LARP-Out

Was geht im Mittelalter?

LARP-Out

Beitragvon Norbert von Thule » 06.05.2018, 18:07

Nach Burn-Out und Bore-Out jetzt auch: LARP-Out

Karsten Zingsheim hat geschrieben:
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LARP-Out – Wenn mehr als nur die Luft raus ist…

LARP ist unser liebstes Hobby. Viele LARPer definieren sich darüber. Doch wie kann es dazu kommen, dass das schönste Hobby der Welt plötzlich keinen Spaß mehr macht? Schlimmer, zu einer Belastung wird? Sozialstress, der Weg zum LARP-Out.

Der Begriff LARP-Out ist eine Anlehnung an das mittlerweile als eigenständig akzeptierte Krankheitsbild Burn-Out. In diesem Artikel möchte ich Tipps und Techniken zum Erkennen und Vermeiden von Burn-Out auf das LARP-Out, wenn das eigene Hobby zur Belastung wird, übertragen.

Was ist LARP-Out?

LARP-Out habe ich das Phänomen benannt, das ich an mir selbst beobachtete. Ich wachte eines Tages während einer Veranstaltung in meinem Zelt auf und war raus. Ich konnte nicht mehr. Ich wollte nicht mehr. Diese Erkenntnis war erschreckend, da ich mich doch selber als LARPer definiere. Es fühlte sich an, als ob mein Erwachsenen-Ich auf mich herabblickte und zu mir sagte: „Was machst du hier? Bist du nicht ein wenig zu alt für Räuber und Gendarm? Solltest du nicht besser echte Menschen kennenlernen als Charaktere?“ Während ich haderte, hörte ich von draußen, wie ein Ritual abgehalten wurde, und es war mir peinlich. Das mache ich? Das mache ich wirklich? Immersion war nicht mehr vorhanden. Ich war raus. LARP-Out.

Wie kommt es zu einem LARP-Out?

Beruflich beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Burn-Out. Mit ein wenig Abstand habe ich Parallelen zwischen meinem LARP-Out und Burn-Out finden können. In diesem Abschnitt beschreibe ich mögliche Stufen zum LARP-Out in Anlehnung an das Zwölf-Phasen-Modell nach Freudenberger und North.

Drang nach Anerkennung und übertriebener Ehrgeiz

LARP erfüllt uns mit einer großen Begeisterung, jedoch besteht die Gefahr der Überforderung. Durchbastelte Nächte vor einer Veranstaltung – noch eben das Kleid zu Ende nähen, noch eben die Schriftrolle schreiben usw. –, viele von uns werden das kennen. Wenn wir dann das Produkt unserer Schlaflosigkeit präsentieren, dann wollen wir auch gelobt werden, verdammt!

Übertriebene Leistungsbereitschaft

Vor der Veranstaltung:

Um den eigenen Ansprüchen zu genügen, wird noch mehr Energie aufgebracht. Vielleicht möchte man nicht nur den eigenen Ansprüchen, sondern auch den Ansprüchen der Community Genüge tun. Gewandungen werden zu einem Status-Wettrüsten. Wer nicht mithalten kann, wird trotzdem ernst genommen? Im Larper-Ning werden schlechte Gewandungen vernichtend kritisiert. Möchte ich, dass das meiner Gewandung geschieht? Möchte ich nicht! Also wird mehr Geld investiert oder eine weitere Nachtschicht.

Während der Veranstaltung:

Auch kann es geschehen, dass der Charakter irgendwann zu einem „Häuptling“, einem Anführer wird. Trage ich dann nicht auch Verantwortung für meine Untergebenen? Muss ich nicht dafür sorgen, dass diese auch Spaß haben? Immerhin erlauben sie mir, ihr Häuptling zu sein. Um ehrlich zu sein brauchen die Mitspieler meine Hilfe: Zwanzig Plotstränge? Jemand muss doch die Übersicht behalten! Die Spieler verlassen sich darauf, dass ich das hinbekomme! Wenn nicht ich, wer dann?

Nach der Veranstaltung:

Nach dem LARP ist vor dem LARP. Selbstverständlich muss ich erst einmal den Daheimgebliebenen von der Veranstaltung erzählen und allen für ihr tolles Spiel danken. Ich möchte ja nicht undankbar sein. Auch hilft es mir, über den „Bleed“ nach einer Veranstaltung hinwegzukommen. Natürlich müssen die Leute auch wissen, welche großartigen Szenen ich spielen durfte, und ich muss natürlich die zarten Bande neuer Kontakte pflegen. Drei Anfragen, ob ich nicht auf jenes oder dieses Event kommen möchte – ich habe doch bestimmt irgendwo noch ein freies Wochenende, oder? Dann gilt es, die Fotos zu sondieren. Ich habe es mal wieder nicht auf ein Foto geschafft? Das muss an meiner Gewandung liegen. Nachtschicht!

Ausblenden der eigenen Bedürfnisse

LARP ist der Urlaub vom eigenen Ich. Mein Ich braucht Schlaf und regelmäßige Nahrung, mein Charakter nicht. Vier Stunden Schlaf müssen da einfach reichen. Ich bin hier ja nicht im Urlaub! Es gilt, das Böse zu bekämpfen. Nikotin beruhigt die Nerven, Koffein bringt mich über den Tag.

Verzerrte Wahrnehmung der Realität

Das, was mir einmal wichtig war, hat keinen so hohen Stellenwert mehr für mich. Freundschaften und Veranstaltungen, die vorher eher Entlastung waren, werden nun mehr als Belastung empfunden. Wenn das Hobby zu viel Platz im Leben einnimmt, dann sind Probleme in der Beziehung und auf der Arbeit vorprogrammiert.

Ausblenden von ersten Beschwerden

Soziale und Berufliche Probleme häufen sich im Leben. Auch körperliche (Rücken und Gelenkschmerz) sowie psychische Beschwerden (Müdigkeit und Ängste) setzen ein. Jedoch werden diese Probleme ignoriert und ihnen kaum Beachtung geschenkt.

Rückzugsphase

Computerspiele/MMORPGs dienen häufig zur Ablenkung. Nicht-LARPer werden als Bedrohung angesehen und als überfordernd empfunden. Über was soll ich mit denen denn reden?

Beratungsresistenz baut sich auf

Kritik wird als Angriff auf die eigene Persönlichkeit empfunden. Es fällt sehr schwer, mit Kritik sachlich umzugehen. Es ist ein Leben von Wochenende zu Wochenende, von Veranstaltung zu Veranstaltung.

Entfremdung

Ich lebe, um zu LARPen. Der Terminkalender wird fremdbestimmt, da ich mittlerweile in fünf Kampagnen bin. Natürlich habe ich überall Schlüsselpositionen. Ich muss da hin, meine Gruppe verlässt sich auf mich! Ich habe doch keine andere Wahl!

Innere Leere

Jeder Tag ist ein Kampf, der mich immer mehr zermürbt. Zum beruflichem Stress kommt auch noch der soziale Stress. Schlaflosigkeit und Übermüdung, auch unter der Woche, sind die Folgen. Mitunter versuche ich meine Probleme mit Kauftouren und Fressorgien zu bewältigen.

Depressionen/LARP-Out

Dauerhafte Verzweiflung und Niedergeschlagenheit stellen sich ein. Die andauernde geistige und körperliche Müdigkeit lähmt und beeinflusst das gesamte Leben: Das Immunsystem ist geschwächt, die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Magen-Darm-Leiden steigt erheblich. Ich falle beruflich regelmäßig aus, da ich krank bin.


Wie erreiche ich mein LARP-Out am effektivsten?

LARP-Karriere first!

Investiere alles, für mehr Erfahrungspunkte! In deiner Zeit- und Lebensplanung sollte das Hobby oberste Priorität genießen. Verausgabe dich so stark, dass nach dem Abenteuer keine Energie mehr für Familie oder die Arbeit bleibt. (Andere Hobbys habe ich hier ausgespart, die gibt es eh nicht, außer es ist Brettchen weben für die nächste Gewandung.)

Exzessive Selbstkritik bringt dich zu Perfektion!

Pflege dein Gefühl der Unfähigkeit. Am besten täglich, nein stündlich! Die freundlichen Trolle in den Social-Media-Kanälen helfen dir dabei. Fehler sind unverzeihlich. Jeder, der dir zu mehr Ruhe rät, möchte dich nur überflügeln.

Sei immer in allem der Beste!

Wenn du weniger als 120% gibst, dann hast du nicht genug für dein Hobby getan. Deine Ziele müssen so utopisch gesetzt sein, dass du sie realistisch nie erreichen wirst.

Sag immer zu allen „Ja“!

Du wirst gebraucht! Lass niemanden hängen! Selbst dann nicht, wenn du andere Dinge dafür liegen lassen musst, wie z. B. dein Mittagessen. Denk daran: Auch mit einem noch so freundlichen „Nein“ riskierst du Freundschaften und, noch viel schlimmer, Charaktertode!

Sport und gesunde Ernährung braucht ein echter LARPer nicht!

Seien wir mal ehrlich: Zeltplanen schleppen, Palisaden bauen und dann fünf Tage in einer Rüstung herumrennen ist doch Sport genug! Wenn ich mich auf einem Con mit Dosenravioli über Wasser halten kann, dann sollte das auch für die restlichen Tage funktionieren. (Wie bekomme ich ambientig eine Pizza geliefert? Die gab es doch auch schon im Mittelalter, oder?)


Wie kann ich einem LARP-Out vorbeugen?

Nimm dir Zeit für deine Grundbedürfnisse: ausreichend Schlaf, gesundes Essen und eine regelmäßige Dusche.
Trolle trollen – mach dein Ding. Lerne deine Grenze kennen, und diese Grenze ist dann auch O.K. Du musst dich nicht für deine Grenzen rechtfertigen.
Auch auf Con regelmäßig kleine Pausen einlegen. Wenn du Rückzug brauchst, nimm ihn dir. Du musst nicht immer die Welt retten, es macht auch Spaß, dabei zu helfen. LARPe in deinem Tempo.
Du LARPst doch für dich und nicht für andere, oder? Dann lob dich mal selbst.


Bring dir selbst und deinen Leistungen Wertschätzung entgegen. Auch wenn deine Gewandung nicht perfekt ist, immerhin hast du sie selber gemacht! Das ist die Einstellung, die es wertzuschätzen gilt. Tolle Sachen kaufen ist da einfach.
Beruf, LARP und Sozialleben ausbalancieren, andere Hobbys pflegen, soziale Kontakte zu Menschen aufbauen, die nicht LARPen.
Angemessenes körperliches Training, Bewegung und Sport. Vielleicht in einem Verein?
Ohne Schuldgefühle „Nein“ sagen lernen. Du wirst merken, dass es mit jedem Mal leichter wird und die meisten Menschen nicht wirklich um ein „Nein“ böse sind.


Biologische Faktoren von Stress

Ein LARP bedeutet Stress. Stress bedeutet Adrenalin. Stress, der zwar Spaß macht, aber nichtsdestotrotz Stress ist. Historisch gesehen, war Stress immer mit körperlicher Arbeit verbunden. Vereinfacht gesagt entstand er, wenn wir uns zwischen Kämpfen oder Wegrennen entscheiden mussten. Durch Stress fahren die Organe ihre Leistung zurück, die wir für den Kampf nicht brauchen. Daher sind wir auf LARPs selten hungrig.

In der Steinzeit war der Stress eher kurz. Entweder man erlegte Nahrung oder wurde zu Nahrung. Um das System wieder in den Normalzustand zu bringen, kommt das Hormon Cortisol ins Spiel. Es beruhigt das durch Stress gestörte System. Leider kann dieser Prozess Stunden bis Tage dauern, so dass wir auch unter der Woche noch Stresssymptome zeigen können. Das Wochenende, das zur Erholung von der Arbeit dient, wird also nicht genutzt, um den Adrenalinpegel zu senken.

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Re: LARP-Out

Beitragvon Norbert von Thule » 06.05.2018, 19:05

Wir werden hier nicht die Empfehlungen von Karsten Zingsheim teilen, wir empfehlen bei LARP-Out:

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Re: LARP-Out

Beitragvon Montrose » 06.05.2018, 21:53

Eine prima Idee. Kann ich nur empfehlen!  :D


Das Bundesministerium warnt allerdings vor der Einnahme von Montroson.  

Häufige Nebenwirkungen sind

- Desorientierung (plötzlich steht man auf einem matschigen Acker, wo gar nichts ist.)
- Wahn ("Hier muß irgendwo das Lager von Julius Caesar gestanden haben.")
- Halluzinationen ("Ich habe in Eschweiler die Hexe gesehen.")
- Größenvorstellungen ("Ich bin der einzig wahre Kulturphilosoph.")
- Körpersymptome (aus irgendeinem Grund hängt die Hose immer in den Kniekehlen. Dagegen habe ich noch kein Gegenmittel gefunden.)

Die gleichen Probleme können auch bei einem bekifften Hip-Hopper auftreten. Allerdings hören diese bei einem Hip-Hopper von alleine wieder auf.
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Re: LARP-Out

Beitragvon Magus Antonius » 07.05.2018, 07:37

Wird sofort in den Medizinischen Notfallkoffer eingefügt!!!

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