler aus bildungsfernen Familien abgehängt würden. Muss ich mir jetzt ein schlechtes Gewissen wg. meines obigen Ratschlages, die Dinge nicht allzu eng zu sehen, machen? Meine Absicht war, weil die Familien natürlich mehr aufeinanderhocken, soziale Spannungen zu reduzieren und etwas Kreatives daraus zu machen. Meine Wunschvorstellung ist, dass Eltern und Kinder Dinge gemeinsam entdecken. Und gerade auch Bildungsferne einmal darüber nachdenken, was sie denn der nächsten Generation mitgeben möchten. Also statt einfach den Alltag laufen zu lassen, sich die eigenen Werte und Ziele bewusst zu machen. Das gilt allerdings auch für Bildungsnahe --- man darf dann schon auch fragen, wozu Wissen gut sein soll. Ich akzeptiere als Zwecke Freude an der Sache oder dass es zu irgendetwas als Werkzeug dient. Ein stumpfsinniges Runterpauken hingegen - auch wenn es für die Schulnote getan wird - ist sinnloses Wissen. Familien .... wenn die Eltern ein Musikinstrument spielen, ist anzunehmen, dass die Eltern ihren Kindern die ganzen Zusammenhänge der Musik selbst erklären könnten - was ist eine Tonleiter, was ein Akkord. Und notfalls hilft Wikipedia. Oder Geschichte und damit verbunden auch Religion, Latein .... was gibt es da für fantastische Quellen im Internet. Oben habe ich manches genannt. Und ich weiß, dass vor allem Männer sich gerne Dokus anschauen. Vielleicht kann man den Sohnemann von seinen dummen Ballerspielen weglocken, indem man ihm mal The Real Thing zeigt.

Statistik. In den Leserbriefen prügeln die Leute immer noch aufeinander ein, welcher Virologe recht hat, wer von einer Statistik "null Ahnung" hat" und blablabla. Auch das wäre ein hervorragender Aufhänger, sich zum Beispiel mit der Frage "Was ist Wahrheit?" zu beschäftigen. Statistik produziert keine Dinge. Wenn jede Frau durchschnittlich 1,4, Kinder bekommt, dann bekommt sie diese Kinder nicht dadurch, dass sie eine Statistik liest. Sondern dadurch, dass ihr Freund oder Mann .. ähem... ihr wisst schon. Statistik erklärt nicht, welche Gründe zu den Zahlen geführt haben. Um Gründe oder Erklärungen abzuleiten, muss man zumindest die jeweilige Umgebung beschreiben, noch besser ist aber, diese Gegebenheiten selbst zu variieren und die daraus resultierenden Veränderungen abzulesen = EXPERIMENT. Wenn wir in der Corona-Krise sehen, dass ein shutdown die Zahl der Neuerkrankten reduziert, dann kann man daraus ableiten, dass der shutdown sinnvoll ist. Eine Antwort, wann der shutdown aufzuheben ist, lässt sich daraus nicht ohne Weiteres ableiten. Denn da kommt noch ein dritter Punkt ins Spiel. Statistik erlaubt keine Bewertungen. Ob es schlimm ist, dass 20 Omis sterben, oder ob das eben ein Kollateralschaden ist, lässt sich weder mit Statistik noch mit sonst einer mathematischen Methode berechnen. Das ist nämlich eine ethische Frage. Ein Risiko von 0 erreicht man nicht, richtig. Andererseits sollte man schon die Toleranzschwellen (ja, es sind mehrere: für Gesundheit, für wirtschaftliche Situation) klären, d.h. welche Nachteile wer (!) für eine bestimmte Entscheidung bereit ist hinzunehmen. Übrigens sind sogar bestimmte Grundannahmen innerhalb der Statistik, nämlich der alpha-Fehler in der Inferenzstatistik, willkürliche Setzungen. Die Meinung mancher, Mathematik spiegle immer eine "unumstößliche Wahrheit" oder "Wirklichkeit", ist nicht ganz richtig.

Werdet selbst zu Philosophen! Das sind doch spannende Fragen: Geschichte, Musik, Mathematik, Wahrheit .... Das kann ein prima Anlass sein, ein bisschen tiefer in ein bestimmtes Themengebiet einzusteigen. Niemand kann es euch verbieten. Das Internet macht heute jedem alles zugänglich. Eine tolle Sache!!

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 16.04.2020, 12:26

Was will ich eigentlich mit den Statistik-Ausführungen sagen? Ich habe da eine alternative Sicht: Wenn ich mit dem Hammer auf den Daumen hau, dann wird der blau und es tut weh. Dazu brauche ich keine Statistik, sondern das ist ganz einfach Ursache-Wirkung.

Ob ich das jetzt für gut oder böse oder gegen die Menschenrechte halte (der böse böse Hammer), ändert nichts an Ursache-Wirkung. Der Natur ist das doch scheißegal, was wir denken. Ich kann auch sagen: Ich hau mir mit dem Hammer auf den Daumen, aber der Daumen wird gar nicht blau. Aber auch das ist scheißegal, weil der Daumen macht, was er macht, und nicht was ich denke.

# Wenn mir jemand sagt, man habe bei Kranken überhaupt keine Viren an Gegenständen gefunden, dann würde ich fragen: Wodurch sind die dann krank geworden? Durch den Heiligen Geist? Durch Dämonen oder wie hab ich mir das vorzustellen? Oder womöglich doch, was ja dann noch schlimmer wäre, durch Aerosole?

# Wenn jemand sagt, in Deutschland werde übertrieben .... ja sind dann die ganzen Chinesen, Italiener und Spanier Vollidioten, weil die sich ja auch Sorgen gemacht haben? Na, man weiß ja, die Italiener fuchteln ja soviel mit den Händen und werden gleich dramatisch. Vielleicht ist das die Erklärung und in Wirklichkeit gab es dort gar keine Katastrophe? Alles bloß eine reality show wie das Dschungelcamp? Wo ist dann die Fernbedienung, mit der ich den Kanal wechseln kann? Lassie, Heidi, Flipper oder sowas.

# Wenn jemand sagt: ach, jetzt ist es nicht mehr gefährlich, dann würde ich fragen: Was hat sich geändert, so dass eine heikle Situation jetzt nicht mehr heikel ist? Entweder er gibt mir darauf einen guten Grund oder er erzählt Blödsinn. Immer und überall gilt Ursache-Wirkung. Wenn es keine Ursache gibt, dann kann es auch keine Wirkung geben.

Die Lockerungen kommen zu früh. Die ganzen Veranstaltungen sind abgesagt, so dass jetzt diesbezüglich eh nichts mehr zu retten ist. Einkaufen/Ernährung ist sichergestellt. Und die meisten Leute, die ich kenne, gehen weiter ihrem Beruf nach. Von einem totalen shutdown kann und konnte nie die Rede sein. Alles pipifax, völlig harmlose Maßnahmen. Ich sagte ja, ich wollte die Leute mal erleben, wenn da mal ein anderes Kaliber auf uns zu käme.

Ich sag immer noch: bisschen Geduld, bis die Kranken nicht mehr ansteckend sind, und dann kann es normal und sicher weitergehen.
Voreilige und populistische Lockerungsmaßnahmen .... geht doch mal EInkaufen und guckt, wer da denn Abstand einhält. Schulen öffnen ... wenn die Schüler mit ihren Masken in die Masken ihrer Lehrer starren, das ist ja noch viel traumatisierender als wenn sie zu Hause geblieben wären. Horrorfilm live. Was die Schüler ohne Schule angeblich an Wissensinhalte verpassen - meine Meinung kennt ihr. Ich denke nicht, dass ein paar Wochen ohne Unterricht Menschen zu Neanderthalern macht. Die jungen Leute haben eine höhere Lebenserwartung als wir. Dann sollen sie eben ihren Pythagoras oder was sie sonst an ach so wichtigen Weisheiten zu brauchen glauben ... später lernen. Die haben doch alle Zeit der Welt.

Die Sache dauert jetzt gerade mal 4 Wochen. Das ist im Vergleich zu anderen Katastrophen absolutes Pipifax. Wenn wir schon nach lächerlichen 4 Wochen durchdrehen, was soll dann erst in anderen Fällen passieren? Mittelalter die Pest, Hungersnöte, Kriege ... die dauerten Jahre und nicht Wochen, und irgendwie haben es die Leute auch geschafft.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 27.04.2020, 20:20

Die Seuche. Heute erster Tag mit Mundschutz. Einem Großteil ist das schnurzpiepe und sie laufen besonders nah an einem vorbei. Wenn ein Youngster irgendwo schneller drankommen will, hustet er einfach kotzartig mitten in die Luft und genießt es, freie Bahn zu haben. Die Masken haben eigentlich keine Schutzfunktion, dennoch sieht man die Leute näher aufeinanderrücken. Im Laden hab ich heute einer Frau gesagt, sie soll nicht alles anfingern.

Ihr ahnt vermutlich, dass wir Mitte/Ende Mai wieder ganz von vorne anfangen.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 01.05.2020, 19:33

https://www.youtube.com/watch?v=SnD3ZgfEg8s

Im Mittelalter wäre man mit einer schwierigen Situation anders umgegangen. Es soll hier nicht Anlass gegeben werden, Trübsal zu blasen. Dennoch ist die Beobachtung interessant, dass in früheren Zeiten kollektiver und spiritueller, heute eher individualistisch und kapitalistisch empfunden wird. Entschleunigung, Isolation, Zeit zum Nachdenken können auch eine Chance sein, den eigenen Kompass zu überprüfen.

Die Szene oben stammt aus dem Film "Das siebte Siegel" von Ingmar Bergmann. Für mich ist das der schönste Ritterfilm. Der Film handelt von einem Kreuzfahrer, der mit dem Tod Schach spielt. Der Schachweltmeister Steinitz (1836-1900) war von seinen Spielkünsten dermaßen überzeugt, dass er Gott nicht nur herausforderte, sondern Ihm sogar einen Bauern Vorsprung geben wollte. Es heißt, bald darauf sei Steinitz "nach oben eingeladen" worden. Steinitz war ein Begründer des positionellen Schachs. Viele Spieler trainieren Kombinationen, also Tricks, mit denen man schnell gewinnt ... Das Problem dabei ist, dass die Gegner nicht unbedingt blöd sind und daher auf diese Tricks nicht reinfallen müssen. Das Positionsspiel hingegen befasst sich mit langfristigen Entwicklungen im Spiel und erfordert eher ein "Gefühl" für die Stellung - ein Blick für Geometrien - als konkrete Berechungen der Art "wenn ich das mache, macht er das, dann mach ich das."


https://www.youtube.com/watch?v=Hxg3FSChkis
Ich hab das Römer-Video zur Erheiterung und zur Belehrung reingestellt. Das Römische Reich wurde groß, weil nicht jeder Soldat irgendwo rumgehopst ist, sondern weil die Legionen disciplina - Disziplin - hatten.


Das Lesen von Kommentaren in Zeitungen ist eine einzige Folter.
"Aha, also in einer Krise gilt das Grundgesetz nicht mehr." Antwort: Natürlich kann die Regierung in Notfällen Freiheiten einschränken ... das geht bis hin zu Enteignung, Aufenthaltsbeschränkung, Verpflichtung zu Wehrdienst. Im Übrigen besteht unser ganzes Leben aus Zwang, angefangen von der Schulpflicht bis hin zur Mitgliedschaft in einer Krankenkasse. Komisch, dass das den Leuten jetzt erst auffällt, dass sie unfrei sind. Unfreiheit ist eine Folge des Organisationsgrades einer Städtekultur. Wenn ich in einer Höhle an Bärenknochen nage, brauche ich mich natürlich an keine Regeln halten.
"Könnte man da keine Volksabstimmung machen?" Antwort: Klar, dann haben wir eine zeitliche Verzögerung, bis die Wahlen durch sind, und die Entscheidung beruht auf Meinungen, die ebenso falsch sein können. Und wenn die Entscheidung falsch ist, wie gedenkt der Wähler dann dafür die Verantwortung zu übernehmen?
"Die Einschränkungen kosten auch Menschenleben." Antwort: Stirbt ein Arbeitsloser? Gibt es Hungertote? Wie viele sind es denn schon?
"Haha, der da macht doch nur Hochrechnungen, während der andere Fakten hat." Antwort: Fakten haben beide. Fakten sind etwas, das in der Vergangenheit passiert ist und das man deshalb wissen kann. Da die Zukunft noch nicht festgelegt ist, kann man zur Zukunft keine Fakten haben, sondern nur Hochrechnungen. Beispiel: "Ätsch, ich kenne die Lottozahlen der vergangenen Woche! Kennst du auch die Lottozahlen von nächster Woche? Kennst du nicht? Haha, du bist also dümmer als ich."
"Merkel macht das doch nur, um uns zu unterdrücken." Antwort: Wozu hätte sie das nötig?


Eines ist mir klar geworden: Ich habe mehr Angst vor meinen Mitbürgern bzw. dem "Volk" als vor der Regierung. Und nochmals Halleluja, dass es nichts Ernsteres ist. Wie gesagt, bei schwierigeren Aufgaben würden die Deutschen mit wehenden Fahnen untergehen.

Noch ein Gedanke hat sich bei mir verfestigt: Die Wehrpflicht ist zwingend wieder einzuführen! Wenn die Bürger den Staat nur noch als Gegner empfinden anstatt sich als Teil von diesem zu verstehen, dann ist da womöglich etwas schief gelaufen.

Und noch ein Gedanke: Auf der einen Seite sind alle für Öko und Kultur. Auf der anderen Seite fliegen jedes Jahr zigtausende ungebildeter Leute zu archäologischen Highlights und zerstören durch ihre Füße und ihren Atem (Wandbilder) das kulturelle Erbe der Menschheit. Wäre es denkbar, dass die Masse Mensch zu viele Freiheiten hat? So viel Freiheit, dass sie das gar nicht mehr richtig verdauen, begreifen, sinnvoll verwerten können? Die Frage beschäftigt mich schon länger: Was ist denn eigentlich das Ziel dieses Staates? Diese Frage ist sehr viel brisanter als die früheren Diskussionen um die "Leitkultur". Eine "Leitkultur" ist ein Mittel und demnach zweitrangig. Das Ziel ist bedeutsam. Freiheit ... mein Philosophielehrer brachte uns damals bei, dass "Freiheit" ein zweistelliger Prädikator sei: Freiheit (1) wovon und (2) wozu. Bei den ganzen Internetschnäppchen, dem ganzen Konsumfirlefanz - dem Selbstläufer Kapitalismus eben - stellt sich die Frage, ob man da überhaupt noch was spürt oder ob das alles nur ein teuer erkauftes Plastik-Barbie-Haus ist. Die "bürgerliche Freiheit" an Corona festzumachen, ist ein bisschen sehr billig. Die Sinnfrage stellt sich außerhalb von Krisenzeiten noch viel mehr. Obwohl dann der Lärm des Kapitalismus und die Alltagshektik wieder alles übertönt. Deshalb schrieb ich oben, dass das Herunterfahren auch seine Chancen bietet. Vielleicht sind es gerade jene Corona-"Bürgerrechtler", welche die viel größere Frage nicht verstanden haben.

Metatron: "Roma invicta!" :wink:

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