Eckball

Was geht außerhalb vom Mittelalter?
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Montrose
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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 06.12.2020, 02:54

Die Georgier sind begnadete Tänzer. Ich möchte auch ein Georgier sein. :(

https://www.youtube.com/watch?v=h64VT8sbJVw

Montrose
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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 12.12.2020, 10:42

Falls jemand darüber nachdenkt, sich eine (Mittelalter?)-Waffe als Wandschmuck oder zum Üben anzuschaffen, dann sollte er mal über den Speer nachdenken. Üblicherweise fällt den Leuten zunächst das Schwert ein. Aber ein Speer hat mehrere Vorteile.

1. Der Speer war in historischen Kämpfen wahrscheinlich bedeutsamer als das Schwert. Größere Reichweite = den Gegner früher treffen bei eigenem größerem Schutz + billiger herzustellen weil weniger Eisen notwendig. Ich glaub die Veytaler hatten mal einen Kreuzritterschildwall, wo es auch Speerträger gab. Es ist einfacher, mit einer langen Waffe aus einem Schildwall heraus zu agieren als mit einem Schwert. Gegenargument: die Römer ... ja die Römer. Man weiß allgemein nicht ganz genau, wie Kämpfe in Wirklichkeit aussahen. Ich vermute, die Römer sind wie heutige Polizisten auf einer Demo vorgegangen und haben die Gegner einfach weggeschoben. Anscheinend hat das funktioniert. Schild und Speer erscheint mir aber dennoch sinnvoller.

2. Zu Dekorationszwecken kann man einen Speer einfach in die Ecke des Raumes stellen. Das sieht schlicht, urwüchsig, interessant, ungewöhnlich aus und macht den Raum lebendiger. Mal eine Abwechslung zu Bildern. Und man braucht dazu keinen Haken oder ein Haltegestell wie beim Schwert. Falls die Frau oder Freundin das blöd findet, kann man sie dadurch begeistern, dass sie sich an weiterem Schmuckwerk beteiligt. Man kann zum Beispiel einen bunten Seidenschal am Übergang zur Speerspitze anbinden, und sie kann den Seidenschal aussuchen. Das gibt dem Raum einen fröhlichen Farbtupfer. Die chinesische Variante mit rotgefärbtem Roßhaar dürfte aufwendiger sein.

3. Natürlich darf der Speer nur zur Dekoration oder zu kampfsportlichen Zwecken benutzt werden. Sollte es aber - was ja eigentlich undenkbar ist - zu einer Notwehrsituation kommen, so verkleckert der Einsatz des Speeres aufgrund der großen Distanz das eigene Hemd nicht.


An manchen Speeren gibt es Umwicklungen. Das ist dekorativ und stört nicht. Allerdings ist solch eine Umwicklung kein Hinweis darauf, wo der Speer gegriffen werden soll.


Die Handhabung eines europäischen Speeres, sofern er nicht geworfen wird, dürfte teilweise dem asiatischen Gebrauch ähnlich sein. Ich beschränke mich hier auf den Einsatz ohne Schild. In folgendem Video sieht man, wie die hintere Hand den Speer vorstößt und die Stange durch die andere Hand gleitet. https://www.youtube.com/watch?v=etk-KX1GmhU Dadurch wird ein Ziel in größerer Entfernung getroffen - und genau das ist Zweck und Ziel eines Speeres.
KORREKTUR: GLAUBT NICHT ALLES, WAS ICH HIER SCHREIBE. Ein Stab lässt sich beidhändig besser kontrollieren, während das Durchgleiten-Lassen instabil ist.
Ich weiß da auch nicht auf alles eine Antwort. Wie haben Pikeniere das gemacht ... muss ich erst noch recherchieren



Den Speer mit beiden Händen fest umfassen und fast schon in einer kleinen Schunkelbewegung nach vorne zu stoßen geht auch (im Bo-Jitsu gibt es solche Techniken), aber die erreichbare Distanz ist geringer.
KORREKTUR: die Distanz ist nicht viel geringer. Übrigens nicht "kleine", sondern große (!) Schunkelbwegung. Mit Schmackes rein.

Vielleicht funktionieren beide Techniken, aber man muss sie trainieren, und wohl jeweils ein bisschen anders.



Ich denke nicht, dass man für einen Treffer viel Kraft braucht, denn das Eisen und die Masse des dahinterstehenden Holzstockes treibt die Spitze hinein.
KORREKTUR: Wenn der Stoß nicht gerade ist, dringt die Spitze nicht ein. Kontrolle ist also wichtig. Ob man viel oder wenig Kraft braucht, weiß ich schlichtweg nicht. Ich habe es noch nicht - an irgendeinem Gegenstand - ausprobiert

Gut beim obigen Video ist auch, dass der Stich in einer seitlichen Achse rausgeht (so stehen auch die Bogenschützen). Also Gesicht und Stoß richten sich nicht nach vorne aus, sondern das Gesicht blickt über die Schulter und in diese Richtung geht auch der Stoß. Vorteil: bessere Koordination der Arme, größere Reichweite und der eigene Körper bietet dem Gegner weniger Angriffsfläche, d.h. man ist geschützter.
Das halte ich immer noch für richtig.

Ganz perfekt ist das Video nicht. "Solute like a military soldier" bei 1:23 - das ist falsch. Ein guter Kämpfer würde niemals sein eigenes Blickfeld mit dem Arm verdecken. Im Bo-Jitsu gibt es wie in dem Video eine solche Ausgangsstellung, aber der Arm wird höher gehalten, so dass man noch sehen kann.
Zweiter Punkt: die hintere Hand kann den Speer durchaus ganz am Ende halten. Da muss kein "Inch from the bottom of the spear" (1:30) zwischen Stockende und Hand sein. Wenn die hintere Hand den Speer sehr weit hinten greift, ist das gut und effektiv.
Das halte ich immer noch für richtig.

Die Qualität des Holzstabes ist nicht immer optimal. Deshalb ist zu prüfen, ob beim ruckartigen Durchgleiten des Speeres durch die Hand irgendwo eine unangenehme Reibung oder schlimmer noch ein Spreißel auftritt. Ihr wollt im Kampf sicherlich keinen Holzsplitter in die eigene Hand rammen. Deshalb sind solche unsauberen Stellen vorher ausfindig zu machen. Schmirgelpapier, notfalls mit dem Taschenmesser ein klein wenig wegschnitzen schafft Abhilfe. Wenn der Speer dann nicht mehr perfekt ausschaut, ist das egal. Der Speer muss gut in der Hand liegen und funktionieren, das ist wichtig.
Das halte ich immer noch für richtig.

Ob man das Holz mit irgendeiner Politur behandelt, weiß ich nicht. Muss ich mir noch überlegen.

Die eiserne Speerspitze ist jedoch mit Waffen-Öl einzufetten, damit sie auf Dauer nicht rostet.
Das halte ich immer noch für richtig.
Zuletzt geändert von Montrose am 13.12.2020, 10:16, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 12.12.2020, 19:43


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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 24.12.2020, 08:33

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 28.12.2020, 09:20

Beim Schwertkampf soll man den Gegner und nicht sein Schwert angreifen.

https://www.youtube.com/watch?v=RO0NZlyLNpg

Im obigem Video ist an der Stelle 1:06 zu sehen, wie der Hieb des rechten Mannes auf den gegnerischen Säbel auftrifft, aber dabei sehr weit vom Körper des Gegners entfernt ist. 1:11 meterweit auseinander. 1:25 genauso. Die Hiebe konnten überhaupt nicht treffen. Die ganze Aktion war nutzlos verschwendete Energie verbunden mit einer riskanten Öffnung der eigenen Deckung.

Im Schaukampf wird man öfters Schwert-auf-Schwert "kämpfen", weil der Zuschauer eh nicht kapiert, dass das falsch ist, es für die Darsteller sicherer ist und auch noch spektakulär anzuschauen ist, wenn die Schwerter aufeinanderprallen. Ich bin kein Experte, aber in manchen Mittelalter-Kreisen wird eine 8 mit dem Langschwert gefochten, und das in einem schönen Rhythmus. Langschwert ist eher Spätmittelalter, also eigentlich gar keine typische Ritterwaffe. Wichtig ist noch die Frage: Wenn die Gegner ihre 8 in die Luft malen, wie sollte es dabei zu Sieg und Niederlage kommen? Diese 8 ist eine gute Anfängerübung, um das Schwert überhaupt mal zu kontrollieren, zum Aufwärmen und um die Beweglichkeit des Handgelenks zu trainieren. Aber was bringt sie für den praktischen Kampf? Eine Variation könnte eine Rhythmus-Änderung sein, welche die 8 zerstört und zu einem echten Angriff führt.

Ich schau mir bisweilen youtube-clips zum Thema an. Ein japanischer Schwertkämpfer meinte, die Schwertführung sollte eher langsam als schnell sein. Beim schnellen Agieren kann man den Gegner vielleicht überrumpeln. Aber die schnelle Aktion ist oft unpräzise und - das meinte dieser Schwertkämpfer - die eigene Deckung öffnet sich. Entscheidend ist nicht (nur) Schnelligkeit, sondern der richtige Moment. Wenn man den Bus um 8:15 Uhr erwischen will, dann könnte man 8:14 Uhr aus dem Haus gehen und mit Schnelligkeit den Bus erwischen. Aber ist das sinnvoll? Man könnte auch 8:10 Uhr los, der eigene Gang ist langsamer und entspannter, aber man erwischt den Bus dennoch. Timing ist etwas anderes als Schnelligkeit. Timing ist wichtig.


In 1:31 wirbelt der Kämpfer sein Schwert in der Luft herum. Solche Action-Einlagen sieht man vor allem häufig bei U.S."Kämpfern", wenn sie mit Schwertern oder Langstöcken rumfuchteln und einen auf "Samurai" machen. Im echten Kampf wäre so etwas völlig idiotisch. Während man sich darauf konzentrieren muss, die wirbelnde Waffe unter Kontrolle zu halten, bekommt der Gegner eine prima Gelegenheit anzugreifen. Auch das Schlagen eines Speeres auf den Boden bei Kung-Fu-Stilen ist totaler Unsinn. Im Moment wenn der Speer auf dem Boden aufschlägt, ist der Kämpfer wehrlos. Außerdem macht es auf Dauer die Waffe kaputt. Schaut man sich alte Aufnahmen des Okinawa-Kobudo an, so sind die Bewegungen unspektakulär, minimalistisch, nur auf Effizienz ausgerichtet. Untauglich für den Theaterkampf, aber wirksam in einem echten Kampf.


1:50 müsste der Hieb zum Nacken kommen - Rübe runter. 1:56 ein Tritt gegen den Körper. Wozu ein Tritt, wenn man ein Schwert in der Hand hat und die Sache beenden könnte. Völliger Firlefanz. Die zwei "Sword Fighting Masters" sind ganz bestimmt einfühlsame Ehemänner und liebevolle Väter. Auf einem Schlachtfeld wären sie etwas anderes ... nämlich tot.


Schwertschwingende kaukasische Frauen https://www.youtube.com/watch?v=bLkjBMPAP2g ... das ist sexy. Es gibt neben Vernichtung auch noch die Schönheit.


Und man muss fairerweise auch sagen, dass die Westasiaten, wie z.B. Russen, Weltmeister im M1 sind. Das sind Schwertkämpfe fast ohne Regeln - aber natürlich mit massiver Rüstung -- vergleichbar mit K1 der Mixed Martial Arts. Bild

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 28.12.2020, 13:54

Weiß jemand, was "Nebuljobatschkin" heißt?

https://www.youtube.com/watch?v=QLSOb5kbW14



Eine Ergänzung zu dem Säbel-Video. In den Kommentaren wird den Akteuren vorgeworfen, der Kampfablauf sei abgesprochen. Das ist aber nicht der kritische Punkt. Natürlich darf ein Ablauf vorher wie in einem Drehbuch abgesprochen sein. Die Japaner nennen das Kata. Und man kann daraus auch einiges lernen. Der kritische Punkt ist: Gerade wenn man einen abgesprochenen Ablauf hat, sollten die Hiebe potentiell auch den Körper treffen können. Das Verletzungsrisiko wird vermindert, weil der Angegriffene weiß, was kommt.

Hier ein Beispiel aus dem Kendo https://www.youtube.com/watch?v=uK90p2upt2o Die Hiebe sind so gesetzt, dass sie den Körper treffen würden.

Bei dieser Kendo-Kata weicht der Angegriffene aus und stoppt seinen Konter. Wenn man einen ganzen Kampfablauf ohne Stopp choreografieren wollte, dann müsste auf jeden Hieb ein Ausweichmanöver oder ein Block kommen, und dann der eine mehrfach im Angriff und der andere verteidigt oder Angriff-Verteidigung abwechseln, und das in einer längeren Folge. Das kann man natürlich alles vorher absprechen. ABER: die Hiebe müssen so gesetzt werden, dass sie ohne Ausweichen oder Block treffen würden.

Wenn man das nicht so macht, sondern aus Sicherheitsgründen zu weit auseinander bleibt, lernt man das Schwertfechten niemals. Die ganzen Bewegungen werden falsch.

Der choreographierte Ablauf mit Treffernähe erfordert große Aufmerksamkeit, Konzentration, um Unfälle zu vermeiden. Der Angegriffene muss rechtzeitig reagieren. Der Angreifer muss notfalls, wenn er merkt, dass der andere pennt, den Hieb noch stoppen können.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 31.12.2020, 20:11

Die Mädels hier treffen nicht richtig, weil sie gedanklich nicht bei der Sache sind. Der Ankerpunkt muss übrigens nicht unbedingt wie hier unter dem Kinn sein.

https://www.youtube.com/watch?v=ex5pWdZ4Xls

Es hilft in schwierigen Zeiten, sich auf etwas zu konzentrieren, es besonders gut zu machen. Nicht, damit es gut wird, sondern damit man selbst auf etwas konzentriert ist und dadurch Stärke und Ruhe findet. Wenn man zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, kann einen das stark oder schwach machen. Die so hoch gelobte Gemeinschaft kann einen stark oder schwach machen - je nachdem, mit wem man zusammen ist. Aber eine Sache lügt nicht. Gewinnt ihr Stärke, so geht damit sorgsam um und bringt andere dazu, sich selbst Stärke zu verschaffen, anstatt dass sie nur immer von eurer Stärke leben. Denn ihr braucht eure Stärke und der andere ist nicht so schwach wie ihr denkt. Wenn es ernst wird, dann müsst ihr auch in den übelsten Situationen das Notwendige tun. Aber wenn es nicht ernst ist, vervollkommnet das, was euch Freude macht. Den Freude ist das Ziel.

https://www.youtube.com/watch?v=-8AHC0DwFME

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 02.01.2021, 10:26

Kennt ihr die Sage über Krösus.

Krösus war ein sehr reicher König. Er war der letzte König Lydiens, einem Landstrich in der heutigen Türkei. Er glaubte, die Perser bezwingen zu können. Vor der Schlacht befragte er ein Orakel. Das Orakel weissagte ihm, dass ein großes Reich untergehen werde. Krösus, verblendet wie er war, dachte, es könne sich dabei nur um das Reich der Perser handeln. Also begann er die Schlacht. Er verlor die Schlacht und verlor dabei alles, was er hatte. Es war tatsächlich ein großes Reich untergegangen - nämlich sein eigenes.

Es kommt öfters vor, dass Menschen für einige Zeit aus dem Spiel sind. Aber glaubt ihr, sie hätten die Zeit für irgendetwas Sinnvolles genutzt. Nein! Die Menschen ließen eine Zeit der Ruhe Tag um Tag verstreichen, ohne dass sie diese Zeit genutzt hätten. Ohne dass sie die Zeit genutzt hätten, etwas neues zu lernen. Wann hat man im Leben denn schon den Luxus, mal nichts tun zu müssen und deshalb frei für neue Ideen zu sein.

Nach dieser Zeit waren sie nicht klüger, sondern machten das Gleiche wie ehedem. Was für eine Verschwendung an Zeit, denn sie war nicht genutzt worden, etwas neues zu lernen oder zukünftige Dinge besser zu machen. Dieses ganze Fiebern "Wann kann ich endlich weiter machen" hat sie davon abgehalten, die Zeit anders als mit nutzlosem Warten zu verbringen.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 02.01.2021, 13:08

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Mein letzter Beitrag kommt womöglich überheblich und moralin-sauer rüber. Aber es ist wirklich der beste Rat, den ich geben kann, die Auszeit zu nutzen. Man kann in dieser Zeit eine Sprache lernen, ein Musikinstrument lernen, Schach lernen, die Karate-Kata optimieren.


Oder, wenn man Ritter sein will

- Schwertkampf üben

- neue Moves für eine Show ausprobieren

- neue Handlungen ausdenken


Die Handlungen in Mittelalter-Shows waren oft unheimlich plump. Da hat man dann eine billige cover-story dafür, dass sich die Ritter im üblichen Ablauf erst zu Pferd mit Lanze und dann auf dem Boden mit Schwert prügeln.

Wenn ich mit diesen Dingen etwas zu tun hätte, ich würde mir kompliziertere Handlungsabläufe ausdenken (meist fehlt sogar die Prinzessin, um deren Gunst gebuhlt wird :( ) und würde mir überlegen, wie ich das Publikum verstören könnte. Oder historischer. Oder feierlicher. Oder ordinärer. Oder arroganter. Oder ein Ritter baggert eine Frau im Publikum an und sagt ihrem Mann, er solle verschwinden, hähähä. Und dann hält ein anderer Ritter den Anbaggerer zurück. Da ist der Phantasie keine Grenze gesetzt, was man alles ausprobieren könnte. Ich habe ja schon öfters gesagt, dass ich das Publikum für Dumpfnasen halte - entweder wollen sie ihre Kinder bespaßt haben oder sich volllaufen lassen. Warum die Leute geistig nicht mehr fordern?


Man kann auch in die Breite gehen. Wie sieht es mit Bogenschützen aus? Franziska-Werfern? Ein Auftritt von Mönchen oder gar eines Bischofs? Und das Publikum wird aufgefordert, das Maul zu halten, wenn der hochwürdigste Herr erscheint. Oder des Hochadels - in den ganzen Jahren hab ich noch nie einen König zu Gesicht bekommen. Und der Ritter müsste dem dann den Hintern knutschen, hähähä. Aber das wäre eben auch ein Teil der Geschichte, dass Ritter ihrerseits nicht ganz frei waren. Mittelalter war vielfältig. Daraus kann man was machen.


Ich kann dem NORBERT nicht garantieren, dass das neue Jahr jetzt einfach so flugs besser wird.

Aber irgendwann muss Corona mal vorbei sein, ob in zwei Monaten oder in zwei Jahren. Und diese Zeit würde ich, wenn ich in der Mittelalterszene aktiv wäre, dazu nutzen, neue Konzepte auszuarbeiten.


Dass die Mittelalterszene für immer zusammenbricht, das kann ich mir nicht vorstellen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.


Nachbemerkung: Mein absolutes Erleuchtungserlebnis hinsichtlich Ritter, dieser Wow-Moment, hatte ich damals auf der Eyneburg. Da war eine Wiese, auf der eigentlich gar keine Veranstaltung stattfand. Sie lag abseits. Da standen drei Personen in Rüstung. Und dann sagte der eine zu den anderen beiden, sie sollen ihn angreifen. Daraufhin prügelten die auf ihn ein. Ich glaube fast - bin mir aber nicht sicher -, dass das keine verabredeten Bewegungen waren. Und dieser eine Ritter verteidigte sich in einer unglaublichen Kraftanstrengung gleichzeitig gegen zwei Kämpfer. Die liefen dann diagonal über die Wiese. Die beiden Angreifen konnten ihn nicht besiegen. Dann ließ der Ritter stoppen, ging in die Knie, nahm den Helm ab, hatte einen knallroten Kopf und keuchte. Der hatte alles gegeben! Er war älter, die beiden anderen jünger. Ein Meister mit seinen zwei Schülern? Das war für mich der tapferste Ritter, den ich jemals gesehen hatte. Ich war total beeindruckt. Und wie gesagt, das war keine offizielle Show, das fand am Rande statt. Ich weiß nicht, ob er "Freund" oder "Feind" war. Damals trafen sich dort viele verschiedene Gruppen. Ich glaube oder vermute, dieser Ritter gehörte zu einer anderen, dritten Gruppe.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 02.01.2021, 16:12

.
Dass in der Mittelalter-Szene viel heidnischer Kram zu finden ist, finde ich traurig. Es gehört dort nicht hin.

Es ist unhistorisch. Es gibt unter dem, was wir unter mittelalterlichen Rittern verstehen, keine keltischen oder germanisch-heidnischen Ritter.
Kaiser Karl besiegte Widukind.

Mittelalter ohne christliche Kirche oder Islam ist nicht vorstellbar. Es gibt kein Mittelalter außerhalb der christlichen Kirche oder des Islam.

Modernes Heidentum ist Ausdruck von einer Mischung aus persönlichem Größenwahnsinn und völligem Unverstand, was die christlich-abendländische Kultur bedeutet. Die Erwiderung, das Heidentum habe auch seinen Platz in der Geschichte, kann getrost abgelehnt werden, denn es gibt keinen kontinuierlichen Bezug zwischen Vergangenheit und Gegenwart und bleibt deshalb eine Erfindung der Neuzeit. Ein Baum ohne Wurzeln (Karl hat Irminsul umgesägt, ritschiratschi). Wenn man das Christentum nicht begreift, dann flüchtet man ins Exotische wie in den Buddhismus oder in Keltentum oder erfindet seine eigene Religion. Oder labert von einer "Gemeinschaft", von der Kant sagen würde, ein Mensch ist nicht nur zu dem Zweck da, jemanden anderen zu bespaßen, sondern jeder Mensch ist sein eigener Zweck. Die Eremiten des Mittelalters haben das begriffen.

Wie bemitleidenswert all jene, die das göttliche Weihnachtsgeschenk nicht annehmen, denn sie bleiben unbeschenkt.


Wenn jemand ins Heidnische oder Okkulte gehen will, dann muss er das in einer anderen Truppe verkörpern, aber nicht unter Rittern. Natürlich gab es im 15. Jahrhundert den Magier Johann Georg Faust, und ja, das war noch Mittelalter. Aber er entstammte aus Leibeigenschaft und nicht aus dem Rittertum. Als Ketzer wäre er kein Ritter geworden.

Meister zu werden setzt voraus, erst einmal Schüler zu sein und etwas zu lernen.
Wenn jemand nur sich selbst präsentiert, dann ist das wenig.
Dieser da kann nicht machen, dass morgen wieder die Sonne scheint. Die Macht hat nur Gott.



Vielleicht würde es sich lohnen, darüber nachzudenken, was eine Mittelalter-Show inhaltlich vermitteln soll. Ansonsten bleibt das eine Firlefanziade wie jede x-beliebige Zirkusnummer. Privat kann natürlich jeder tun, was er will. Aber wenn so eine Veranstaltung öffentlich wird und auch noch Eintritt kostet, dann möchte man schon wissen, worum es geht. Und sei es nur zum Zwecke der Volkshygiene, damit die Dumpfbacke aus dem Publikum nicht unwissentlich geistig vergiftet werde.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 03.01.2021, 15:25


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Re: Coronavirus-Ernst

Beitrag von Montrose » 21.01.2021, 19:30


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Re: Eckball

Beitrag von Norbert von Thule » 21.01.2021, 19:59

War doch nicht dein Ernst, den Link zum Sarg-Tanz-Video unter "Coronavirus-Ernst" zu platzieren?

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 22.01.2021, 07:00

.....
Warum nicht?

Deine "Skrupel" überraschen mich. Wenn jemand hier im Forum unmittelbar betroffen wäre, dann wäre mein Beitrag geschmacklos. Da anscheinend aber in dieser Richtung nichts passiert ist, hatte die künstlerische Darstellung des Todes hier einen ähnlichen Zweck wie "Hals und Beinbruch". Man spricht das Schlimme aus, damit es fernbleibt. Man nennt das eine apotropäische Funktion.

Heute läuft jeder Vorstadtrocker mit einem Totenschädel auf seinem T-Shirt rum. Da sagt auch keiner was.

Der "Sarg-Tanz" kommt übrigens noch bei dem britisch-amerikanischen Rockduo The Kills in dem Video "Doing to the death" vor, ein wirklich sehr stylishes Musikvideo. Und das Motiv des Sargträgers taucht auch bei LaFee "Prinzesschen" (1:31; 2:04) kurz auf. LaFee ist in Stolberg geboren. Also ist der Sargträger als künstlerisches Motiv auch dort bekannt.

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Re: Eckball

Beitrag von Norbert von Thule » 22.01.2021, 09:53

Ja nee, ist klar.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 22.01.2021, 14:37

Darsteller eines Musikvideos, die an eine Herkunft aus einem südlicher gelegenen Land denken lassen könnten und unter einem schwarzen Anzug ein weißes Hemd tragen, rufen bei dir Erinnerungen an Pinguine hervor. Hiermit bestätige ich ohne Kommentar, diesen Beitrag zur Kenntnis genommen zu haben.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 22.01.2021, 17:02

Folgendes ist ein link zu einer kurzen Doku über Commodus https://www.youtube.com/watch?v=nVW5RJj6CTo

Wenn man sich das anschaut, merkt man, dass der Historienfilm "Der Gladiator" ein totaler Hirnfurz ist, wo ja fast gar nichts stimmt. Commodus war nicht das Monster, wie es in dem Kinofilm dargestellt wurde. Sondern ganz im Gegenteil, er war das Opfer.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 24.01.2021, 16:46

Die ganze Welt fragt sich, wie Trump eine so schöne Frau bekommen hat. Dabei ist die mögliche Antwort ganz einfach: ein östlicher Geheimdienst könnte sie in seine Familie eingeschmuggelt haben, um Informationen immer aus erster Hand zu haben.

Das hat auch für euch Bedeutung. Wenn ihr eines Tages ins Büro geht und da liegt eine nackte Frau mit Immigrationshintergrund auf eurem Tisch, dann wisst ihr, dass ihr es geschafft habt. Die Welt der Geheimdienste interessiert sich für euch.

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