Vikimania 31.01.15 Tongeren

Was geht woanders?
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Norbert von Thule
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Vikimania 31.01.15 Tongeren

Beitrag von Norbert von Thule » 03.02.2015, 21:47

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Unten: die Uchronia.
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Links oben: Odin (der mit der Augenklappe) und die Götter gehen mit der Zeit, rechts oben: Die ewig gestrigen Statisten tragen einen toten Helden im Walhalla-Dress.

Zum Wesentlichen - die Schilde:

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Was die "Rundrune" bedeutet? Es ist das Logo von Sponsor Jaga (Heizkörperhersteller):

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Und damit nicht genug, auch beim großen Finale vom brennenden Schiff blinkt die Reklame als Elmsfeuer mit:

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Norbert von Thule
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Re: Vikimania 31.01.15 Tongeren

Beitrag von Norbert von Thule » 06.02.2015, 16:17

Noch ein Video vom "Viking Festival Tongeren" auf YouTube, starring:

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... und nochmal zum Wesentlichen, der Schildbemalung:

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Das unkommerzielle Design vereinigt in heraldischer Viertelung Abendland (Mond) und Morgenland (Sonne) mittels einer keltischen Pferdekopfswastika und setzt so ein starkes Zeichen für Toleranz und Völkerverständigung:


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Vrouwe van Lafelt
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Re: Vikimania 31.01.15 Tongeren

Beitrag von Vrouwe van Lafelt » 06.02.2015, 19:08

Thilo!!! 8)

war ein geiles wochenden..uber die show sprechen wir nicht..niemand ubrigens... :ban
true freedom lies in the heart

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Norbert von Thule
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Wikingertreff in Polen

Beitrag von Norbert von Thule » 22.10.2017, 10:36

Der Spiegel hat geschrieben:
Wikingertreff in Polen

Neonazis unter Nordmännern

Tausende Wikingerfans kommen jedes Jahr in den polnischen Ort Wolin. Neben Axt und Helm sind dort jedoch immer häufiger rechte Symbole zu sehen - Neonazis mischen sich unter die Nordmänner.

von Maik Baumgärtner und Max Holscher

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Im frühen Mittelalter war der polnische Ort Wolin ein bedeutender Handelsplatz. Auf der gleichnamigen Ostseeinsel, neben Usedom gelegen, vertrieben die Wikinger an dieser Stelle Waren wie Nahrungsmittel und Metalle. Inzwischen findet man dort ein Freilichtmuseum, gefördert von Staat und Europäischer Union.

Die rauen Nordmänner faszinieren. So kommen schon seit Jahren Tausende an einem Wochenende zum Slawen- und Wikingerzentrum nach Wolin, um dort das frühmittelalterliche Leben der Nordmänner nachzuspielen. Das Museum wird dann zu einer der größten frühmittelalterlichen Living-History-Veranstaltungen Europas.
Eine Siedlung mit Hafen wurde schon vor Jahren nach historischen Plänen rekonstruiert, genau wie ein historischer Palisadenwall zum Schutz des Ortes. Die meisten der 20.000 Besucher sind Geschichtsfans, sie kommen wegen des Events.
Doch zunehmend reisen nun Neonazis an.

Fotostrecke

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Oben: Tausende Wikingerfans kommen jedes Jahr in den polnischen Ort Wolin - wie am vergangenen Wochenende. Wolin war im frühen Mittelalter ein bedeutender Handelsplatz für die Nordmänner. Inzwischen findet man dort ein Freilichtmuseum, gefördert von Staat und Europäischer Union. Eine Siedlung mit Hafen wurde schon vor Jahren nach historischen Plänen rekonstruiert, genau wie ein historischer Palisadenwall zum Schutz des Ortes.
Unten: Das Freilichtmuseum wird bei dem Treffen zu einer der größten frühmittelalterlichen Living-History-Veranstaltungen Europas. Eine der Hauptattraktionen sind die martialischen Kämpfe.

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Oben links: In den vergangenen Jahren mischten sich vermehrt Neonazis unter die Wikingerfans: Ein Besucher trägt einen Pullover mit der bei rechtsextremen beliebten Kleidungsmarke "Thor Steinar".
Oben Mitte: Bei Gürteln und Bändern an Verkaufsständen sind die Hakenkreuze omnipräsent.
Oben rechts: Das T-Shirt zeigt die Figuren der amerikanischen Serie "Die Simpsons", allerdings mit dem in Deutschland verbotenen Keltenkreuz und der ebenfalls verbotenen Odalrune. Der Runenschriftzug bedeutet "Slawjanski Sojus", also slawischer Bund. Dabei handelt es sich um eine Neonazi-Organisation aus Russland, die 2010 verboten wurde.
Unten links: Besucher mit einem T-Shirt der neonazistischen polnischen Gruppe "White Boys Wielkopolska".
Unten Mitte: Hakenkreuze auf Perlen an einem Festivalstand.
Unten rechts: Eine Frau trägt eine Kette mit Hakenkreuzen.

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Oben links: Bei der in den Achtzigerjahren gegründeten Organisation "Blood and Honour" handelt es sich um ein internationales neonazistisches Musiknetzwerk. Ein Besucher trägt ein Shirt der polnischen Sektion Lublin.
Oben Mitte: In Deutschland wurde die Organisation im Jahr 2000 verboten, das Zeigen der Symbole ist strafbar. "Bart and Homer" statt "Blood and Honour" ist ein Versuch, sich zu bekennen und dabei dennoch nicht strafbar zu machen.
Unten links: Hakenkreuze auf der Kleidung eines Darstellers.
Unten rechts: Wikingermotiv mit rechtem Gedankengut gemischt: Das Motiv der Bekleidungsmarke "Thor Steinar".
Rechts: Angebot eines Schmuckstands: Es reicht von Symbolen der extremen Rechten - etwa der "Schwarzen Sonne" oben links im Bild - bis hin zu weiteren Hakenkreuz-Variationen.


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Oben links: "Anti Daesh - Europe against Islam": Antiislamische Propaganda ist eines der wichtigsten Themen der extremen Rechten.
Oben Mitte: Mit dem Tattoo "NSBM" bekennt sich der Träger zum "nationalsozialistischen Black-Metal". Die 14 steht für ein codiertes Bekenntnis zur "weißen Rasse". Das T-Shirt ist von den "Russlanddeutschen Wölfen", einem Ableger der nationalistischen russischen Rockergruppe "Night Wolves".
Unten links: Ein Hakenkreuz-Schild
Unten Mitte: Die russische Bekleidungsmarke "Svastone" fordert auf ihren T-Shirts ein "White Europe". Viele Motive bestehen aus vermeintlich heidnischen und nationalistischen Elementen. Hier eine Basecap mit dem Logo der Marke.
Rechts: Hakenkreuze tauchen in vielen Variationen auf: Wie zum Beispiel auf Schilden oder Standarten.


Auf T-Shirts stellen sie ihre Symbole offen zur Schau, Hakenkreuze und andere nationalsozialistische Zeichen sind zu sehen. Zum Dresscode gehören
Kleidungsmarken wie Thor Steinar und Symbole der in Deutschland verbotenen Organisation "Blood and Honour". Rechte Zeichen vermischen sich mit Wikingerkult: Das belegen Bilder des Treffens vom vergangenen Wochenende, die dem SPIEGEL vorliegen.
Besonders auffällig: Die Vielzahl der Hakenkreuze auf Schilden, Fahnen und Ketten. "Dafür gibt es kein unmittelbares historisches Vorbild", sagt Karl Banghard. Er leitet das Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen in Nordrhein-Westfalen und hat sich intensiv mit der Verbindung von Wikingern und Rechtsextremen auseinandergesetzt.
Natürlich seien bei archäologischen Ausgrabungen solche Symbole gefunden worden - das sei aber eher selten gewesen. "Es gab keine Hakenkreuz-Schilde - und schon gar nicht in dieser Vielzahl", sagt er. Das habe nichts mit der Wirklichkeit zu tun, sondern sei ein Alibi der rechten Szene. Jeder bringe das Hakenkreuz doch heute mit der Zeit des Nationalsozialismus in Verbindung. "Wenn die Besucher diese Zeichen tragen, hat das eine Aussage über ihre Affinität", sagt Banghard.
Neonazis und Wikinger - für viele Besucher ist dieser fließende Übergang merkwürdig. Es sei ein komisches Gefühl, auf dem Gelände unterwegs zu sein, sagt ein Besucher, der anonym bleiben möchte. "Einerseits ist es so ein nettes und interessantes Event, und dann kommt das Erschrecken über die offen gezeigten Nazisymbole." Insbesondere die vielen Varianten von Hakenkreuzen hätten ihn irritiert.
Die Zahl der Rechtsextremen habe im Vergleich zu den vergangenen Jahren noch einmal zugenommen, sagt ein anderer Besucher des Wikinger-Treffens. Angesichts deren Präsenz "bleibe einem die Spucke weg", sagte er dem SPIEGEL.
Nicht nur Neonazis aus Deutschland reisen für das Treffen nach Polen - es ist international beliebt: Anhänger der verbotenen russischen Gruppe "Slawjanski Sojus" waren vor Ort, genau wie die der rechtsextremen Organisation "Radykalnie Poludnie" aus Polen.
Doch warum sind die Wikinger so faszinierend für die extrem rechte Szene?
Dafür gebe es ein ganzes Bündel von Gründen, sagt Museumsleiter Banghard. Die großen Wissenslücken in dem Bereich machten das Bild der Geschichte besonders formbar. "In eine Epoche, zu der ich nicht viel weiß, kann ich viel hineinprojizieren", sagt er. Das biete für politische Deutungen nahezu unbegrenzte Möglichkeiten der Manipulation und damit Alternativen zur verhassten Moderne.
"Die Wikingerzeit ist für die Neonazis eine Art trojanisches Pferd, mit dem sie versuchen, die rechte Propaganda in die Mitte der Gesellschaft zu ziehen", sagt Banghard. Geschichte liefere eine Antwort auf die Frage, wie es zu unserer heutigen Gesellschaft gekommen ist. "Ich kann deshalb effektiv und unterschwellig politisch agitieren, wenn ich Geschichte in meinem Sinn erzähle", sagt Banghard.
Entsprechende Versuche gab es schon zu NS-Zeiten: An der Wikingersiedlung Haithabu in Schleswig-Holstein fanden archäologische Grabungen statt. Die Schirmherrschaft übernahm Heinrich Himmler persönlich. Germanische Hinterlassenschaften galten den Nazis geradezu als Heiligtümer, als Zeugnisse arischer Frühzeit, die den angeblichen Anspruch auf Weltherrschaft begründete.
Auch in der Neonazi-Szene ist der Kult um die Wikinger nicht neu. Die späteren Mitglieder des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) interessierten sich für den Wikinger- und Germanenkult: Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe besuchte im Sommer 1997 ein vom "Thüringer Heimatschutz" ausgerichtetes "Wikingerfest". Auf dem Programm: Axt werfen, Hinkelstein tragen und Met in Strömen.
Museumsleiter Banghard beobachtet die aktuelle Entwicklung mit Sorge: Der Auftritt von Neonazis habe auf solchen Events deutlich zugenommen. Etwa auch in Ungarn. Er sieht dabei eine Verbindung zu den konservativen Nationalregierungen der Länder, die solche Events und die Besuche rechter Gruppen auf dem Museumsgelände tolerierten: "Da entsteht eine neue Nationalesoterik."

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