Eckball

Was geht außerhalb vom Mittelalter?
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Montrose
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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 21.03.2020, 10:46

Für Kinder, die jetzt wegen der Epidemie zu Hause bleiben müssen, habe ich einen Lehrplan erstellt:

Biologie/Evolutionslehre (1): https://www.youtube.com/watch?v=ub747pprmJ8
Englisch/Geschichte (2): https://www.youtube.com/watch?v=6VMhR6fpC-E
Sport/Erdkunde (3): https://www.youtube.com/watch?v=omyOeHlDG9c

Das Starten der Filme ist ganz einfach. Mit rechter Maus klicken und dann auf "Link in neuem Tab öffnen".

(1) Die Zeitleiste stimmt nicht.
(2) Die Moderatorin ist so süß, dass auch Papi seine Freude daran hat.
(3) Die übliche Kombination, um das Einser-Abi fürs Medizinstudium zu schaffen.

Es ist eine große Chance, dass Eltern ihre Kinder selbst unterrichten sollen. Zeigt euren Kindern jetzt, was Euch wichtig ist! Wenn Papa gerne DMAX oder Ägypten-Dokus auf Phönix guckt oder Fußball oder in der Garage am Moped schraubt, dann bezieht Eure Kinder mit ein! Wahrscheinlich lernen sie so mehr über das Leben als in der Schule. Ihr könnt nicht in ein paar Tagen zurechtrücken, was die Bildungspolitik seit Jahren vermurkst. Rechtschreibung nach Gehör und ähnlichen Quatsch. In den Schulen ist längst angekommen, was für die ganze Gesellschaft gilt: viel Geplapper und Aktionismus ohne Sinn und Verstand. (4) Macht mit Euren Kindern lieber wenig und das richtig anstatt die 2500 Seiten, welche die Lehrer für zu Hause mitgegeben haben, durchzudrücken. Und macht vor allem etwas, das Euch und Euren Kindern Spaß macht. Wer später mal Direktor, Minister, Professor wird, das hat eh nichts mit den Schulleistungen zu tun, sondern mit den richtigen Beziehungen. Es soll Eltern geben, die unendliche Male das Einmaleins üben, "damit aus den Kindern später was wird". Aber wozu braucht man das Einmaleins, wenn der Verkehrsminister einfach mal 500 Millionen Euro in den Sand setzt (Maut-Affäre). Viel wichtiger im Leben ist der richtige Friseur und der Satz "Ich hab immer recht und es wird alles gut und wenn nicht, dann sind die anderen Schuld."

(4)Mit Aktionismus meine ich nicht die jetzigen Maßnahmen (Schließung von Gaststätten usw.). Die sind notwendig und hätten mindestens zwei Wochen früher kommen müssen anstatt der Katastrophe einfach nur zuzuschauen. Bald werden die Friday-for-Futures vergessen haben, dass SPD und GRÜNE das Vorgehen Söders kritisierten; Quelle "SPD und Grüne kritisieren Vorpreschen in Corona-Krise" WELT 21.3.2020. QUELLE: https://www.welt.de/regionales/bayern/a ... sitesearch. Können Personen, die nur eine Schönwetter-Moral kennen, in Krisenzeiten Menschenleben retten?

Am Beispiel Einmaleins: Macht solche Übungen ein paar Minuten und wenn das Kind zweimal richtig liegt, aufhören! Vielleicht am nächsten Tag nochmals kurz wiederholen. Warum? Wenn ihr bei einem Erfolg nicht auch mal irgendwann aufhört, sondern zu lange weiter bimst, wird das Kind frustriert und verliert die Lust am Lernen. So erziehen doofe Eltern ihre Kinder zu doofen Schülern, indem sie meinem, viel hilft viel. Falsch! Kurze Abschnitte, die Spaß machen, sind richtig. Klar, wenn das Kind selbst Lust hat, weiterzumachen, o.k. Aber wie gesagt, erzählt Euren Kindern doch mal ein bisschen was von Euren eigenen Interessen. Davon lernen Kinder sehr viel. Oder spielt irgendwelche Gesellschaftsspiele, Monopoly, Siedler von Catan.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 24.03.2020, 17:27


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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 03.04.2020, 18:26

https://www.youtube.com/watch?v=uAaZtxHTY98

Bringt einen auf gute Gedanken. 8)

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 04.04.2020, 17:28

Ich tue mich etwas schwer mit Leuten, die sich darüber Gedanken machen, inwiefern "Bevormundungen" in Krisenzeiten gerechtfertigt sind. Ich verstehe natürlich, dass viele Menschen auch hinsichtlich ihres Einkommens in Sorge sind. Auf der anderen Seite ist klar erkennbar, dass wir Deutschen schon lange keinen Krieg, keinen Notfall, keine Katastrophe erlebt haben und deshalb auch nicht mehr so richtig wissen, was in solchen Fällen notwendig ist. Dazuhin wurde die Wehrpflicht bzw. Zivildienst ab 2011 ausgesetzt und Frauen mussten/müssen ja ohnehin in Friedenszeiten keinen Gesellschaftsdienst ableisten. Da fehlt die Übung und Selbstverständlichkeit, dass es Situationen geben kann, in denen Handeln auf Schnelligkeit und Wirksamkeit und nicht auf sozialpädagogisches Kuscheln abzielen muss. Unsere Gesellschaft verliert diesbezüglich zunehmend an Kompetenzen.

Es gibt zwei Bereiche, in denen das Problem offenkundig wird. Das eine ist der OP-Saal in einer Klinik. Ich würde euch mal als Patienten erleben, wenn ihr miterleben müsstet, wie Krankenschwester, Anästhesist, Operateur und womöglich noch der Hausmeister darüber diskutieren, ob man es jetzt so oder so oder so oder so macht, während ihr am Verbluten seid. Der zweite Bereiche, zu dem heutzutage kaum noch jemand einen Bezug hat, ist das Militär. Das ist eigentlich eine ganz einfache Sache: Kopf nicht unten gehalten, Kopfschuss, Tod. Da gibt es nichts zu diskutieren. Wir können froh sein, dass es "nur" Corona und nicht etwas wie Ebola oder ein Kriegszustand ist, denn die heutige Bevölkerung wäre in kürzester Zeit ausgerottet --- weil ihnen das Bewusstsein für reale Gefahren abhanden gekommen ist. Auf der Insel Mauritius gab es einen flugunfähigen Riesenvogel, den Dodo. Der hatte auf der Insel keine Feinde. Als dann durch Schiffe Ratten und andere Tiere auf die Insel kamen, hatte der Vogel keine Verhaltensweisen, sich gegen diese neue Bedrohung zu schützen. Er starb aus. Und genauso würden wir aussterben, weil wir Notfälle nur aus Filmen und dummen Ballerspielen kennen, aber nicht aus der Wirklichkeit.

Das Ganze hat sehr viel mit den Rittern zu tun, und ich wünsche mir, dass dies Mittelalterdarsteller bedenken!!! Natürlich muss ein Ritterdarsteller das bedenken, denn wie soll er sonst einen Ritter darstellen, wenn er gar nicht begreift, was ein Ritter ist. Der Ritter befindet sich

(1) in einer hierarchischen Ordnung (er muss dem Übergeordneten Kriegsdienst leisten, kann umgekehrt erwarten, dass der Nachgeordnete ihm gehorcht)

(2) in einer gewalttätigen Ausübung. Deshalb trägt er ja Waffen und Rüstung, weil er Ordnungen durchdrückt ohne lange darüber zu diskutieren. Der Ritter war in den Dörfern Ordnungsmacht und trug seine Ausrüstung, um genau dies anzuzeigen und ggf. durchzusetzen.

Ich sag ja nicht, dass das prinzipiell gut ist. Ich bin ein Freund der Demokratie. Aber es kommt auch auf die Umstände an. Der Ritter (wie auch der römische Berufslegionär) entstand als REAKTION auf eine äußere Bedrohung. Im Falle der Ritter war dies unter anderem der Einfall der Mauren in Spanien, wogegen EUER KARL DER GROSSE vorging (La Chanson de Roland/Rolandlied)- oder noch bekannter: die Ungarneinfälle unter Kaiser Otto dem Großen. In diesen Situationen wurde klar, dass da jetzt nicht jeder "Deutsche" x-beliebig in der Gegend rumhopsen kann, sondern dass der Widerstand zu ORGANISIEREN war (Organisation = Hierarchie und Aufgabenverteilung), weil sonst alles am Arsch gewesen wäre.

Ich glaub nicht, dass ich das jetzt hier im Einzelnen erläutern muss. Wenn jemand in der Mittelalterszene drin ist, hat er sicherlich auch mal ein Geschichtsbuch in den Händen gehalten. Jedenfalls geben die Umstände Anlass, über den Zusammenhang von Rittertum und Krisenbewältigung nochmals nachzudenken.

Ich hoffe schwer, dass die Deutschen über Ostern und den kommenden warmen Tagen noch etwas Disziplin aufbringen, um die Krise vollends zu überwinden. Wenn da aber irgendwelche verquatschten "Bürgerrrechtler" meinen, sie könnten sich über die Regeln hinwegsetzen, dann gehen die Corona-Zahlen nach Ostern kräftig hoch und die ganze Scheiße fängt wieder von vorne an.


Nachtrag: Baden-Württemberg und Bayern sind wegen Tourismus so stark betroffen. Viele waren zum Skifahren in Italien und Südtirol.Große Ansammlung von Leuten ist ein Risikofaktor.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 09.04.2020, 15:27

Hört, hört! Soll jetzt eine Studie - wie ein Zauberspruch von Harry Potter - unser Land heil gemacht haben?? Eine Studie, so heißt es in der Zeitung. Ein optimistisch-feistes Lächeln aus einem krawattierten Sakko verbreitet Frohsinn, was manchen fast an Unernst erinnern mag. Macht hoch die Tür, die Tore macht breit. Ha, auf einmal haben alle es schon immer gewusst! In Leserbriefen werden Spielverderber verspottet, und das Volk johlt ob seiner Befreiung. Scheint denn da draußen etwa nicht die Sonne? Ja, sie scheint. Aber das tat sie auch auf Ninive und auf all die anderen Orte, die heute nur noch Sand bedeckt. Hochmut kommt vor dem Fall. Und wem diese Rede zu kopflastig ist, der schaue sich halt stattdessen unten bunte Bildchen an. Denn sie sagen das gleiche.

https://www.youtube.com/watch?v=NYG5ViEldDQ


Rechte Maustaste klicken und "link einem neuen Tab öffnen". Beide Quellen lesen, sonst versteht man den Witz nicht. :wink:

https://www.welt.de/vermischtes/article ... glich.html
https://www.welt.de/vermischtes/article ... enten.html

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 12.04.2020, 11:46

Christos anesti.

Etliche Dokumentationen zeigen den Fortschritt im geschichtlichen Verständnis, was aber die Frage aufwirft, was dann in Glaubensdingen noch gilt. Eine Doku der Serie Timeline ("Who Was The Real Jesus Christ?") auf youtube nennt Paulus als Erfinder des Christentums. Ich finde diesen Film ziemlich provokativ. Petrus soll trotz Jesus-Nähe ein gesetzestreuer Jude geblieben sein. War dann auch Jesus eher wie Petrus ein gesetzestreuer Jude und sein Wesen wurde von Paulus umgedichtet? Das war - zumindest habe ich das so verstanden - das Fazit dieser Doku. Mit der weitergehenden Behauptung, die Evangelisten hätten sich dieser Umschreibung angeschlossen. Ist dann das Heilsversprechen überhaupt gültig, wenn es von Paulus kommt? Oder aber, die Evangelien sind doch keine Umdichtung. Dann erstaunt, dass Petrus mit seinen konservativen Ansichten Jesus womöglich gar nicht richtig begriffen hatte.

In der Gegenwart ist das nicht so einfach, einen spirituellen Anker zu definieren. Diese Dokus geben mir wahrscheinlich diesbezüglich keine Antwort, vermitteln aber zumindest den Eindruck, dass bei Religion ein wichtiges Anliegen dahintersteckt. Außerdem sind diese Dokus unterhaltsam. Ich hab gestern eine Doku-Serie auf youtube entdeckt: The Naked Archaeologist. In dieser Serie wird auf recht humorvolle Weise biblische Archäologie präsentiert.

Der Priester in dem obigen "Troja"-Ausschnitt kommt ziemlich ratlos daher. Ich frage mich, als was sich moderne Priester verstehen. Glauben sie an Wunder?

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 13.04.2020, 12:34

Ein Zeitungsartikel äußert die Befürchtung, dass durch die Schulschließungen Schüler aus bildungsfernen Familien abgehängt würden. Muss ich mir jetzt ein schlechtes Gewissen wg. meines obigen Ratschlages, die Dinge nicht allzu eng zu sehen, machen? Meine Absicht war, weil die Familien natürlich mehr aufeinanderhocken, soziale Spannungen zu reduzieren und etwas Kreatives daraus zu machen. Meine Wunschvorstellung ist, dass Eltern und Kinder Dinge gemeinsam entdecken. Und gerade auch Bildungsferne einmal darüber nachdenken, was sie denn der nächsten Generation mitgeben möchten. Also statt einfach den Alltag laufen zu lassen, sich die eigenen Werte und Ziele bewusst zu machen. Das gilt allerdings auch für Bildungsnahe --- man darf dann schon auch fragen, wozu Wissen gut sein soll. Ich akzeptiere als Zwecke Freude an der Sache oder dass es zu irgendetwas als Werkzeug dient. Ein stumpfsinniges Runterpauken hingegen - auch wenn es für die Schulnote getan wird - ist sinnloses Wissen. Familien .... wenn die Eltern ein Musikinstrument spielen, ist anzunehmen, dass die Eltern ihren Kindern die ganzen Zusammenhänge der Musik selbst erklären könnten - was ist eine Tonleiter, was ein Akkord. Und notfalls hilft Wikipedia. Oder Geschichte und damit verbunden auch Religion, Latein .... was gibt es da für fantastische Quellen im Internet. Oben habe ich manches genannt. Und ich weiß, dass vor allem Männer sich gerne Dokus anschauen. Vielleicht kann man den Sohnemann von seinen dummen Ballerspielen weglocken, indem man ihm mal The Real Thing zeigt.

Statistik. In den Leserbriefen prügeln die Leute immer noch aufeinander ein, welcher Virologe recht hat, wer von einer Statistik "null Ahnung" hat" und blablabla. Auch das wäre ein hervorragender Aufhänger, sich zum Beispiel mit der Frage "Was ist Wahrheit?" zu beschäftigen. Statistik produziert keine Dinge. Wenn jede Frau durchschnittlich 1,4, Kinder bekommt, dann bekommt sie diese Kinder nicht dadurch, dass sie eine Statistik liest. Sondern dadurch, dass ihr Freund oder Mann .. ähem... ihr wisst schon. Statistik erklärt nicht, welche Gründe zu den Zahlen geführt haben. Um Gründe oder Erklärungen abzuleiten, muss man zumindest die jeweilige Umgebung beschreiben, noch besser ist aber, diese Gegebenheiten selbst zu variieren und die daraus resultierenden Veränderungen abzulesen = EXPERIMENT. Wenn wir in der Corona-Krise sehen, dass ein shutdown die Zahl der Neuerkrankten reduziert, dann kann man daraus ableiten, dass der shutdown sinnvoll ist. Eine Antwort, wann der shutdown aufzuheben ist, lässt sich daraus nicht ohne Weiteres ableiten. Denn da kommt noch ein dritter Punkt ins Spiel. Statistik erlaubt keine Bewertungen. Ob es schlimm ist, dass 20 Omis sterben, oder ob das eben ein Kollateralschaden ist, lässt sich weder mit Statistik noch mit sonst einer mathematischen Methode berechnen. Das ist nämlich eine ethische Frage. Ein Risiko von 0 erreicht man nicht, richtig. Andererseits sollte man schon die Toleranzschwellen (ja, es sind mehrere: für Gesundheit, für wirtschaftliche Situation) klären, d.h. welche Nachteile wer (!) für eine bestimmte Entscheidung bereit ist hinzunehmen. Übrigens sind sogar bestimmte Grundannahmen innerhalb der Statistik, nämlich der alpha-Fehler in der Inferenzstatistik, willkürliche Setzungen. Die Meinung mancher, Mathematik spiegle immer eine "unumstößliche Wahrheit" oder "Wirklichkeit", ist nicht ganz richtig.

Werdet selbst zu Philosophen! Das sind doch spannende Fragen: Geschichte, Musik, Mathematik, Wahrheit .... Das kann ein prima Anlass sein, ein bisschen tiefer in ein bestimmtes Themengebiet einzusteigen. Niemand kann es euch verbieten. Das Internet macht heute jedem alles zugänglich. Eine tolle Sache!!

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 16.04.2020, 12:26

Was will ich eigentlich mit den Statistik-Ausführungen sagen? Ich habe da eine alternative Sicht: Wenn ich mit dem Hammer auf den Daumen hau, dann wird der blau und es tut weh. Dazu brauche ich keine Statistik, sondern das ist ganz einfach Ursache-Wirkung.

Ob ich das jetzt für gut oder böse oder gegen die Menschenrechte halte (der böse böse Hammer), ändert nichts an Ursache-Wirkung. Der Natur ist das doch scheißegal, was wir denken. Ich kann auch sagen: Ich hau mir mit dem Hammer auf den Daumen, aber der Daumen wird gar nicht blau. Aber auch das ist scheißegal, weil der Daumen macht, was er macht, und nicht was ich denke.

# Wenn mir jemand sagt, man habe bei Kranken überhaupt keine Viren an Gegenständen gefunden, dann würde ich fragen: Wodurch sind die dann krank geworden? Durch den Heiligen Geist? Durch Dämonen oder wie hab ich mir das vorzustellen? Oder womöglich doch, was ja dann noch schlimmer wäre, durch Aerosole?

# Wenn jemand sagt, in Deutschland werde übertrieben .... ja sind dann die ganzen Chinesen, Italiener und Spanier Vollidioten, weil die sich ja auch Sorgen gemacht haben? Na, man weiß ja, die Italiener fuchteln ja soviel mit den Händen und werden gleich dramatisch. Vielleicht ist das die Erklärung und in Wirklichkeit gab es dort gar keine Katastrophe? Alles bloß eine reality show wie das Dschungelcamp? Wo ist dann die Fernbedienung, mit der ich den Kanal wechseln kann? Lassie, Heidi, Flipper oder sowas.

# Wenn jemand sagt: ach, jetzt ist es nicht mehr gefährlich, dann würde ich fragen: Was hat sich geändert, so dass eine heikle Situation jetzt nicht mehr heikel ist? Entweder er gibt mir darauf einen guten Grund oder er erzählt Blödsinn. Immer und überall gilt Ursache-Wirkung. Wenn es keine Ursache gibt, dann kann es auch keine Wirkung geben.

Die Lockerungen kommen zu früh. Die ganzen Veranstaltungen sind abgesagt, so dass jetzt diesbezüglich eh nichts mehr zu retten ist. Einkaufen/Ernährung ist sichergestellt. Und die meisten Leute, die ich kenne, gehen weiter ihrem Beruf nach. Von einem totalen shutdown kann und konnte nie die Rede sein. Alles pipifax, völlig harmlose Maßnahmen. Ich sagte ja, ich wollte die Leute mal erleben, wenn da mal ein anderes Kaliber auf uns zu käme.

Ich sag immer noch: bisschen Geduld, bis die Kranken nicht mehr ansteckend sind, und dann kann es normal und sicher weitergehen.
Voreilige und populistische Lockerungsmaßnahmen .... geht doch mal EInkaufen und guckt, wer da denn Abstand einhält. Schulen öffnen ... wenn die Schüler mit ihren Masken in die Masken ihrer Lehrer starren, das ist ja noch viel traumatisierender als wenn sie zu Hause geblieben wären. Horrorfilm live. Was die Schüler ohne Schule angeblich an Wissensinhalte verpassen - meine Meinung kennt ihr. Ich denke nicht, dass ein paar Wochen ohne Unterricht Menschen zu Neanderthalern macht. Die jungen Leute haben eine höhere Lebenserwartung als wir. Dann sollen sie eben ihren Pythagoras oder was sie sonst an ach so wichtigen Weisheiten zu brauchen glauben ... später lernen. Die haben doch alle Zeit der Welt.

Die Sache dauert jetzt gerade mal 4 Wochen. Das ist im Vergleich zu anderen Katastrophen absolutes Pipifax. Wenn wir schon nach lächerlichen 4 Wochen durchdrehen, was soll dann erst in anderen Fällen passieren? Mittelalter die Pest, Hungersnöte, Kriege ... die dauerten Jahre und nicht Wochen, und irgendwie haben es die Leute auch geschafft.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 27.04.2020, 20:20

Die Seuche. Heute erster Tag mit Mundschutz. Einem Großteil ist das schnurzpiepe und sie laufen besonders nah an einem vorbei. Wenn ein Youngster irgendwo schneller drankommen will, hustet er einfach kotzartig mitten in die Luft und genießt es, freie Bahn zu haben. Die Masken haben eigentlich keine Schutzfunktion, dennoch sieht man die Leute näher aufeinanderrücken. Im Laden hab ich heute einer Frau gesagt, sie soll nicht alles anfingern.

Ihr ahnt vermutlich, dass wir Mitte/Ende Mai wieder ganz von vorne anfangen.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 01.05.2020, 19:33

https://www.youtube.com/watch?v=SnD3ZgfEg8s

Im Mittelalter wäre man mit einer schwierigen Situation anders umgegangen. Es soll hier nicht Anlass gegeben werden, Trübsal zu blasen. Dennoch ist die Beobachtung interessant, dass in früheren Zeiten kollektiver und spiritueller, heute eher individualistisch und kapitalistisch empfunden wird. Entschleunigung, Isolation, Zeit zum Nachdenken können auch eine Chance sein, den eigenen Kompass zu überprüfen.

Die Szene oben stammt aus dem Film "Das siebte Siegel" von Ingmar Bergmann. Für mich ist das der schönste Ritterfilm. Der Film handelt von einem Kreuzfahrer, der mit dem Tod Schach spielt. Der Schachweltmeister Steinitz (1836-1900) war von seinen Spielkünsten dermaßen überzeugt, dass er Gott nicht nur herausforderte, sondern Ihm sogar einen Bauern Vorsprung geben wollte. Es heißt, bald darauf sei Steinitz "nach oben eingeladen" worden. Steinitz war ein Begründer des positionellen Schachs. Viele Spieler trainieren Kombinationen, also Tricks, mit denen man schnell gewinnt ... Das Problem dabei ist, dass die Gegner nicht unbedingt blöd sind und daher auf diese Tricks nicht reinfallen müssen. Das Positionsspiel hingegen befasst sich mit langfristigen Entwicklungen im Spiel und erfordert eher ein "Gefühl" für die Stellung - ein Blick für Geometrien - als konkrete Berechungen der Art "wenn ich das mache, macht er das, dann mach ich das."


https://www.youtube.com/watch?v=Hxg3FSChkis
Ich hab das Römer-Video zur Erheiterung und zur Belehrung reingestellt. Das Römische Reich wurde groß, weil nicht jeder Soldat irgendwo rumgehopst ist, sondern weil die Legionen disciplina - Disziplin - hatten.


Das Lesen von Kommentaren in Zeitungen ist eine einzige Folter.
"Aha, also in einer Krise gilt das Grundgesetz nicht mehr." Antwort: Natürlich kann die Regierung in Notfällen Freiheiten einschränken ... das geht bis hin zu Enteignung, Aufenthaltsbeschränkung, Verpflichtung zu Wehrdienst. Im Übrigen besteht unser ganzes Leben aus Zwang, angefangen von der Schulpflicht bis hin zur Mitgliedschaft in einer Krankenkasse. Komisch, dass das den Leuten jetzt erst auffällt, dass sie unfrei sind. Unfreiheit ist eine Folge des Organisationsgrades einer Städtekultur. Wenn ich in einer Höhle an Bärenknochen nage, brauche ich mich natürlich an keine Regeln halten.
"Könnte man da keine Volksabstimmung machen?" Antwort: Klar, dann haben wir eine zeitliche Verzögerung, bis die Wahlen durch sind, und die Entscheidung beruht auf Meinungen, die ebenso falsch sein können. Und wenn die Entscheidung falsch ist, wie gedenkt der Wähler dann dafür die Verantwortung zu übernehmen?
"Die Einschränkungen kosten auch Menschenleben." Antwort: Stirbt ein Arbeitsloser? Gibt es Hungertote? Wie viele sind es denn schon?
"Haha, der da macht doch nur Hochrechnungen, während der andere Fakten hat." Antwort: Fakten haben beide. Fakten sind etwas, das in der Vergangenheit passiert ist und das man deshalb wissen kann. Da die Zukunft noch nicht festgelegt ist, kann man zur Zukunft keine Fakten haben, sondern nur Hochrechnungen. Beispiel: "Ätsch, ich kenne die Lottozahlen der vergangenen Woche! Kennst du auch die Lottozahlen von nächster Woche? Kennst du nicht? Haha, du bist also dümmer als ich."
"Merkel macht das doch nur, um uns zu unterdrücken." Antwort: Wozu hätte sie das nötig?


Eines ist mir klar geworden: Ich habe mehr Angst vor meinen Mitbürgern bzw. dem "Volk" als vor der Regierung. Und nochmals Halleluja, dass es nichts Ernsteres ist. Wie gesagt, bei schwierigeren Aufgaben würden die Deutschen mit wehenden Fahnen untergehen.

Noch ein Gedanke hat sich bei mir verfestigt: Die Wehrpflicht ist zwingend wieder einzuführen! Wenn die Bürger den Staat nur noch als Gegner empfinden anstatt sich als Teil von diesem zu verstehen, dann ist da womöglich etwas schief gelaufen.

Und noch ein Gedanke: Auf der einen Seite sind alle für Öko und Kultur. Auf der anderen Seite fliegen jedes Jahr zigtausende ungebildeter Leute zu archäologischen Highlights und zerstören durch ihre Füße und ihren Atem (Wandbilder) das kulturelle Erbe der Menschheit. Wäre es denkbar, dass die Masse Mensch zu viele Freiheiten hat? So viel Freiheit, dass sie das gar nicht mehr richtig verdauen, begreifen, sinnvoll verwerten können? Die Frage beschäftigt mich schon länger: Was ist denn eigentlich das Ziel dieses Staates? Diese Frage ist sehr viel brisanter als die früheren Diskussionen um die "Leitkultur". Eine "Leitkultur" ist ein Mittel und demnach zweitrangig. Das Ziel ist bedeutsam. Freiheit ... mein Philosophielehrer brachte uns damals bei, dass "Freiheit" ein zweistelliger Prädikator sei: Freiheit (1) wovon und (2) wozu. Bei den ganzen Internetschnäppchen, dem ganzen Konsumfirlefanz - dem Selbstläufer Kapitalismus eben - stellt sich die Frage, ob man da überhaupt noch was spürt oder ob das alles nur ein teuer erkauftes Plastik-Barbie-Haus ist. Die "bürgerliche Freiheit" an Corona festzumachen, ist ein bisschen sehr billig. Die Sinnfrage stellt sich außerhalb von Krisenzeiten noch viel mehr. Obwohl dann der Lärm des Kapitalismus und die Alltagshektik wieder alles übertönt. Deshalb schrieb ich oben, dass das Herunterfahren auch seine Chancen bietet. Vielleicht sind es gerade jene Corona-"Bürgerrechtler", welche die viel größere Frage nicht verstanden haben.

Metatron: "Roma invicta!" :wink:

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 09.05.2020, 10:45

Ich hab hier eine Menge eigener Berechnungen angestellt, merke aber bei der Internetrecherche, dass das alles noch viel komplizierter ist. Z. B. das "serielle Intervall, welche die Inkubationszeit unterschreiten kann". Ich habe meine Äußerungen gelöscht, weil sie der Schwierigkeit des Themas nicht gerecht werden. Lange Rede, kurzer Sinn: bei der Epidemie geht es um naturwissenschaftliche und mathematische Zusammenhänge, die man nicht einfach durch eine Meinungsäußerung (heute etliche Demos) aushebeln kann. Die Möglichkeit von Mutationen lassen Hoffnungen auf Impfstoffe und Medikamente fraglich erscheinen und schließen eine Verschlechterung zukünftiger Symptome nicht aus. Der exponentielle Verlauf von Epidemien erlaubt unvorhersehbare Sprünge, die dem Alltagsverständnis nicht immer zugänglich sind.

Ich hoffe, ihr habt nichts kopiert. Mathe-Blamage! Aber es hat mir gestern Spaß gemacht, nach vielen Jahren mal wieder mit Zahlen zu basteln und eine "Formel" zu erfinden. Hab mich plötzlich wieder jung gefühlt, wie in der Schule :D . Vielleicht sollte ich lieber bei Geisteswissenschaften bleiben. An meiner Meinung ändert das alles nichts. Wenn in einer Zeit, in der (fast) alles wieder erlaubt ist und Politiker sich um Öffnungen bemühen, Tausende von Leute zum Demonstrieren auf die Straße gehen, dann kapier ich das einfach nicht. Ich sag denen hier über Internet ... und hab das auch schon Leuten direkt ins Gesicht gesagt:
Ihr seid Tausende, welche die Sache so sehen ...... und ich und Tausende sehen die Sache ganz anders. Ihr ... seid ... nicht ... das ... ganze Volk!

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Re: Eckball

Beitrag von Norbert von Thule » 11.05.2020, 08:44

Zahlen:

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Interpretation:

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Montrose
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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 11.05.2020, 10:55

Zahlen:
Nö, sieht eher wie fake news aus.


Allerdings wird nun auch sichtbar, dass die Zahl der Neuerkrankungen schon zurückging, als am 23. Mai die Kontaktbeschränkungen verhängt wurden. (Björn Schwentker.)

Ich habe hier mal die Zahlen aus dem Internet. https://de.wikipedia.org/wiki/COVID-19- ... eutschland

Mit rechter Maustaste anklicken und "Link in neuem Tab öffnen". Da könnt Ihr die Zahlen mit eigenen Augen sehen. Zweites Diagramm "Bestätigte Infektionen (tägliche Meldungen)".

Am 23.3. nahm die Zahl der Neu-Infektionen zu!
22.3. 1984
23.3. 4062
24.3. 4764

Die Anzahl von Neuinfektionen blieb bis etwa 5.4. hoch. Erst danach nahm die Zahl der Neuinfektionen ab.

Schwentker sagt die Unwahrheit!!!

In dem o.g. Diagramm seht Ihr einen wellenförmigen Verlauf. Vergleicht das mal mit einem Kalender! Ihr stellt fest, dass die Tiefs immer am Wochenende oder montags sind. Der 22.3. war ein Sonntag. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Effekt der Messung und Datenübertragung (am Wochenende gehen weniger zum Arzt). So ein von Menschen gemachtes Signal sagt nichts über den Verlauf der Infektion aus. Das wäre sonst in etwa so, wie wenn ich abends die Lichter eines Flugzeuges sehe und behaupte, da sei ein UFO.


Und wieder stellt sich die Frage nach dem gesunden Menschenverstand. Wieso sollte eine Epidemie ganz ohne Maßnahmen einfach so verschwinden? Wie viele Karnevalssitzungen braucht es, bis jemand glaubt, dass man sich auf Großveranstaltungen anstecken kann? Mathematisch betrachtet deutete sich ein exponentieller Anstieg an. Ein Abnehmen der Infektionsrate 2 Wochen nach Inkrafttreten der Maßnahmen legt nahe, dass diese Maßnahmen den exponentiellen Anstieg gestoppt haben. Die Maßnahmen brauchten eine gewisse Zeit, bis sie Wirkung zeigten, denn die bereits erfolgten Ansteckungen konnten durch die Maßnahmen nicht rückgängig gemacht werden.

Ich erlaube mir hier doch noch einmal einen persönlichen Kommentar. Es sind gerade diese Verfälschungen wie oben von Leuten, die es "irgendwie gut meinen", die mir Sorgen bereiten. Wenn ihr im Straßenverkehr in eine glimpfliche Situation kommt, dann könnt ihr nicht einfach die Augen zu machen und Gas geben. Das wird nicht funktionieren. Sondern ihr müsst mit eurem ganzen Verstand und eurer ganzen Aufmerksamkeit versuchen, die Situation zu meistern. Mir ist klar, dass manche auf Leute wie mich sauer sind --- gerade im Gaststätten- und Schaustellergewerbe. Wenn es aber nachher in der Tagesschau heißt "Auf der Veranstaltung XYZ gab es viele Neuerkrankungen", dann ist das eurem Geschäft auf Dauer erst recht abträglich. Wenn die Lockerungsbefürworter präzise argumentieren würden, okay. Aber wenn stattdessen irgendein emotionalisiertes Wischiwaschi kommt, dann ist das wie in der Fahrschule. Wenn der Fahrschüler einfach in die Kreuzung brettert, dann kriegt er halt keinen Führerschein. Alles andere wäre viel zu gefährlich. Vorgestern sah ich eine Reportage über einen Wirt, der Salzstreuer auf den Tischen weglassen wird. Der hat sich Gedanken gemacht. Sehr gut! Ich möchte nicht wissen, wie viele der Leser in Norberts thread "Corona-Spiel" sich dachten: der Montrose ist doch ein Korinthenkacker, jetzt kommt er auch noch mit Salzstreuern daher. Aber ... genau ... da ... fängt ... es ... an. Mitdenken wäre schön.

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Re: Eckball

Beitrag von Norbert von Thule » 11.05.2020, 13:36

Montrose hat geschrieben:Nö, sieht eher wie fake news aus.
Trump doch die Fakten beiseite.

Mein Post bezieht sich auf Zahlen, die das RKI selber korrigiert hat, in dem sie für ihre offiziellen Zahlen der Infizierten nicht mehr den Termin der verifizierten Bestätigung nach dem Erfassungs-und Bearbeitungsvorgang, sondern den hochgerechneten vorherigen Infektionstermin zugrunde legten.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 11.05.2020, 14:59

Mein Post bezieht sich auf Zahlen, die das RKI selber korrigiert hat
Ich sehe keine Zahlen. Siehst Du irgendwelche Zahlen in deinem Posting? Du beziehst Dich auf einen Artikel von Björn Schwentker, einem Journalisten, der seine Meinung kundtut. So what? Derzeit erzählt Hinz und Kunz dieses und jenes. Richtige Rechtschreibung und Grammatik sind noch lange keine Argumente.

Nach den gängigen Daten erfolgte die Abnahme um den 5. April. https://de.wikipedia.org/wiki/COVID-19- ... eutschland
Schwentker will diesen turnaround zwei Wochen rückdatieren? Für die Behauptung, die Neuninfektionen wären vor dem 23.4. zurückgegangen, sehe ich keinen einzigen Beleg. Es gibt auch keinen theoretischen Grund, die "Hochrechnung" um zwei Wochen zu verschieben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gesundheitsämter so einen langen Meldeverzug haben. Auch einen biologischen Grund gibt es hierfür nicht, denn die Inkubationszeit beträgt 6 Tage und nicht zwei Wochen. Was Schwentker schreibt, ist nicht plausibel.

Wenn die Abnahme der Neuinfektionen nur eine Woche statt zwei Wochen früher einsetzt, dann hätten wir genau das Zeitfenster, das man als Wirkung der Maßnahmen erwarten würde.

Besorg einfach die Originaldaten, auf die Du Dich beziehen willst, und ich schau mir die Sache nochmals an. Das müsste eine Verlaufskurve oder ein Diagramm sein.

Kleine Einführung in die Sprachphilosphie: Wenn jemand behauptet, er habe "neue Zahlen", dann ist das Wort Zahl keine Zahl. Zahlen sind 1 oder 2 oder 3,5 oder 1294 .... das sind Zahlen. Das Wort "Zahlen" aber sind keine Zahlen. Zweitens, wenn jemand behauptet. ein anderer habe dies und das gesagt, dann ist das kein Beweis dafür, dass der andere das tatsächlich gesagt hat. Für mich sehen die zitierten Zeilen so aus, als ob Schwentker Aussagen einfach erfindet. Vielleicht ist das aber nur eine Zusammenfassung und der Autor präsentiert im weiteren Verlauf (den wir hier nicht sehen können) für seine Behauptungen tatsächlich Belege. In dem Auszug, den Norbert präsentiert, sind aber keine Belege.
in dem sie für ihre offiziellen Zahlen der Infizierten nicht mehr den Termin der verifizierten Bestätigung nach dem Erfassungs-und Bearbeitungsvorgang, sondern den hochgerechneten vorherigen Infektionstermin zugrunde legten.
Prima. Dann erklär doch dem Publikum und mir:
(1) Wozu eine neue Berechnungsmethode angewandt wurde bzw. wieso die neuen Werte mehr oder weniger verlässlich sind?
(2) Was ändert sich dadurch?

Trump doch die Fakten beiseite.
Welche Fakten? Du musst deinen Standpunkt besser erklären. Ich verstehe im Moment nicht, worauf Du hinaus willst.

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Norbert von Thule
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Re: Eckball

Beitrag von Norbert von Thule » 11.05.2020, 17:47

Glaubst* du eigentlich, ich schreib hier nur Scheiße rein?

Tabelle (mit Quelle)

Bild

_____

*
Bild
Mutti sagt: "Aber dass, wenn wir dieses Vertrauen nicht mehr haben, dass Landräte, Bürgermeister und Gesundheitsämter gut arbeiten, dann, ja, dann können wir einpacken. Das ist dann nicht unsere Bundesrepublik Deutschland."

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 11.05.2020, 20:03

Danke für die Zahlen!

Falls ich den Björn Schwentker zu Unrecht angegriffen habe, bitte ich dies zu entschuldigen und ziehe die diesbezüglichen Äußerungen zurück. Offensichtlich hat er nicht selbst die Unwahrheit gesagt, sondern nur die Aussagen anderer zitiert. Allerdings würde man sich eine kritischere Berichterstattung anstatt nur die Wiedergabe von offiziellen Verlautbarungen wünschen. Mit Studium von VWL und Physik müsste er dazu eigentlich in der Lage sein.

Also, fassen wir mal die Befunde anhand der neuen Berechnung (blaue Linie des Diagramms) zusammen:

- wenn man Großveranstaltungen (9. März) verbietet, dann ändert sich wenig.
- wenn man Kindertagesstätten und Schulen schließt (16. März), dann sinkt die Infektionsrate deutlich.

Das würde bedeuten, dass die einzig wirksame Maßnahme bisher die Schließung von Kitas und Schulen war. DAS IST DOCH EIN ERGEBNIS! Ich frage mich nur, warum dann Schulen und Kitas jetzt wieder öffnen. Wozu machen wir den ganzen Statistikkram, wenn wir eh nichts daraus lernen?


[SORRY, NOCHMALS EIN NACHTRAG: Meine ganze Kritik hin oder her ..... hier hat man auf jeden Fall mal eine Statistik, die eine Schlußfolgerung zuläßt. Super!!
Aber jetzt lese ich gerade, dass viele Wissenschaftler reihenweise umfallen und jetzt alle Maßnahmen für Kokolores halten. https://www.welt.de/politik/deutschland ... droht.html

Meine Güte nochmal, wozu brauchen wir den ganzen Wissenschaftskram, wenn die nicht in der Lage sind, eine klare Aussage methodisch ordentlich zu erarbeiten, zu kommunizieren und auch zu ihrer Meinung zu stehen. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die Maßnahmen in der damaligen - völlig neuen - Situation richtig waren und die Statistik dem auch recht gibt ..... der Abstieg nach einer zunächst exponentiellen Entwicklung muss ja durch irgendetwas begründet sein.
Was diesen Schwentker betrifft: ein bisschen mehr Mühe und dann die Kracherschlagzeile "Schulschließungen senken Infektionen" .... das wäre journalistisch proper gewesen. "Neue Daten, neue Bewertung" ... das ist doch Schlaftablette. Mir scheint, auch der hatte nicht so recht Bock, was Ordentliches zu fabrizieren.


Anfragen an die Methode

Meldedatum
Wenn ein Arzt die Diagnose stellt, ist das ein objektiver Wert. Die Ansteckung selbst wird in der folgenden Analyse indirekt erschlossen, ist also nicht ohne Weiteres objektiv, "tatsächlich" oder "realistisch".
Nowcast
Das englische Wort nowcast bedeutet auf deutsch "Vorhersage". So wie Wettervorhersage. Die Aufgabe der Neuberechnung ist allerdings keine Vorhersage, sondern ein besseres Verständnis vergangener Geschehnisse. Wahrscheinlich wurde der Begriff nur deshalb gewählt, um den Bürger mit Fremdwörtern zu beeindrucken.
Im Nowcast berechnet das RKI, wann (der Infizierte) tatsächlich erkrankt ist
Das ist nicht "tatsächlich", sondern nur eine Schätzung aufgrund unklarer Annahmen. Eine Schätzung ist eine Schätzung und Tatsache ist Tatsache. Eine Schätzung ist keine Tatsache.
Dieses Datum liegt mehrere Tage bis Wochen vor dem Meldedatum.
Tage bis Wochen ist ein recht unscharfer Zeitraum. Wie kann man aus solch vagen Daten etwas Konkretes berechnen?
Zusätzlich ergänzt das RKI den Meldeverzug durch eine Schätzung.
Also eine Schätzung. Kleine Anmerkung von mir: halbwegs plausibel erscheint ein Meldeverzug von zehn Tagen = 6 Tage Inkubation, 2 Tage zum Arzt, 2 Tage Meldung ans Gesundheitsamt und RKI.

Nachtrag: Ich bin mir unsicher, ob der Meldeverzug die richtige Formel darstellt bzw. welche Variablen in diese Berechnung eingehen müssen. Oben habe ich geschrieben, dass das serielle Intervall die Inkubationszeit unterschreiten kann. Das trägt dem Umstand Rechnung, dass jemand einen anderen anstecken kann, bevor bei ihm Symptome auftauchen. Wenn das serielle Intervall kurz ist, dann stimmt womöglich die ganze Rückwärts-Rechnerei nicht. Sorry - zu behaupten, die "neuen" Daten seien "tatsächlich" oder "realistischer", kann man durchaus auch infrage stellen.

Der Nowcast wird mit einem Zeitverzug von 3 Tagen berechnet, damit die Schätzung stabil ist.
Ziel ist nicht, dass die Schätzung stabil ist, sondern dass sie zutreffend ist. Stabilität ist ein Nonsens-Kriterium und kann deshalb nicht zur Begründung der Methode angewandt werden.

Nachtrag: Manche Kritikpunkte ergeben sich vielleicht daraus, dass die Verlautbarung nicht direkt vom RKI stammt, sondern Schwentker irgendwie versucht, dem Laien etwas zu vermitteln. Die Erklärungen sind aber unpräzise. Man kann sich, gerade auch als Laie, nicht wirklich einen Reim darauf machen. wie das jetzt berechnet wurde. Ich vermute zum Beispiel, dass mit den "3 Tagen" irgendein Aggregationsverfahren zur Kurvenglättung gemeint ist. Teilnehmer eines Anfängerkurses Statistik wissen, was ich meine. Hier von "stabiler" Schätzung zu reden, ist eine Wortwahl, mit welcher die meisten Leser überhaupt nichts anfangen können. "stabil" ..... hm. Vielleicht schreibt Schwentker aber auch über Dinge, die er selbst nicht versteht.


NACHTRAG 2: jemand hat mir mittlerweile den 3tägigen Zeitverzug des Nowcast erklärt. Die warten drei Tage ab, bis sie ihre Schätzung durchführen, damit sie stabil ist. Das macht immer noch keinen Sinn. Denn der Meldeverzug könnte ja auch länger sein, so dass die Daten über einen Zeitraum von 3 Tagen hinaus zu korrigieren sind. Das gibt die Legende ja selbst zu "kann Tage bis Wochen vor dem Meldedatum liegen." Abgesehen davon: dass sie die eingehenden Daten nicht sofort verarbeiten, sondern Stunden bist Tage vergehen, ist doch banal. Letztendlich verändert diese Satz nichts am Informationsgehalt und ist auch kein besonderes Gütekriterium. Das ist in etwa so, wie wenn ich von meiner letzten Wanderung erzähle und sage "und dabei hatte ich eine Hose an." Ja klar, was anderes hätte man sich auch nicht vorgestellt. Sorry, man wird weiterhin glauben, in solch einem Text müsste doch alles stimmen und einer wie ich sei bloß ein Störenfried. Ich bin mir aber sicher, unter euch gibt es einen Einzelhandelskaufmann, einen Techniker ... Leute, die es gewohnt ist, Dinge genau nachzuprüfen. Es geht nicht nur um Sprache. es geht darum, ob Sprache etwas Vernünftiges ausdrückt oder dies nur vorgibt.


Das Diagramm
Bei den hohen Meldedaten (gelb) würde man bei der blauen Linie statt einer Spitze ein Plateau erwarten. Selbst wenn man die o. g. Nowcast-Berechnung gelten lässt und zustimmt, dass die Daten zeitlich früher angesetzt werden müssen, müsste die daraus resultierende Kurve dennoch anders aussehen als in dem o. g. Diagramm.

Nachtrag: Die benutzte Grafik ist nicht gut. ANMERKUNG: Quelle NDR data .... was soll das bedeuten? Dass ein Fernsehsender irgendwelche Diagramme zusammenfummelt??? Kein Wunder, dass das so mies ausschaut. Die ursprünglichen Daten für die gelbe Linie, für jeden Tag aufgeschlüsselt und visuell ansprechend gestaltet, sind hier zu finden, zweites Schaubild https://de.wikipedia.org/wiki/COVID-19- ... eutschland .

Also sorry, aber die Grafik und die Legende erscheinen mir so, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das irgendein Profi erstellt hat geschweige denn eine Behörde wie das RKI. Ein Grafik-Profi im wissenschaftlichen Bereich hätte zum Beispiel die Querlinien rausgemacht, weil die von der eigentlichen Botschaft, nämlich dem Verlauf, ablenken.




Zum Mutti-Bild
Auf diesen Quatsch muss ich nicht eingehen.

Glaubst* du eigentlich, ich schreib hier nur Scheiße rein?
Du zitierst nur, was ein anderer schreibt.
Zuletzt geändert von Montrose am 15.05.2020, 15:41, insgesamt 7-mal geändert.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 12.05.2020, 01:19

Jetzt muss ich hier doch mal eine separate Anmerkung zur Quellenlage machen.

Klickt man °Quelle" an bei Norberts Posting, dann erscheint:

"Diejenigen, die entweder zu dumm oder zu faul sind zum googeln..."

Und dann erscheint als Eingabe "Björn Schwendtker Corona Neue Daten".Tatsächlich lässt sich aus diesen EIngaben nicht eindeutig der Artikel und das Schaubild ableiten.
Norbert gibt keine eindeutige website als Quelle an.

Wenn ich nicht zu dumm oder zu faul zum googeln bin, dann suche ich nach "corona neue daten", aber ich suche nicht nach Björn Schwentker, denn der ist überhaupt kein maßgeblicher Experte auf diesem Gebiet. Es ist eine Irreführung, wenn man die Meinung eines Journalisten als wissenschaftliche Fakten ausgibt. Mit dieser Methode kann man die Leute auf jede x-beliebige fake news website lotsen.

Mir sind Zweifel gekommen, weil Grafik und Erklärung des Schaubildes nicht dem Niveau einer professionellen Publikation entsprechen.

Glaubst* du eigentlich, ich schreib hier nur Scheiße rein?
Nun, was würdest Du denn auf diese Frage antworten?

Ist das die Methode Laschet?


Oder nur eine Falle, um dann ---tata--- die richtige Quelle später dann doch noch darzulegen .... ups ist doch vom RKI .... und dann mich dumm dastehen zu lassen.
Kinderkram.....

Norbert, schreib doch einfach mal mehr eigenes anstatt nur Zitate reinzustellen. Was denkst Du über die Sache? Welche eigenen Argumente fallen dir ein?

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Norbert von Thule
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Re: Eckball

Beitrag von Norbert von Thule » 12.05.2020, 07:26

Meine Tabelle:

Bild

Mein Mist dazu:

Bild
Ich sage: "Aber dass, wenn wir dieses Vertrauen nicht mehr haben, dass der Präsident von Veytal e.V. gut arbeitet, dann, ja, dann können wir einpacken. Das ist dann nicht unsere Veytaler Ritterschaft."

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 12.05.2020, 08:08

*Daumen hoch*

DAS ... IST ... UNSER ... PRÄSIDENT!!!!!!

:sheildsmile :sheildsmile :king :bud :sheildsmile :sheildsmile

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 15.05.2020, 14:14

Jetzt sollen nach dem Willen der SPD *Daumen runter* auch noch die Steuern steigen. Dafür, dass wir das Land mit den höchsten Abgaben weltweit sind, ist das dreist. Was habt ihr Politiker denn mit dem Geld gemacht, dass wir euch bisher in den Rachen geworfen haben?

Da man nicht weiß, was wird, hab ich mir heute ein Paar Luxus-Schuhe und eine Stretchhose gekauft. Ich würde auch euch raten, nicht alles für eine Zukunft zu sparen, in der euer Erspartes womöglich gar nichts mehr wert sein wird. Und sicherlich hilft es den Händlern über die Krise, wenn man bei ihnen einkauft.

Für Gäste, die hier mitlesen, möchte ich das Bild mit unserem Präsidenten noch genauer erläutern. Was er da anhat, ist seine Kampfkleidung. Die trägt er, wenn er auf Kriegspfad ist. Ich denke schon länger darüber nach, wie seine Gala-Uniform aussehen müsste. Wenn James T. Kirk vom Raumschiff Enterprise zu einer offiziellen Regierungsparty eingeladen wird, trägt er ja auch nicht seinen Pullover. Die Rüstung usw. sieht richtig beeindruckend aus, keine Frage! Was ich meinte: der Hochadel lief nicht nur damit rum. Feiste Bürger und Adelige ohne Rüstung sieht man zu selten auf MA-Märkten Die Kopfbedeckung der deutsch-preussischen Nobilität zierte ein Wuschel. Ich weiß noch nicht, wie das Fachwort dafür lautet. Ich habe es nur auf Bilder gesehen. ABER: mittlerweile habe ich nach mehrstündigen Recherchen den Rohstoff dazu gefunden.

https://fischbach-miller.shop/Pferdesch ... weiss.html

Laut Internet kann man das nach Belieben einfärben.


Nachtrag : Hier ein videoclip, wie der preußische Wuschel aussieht. https://www.youtube.com/watch?v=REMuzFmOb9k
Die gezeigte Parade fand in Chile statt, weil die Preußen nach dem WK ausgewiesen wurden und dann alle mit einem U-Boot nach Südamerika gefahren sind.
Besonders schön ist die Choreographie ab 1:09, wenn der Stabträger im Vordergrund mit schnellerem Schritt sich an die Spitze der Truppe setzt.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 18.05.2020, 05:00

Jetzt muss ich doch nochmals auf die Tabellen zu Corona eingehen. In dem thread "Allgemein":"Corona" haben wir endlich einmal ein vernünftiges Diagramm. Ohne vernünftige Daten braucht man nämlich gar nicht erst anfangen zu diskutieren!

Wenn man das Diagramm in "Allgemein":"Corona" nimmt, so gibt es zwei Klassen von Daten: (1) solche, von denen man das Erkrankungsdatum kennt (blau) und (2) solche, von denen man nur das Meldedatum kennt (gelb). ENTWEDER man schaut sich nur die Fälle an, von denen man das Erkrankungsdatum weiß und geht davon aus, dass die Daten bei Personen mit Meldeverzug prinzipiell sich ähnlich verhalten. Dann hätten wir

- eine deutliche Abnahme ab dem 17. März
- ab dem 11. März ist ein niedriges Niveau erreicht und die Kurve läuft flach aus.
- erstaunlicherweise trotz fehlenden Meldeverzugs immer noch eine regelhafte Zu- bzw. Abnahme zu bestimmten Wochentagen. Das sind diese Wellen.

Um die Wirkung von Maßnahmen abzuschätzen, ist nicht der Erkrankungsbeginn, sondern der Zeitpunkt der Infektion maßgeblich. Die Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und Erkrankungsdatum) wird vom RKI nach wie vor mit einem Median von 5-6 Tagen angegeben https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/N ... 2bodyText7 Der Median ist kein gutes Maß, der Mittelwert wäre besser. Eine ältere Zeitungsmeldung berichtet von 5 Tagen https://www.mdr.de/wissen/corona-inkuba ... h-100.html. Man müsste also die Infektion 5 Tage vor dem Erkrankungsbeginn ansetzen.

Daraus ergibt sich
- eine deutliche Abnahme ab dem 12. März
- ab dem 6. April ist ein niedriges Niveau erreicht und die Kurve läuft flach aus.
- erstaunlicherweise trotz fehlenden Meldeverzugs immer noch eine regelhafte Zu- bzw. Abnahme zu bestimmten Wochentagen. Das sind diese Wellen.


Jetzt vergleichen wir diese Daten mit den Daten der Maßnahmen (obige "Nowcast"-Tabelle):
9. März Verbot von Großveranstaltungen
16. März Schulen zu
23. März Kontaktsperre

Daraus folgt als Interpretation:

## Das Verbot von Großveranstaltungen (9. März) war offensichtlich wirksam.
Meine obige Behauptung, die Schließung von Schulen sei ausschlaggebend, beruhte auf diesen fragwürdigen Angaben des "Nowcast". Im "Nowcast" war die Inkubationszeit noch nicht berücksichtigt.

## Vor dem 6. April gab es einen zweiten Einfluss, welcher die Neuinfektionen nochmals verminderte.

## Anscheinend gibt es bestimmte Tage, in denen die Menschen besonders anfällig waren (was sollte der Grund dafür sein?) oder aber (was wahrscheinlicher ist), auch in den Daten zum Erkrankungsbeginn ist eine Fehlerquelle der Art, dass am Wochenende weniger Leute zum Arzt gehen. D. h. die Daten zum Erkrankungsbeginn sind wahrscheinlich nicht ganz zuverlässig.

ODER die andere Herangehensweise ist, die Fälle mit Meldeverzug hinzuzunehmen. Dazu braucht man einen durchschnittlichen Meldeverzug, also eine Anzahl Tage, die man vor Meldung abzieht. Mal so nebenbei etwas klugscheißern: in den jüngsten Tagen ist der prozentuale Anteil von Meldedaten an den Gesamtdaten höher als an früheren Tagen. D. h., die Erfassung ist seit Mitte April ungenauer geworden. Wie ist das zu erklären? Das Diagramm ist diesbezüglich in der jetzigen Form nicht interpretierbar, weil Daten mit und ohne Meldeverzug zu Säulen aufaddiert werden. Das ist, wie wenn man Äpfel und Lampenschirme zusammenzählt ... was soll die Summe bedeuten? Der Kurvenverlauf der gesamten Säulen (blau + gelb) macht überhaupt keinen Sinn. Man müsste von den gelben Daten mit Meldeverzug einen durchschnittlichen Wert des Meldeverzugs vom Datum abziehen, und diesen Wert jeweils an dem berechneten - zurückliegenden - Tag auf die blaue Säule setzen. So in etwa hätte man dann wahrscheinlich (ich schätze das aus dem Diagramm pi mal Daumen): Ein Hoch kurz vor dem 17.3., ein leichtes Abnehmen (Plateauphase) bis etwa Ende März/Anfang April und dann nochmals einen Abstieg. M.E. könnte das Plateau erklären, warum die Regierung weitere Maßnahmen wie Kontaktsperre nachgeschoben hat - weil es mit dem Ergebnis der bisherigen Maßnahme nicht zufrieden war.

SO sieht das aus, wenn man vernünftige Zahlen hat und diese betrachtet. Da braucht man andere Leute nicht anzugreifen oder irgendwelchen (Verschwörungs?)theorien nachzuhängen. Umgekehrt zeigt sich, dass man durch schlechte Daten in völlig unnütze Diskussionen verfällt und eine Menge Zeit verplempert. Gute Daten sind wichtig, aber noch nicht alles. Wenn einer eine Grafik hinstellt, so muss er auch erklären, was da passiert. Ihr kennt das sicherlich von der Schule.... in Erdkunde legte der Lehrer Zahlen für eine Region vor und die Schüler mussten dann erklären, was in der Region passiert.

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Re: Eckball

Beitrag von Norbert von Thule » 18.05.2020, 10:26

Montrose hat geschrieben:Daraus folgt als Interpretation:

## Das Verbot von Großveranstaltungen (9. März) war offensichtlich wirksam.
Das gibt der Kurvenverlauf mit den danach unverändert ansteigenden Infektionszahlen nun wirklich nicht her.

Bild

Was man ablesen kann: Die Kurve hat ihren Höhepunkt vor dem Kontaktverbot überschritten und sank bereits, als es verhängt wurde.
Außer den Wochenenddellen durch verschobene Krankmeldungen gibt es keinerlei signifikante Einkerbungen, die Erfolge von Maßnahmen anzeigen würden (gegenüber einem Normalverlauf).
Der insgesamt milde Verlauf in Deutschland gegenüber den Mitbewerbern lässt sich auf den überproportionalen Fleiß der Deutschen bei der Ausrottung von Schadenszaubern durch die Hexenverfolgung im Mittelalter zurückführen.
Der Ausschlag zum Sinkflug der Ansteckungskurve läßt sich genau terminieren. Es war der Tag, an dem sich unser Zauberer Magus Antonius angeboten hat, das Seinige zu tun, die Drangsal von uns zu nehmen.

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Re: Eckball

Beitrag von Montrose » 18.05.2020, 19:01

Das gibt der Kurvenverlauf mit den danach unverändert ansteigenden Infektionszahlen nun wirklich nicht her.
STOPP, FALSCHE WORTWAHL! Der Kurvenverlauf gibt laut Legende nicht die Infektionszahlen, sondern die Erkrankungszahlen wider. blau = Erkrankungsdatum. Das ist ein Unterschied. Die Erkrankung ist, wenn sich erste Krankheitssymptome zeigen. Die Infektion ist, wenn das Virus eindringt. Zwischen Infektion und dem Ausbruch der Krankheit liegen durchschnittlich 5 Tage Inkubationszeit (siehe link oben). Also ist der Tag mit den höchsten Infektionszahlen der 12.3. (17.3. abzüglich 5 Tage).

Da ist immer noch eine Lücke von 3 Tagen bis zum 9.3., dem Verbot der Großveranstaltungen. Der Punkt ist, dass Personen, die sich vor dem 9.3. angesteckt haben, noch 5 Tage später, also am 13.3., eine Erkrankung ausbilden konnten. Das konnte durch ein Verbot der Großveranstaltungen nicht mehr gestoppt werden, denn die Infektion war ja bereits erfolgt. 8 Tage nach Verbot von Großveranstaltungen setzte die Wende ein. Und das ist genau das Zeitfenster, das man erwartet: 3 Tage Wirkungsverzug + 5 Tage Inkubationszeit.
Außer den Wochenenddellen durch verschobene Krankmeldungen gibt es keinerlei signifikante Einkerbungen, die Erfolge von Maßnahmen anzeigen würden (gegenüber einem Normalverlauf).
In dem link, denn du hier reinstellst, kommt das Wort Normalverlauf nicht vor. Deine Literaturstelle bezieht sich auf eine bakterielle Erkrankung. Deine Literaturstelle macht weder Angaben darüber, ob die Patienten isoliert wurden (was bei einer Durchfallserkrankung wahrscheinlich ist) noch, inwiefern der Verlauf auf eine virale Krankheit übertragbar ist. Das Diagramm in dem link kann demnach kein Beleg dafür sein, dass Corona einfach spontan verschwindet.

Keine signifikanten Einkerbungen .... nun, du siehst aber schon, dass da eine Spitze ist und dass es rechts davon abwärts geht?
Was man ablesen kann: Die Kurve hat ihren Höhepunkt vor dem Kontaktverbot überschritten und sank bereits, als es verhängt wurde.
Die Kurve sank, nachdem sie ihren Höhepunkt überschritten hatte, sehr langsam. Man sieht noch am 3. April hohe Erkrankungszahlen. Was also hätte die Regierung machen sollen? Einfach abwarten? Es ist doch naheliegend, dass man etwas ausprobiert, um die Zahlen runterzudrücken.
Es war der Tag, an dem sich unser Zauberer Magus Antonius angeboten hat, das Seinige zu tun, die Drangsal von uns zu nehmen.
Was tust du dem Mann Schreckliches an? Er wird sich vor Nachfragen nicht mehr retten können.
Zuletzt geändert von Montrose am 18.05.2020, 20:52, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Eckball

Beitrag von Norbert von Thule » 18.05.2020, 20:48

Das RKI rechnet mit dem "seriellen Intervall", das ein Erkrankter braucht, um den nächsten krankzumachen, 4 Tage. Mit deinen 8 Tagen inclusive "Wirkungsverzug" (?) ist schon der Übernächste krank. In die Kurve läßt sich also mitnichten eine Wirkung der Absage von Großveranstaltungen reinrechnen.

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